26. Februar 2014

Die Rückeroberung der Urbanstraße

Lange Jahre konnte man die Urbanstraße ab Staatsgalerie gut in Einbahnstraßen-Gegenrichtung bis zum Kernerplatz vorradeln. 

Zum Kreisverkehr hin gab und gibt es immer noch einen Streifen aus roten Steinen, die den einbiegenden Autofahrern signalisierten: Hier kommen dir Radfahrer entgegen.

Die Straße war bis dorthin breit genug, damit herinkommende Autos und zum Kreisverkehr fahrende Radler ohne Stress aneinander vorbeikamen. Nur selten hat sich ein Auto in meiner Fahrtrichtung rechts auf den Gehweg gestellt. Doch dann wurde Ende vorigen Jahres hier eine Baustelle eingerichtet. Die zum Bordstein senkrechten Parkplätze fielen vorübergehend weg. Die Autofahrer haben angefangen, sich auf den Gehweg gegenüber zu stellen. Nun ist die Baustelle weg (sie hat zu begrünende Ausbuchtungen hinterlassen, die zwei bis drei Parkplätze wegnehmen), aber die Autos parken immer noch halb auf dem Gehweg, halb auf der Fahrbahn. Und das eigentlich immer und reihenweise. Gewohnheitsrecht?

24. Februar 2014

Ein Radhelm, der nicht der Frisur schadet

Den hat die schwedische Firma Hövding entwickelt. Man trägt ihn nicht auf dem Kopf, sondern um den Hals. Bei einem Unfall (Sturz oder Aufprall) öffnet er sich wie ein Airbag und stülpt sich über den Kopf. 

Es gibt große Anbieter in Deutschland, über die  man den Airbag-Helm beziehen kann. Er kostet satte 399 Euro, wird aber bereits billiger. Er sieht aus wie der Kragen einer Outdoorjacke. Und im Falle eines Unfalls wie eine Trockenhaube. Der Hersteller sagt, dass das Teil nicht auslöst, wenn man vom Rad springt oder sonst irgendwelchen Unsinn macht, aber zuverlässig, sobald man mit dem Kopf auf ein Auto oder auf den Boden aufzuschlagen droht. Wer das sehen will, kann hier das Youtube-Video anschauen.

22. Februar 2014

Radparkplatz ohne Zugang

Mit dem Rad zur Arbeit fahren ist in. Zwar fördern die meisten Firmen Radler nicht, während sie Autofahrern traditionell Parkplätze oder Tiefgaragen zur Verfügung stellen und Stadtbahnfahrern Zuschüsse zahlen. Einen Bonus bekommen die meisten Radfahrer nicht, dafür müssen sie um Abstellplätze kämpfen. 

Der SWR hat vor dem neuen Eingang in der Kuhnstraße jetzt Fahrradständer aufgestellt. Ob sie im Sommer reichen, wird sich zeigen.

Zunächst einmal kommt man auf dem Rad legal gar nicht bis dorthin.

20. Februar 2014

Radfahren ist gut fürs Geschäft

Der Kofferraum ist die größte Einkaufstasche, heißt es immer wieder. Deshalb brauche eine Innenstadt Parkhäuser, damit die Leute einkaufen kommen. 

Stimmt nicht, hat ein US-Geschäftmann festgestellt, wie der Guardian berichtet. Demnach untesrtützen amerikanische Geschäftsleute den Radverkehr, nicht weil sie an Umweltschutz, sondern weil sie an ihren Umsatz denken.

19. Februar 2014

Innenstadt entstressen - Bericht vom Radforum mit OB Kuhn

Gestern war Plenumssitzung des Stuttgarter Radforums im Rathaus. Oberbürgermeister Kuhn war dabei. Er hat erzählt, dass Stau, Stress und Feinstaub die größten Probleme der Autostadt Stuttgart sind. 

Um die Innenstadt zu entstessen bräuchten wir eigentlich zwanzig Prozent weniger Autoverkehr. Aber eine nachhaltige Mobilität bekommt man nicht von jetzt auf nachher, das sind sehr lange Prozesse. Um das zu erreichen müssen Stadtbahnen und Busse gestärkt werden. Wenn mehr Leute öffentlich fahren, wird der Autoverkehr entlastet, was - so Kuhn - auch dem Radverkehr nütze. Mit gestaffelten Tempolimits will Kuhn mehr Ruhe in den Verkehr bringen und ihn verflüssigen. Der Versuch auf der Hohenheimer Straße mit Tempo 40 habe gezeigt, dass sich damit Feinstaub nennenswert reduzieren lasse. Deshalb soll es an den Steigungsstrecken Tempo 40 geben. In Wohnvierteln Tempo 30. Auf allen Straßen, wo das geht, wird weiterhin Tempo 50 gefahren. Der Punkt sei nicht das Temposchild, sondern dass die Leute sich an die Geschwindigkeit auch halten.

"Eine moderne Großstadt, mit sieben Prozent Fahrradanteil, das kann's nicht sein", sagte Kuhn.

16. Februar 2014

Warum fahren Radfahrer wirklich bei Rot?

Weil die Rotphasen der Ampeln zu lang sind. Das ist eines der Ergebnisse der Bachalor-Arbeit von Markus Bünger mit dem Thema "Entwicklung von Qualitätsmaßen für den Radverkehr." am Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Uni Stuttgart.

Was ist ein guter Radweg und warum werden bestimmte Radstrecken nicht befahren, obgleich man doch so viel getan hat? Dafür gab es bisher keinen Maßstab. Markus Bünger hat mithilfe von Umfragen, an denen einige meiner Blogleser vermutlich auch teilgenommen haben, Merkmale formuliert, die Radwege aufweisen müssen, wenn sie akzeptiert werden sollen.


