5. Juli 2016

Degerloch schottet sich gegen Radler ab

Nach Bauarbeiten wurde nach diesem Schild (Gehweg, Radfahrer absteigen) die Radfreigabe für den Gehweg entlang der Oberen Weinsteige nicht wieder aufgestellt. Damit ist das Radeln auf dem Gehweg nicht mehr erlaubt.

Einer von zwei Zugängen nach Degerloch ist nun gekappt für alle, Neue Weinsteige und die Alte Weinsteige heraufgekommen. Die Alternativroute über die Josefstraße ist unzumutbar steil (siehe Karte unten).


Radfahrende, die die Alte Weinsteige heraufkommen, werden hinter der Tankstelle auf den Gehweg gebeten, der für sie freigemacht wurde.

Man möchte sich hier auch nicht gern einen Platz auf der Fahrbahn erkämpfen. Die hat zwar zwei Spuren, aber auf der rechten fahren schwere LkW Richtung Autobahn. Ich fahre durchaus gern auf Fahrbahnen und ungern auf Gehwegen, aber hier ist mir der Schwerlastverkehr zu dominant, den ich übrigens auch im ersten Gang hinter mir aufhalten möchte.

An der Fußgängerampel zur Karl-Pfaff-Straße, sollen Radfahrende absteigen (das Schild ist allerdings keines der StVO, aber das Gehwegzeichen sagt genau dasselbe). Vor dem Umbau durfte man danach wieder aufsteigen. Jetzt nicht mehr. Wohin also? Wie ein Fußgänger über die Ampel und dann die steile Karl-Pfaff-Straße hinauf? Nee. Zudem ist drüben der Gehweg auch nicht freigegeben (was Autofahrer nicht hindert, ihr Auto dort abzustellen), und die Fahrbahn der Karl-Pfaff-Straße ist ebenfalls nur was für nervenstarke Fahrbahnradler. Und warum sollen Radfahrende eigentlich immer die steilste Version angeboten bekommen, während Autos mäßige Steigungen hochrollen?

Der Gehweg, bisher mit Spitzschutz versehen, wurde jetzt gelichtet. Er besitzt übrigens immer noch das erhöhtes Gitter zum Hang, das man extra für Rad fahrende dort angebracht hat.

Ich vermute, dass man vergessen hat, jenseits der Aufstellfläche an der Fußgängerampel (Radfahrer bitte absteigen) das Fußgängerschild mit der Radfreigabe wieder aufzustellen. Denn oben trifft man auf die alte Radinfrastruktur mit Radzeichen auf der Streuscheibe der Fußgängerampel (unteres Foto) und Radfreigabe des Gehwegs Richtung Sonnenberg.

Und zum Glück sieht man ja auch das Schild  gar nicht, weil es total zugewachsen ist. Hier erweist es sich mal als Vorteil, dass Schilder für Radfahrende oft so aufgehängt, zugewachsen oder von anderen Schildern verdeckt sind, dass man sie nur sieht, wenn man den Hals reckt und sie sucht. Die bessere Lösung wäre allerdings, das Schild "Fußweg - Radfreigabe" wieder aufstellen.



Hier die Karte.




Kommentare:

  1. Die neue Weinsteige ist wirklich ein Härtefall für inklusiven Radverkehr. Ich bin am Freitag nach der critical mass ein Stück im unteren Teil gefahren, und fühlte mich nicht besonders sicher. Einige Autofahrer, die ihren Unmut darüber hinter mir festzuhängen dadurch zum Ausdruck brachten das sie mich knapp oder mit durchgehenden Rädern überholt haben, trugen ihren Teil zu dem Gefühl bei. Ich würde da sicher nicht mit Kind hochfahren wollen.

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    1. Ich bin die schon alleine und zusammen mit zwei anderen hochgeradelt und fand es nicht so stressig, weil die Autos ja zwei Spuren haben und überholen können. Ein Stück bin ich auf dem Gehweg gefahren, musste aber wegen eines geparkten Autos runter. Und da hat doch tatsächlich ein Autofahrer auf der Fahrbahn angehalten, damit ich das tun kann. Wenn Radweg Weinsteige, dann Radweg und wir würden sogar zunächst den Gehweg als gemischent Geh-/Radweg akzeptieren, um herauszufinden, wer eigentlich die Neue Weinsteige hochradelt, wenn es problemlos möglich ist. Unser heutiger Ordnungsbürgermeister Schairer hat 2006 bei einem Rad-Event einmal gesagt: Stuttgart ist Fahrradstadt, wenn es auf der Neuen Weinsteige einen Radweg gibt. Der wäre, sage ich, ein Panoramaradweg, den auch Touristen mit Pedelecs wunderbar nutzen könnten.

