7. Juli 2016

Da hilft kein Pflaster

Asphalt hält auch nicht ewig. Aber Pflaster aus hübschen Steinen verträgt sich gar nicht mit Autoverkehr. Auf der Kreuzung im sogenannten Mischverkehrsbereich der Tübinger Straße beim Gerber kann man auch sehen, woran es liegt. 

Der schwere Geradeausverkehr der Autos schadet nicht, aber dort, wo Autofahrer abbiegen und einbiegen, drehen die Reifen die kleinen Platten gegeneinander und irgendwann auch raus. Hier entstehen Gefahren für Fußgänger und Radfahrer.


Man sieht, dass die Kanten bereits abgesplittert sind. Hier drehen die Reifen die Platten permanent aus der Verankerung. Unter den Reifen eines Fahrrads, das hier drüber fährt, klappern sie. Außerdem heben sich am Gulli bereits die Kanten hoch.

Ein Pflasterstein fehlt hier schon ganz und ist nach der bewährten (eher nicht so bewährten) Manier der Stadt mit Asphalt ausgefüllt worden. Auch hier klappern die Steine. Die Steine liegen nicht mehr plan, sie kippen, sie heben sich an einer Seite, sie wackeln.
Es entwickeln sich kleine, kaum sichtbare Hindernisse (Spalten und hochstehende Borde) für Radfahrende, die zu Stürzen führen können, wenn man schräg drauf kommt. Bei Regen ist diese Steinfläche ohnehin unangenehm glatt. Man muss beim Kurvenfahren aufpassen.


Wie so etwas nach vielen Jahren aussieht, kann man auf der Kronprinzenstraße schön sehen. Eine Hoppelpiste sondergleichen. Hier wird jetzt das Pflaster renoviert, das von vielen Autos und Lastwagen zertrümmert wurde, die hier drauf fahren, um Stände aufzubauen und so weiter.

Ein Architekt und Stadtplaner (aus einer anderen Stadt) hat mir kürzlich erzählt, dass es äußerst schiwerig ist, Schmuckpflaster zu finden, das den Gewichten und den Drehkräften von Autoreifen standhält. Was diese Kräfte tatsächlich am besten aushält, ist das klassische Kopfsteinpflaster, das im Halbkreis um Handwerker gelegt wurde. Kopfsteinpflasterstraßen sind zwar für Radfahrer Horror, aber sie halten über Jahrhunderte.

Dieses Foto zeigt Kopfsteinpflaster in Friedrichshafen. Ein Bereich wurde sogar geglättet für Kinderwagen und Rollatoren. Sehr gut.

Hier in der Tübinger Straße hat man aus gutem Grund Pflaster gelegt. Es soll Autofahrern zeigen, dass hier Fußgänger und Radfahrende die gleichen Rechte haben wie Autos. Der Geradeausweg ist allerdings asphaltiert. Unnötigerweise, denn hier gibt es kaum Dreh-Belastungen durch Autos, und es signalisiert den Fußgängern: Bleib weg, das ist Autostraße.

Für Radfahrende ist genau das ein großer Vorteil auf ihrer Hauptradroute 1 durch die Stadt, denn Fußgänger passen besser auf, wenn sie den Asphalt betreten. Sie gucken vorher. Radler müssen sich nicht durch so viele Fußgänger schlängen. Die Mischverkehrsidee ist damit (zum Glück für Radler) gescheitert.

Am besten, man sperrt die Tübinger Straße zwischen Paulinenbrücke und Rotebühlplatz endlich ganz für Autos.

Mal ganz abgesehen davon, was den Radfahrenden nützen würde, diesem Straßenabschnitt täte es ungeheuer gut, wenn hier gar keine Autos mehr rein, durch und raus fahren würden und auch keinerlei Autos mehr an den Rändern zwischen Bänken und Radbügeln mehr parken würden. Der Handel könnte sich dazu beglückwünschen, wenn das hier Fußgängerzone würde. So aber funktioniert nichts so richtig und keiner fühlt sich hier wirklich wohl, weder Radler noch Fußgänger noch Autofahrer. Allerdings müsste man dann für die Hauptradroute 1 als Pendlerweg längs durchs Tal einen anderen Verlauf finden, etwa längs der B 14. Da gibt es ja genügend Spuren.

