15. Juni 2016

Noch mal kleine Nachhilfe für die Blauen

Wieder hält die Polizei Radler auf der Fahrbahn an, um sie auf den Gehweg zu schicken. Diesmal traf es Radfahrer der Naturfreunde, die den Vorfall so schildern: 

Anfang Mai radelte eine Gruppe
die Hofener Straße entlang. Ein Teil der Gruppe fuhr nicht auf dem Gehweg, der für Radler freigegeben ist, sondern auf der Fahrbahn. Ein Fahrzeug des Städtischen Vollzugsdiensts kam der Gruppe entgegen und gestikulierte die Forderung, dass sie auf den Gehweg müssten.

Die Radler negierten mit verneinenden Gesten. Das Fahrzeug drehte um und winkte die Radlergruppe mit der Kelle an den Straßenrand.
Nach Darstellung der Naturfreunde ließ der Fahrer keinen Widerspruch gelten und vertrat autoritär die Ansicht, die Radler müssten auf dem Gehweg fahren. Argumente wie, das sei kein Radweg, schon gar kein benutzungspflichtiger, sondern ein Gehweg, der für Radler nur freigegeben ist, drangen nicht durch. Offenbar fühlte sich der Beamte durch die Argumente sogar angegriffen und drohte mit Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Die Naturfreunde schreiben in ihrem Extrablatt Kettenblatt, er habe dann die Personalien der Radfahrer aufgenommen, um eine Anzeige wegen Nichtbenutzung des Radwegs zu machen. Seinen Namen wollte er nicht herausrücken, den könnten sie dann auf der Anzeige lesen.

Stress pur für Fußgänger. Radler fahren besser
auf der Fahrbahn. (Hofener Str.)
Den werden die Radler der Naturfreunde aber niemals zu sehen bekommen, denn ein Anzeige ist in dem Fall nicht möglich. Das wird man dem erregten Beamten sicher inzwischen erklärt haben.

Das ist in kurzer Zeit der zweite Fall, von dem ich Kenntnis erlangt habe, wo ein Beamter, der sich als Verkehrsüberwacher geriert, Radfahrer vehement auffordert, einen freigegebenen Gehweg als verpflichtenden Radweg zu betrachten und zu benutzen. Mir scheint, da haben etliche Beamte in Stuttgart doch noch einigen Schulungsbedarf. Einige wirken wie Normalautorfahrer, die sich über Radler auf der Fahrbahn ärgern und sie auf den Gehweg verbannen wollen. Nur dass Städtische Vollzugsbeamte oder Beamte der Hundestaffel sich nicht aufs Hupen beschränken, sondern die Radler anhalten und dazu auffordern. Sie befinden sich dennoch im Irrtum. Und es wirkt auf Radfahrende dann doch eher so, als gehe es den Ordnungskräften darum, Radfahrende von den Fahrbahnen zu scheuchen, damit Autos freie Fahrt haben. Ein solcher Eindruck ist nicht gut.
Viele Radfahrende könnten sich nämlich andere mit ähnlicher Leidenschaft ausgeführte Aktionen vorstellen, die mehr im Sinn von Radfahrenden und einer Radverkehrsförderung wären.



Kommentare:

  1. Ich würde sofort die Polizei rufen, und der angebliche Polizist ist verpflichtet seinen Dienstausweis auf Verlangen vorzuzeigen - könnte ja ein Spaßvogel im Kostüm sein.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. :-) Ich auch. Aber das "ich würde" ist halt so eine Sache. So eine Szene erzeugt Stress, man hat eigentlich gar keine Zeit, man will ja wohin, man ist ziemlich brüsk aus einer Alltagssituation geholt worden und muss sich erst einmal orientieren. Auf einen so absurden Streit ist man ja gar nicht eingestellt. Die Naturfreunde haben sich ja hier nicht einschüchtern lassen, aber ich kann denken, dass viele weniger gut informierte Radfahrende zunächst einmal verunsichert, womöglich eingeschüchtert sind. In den beiden Fällen, von denen mir berichtet wurde, waren die Radler durchaus bestens informiert und dennoch bei dem Zur-Rede-Stellen durch Beamte in Uniform nicht total cool. Ich stelle mir auch vor, dass ich in so einer Situation leicht amüsiert und völlig ruhig nach der Polizei rufen würde. Zumindest wäre der Beamte nicht davongekommen, ohne seinen Namen zu nennen. Kommunikation kann ja nicht einseitig so laufen, dass der eine meine Namen herausfordert, seinen aber nicht sagt. Aber wer weiß , wie viel Zeit, Geduld und Gelassenheit ich hätte, wenn es mir tatsächlich passiert.