14. Februar 2014

Radfahren macht frei

Die Stiftung Geißstraße sucht alte, noch brauchbare Fahrräder für Flüchtlinge. In Stuttgart leben derzeit rund 1.700 Menschen, die aus Krisengebieten zu uns geflohen sind.

Aber ihre Unterkünfte liegen nicht unbedingt zentral, manche abseits in Gewerbegebieten. Michael Kienzle von der Stiftung Geißstraße weist darauf hin, dass Flüchtlinge oft mit Bus oder Bahn fahren müssen, um Lebensmittel einzukaufen. Und für Fahrscheine haben sie eigentlich kein Geld übrig. Ein Fahrrad ist ein Stück Freiheit.

12. Februar 2014

Wer hat die Hauptroute 1 durchgesägt?

Wie Pilze schießen derzeit Bauzäune aus dem Boden. Jetzt hat es die Hauptroute 1 (Tallängsweg) beim Landtag getroffen. Alles zu. Und keine Umleitungsschilder. Nur Fußgänger sehen ein Schild, das ihnen sagt, was sie ohnehin sehen: Woanders lang gehen. 

Der von Radlern viel befahrene Weg zwischen Landtag und der B14 ist weg. Wer sich auskennt, findet die Umleitung sofort, wer nicht, steht mit dem Rad irgendwann vor einer Treppe.

10. Februar 2014

Zwillingsräder - das etwas andere Tandem

RiS-Blog- und Facebookfan, Jorge, lebt in Nicaragua und hat mir Fotos von Zwillingsrädern geschickt. 

Nach seinen Angaben hat die Stadt Masaya  in den neunziger Jahren für Touristen aus Spanien mit ähnlichen Doppel-Rädern empfangen, wie man sie hier sieht. Zwölf Stück fahren heute immer noch, schreibt mir Jorge. Man benutzt sie, um Touristen herumzukutschieren.
(Foto unten)

8. Februar 2014

Dann sollen Radfahrer aber auch Steuern zahlen

Radstreifen sind ideale Parkplätze
Das höre ich immer wieder, wenn Radwege gebaut werden. Wenn sichtbar Geld für Radler ausgegeben wurde. Eine Radfahrer-Steuer müsse her. Schließlich zahlen Autofahrer ja auch Steuern dafür, dass ihnen die Straßen gebaut und instand gehalten werden. 

Der Staat kassiert Mineralölsteuer, KfZ-Steuer, Mehrwertsteuer. Autofahrer müssen alles bezahlen, was sie kosten, höre ich. Und die Radfahrer? Was zahlen die? Nix. Die radeln nur und bremsen dabei auch noch Autofahrer aus, die Melkkühe der Nation.

Gegenfrage: Was bezahlen Autofahrer denn wirklich für all das, was uns der Autoverkehr kostet? Etwas für die Kosten von Unfällen im Straßenverkehr? Für den Kampf gegen Lärm und Feinstaub, gegen die Klimaschäden und ihre Folgen?

In Deutschland sind das 134 Milliarden Euro, die jährlich für alles anfallen, was der Autoverkehr verursacht. Nur 50 Milliarden davon zahlen Autofahrer mit ihrer KfZ-, Mineralöl- und Mehrwertsteuer selbst.

6. Februar 2014

Radfahrer auf die Straße - die kritische Masse testen

Critical Mass ist zuverlässig auf der Straße, immer jeden ersten Freitag im Monat. Also morgen wieder. Startpunkt ist wie immer der Feuersee bei der Roten Kapelle, 18:30 Uhr. In der Regel fährt man etwa Viertel vor sieben los. 

Also, Radbeleuchtung überprüfen, und mitfahren. Die Tour dauert etwa anderthalb Stunden und ist vom Tempo her so, dass alle auf allen Rädern mithalten können.

Ich will dabei sein. Mal sehen, ob ich es rechtzeitig zum Startpunkt schaffe. Sonst steige ich auf der Strecke ein. 

4. Februar 2014

Est tut sich was

Es gibt neue Halteringe am Radüberweg Charlottenplatz über die Planie. Natürlich immer nur für genau einen Radfahrer. Und auch nur für die, die zum alten Waisenhaus hinüber radeln und warten müssen. 

Die anderen haben, was auch nicht schlecht ist, ein Mäuerchen, um den Fuß aufzustellen.
Die Halteringe an Ampelmasten sind eine Stuttgarter Eigenart, erfunden vom Stuttgarter Fahrradbeauftragten Köhnlein. Es gibt sie reichlich.

Ich habe schon einmal ein wenig die Augenbrauen hochgezogen, angesichts der Halteringe.

3. Februar 2014

Radfahrer sollen auf die Straße

In den Städten hat der Radweg ausgedient, findet Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann. Radfahrer sollen auf die Straße. Das lese ich in "Sonntag Akutell".

Der klassische Radweg als separate Fahrspur neben der Straße (oder besser zwischen Gehweg und Straße) ist teuer und braucht Platz. Das Risiko, dass er zu schmal wird, wenn viele Radler unterwegs sind, besteht überdies, meine ich. Die Tendenz geht zum Schutzstreifen. Das sind markierte Bahnen für Radler auf der Fahrbahn, die nicht die durchgestrichene Linie der Radwege haben, sondern gestrichelte Linien. Das bedeutet, Autofahrer dürfen mit den rechten Rädern auch auf diesem Schutzstreifen fahren - wichtig bei schmalen Straßen -, wenn sie keinen Radler behindern. Radler haben auf diesem Streifen Vorrang.