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  2. Wäre die neue Weinsteige nicht auch dann für die meisten Radelnden abgeschottet, wenn die Gehwege weiterhin freigegeben wären? Schrittgeschwindigkeit fahre zumindest ich nur äußerst ungern. Leider finde ich diese Situation häufig in Vororten und kleinen Städten vor: Entweder auf der Fahrbahn mit sehr schwerem Verkehr fahren - oder im Schritttempo auf dem Gehweg. Solche Orte besuche versuche ich auf dem Rad zu vermeiden.

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    1. Die neue Weinsteige bietet derzeit am Anfang nur die Fahrbahn an, weil die nicht freigegebenen Gehwege zugeparkt sind. Später bietet sie einen Geh-/und Radweg an. Da muss nicht in Schrittgeschwindigkeit geradelt werden, Fußgänger gibt es fast gar keine. Der ADFC und ich wollten immer einen anständigen Radweg die Neue Weinsteige hinauf, weil sie der direkte Weg aus der Innenstadt nach Degerloch und auf die Fildern ist, der eine mäßige Steigung hat. Ich finde, man kann auch auf der Fahrbahn hochradeln, aber das macht halt niemand. Die Neue Weinsteige ist derzeit sozusagen eine Nicht-Route für Radfahrende, weil man sie sich nur als Autostaße denkt. Die Idee, zunächst einmal einen Gehweg als Radweg auszubauen (auf dem auch Fußgänger unterwegs sind)ist ein Kompromiss, um zu testen, ob die Neue Weinsteige von Radlern angesteuert wird, wenn sie stressfrei hochkommen.

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    2. Also einen gemeinsamen Geh- und Radweg als Test. Find ich in Ordnung.

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  3. Dieselben sind im Amt seit Jahren,
    so gibt es stets das gleiche Gebaren:

    der Radler wurde mal wieder vergessen -
    vielleicht ist einfach der Anspruch vermessen…

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  4. Hallo Christine, ich bin Dir dankbar, dass Du dieses Thema ansprichst! Hoffentlich lässt sich da auch ENDLICH etwas bewegen.

    Ich fahre bei entspr. Wetter mehrmals wöchentlich die Neue Weinsteige hoch und mein Fazit lautet:
    Es kotzt mich an, wie enthirnt und gefährdend sich viele (s.u.) Autofahrer auf dieser Strecke Radfahrern gegenüber verhalten!

    "viele":
    Vom Bopser bis nach Degerloch fahre ich mit meinem "Stadtrennrad" gut 10min. Die Steigung ist optimal, um mit mäßigem Aufwand gut an Höhe zu gewinnen. Daher - wäre der Verkehr nicht - finde ich die Strecke super nach Uptown.
    ABER: Während dieser 10min kommt es NIE vor, dass KEIN Autofahrer mich als Radler in Gefahr bringt:

    1. Wissen manche nicht, dass Radler dort fahren dürfen
    2. Wissen manche nicht, dass man Radler nicht in einem Abstand unter Handreichweite überholen darf - ZUMAL die Tatsache der 2spurigen Streckenführung hier den Autofahrer alles andere als entlastet.

    Wenn es die Ampelschaltung und mein Ehrgeiz zulassen, hole ich mir den ein oder anderen an roten Ampeln, und wenn es am Degerlocher Busbhf ist. Da sieht man dann völlig fassunglose Gesichter. Was dann hin und wieder stattfindet, ist in der Abwägung zwischen Ebendiesem und andereseits der verursachenden Gefährdung meinem Rechtsempfinden nach bzgl. der "Schwere MEINER Schuld" (-im Laufe der Ansprache) vernachlässigbar! Mit viel Geschwurbel will ich sagen: In einer solchen Situation sage ich dann nicht: "Ich möchte Dich einladen, Einblick in meinen Standpunkt zu gewinnen, schenkst Du mir 20 Sekunden?"

    Das kann nicht so bleiben!

    Es muss mindestens eine unmissverständliche, das ohnehin Geltende nochmal wirksam unterstreichende (-dass das möglich ist, zeigt das preisvedächtige Schild "Schiebestrecke" nahe Wilhelma) BESCHILDERUNG her. Dann werden die "Diskussionen" unter Beteiligten auch etwas einfacher.

    Noch besser wäre ein ("eigentlich" unnötiger) Schutzstreifen, denn eines machen die Dinger klar: Die "Norm" des Rechtsfahrgebotes und wie weit rechts man eben auch NICHT fahren muss. (Sitchwort Gullideckel)
    Wären die Verkehrsteilnehmer hormonell ausgeglichener, aufmerksamer und würden als Sahnehäbchen auch noch die Regeln KENNEN (gilt auch für Diesthabende mit wichtigen Mützen und kruden Rechtsauslegungsansichten), wäre dieser ganze Quatsch nicht nötig!