      Löschen
    2. Ich denke man geht in einem solchen Fall meist den Weg des geringsten Widerstands und denkt "lass ihn schwätzen", fährt diesmal auf dem Gehweg weiter und das nächste mal wieder auf der Straße. Wer hat schon Lust auf Ärger, zumal noch mit der Polizei? (selbst wenn man sich hier im Recht weiß)

      Löschen
  2. Ich würde sofort die Polizei rufen, und der angebliche Polizist ist verpflichtet seinen Dienstausweis auf Verlangen vorzuzeigen - könnte ja ein Spaßvogel im Kostüm sein.

    AntwortenLöschen
  3. Erfahrungsgemäß erfolgen derartige Handlungen der städtischen Büttel unter Gewaltandrohung, sei es durch Körpersprache,verbal oder durch konkrete Tätlichkeiten, z.B. Rammversuche mit KFZ.

    Aus Cassius Clay wurde auch irgendwann Muhammad Ali.

    AntwortenLöschen
  4. Ich könnte mich schwarzärgern über so etwas!
    Hier in Stuttgart gibt es viel zu viele solcher
    freigegebenen Gehwege. Und sie werden von der
    Stadt auch noch als Radwege verkauft!

    Wenn ich morgens zur Arbeit radle, sind da
    mittlerweile sehr viele andere Radler unterwegs.
    Wir müssen uns mit den Fußgängern die engen
    Wege teilen und nebenan an gibt es zwei Spuren
    Fahrbahn, auf der kaum Verkehr herrscht!

    Mein Fahrrad ist für mich Verkehrsmittel. Ich
    möchte damit schnell von A nach B kommen.
    Ich fahre nicht spazieren und ich möchte
    mich auch nicht im Schritttempo durch Fußgänger
    schlängeln. Wenn ich mich also an die Regeln halte
    und den Geh- und Radweg benutze schimpfen mich die
    Fußgänger als rücksichtslos, wenn ich die Fahrbahn
    nehme weil Gehweg nur freigegeben, werde ich angehupt
    und bedrängt und bin das rollende Verkehrshindernis.

    Das einzige auf das ich mich verlassen kann:
    Kampfradler bin ich in jedem Fall!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir bösen Fußgänger... wenn sich aber ein Kind unerwartet von unserer Hand losreißt seid ihr die ersten die laut losbrüllen. Kampfradler, stimmt allemal. Leider -.-

      Löschen
    2. Eben, wir Radfahrende wollen nicht auf Gehwegen fahren. Ich will den Fußgängern mit ihren Kindern und Hunden nicht ständig diesen Stress bereiten. Fußgänger müssen ein Recht haben, irgendwo entspannt gehen zu können!!!!! Eine gute Radförderpoltik ist auch eine gute Fußgängerpolitik. Allerdings müssen uns die Nicht-Radler, die Fußgänger sind, auch unterstützen. Wenn wir Radler für Radstreifen und Platz auf Fahrbahnen kämpfen (und dafür Parkplätze und Abbiegespuren wegfallen), dürfen wir nicht immer alleine da stehen, sondern brauchen die Unterstützung aller anderen auch. Es ist sehr schwierig, in Stuttgart, Radspuren (also Fahrbahnradeln) gegen die Autoparteien durchzusetzen.

