1. Juli 2016

Parkplatzsuche - der unterschätzte Verkehr

Wenn ich einen Termin habe, weiß ich immer ganz genau, wie lange ich brauche, um dorthin zu kommen. Ich kann bis auf zwei Minuten genau planen. Denn ich fahre innerhalb von Stuttgart mit dem Fahrrad dorthin.

Ich kann Termine auch kürzer takten, denn im Kessel bin ich in 5 bis 10 Minuten von einem Ort zum anderen geradelt und habe das Rad abgestellt.

Ein Autofahrender muss in Stuttgart dagegen nicht nur mit Stau rechnen, sondern auch Zeit für die Parkplatzsuche oder das Abstellen im Parkhaus einplanen. Das sind in Stuttgart durchschnittlich 10 Minuten (siehe HIER).
Das Schöne beim Radeln: Ich kann bis vor die Ladentür fahren, bis an den Wochenmarkt heran, kann das Rad sogar hineinschieben. Ich kann mein Rad sofort mit den Einkäufen beladen, muss keine Tüten irgendwohin tragen.

Eberhardstraße: Reiner Parkplatzsuchverkehr
Ein Autofahrer legt dagegen pro Parkplatzsuche rund 4,5 km zurück, was Fahrzeugkosten von jeweils 1,35 Euro erzeugt. Die Umwelt wird dabei mit 1,3 kg CO2-Ausstoß belastet. Befragungen durch die APCOA PARKING Group (Stuttgart) haben ergeben, dass rund 30 Prozent der Fahrer in den Innenstädten auf Parkplatzsuche herumkurven. In nur einem einzigen Stadtviertel wird so innerhalb eines Jahres eine Strecke gefahren, die 14 Weltumrundungen mit dem Auto entspricht. 

Autofahrende würden mehr Zeit und Geld sparen, wenn sie immer sofort das nächste Parkhaus ansteuern würden, meint die APCOA-Parking-Groop, die Parkhäuser managt. Parken kostet allerdings auch hier Zeit. Zumal man ja auch noch zum Ziel laufen muss. Ich schätze aus eigener Erfahrung allerdings, dass man  fürs Rein- und Rausfahren aus dem Parkhaus (samt an der Kasse bezahlen und zum Ziel laufen) auch ungefähr zehn Minuten bis eine Viertelstunde pro Autofahrt einrechnen muss.

Der Studie von APCOA zufolge überschätzen Autofahrer übrigens die Kosten für Parkhäuser. Im Jahr 2013 beliefen sie sich auf durchschnittlich 60 Euro im Jahr, was ja nicht viel ist.

Übrigens kosten Parkplätze die Kommunen auch noch ziemlich viel Geld. Nach Angaben des UBA kostet der Bau eines nicht überdachten Parkplatzes 3.000 Euro, der eines Tiefgaragenplatz schon 25.000 Euro. Dazu kommen Folgekosten für Reinigung, Beleuchtung, Beschilderung, Reparatur, Wartung, Versicherung, Marketing und Entwässerungsgbebühren (Quelle: Sagolla). Radabstellanlagen kosten dagegen nur rund 200 Euro (ohne Dach), und auf einen Autostellplatz passen acht Fahrräder.



Kommentare:

  1. Rund um den Synergiepark Vaihingen Möhringen ist in allen Wohngebieten der Parksuchverkehr die dominierende Verkehrsform. Nicht selten warten mehrere Fahrzeuge, wenn ein Anwohner morgens seinen Parkplatz räumt, und es entwickelt sich ein aggressives Gedrängel wer nun die begehrte Lücke erhaschen kann. Die Unternehmen stellen zwar zumeist ihren Mitarbeitern Parkplätze gegen Gebühr bereit, jedoch sind die Wartelisten lang. Consultants, wie die modernen Leiharbeiter mit Firmenwagen die für einen Dienstleister in der Provinz arbeiten und für ihr Projekt weite Strecken zum Kunden fahren gerne beschönigend genannt werden, kommen erst später in die Wohngebiete, und parken dann in Parkverboten, an Kreuzungen, oder sogar vor Einfahrten. Leider hat das Parkraummanagement unseren Stadtteil noch nicht erreicht, und leider konzentriert sich das Ordnungsamt auf Gebiete mit Parkraummanagement.
    Für mich als Radfahrer ergeben sich daraus gefährliche Situationen: wenn ich zwischen einen Suchenden und seinen Parkplatz gerate, werde ich nicht selten bedrängt oder beschimpft. Und die zugeparkten Kreuzungen sind unübersichtlich. Zwar kann ich als 1,94m großer Radfahrer über die meisten Autos blicken, jedoch können dies die Suchenden nicht - sie übersehen mich dann gerne weil sie ihre Augen fest auf mögliche Lücken in der Autoreihe haben "Eine Lücke? Och nee, doch eine Einfahrt".