    Es sollte möglich sein, dass man auf einer 2spurigen Innerorts-Strecke durch geeignete Maßnahmen erreicht, dass ALLE Verkehrteilnehmer ohne berechtigte Angst da langfahren können!

    Und ich will da nicht noch 5 Jahre drauf warten!
    Schutzstreifen, Schilder, Autofahrbahn kassieren, scharfe Kontrollen, was auch immer! Da muss was passieren.

    Solange da kein ausdrückliches Radverbot ausgesprochen wird, werde ich da weiterhin hochfahren! Vlt. sollte man mal eine öffentlichkeitswirksame Aktion starten bzgl. dieser Strecke - und wenn nur E-Radler und Steigungsfreudige mitmachen!

    David

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    1. Lieber David, ah, endlich mal einer, der meine Liebe zur Weinsteige teilt und nach Degerloch hoch möchte und auch hoch fährt! Als ich mit dem Blog anfing, hatte ich die Idee, dass wir in kleiner Gruppe sehr regelmäßig die Weinsteige hochradeln müssten. Die Idee des "Fahrrad-Busses" für Berufstätige, die abends hochfahren wollen, hatte ich auch Ende letzten Jahres. Aber ich habe bisher niemanden gefunden, der da regelmäßig mitmacht oder das nötig findet. Radfahrende müssen auf der Weinsteige präsenter werden. Ich bin immer noch bereit, ziemlich regelmäßig dort hochzuradeln, etwa jeden Freitag 17 Uhr (oder wann auch immer du von der Arbeit heimfährst) und andere dazu einzuladen. (Kann mal sein, dass ich an irgendeinem Freitag nicht kann, aber wenn sich eine Gruppe findet ...) Einen Organisator hätte ich auch dafür. Es müssten sich nur fünf Hanseln finden, die da mitmachen. Dann könnten wir damit ab September starten (August sind alle in Urlaub) und irgendwann die Presse dazu einladen.

      Eines möchte ich zur Strecke noch anmerken oder dich fragen. Dir ist schon klar, dass ab dem Hotel ein verpflichtender Radweg auf dem Gehweg beginnt. Hältst du dich daran? Dieses Radweg-Gebot bedeutet ja tatsächlich ein Fahrverbot für Radler auf der Fahrbahn, sofern der Radweg befahrbar ist, was man durchaus an einzelnen Stellen verneinen könnte. (Du kannst mir auch über meine E-Mail (Link Kontakt/Impressum) antworten.)

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    2. Gute Idee. Ich muss da zwar zum Glück fast nie hoch, wäre aber bei einer Aktion dabei. Nur halt nicht jede Woche.

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  5. @Christine:
    Ganz kurz - wo genau verläuft da ein verpflichtender Radweg? Ich bin heute wieder hochgeradelt und habe kein Radwegschild wahrgenommen. Ich war aber auch beschäftigt mit einem Typen, der mich durch Hupen, Auffahren und entspr. Handbewegungen von der Bahn scheuchen wollte. [Was ich schon weiß, er jedoch noch nicht: Er bekommt nächste Woche Besuch.]
    Irgendwo ca. da oben, wo die U-Bahn aus dem Tunnel kommt, beginnt ein Fußweg, der auch für Radler freigegeben ist, oder? Alles davor fällt ja für einen expliziten Radweg aus, da immer zugeparkt. Ich fahre normal alles auf der Straße. Sollte das nicht rechtmäßig sein, müsste ich das wohl ändern. Es gibt m. E. auch gar keinen Anlass, hier Radverkehr verbindlich von der Fahrbahn wegzunehmen, wir sind hier 2spurig innerorts!
    David

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    1. Bringen Anzeigen wegen Nötigung etwas? Es steht ja meist Aussage gegen Aussage, Videobeweis wird nicht akzeptiert?

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    2. Bringen Anzeigen wegen Nötigung etwas? Es steht ja meist Aussage gegen Aussage, Videobeweis wird nicht akzeptiert?