      Löschen
    3. Lieber Anonymus von 9:23 Uhr: Ich fahre, wenn es geht, nicht auf solchen Gehwegen, sondern oft auf der Fahrbahn daneben. Ja, es gibt Autofahrer die hupen, aber nach meiner Erfahrung sind es Ausnahmen. Die meisten Autofahrer verhalten sich rücksichtsvoll und vorsichtig. Ich finde es auch elend, dass wir in Stuttgart Radler so oft auf freigegebene Gehwege abdrängen, und ich finde unsere Fußgänger/innen haben eine Engelsgeduld mit uns Radlern, zum Beispiel auf dem Neckardamm oder im Schlossgarten. Für die ist das überhaupt nicht lustig, wenn sie von surrenden Radlern umschwirrt werden, und jeder unbedachte Seitenschritt zu einer Kollision führen könnte. Und sie, die Fußgänger, haben gar keine andere Wahl als uns zu akzeptieren. Sie haben noch weniger Wahl als wir, die wir auf der Fahrbahn oder eben nicht durch den Schlossgarten fahren können. Das sollten wir uns ab und zu klar machen.

      Löschen
    4. Ich möchte hier nicht gegen Fußgänger schimpfen.
      Ich kann es absolut nachvollziehen, wie stressig es ist
      mit Kind an der Hand und dann noch von Radfahrern umkurvt.
      Und natürlich fahre ich langsam und passe auf!
      Aber es geht mir darum, dass es nicht sein kann, dass Fußgänger und Radfahrer so oft sich die Wege teilen müssen!
      Den wenn ich einen Geh- und Radweg habe, so muss ich den als
      Radler benutzen! Das sollte sich der Fußgänger auch mal bewusst werden.
      Ich fahre hier nicht um Fußgänger zu ärgern, sondern weil ich es muss!!!

      Freigegebene Fußwege befahre ich nicht! Muss ich ja auch nicht. Hier hab ich aber wiederum das Problem, das viele (Autofahrer) sie für Radwege halten und mich abdrängen und anhupen.

      Mein Beispiel von oben bezog sich auf einen Fuß- und Radweg. Den ich nutzen muss, obwohl ich gut auf der Straße fahren könnte.

      Löschen
  5. Es stimmt, aber, dass das Gehwege sind! Daran hat sich auch ein Fahrradfahrer zu halten und Rücksicht auf Fußgänger zu nehmen. Ärgerlich, wie Fahrradfahrer immer wieder meinen nur sie wären im Recht, sonst keiner. Manchmal seid ihr wirklich wie die Pest!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Radfahrende müssen nicht auf diesen Gehwegen fahren. Wenn sie es tun, dürfen sie Fußgänger nicht wegklingeln. Das wissen leider viele Radler nicht. Andererseits sehen viele Radler für sich keine andere Möglichkeit, weil sie Angst vor der Konfrontation mit dem Auto auf der Fahrbahn haben. Wie wäre es, wenn ihr zu Fuß Gehenden ein bisschen für uns und Radstreifen auf der Fahrbahn kämpft. Wir brauchen die Unterstützung. Wir Fußgänger und Radfahrer müssten besser zusammenhalten, damit das Auto (und sein Parkplatzbedarf) nicht immer gewinnt.

      Löschen
  6. Ich wurde in Saarbrücken auch schon mal von einem Polizisten angehalten. Da fuhr ich auch auf der Fahrbahn statt auf dem freigegebenen Gehweg. Allerdings gab der Beamte nach einer kurzen Diskussion auf.
    Ich habe nichts weiter getan, abgesehen davon, dass ich das Video online gestellt habe.
    https://youtu.be/Yop87xvJ6WY?t=4m35s

    AntwortenLöschen
  7. Städtische Vollzugsbeamte? Die sind in erster Linie für den ruhenden Verkehr zuständig und für die Einhaltung der Verbote auf von einfahrtsbeschränkten Straßen (Feld-, Waldweg, Fußgängerzonen). In den fließenden Verkehr dürfen sie nur in absoluten Ausnahmesituationen eingreifen und sind letztlich verpflichtet, sofort die "richtige Polizei" hinzuzuziehen.

    Würde ich von solchen Beamten angehalten werden, würde ich nicht einmal meine Personalien angeben, sondern um sofortige Hinzuziehung der richtigen Polizei bitten, notfalls selbst anrufen.

    AntwortenLöschen
  8. Das Verhalten dieser Herrschaften trifft doch wirklich eine recht klassische und sachliche Definition des Wortes "Idiot." Daher würde mich interessieren, ob diese Idioten zurechtgewiesen wurden?! Gesetze sind auch dafür da, den Bürger vor dem Staat zu schützen, gerade wenn er durch Idioten vertreten wird!!!
    David

    AntwortenLöschen