15. August 2016

Radförderung ist die beste Wirtschaftsförderung für lokalen Handel

Das Radblog "it started with a fight" hat sich der Frage angenommen, ob mehr Radverkehr den Handel fördert. Ich habe darüber schon oft geschrieben, aber ich möchte es hier noch einmal tun, weil der Artikel Studien und Belege dafür sammelt. 

Man kann den Artikel im Original lesen und die Grafiken studieren oder hier eine Zusammenfassung (der beides).

Der Innenstadthandel leidet unter dem online-Handel und Einkaufs-Centern auf der grünen Wiese oder in bestimmten Vierteln (Milaneo). Die Antwort darauf ist nicht die autogerechte Innenstadt. Denn das Auto bringt viel zu wenige Menschen in die Innenstadt für den enormen Platz, den es dabei braucht. Studien zeigen, dass nur ein Drittel der Leute gezielt einkaufen. Zwei Drittel shoppen. Das heißt, sie halten sich länger in der Stadt auf, schlendern, gucken, trinken Kaffee, treffen Leute. Sie nehmen deshalb auch gern öffentliche Verkehrsmittel oder eben das Fahrrad.


Allnatura, Tübinger Str. Radbügel vor dem Laden
reichen nicht, aber Autofahrer bekommen
Parkgebühren ersetzt. 
Je mehr Geschäfte ein Mensch auf seinen Wegen passiert, desto größer ist die Chance, dass Frau oder Mann reingeht und spontan etwas kauft. Spontankäufe sind viel häufiger als gezielte Käufe. (Mancher Autofahrer stellt sein Auto im Halteverbot ab, weil er in einem bestimmten Laden schnell was holen will. Der hat aber nur in diesem einen Laden gekauft.) Mit dem Auto passiert man keine Schaufenster, (man ist zu schnell und zu weit weg, um was zu sehen) mit dem langsameren Fahrrad oder zu Fuß aber sehr wohl. Und man kann sofort anhalten und eintreten. Der Einzelhandel tut also gut daran, Fußgängern und Radfahrenden Platz zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass sie sich wohl fühlen. Dann brummten die Geschäfte.

Der Fußweg oder das Fahrrad sind für alle, die in der Stadt wohnen, praktischer und attraktiver, wenn sie in die Konsumcity wollen. Nur 6 Prozent der Einkäufe, die man mit dem Auto tätigt, sind so voluminös, dass man den Kofferraum braucht. 94 Prozent der Einkäufe haben in einem Fahrradkorb oder zur Not einem Hänger Platz. Nehmen wir mal an, dass für 80 Prozent aller Shopping-Touren der Gepäckträger mit Korb reicht.

Und man kann viel weitere Strecken zurücklegen, denn Fußgänger oder Radfahrende müssen nie zum Parkhaus zurück. Hat man genug, startet man, wo auch immer man nach zwei oder drei Stunden Shopping-Bummel gerade ist, zurück nach Hause. Nur für die, die von Außerhalb in eine attraktive Einkaufsstadt kommen, wie sie Stuttgart ist, müssen genügend Parkhäuser zur Verfügung stehen, was in Stuttgart auch der Fall ist. Sie sind auch gut ausgeschildert. Die Straßenrandparkplätze hingegen kann man drastisch reduzieren. Denn der brummende und drängelnde Parkplatzsuchverkehr stört Radfahrende und Fußgänger erheblich und kostet damit auch den Handel kaufkräftige Kund/innen.

Denn Radfahrende geben nicht weniger Geld aus als Autofahrende, ganz im Gegenteil. Sie bieten im Jahresdurchschnitt die größte Kundenrentabilität mit 7.500 Euro pro Quadratmeter, während Autofahrende nur 6.625 Euro pro Quadratmeter bereitgestellten Parkraum bringen. Vor allem kommen Radfahrende öfter in die Läden und geben darum insgesamt mehr Geld im lokalen Handel aus.

Kommentare:

  1. Radfahrer sind umsatzsteigernd,
    Regelungen realitätsverweigernd.

    Man schlachtet keine heilige Kuh,
    schon gar nicht bei der CDU.

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  2. Richtig. Zustimmung. Auch bei der Einführung der Fußgängerzonen vor Jahrzehnten hat der Einzelhandel das flächendeckende Ladensterben befürchtet. Das tatsächliche Ergebnis der Fußgängerbereiche war jedoch genau das Gegenteil. In der heutigen Situation sollten wir vielleicht mal über eine vollständig autofreie Innenstadt nachdenken. Man könnte versuchsweise an ausgewählten Tagen die Innenstadt mal autofrei halten und damit werben. Eine mögliche Gelegenheit für eine autofreie City als Pilotprojekt wäre vielleicht das jährliche Stadtfest, das sowieso mal eine Aufwertung oder zumindest neue Impulse gebrauchen könnte. Das Stadtfest ist ja kein Stadtfest, sondern lediglich eine eher langweilige Hocketse auf dem Schlossplatz.

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