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    3. Das mit einer erfolgreichen Anzeige wird schwierig wg. Zeugensituation. In einer solchen Situation scheint man sich zunächst fast alles gefallen lassen zu müssen!
      Aber die Adresse dieses o. g. Heinis bekomme ich raus. Ab hier kann man dann selbst ggf davon profitieren, dass es auch für andere ohne Zeugen schwierig wird.
      Ich glaube zum "Videobeweis" gibt es überhaupt nichts Einheitliches, wonach man sich richten kann - ausser dass alles Einzelfallentscheidungen sind. Zudem müsste man ja für belastbare Aussagen durch Videoaufnahme vmtl. Hilfslinien ziehen, um Abstände zu ermitteln. Oder einen Entfernungssensor o ä installieren. Mein Fazit: Wo keine Zeugen sind, nehem ich das selbst in die Hand. Ist ja in der Nachbarschaft.
      David

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    4. Immerhin bekommt der wegen Nötigung angezeigte Besuch von dee Polizei. Er merkt, so ein Verhalten hat Konsequenzen. Den Videobeweis kannst der Polizei vorführen. Unter Umständen gilt er vor Gericht.

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  6. PS: Wer von der Stadt wäre eigentlich der geeignete Ansprechpartner, um diese Mißstände einmal deutlich vorzutragen?

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    1. Alle Parteien des Gemeinderats. Denn der entscheidet, wie es Radlern geht. Und leider haben die Grünen ja nicht die Mehrheit. Oder der Bezirksbeirat Degerloch. Wenn die die Frage, was man tun kann, ernsthaft interessiert, dann ruf mich an. Oder schtreibe mir eine Mail.

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  7. Antwort an Anonymus: Der verpflichtende Gehweg-Radweg beginnt beim Hotel. Da steht das blaue Schild.

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    1. Diesen verpflichtenden Radweg bzw das Schild gibt es nicht!

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  8. Ich habe heute mal anlässlich des Artikels meine Einkäufe die neue Weinsteige hochgefahren. Alle Autofahrer waren nett zu mir als ich auf der Fahrbahn war, daher war ich nett zu ihnen und habe oben den freigegebenen Fußweg genommen - könnte mal wieder Grünzeug geschnitten werden. Der Fußweg mit Radfahrer absteigen ist mir unklar, mangels Fußgängern bin ich da durch geradelt. Insgesamt ein angenehmer Aufstieg.

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  9. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  10. Hallo,

    erstmal vielen Dank für deinen Blog - schaue hier ab und zu mal rein und bin beruhigt das ich nicht alleine bin in meinem Stuttgarter Fahrradfahrer Elend.

    Zum Thema Weinsteige: wäre auch sehr für einen Radweg rauf - insbesondere LKWs die mich auf Körperkontakt überholen empfinde ich aufgrund fehlender Knautschzone als recht unangenehm insbesondere da gerne mal Schlaglöcher von der Größe eines S21 Tunnels ab und zu mal einen kleinen Schlenker notwendig machen. Viele der "unangenehmen" Autofahrer möchte ich regelmäßig mal auf mein Rennrad setzen und sie von A nach B fahren lassen - wäre für die meisten wahrscheinlich ein Eye-opener bzw. sie setzen sich nie wieder auf ein Rad vor Angst ;)

    Ich fahre bergauf meistens alternativ (je nachdem wo ich hinwill) das Kaltental hoch oder die Strecke der U15 hoch, wobei bei dieser die Haltestellen suboptimal sind für Rennradreifen :-/
    Bergab gerne auf der neuen WEinsteige, ärger mich da höchstens über zu langsam fahrende Touristen ;)

    Liebäugel schon länger mir ein Radtrikot machen ´zu lassen:
    Vorne: Bild Schrift: ich darf hier fahren
    Hinten: Bild Schrift: Ich darf hier fahren

    Oder auch: Hinten "Bitte Mindestabstand von 1,5m einhalten" mit BIld Auto Fahrrad nebeneinander
    Vorne: siehe ^^^

    Gruss
    Tanja

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    1. ...genau meine Strecken. Es geht auch noch die Alte Weinsteige, da ist man auch recht zügig oben. Aber rein von komfortablen Höhengewinn her ist die Neue Weinsteige sicher am besten. Kaltental zieht sich ewig. 15er-Strecke ist ok aber zieht sich auch. Zudem ginge noch von U Bopster den ganz steilen Weg hoch etwa Ri. Teehaus / Bopserwaldstraße und dann durch den Wald bis zur Ruhbank. Bin übrigens kein hardcore-RR'ler, fahre eines "stadtkompatibel" ohne Klickies, mit Turnschuhen / normalen Schuhen.

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    2. PS: Ein weiterer Shirt-Aufdruck könnte sein: "Bete, dass Dir keine rote Ampel dazwischenkommt, wenn Du mir beim Überholen zu nahe gekommen bist!" OK etwas unhandlich. Diese Ampeln sind nämlich hie und da ein echtes Geschenk! :P

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