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    1. Das beobachtet man ja momentan in allen Gebieten, in denen das PRM noch nicht eingeführt ist. Es wird der Stadt nichts anderes übrig bleiben als es überall einzuführen (die Stadtteile fordern das teils auch schon). Und dann muss man es auch massiv kontrollieren. Wir haben sehr lange in Stuttgart Regelverstöße toleriert. Ein Regelbewusstsein zu schaffen, kostet jetzt wieder enorm viel Zeit. Fahr vorsichtig mit deinem Rad.

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    2. Um meine Sicherheit mache ich mir dabei weniger Sorgen, Christine. Aber mein großer wird im Sommer eingeschult, und soll dann selbst mit dem Bike zur Schule fahren - begleitet natürlich. Kinder jedoch werden in zugeparkten Straßen noch schneller übersehen und sie sind zudem zum Gehwegradeln verdonnert, wo sie gerne mal beim abbiegen umgenietet werden.

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    3. Hallo Carsten!
      Ich kann ein Lied davon singen, wie stressig es manchmal sein kann mit Kind und Rad vernünftig zu fahren. Alles ist so vollgeparkt, Kreuzungsbereiche sind zu, vorm Zebrastreifen, vor der Fußgängerampel, alles eng und unübersichtlich. Und wenn man sich dann auch noch an die Regeln halten will (Kind auf dem Gehweg, Mutti auf der Straße) erhöht das schon den Puls. Ich komme mir manchmal wie ein Feldwebel vor, der seine Befehle brüllt. Viele erlebte Situationen waren manches Mal sehr knapp! Oft lasse ich das Kind vor mir auf der Straße radeln, da kann ich wenigstens was sehen!
      An unserer Grundschule ist es den Kindern nicht erlaubt mit dem Rad zu kommen (mehrfach Hinweis bei Elternabenden), auch das Bringen mit dem Rad wird nicht gern gesehen. Soviel dazu.

      Gruß Sandy

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    4. Sandy, ja, das ist alles furchtbar. Übrigens darfst du als Mutter mit deinem Kind auch auf dem Gehweg radeln. Eine Gesetzesänderung ist geplant. Und mail mir doch mal den Namen der Grundschule, die Radfahren verbietet. Mail steht um Impressum.

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    5. Eine Schule, die Kindern verbietet mit dem Rad zu kommen...? Ich finde das eine ungeheuerliche Kompetenzüberschreitung der Schulleitung. Nicht alle sind "Helikoptereltern" und fahren ihre Kinder mit dem PKW in die Schule. Und ausserdem, gehört Verkehrserziehung nicht auch zu den Aufgaben in der Grundschule? Ich zumindest kann mich erinnern, dass in meiner Kindheit die Verkehrsschule von Grundschule und Polizei organisiert war.

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    6. Hallo Sandy,

      Ich denke nicht dass dir die Schule verbieten kann, deine Kinder dort hin mit dem Fahrrad zu schicken. Abgesehen davon, das sie im letzten Jahrtausend festgerostet sein müssen um dies zu fordern, liegt es nicht in ihrer Kompetenz. Ich wünsche Dir und deinen Kindern unfallfreie Fahrt.

      Gruß,
      Carsten

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    7. Um meine Sicherheit mache ich mir dabei weniger Sorgen, Christine. Aber mein großer wird im Sommer eingeschult, und soll dann selbst mit dem Bike zur Schule fahren - begleitet natürlich. Kinder jedoch werden in zugeparkten Straßen noch schneller übersehen und sie sind zudem zum Gehwegradeln verdonnert, wo sie gerne mal beim abbiegen umgenietet werden.

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  2. Und je höher der Radverkehrsanteil ist, desto besser die Parkplatzsituation auch für Autofahrer. So geht Parkraum-Management (Achtung: Bild Leipzig, etwas tendenziös):

    http://www.bild.de/regional/leipzig/parkplatz/rathaus-buegelt-city-parkplaetze-weg-42386962.bild.html

    Die Bügel in der Schillerstraße sind mittlerweile so beliebt, dass es zwischen 10:00 und 18:00 dort sehr schwierig ist, einen Radparkplatz zu finden.

