11. Juli 2016

Sindelfinger Radler wollen mehr Radwege

Sindelfingen - Radstrecken, die im Nirwana enden, zu enge Spuren, unebene Wege und zu schlechte Hauptverbindungen – das und noch viel mehr kritisierten Vertreter von Fahrradverbänden bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in der Sindelfinger Stadthalle ... 

So beginnt der Artikel in der Stuttgarter Zeitung. Weiter heißt es: "„Lange Zeit wurde nur durch die Autofahrerbrille geplant“, stellte Hermann Wagner vom Böblinger Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) fest. Daran habe sich nicht viel geändert. Der Sindelfinger Oberbürgermeister Vöhringer widersprach: Man wolle eine fahrradfreundliche Stadt werden und lege deshalb im nächsten Frühjahr ein Konzept für den Ausbau und die Sanierung der Routen vor." 

Allerdings werden 150.000 Euro Sindelfingen da nicht reichen.
Damit, so das Eingeständnis, kann man nur den Bestand sanieren. Auf dem Foto oben vom Sindelfinger Marktplatz sieht man jede Menge Wegweiser (sehr schön), aber gar keine Radinfrastruktur. 

Böblingen Maurener Weg
Böblingen hat mir bei einer kleinen Testfahrt etwas mehr Radinfrastruktur gezeigt. Zum Beispiel auch diese lustige Konstruktion. Hier werden Radler per roter Rampe auf den Gehweg geleitet (Prinzip Radweg ohne Verpflichtung). Die Fahrbahnmarkierung bietet aber zugleich die Weiterfahrt auf der Fahrbahn an. 

Böblingen hat immerhin auch begleitende Radinfrastruktur an der Tübinger Straße, die allerdings am Ortsausgang endet. 

Böblingen Tübinger Str. stadtwärts
Es fehlen natürlich durchgängige und direkt Radverbindungen nach Sindelfingen, nach Tübingen oder nach Stuttgart. 

Und ich finde, mit dem Angebot einer Radmitnahme in S-Bahnen und Bussen ist es nicht getan. Auch wenn es heute schicker klingt, von Modalmix zu reden als von Radwegen. Aber es gibt Radler, die wollen mit dem Rad fahren, nicht mit Öffentlichen. Von Modalmix können wir reden, wenn die Radrouten alle da sind, so wie die Autostraßen längst schon alle da sind. Ich finde, die Städte einer Region wie Stuttgart kommen nicht darum herum, anständige Radwegverbindungen zu schaffen. 

Der Artikel in der Stuttgarter Zeitung ist sehr ausführlich und differenziert, zeigt aber auch , dass es einen Unterschied gibt zwischen Sonntagsreden oder Podiums-Versprechen und den realen Absichten. Der OB argumentiert damit, dass die Stadt kein Geld habe. Man hätte ihm vielleicht vorher sagen sollen, dass Radverkehrsanlagen sehr viel billiger sind als Verkehrsanlagen für Autos, und das jeder gefahrene Radkilometer der Stadt einen Euro Gewinn bringt. Der lokale Handel wacht aus dem Dornröschenschlaf hinter den Blechhecken geparkter Fahrzeuge, die Einwohner sind gesünder und besser gelaunt, die Stadt wird leiser, was mehr Fußgänger auf die Gassen lockt. Das Leben beginnt. 

Wir wünschen Sindelfingen und Böblingen viel Erfolg.

Kommentare:

  1. Mal wieder ein Beitrag von Dir, der den Nagel auf den Kopf trifft. Erstens bravo und zweitens mein herzlicher Dank dafür. Worte, Worte, keine Taten ... zitiere ich mal frei Heinrich Heine zur taktierend-beschwichtigenden Vorgehensweise vieler Politiker. Vor denen habe ich zwar einen riesigen Respekt, aber manchmal fehlt es politisch halt doch an ein bisschen Mut und Entschlossenheit. Auch als Politiker muss man - wie im richtigen Leben - wissen, was man will und wofür oder wogegen man sich einsetzen möchte. Herzlichen Dank und viele Grüße

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  2. Sehr schöner Artikel. Eventuell könnte man das Thema noch weiter bearbeiten, z.B. dir Beleuchtung der wichtigsten Radrouten. Gerade von Stuttgart Zentrum gibt es ein paar Möglichkeiten. Die meisten sind echt schlecht und auch schlecht beschildert.

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