Kommentare:

  1. Ich habe zeitweilig auch schon mal den Mischverkehrsbereich auf die Probe gestellt: wenn der mittige, asphaltierte Bereich wieder einmal durch ein-/ausparkende Autos blockiert war, bin ich über die außen liegenden Bereiche ausgewichen.
    Ging erstaunlich gut, zum einen schneller und die Fußgänger haben die Funktionsweise des Shared-Space wohl verstanden - hier gab es keine Probleme.

    Ist das nur mir aufgefallen oder verschiebt sich die Platzwahl der Falschparker nun - aufgrund der Stadtmöblierung und vielleicht auch der Kontrollen - vom vorderen, zugestellten Bereich hin zum freien Abschnitt Christoph- bis Sophienstraße?

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    1. Sie parken jetzt auch gern in diesen Kreuzungen. Merke: Autofahrer stellen ihre Fahrzeuge überall ab, wo sie eine freie Fläche sehen, egal, ob sie dürfen oder nicht. Sie stehen in diesem Bereich jetzt halt nur woanders. Glücklich macht die Situation in diesem Abschnitt der Tübinger Straße nicht. Dürfte auch die Ladenbesitzer nicht glücklich machen, denn wo sich Autos durchschieben, bleiben die Fußgänger weg. Aber das muss Stuttgart anscheinend noch lernen.

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    2. Bezüglich der unglücklichen Ladenbesitzer: am Beispiel des Merit-Hotels oder des Friseur Salon auf Höhe des Hacienda, in beiden Fällen stehen häufig Autos der jeweiligen Klientel direkt vor den Gebäuden, als ob diese von den Ladenbesitzer dazu ermutig werden - hier könnte man doch ansetzen?

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    3. Woher weißt du, dass die Fahrer/innen dieser Autos beim Friseur sind. Ich vermute, viel von denen sitzen im Restaurant und möchten den Blick auf ihr Auto behalten. Gegen diese Parkerei hilft eigentlich gar nichts, außer stündlichen Kontrollen jeden Tag. Dann wird es auch den Reichen zu teuer, die diese Boliden fahren. Wir haben in Stuttgart ein enormes Kontrolldefizit. Kontrolle ist aber ziemlich teuer, man braucht ja Unmengen Personal, wo wie das in Stuttgart aussieht.

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  2. Och, woher ich das weiß: Manchmal kommt man ja in der Tübinger Straße nicht all zu schnell voran, z.B. wenn vor einem ein Auto zu Schau gefahren wird, dann hat man genügend Zeit/Sicherheit auch mal nach rechts und links zu schauen und damit ergibt sich mitunter auch, dass man sieht, woher so manch Falschparker kam. Beim Hotel ergibt sich der Zusammenhang denke ich über die internationalen Kennzeichen der direkt davor geparkten Karossen.

    Auch die Stuttgarter Zeitung hat schon darüber berichtet, wie Frau Öney (damals Integrationsministerin) für ihren Friseurbesuch dort frei parken durfte.

    Ich denke auch mehr Kontrollen (hoffentlich sind die nicht Pandora's Box) könnte ein Lösungsansatz sein - die wären ja auch nur die logische Konsequenz der letzten Neuerungen.
    Denn momentan haben wir jede Menge neue Ideen/Versuche und damit auch neue Regeln, jedoch hat wohl keiner der Obigen darüber nachgedacht, wie diese letztlich umgesetzt werden sollen - mit mehr oder weniger zuversichtlichen Meldungen oder neuen Megaschilder und auf freiwilliger Basis sowie für ein Miteinander kommt man in Stuttgart ja nicht voran.

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