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    1. Im Prinzip richtig, aber verkehrt. Wenn Autofahrende die Chance sehen, einen Parkplatz am Straßenrand zu finden, dann kurven sie ohne Ende. Man muss in Straßen, in denen man keinen Parkplatzsuchverkehr haben will, alle Parkplätze einziehen, restlos. Nicht einer darf übrig bleiben. Tatsächlich haben wir in der Stuttgarter Innenstadt unglaublich viele Straßenrandparkplätze, was man auch daran sieht, dass südlich um die Innenstadt herum die Parkhäuser nicht voll sind. Leider haben wir momentan die Polizei nicht, um das wilde Parken überall zu ahnden. Da müsste man vermutlich Hunderte Politessen einstellen. Die Erkenntnis muss erst reifen, dass wir in Stuttgart eigentlich diesen massiv regelwidrigen ruhenden Verkehr nicht mehr haben wollen.

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    2. Die Beispiele innerhalb des Leipziger Ringes funktionieren sehr gut. Die abgebildete Schillerstraße verfügt nur noch über Radbügel und Behindertenparkplätze. In den angrenzenden Straßen kann man mit Ticket parken, allerdings zu höheren Preisen als in den umliegenden Parkhäusern (wenn man länger als 40 Minuten parkt, darunter billiger). Außerhalb des Rings können Autofahrer lange und günstig parken - 200m Fußweg bis in den Ring hinein dafür sind zumutbar.

      Natürlich funktioniert das auch nur, weil innerhalb des Rings massiv kontrolliert wird. Und weil "Runden drehen" nicht funktioniert, da viele Straßen innerhalb des Rings für PKW Sackgassen sind. Wer einmal umständlich gewendet hat, biegt nach fruchtloser Suche ins Parkhaus ab.

      Allerdings ist auch nicht alles toll: Der Ring selbst ist für Radfahrer gesperrt, dafür gibt es ein Netz aus Fahrradstraßen und schlecht beschilderten Radwegen. Damit kommt man zwar schneller um den Ring als mit dem PKW, aber eben nur, wenn man über detaillierte Ortskenntnisse verfügt.

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    3. Mit den Leipziger Sackgassen - Gut Beobachtet @Mattias Schlenker: wenn ich das hier auf Stuttgart übertrage, gibt es seit der Errichtung der wirkungsvolleren Autosperre (Tübinger-/Feinstraße) - mit zwangsläufigem Wenden - dort weniger Parksuchverkehr.

      Im Gegensatz dazu steht die nicht weit entfernte Eberhardsstraße, als möchtegern Fahrradstraße: hier ist ein Durchfahren für Suchende, wenn auch illegal möglich, daher sieht man mitunter auch mal Kfz'ler an der Radampel Richtung Tagblatturm warten.
      Zudem nun mit der Baustelle Eichstraße ein Ringschluß über die Stein- und Nadlerstraße ermöglicht wurde...

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    4. Bei meinen paar Besuchen in Leipzig fand ich die Radinfrastruktur zwar alt aber besser als bei uns, insbesondere rund um die City mit den vielen Radabstellanlagen und Sperren für Autos. Da hat die Stadt klar Position bezogen, und ich finde, es tut der City gut. Ich fand auch, dass es mehr RAdstreifen und Radwege mit ganz guten Kreuzungsregelungen (sicheres Rechtsabbiegen, direktes Linksabbiegen möglich) gibt. Unsere Eberhardstraße ist als Fahrradstraße in der Tat eine Katastrophe. Es gibt, glaube ich, ungefähr zwei reguläre Parkplätze und weil die natürlich nie frei sind, stellen die Autofahrer jetzt reihenweise ihre Autos auf den vielen Behindertenplarkplätzen und auf den E-Auto-Tankparkplätzen ab, völlig ungeniert und ohne dass ich an ihren Scheiben Strafzettel sehe. Diese Straße ist als Fahrradstraße vollständig schief gegangen, sie ist verstopfter als vorher, sie wird vollständig von Autos beherrscht. Jetzt hofft man darauf, dass eine Einbanregelung Besserung bringt, wenn das Dorothenviertel geregelt wird. Ich hoffe nicht mit.

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  3. Mal wieder ein sehr guter Artikel. Eigentlich weiß es jeder, was für ein Wahnsinn da abgeht, aber es interessiert irgendwie niemanden.

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