9. November 2018

Es wird kalt und nass

Alle Jahre wieder. Und sofort sind auch die Artikel da, die Gründe fürs Radfahren im Winter aufzählen.

Sieben, acht, zehn oder zwölf gute Gründe, jetzt nicht nicht wieder den Autoschlüssel zu nehmen, zählen verschiedene Zeitungen auf. Die geschliffensten Gründe stammen dieses Jahr von bike-bild. Radfahren ist gesund, Radler kommen schneller durch den Berufsverkehr, Radfahren hält fit und schlank, Radfahrende lernen ihre Umgebung kennen, Radler leisten einen Umweltbeitrag, Radfahren spart Geld, Radfahren spart Platz, Radfahren verbessert die Gehirn-Aktivität, Radfahrer entschlacken den Autoverkehr und das Rad ist auf dem Vormarsch.

Na, wenn das nicht genügend gute Gründe sind, sich die Handschuhe anzuziehen ...
Gerade bei Wind und Wetter ist das Radfahren schön. Der Körper freut sich, wenn er auch mal gefordert wird, sich gegen Kälte zu wappnen. Wir können das nämlich sehr gut, uns auf Temperaturen einstellen. Wir müssen es nur wollen. Wer einmal den Winter durch geradelt ist (von Tagen abgesehen, wo es heftig schifft oder schneit oder Glatteis hat), der oder die möchte darauf nicht mehr verzichten. Denn es macht uns eigentlich Spaß, draußen zu sein und das Wetter zu erleben.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung.
Eigentlich muss man es nicht mehr extra sagen: Aber für den Weg zur Arbeit (wenn er so zwischen 3 und 10 km liegt), braucht man keine Sportausrüstung, schon gar nicht, wenn man Pedelec fährt. Man braucht nur Windschutz und Regenschutz, am besten einen regendichten Kittel, den man auch über einen Wintermantel ziehen kann, und weite Regenhosen, die man leicht über die Hosen kriegt, wenn es mal richtig schüttet. Eine Mischung aus Poncho und Mantel mit Ärmeln wäre das hier. Billig und leicht zum immer dabei haben. Ich persönlich finde reine Ponchos als nicht so günstig. Es sammelt sich Wasser in den Kuhlen zwischen den Armen, und die Arme sind in der Bewegung eingeschränkt. Die Drachenhaut schützt die Beine, aber man muss sie am Lenker (und damit sich selbst) festmachen. Aber vielleicht ist das doch was für euch. Für Kinder (und Erwachsene) gibt es hier hübsche, und wie es scheint, wirkungsvolle, Regenüberzüge und -Mäntel. Tucano bietet auch den Magic Parka (schick ohne Regen, über die Knie erweiterbar bei Regen, aber sehr teuer). Auch das kann eine Investition für Winter-Vielradlerinnen sein. Ich radle mit einem leichten Reitmantel. Allerdings schlagen auch da die Mantelschöße im Gegenwind hoch, und es gibt nasse Knie.

Das größte Problem sind für die meisten Radler/innen die Hände. 
Die Fingerspitzen werden schnell eiskalt, vor allem wenn man zuerst länger den Berg runterfährt. Denn die meisten Handschuhe haben die Nähte an den Fingerspitzen. Ich radle bei richtiger Kälte mit Motorradhandschuhen, mit denen ich gerade noch die Tasten fürs Pedelec bedienen kann. Es gibt auch beheizbare Handschuhe wie diese hier. Für den, der oft lange strecken bei Kälte radelt, lohnt sich die Investition vielleicht schon.
Ich habe auch diese Stulpen für Motorradlenker getestet, in zwei Varianten. Beide Male fand ich sie zu groß für den Radlenker, und ich fand das Wiederhineinschlüpfen, nachdem man die Hand vorm Abbiegen rausgestreckt hat, zu mühselig. Es fordert zu viel Aufmerksamkeit. Außerdem kann man mit dem Daumen nicht die Gangschaltung oder die Pedelecschaltung bedienen. Bei diesen hier kann man das, weil es ein Daumenstück gibt, aber es gilt, das Zurückfinden ist nicht einfach. Übrigens bietet Tucano auch Lenkerstulpen für Fahrräder an. Vielleicht ist da ja doch was drunter, was euch Mut macht, es auszuprobieren.

Kalte Füße
Manche neigen dazu, manche nicht. Grundsätzlich werden auf dem Fahrrad die Füße nicht warm, weil man auf das Pedal selten so viel Druck auf die Zehen ausübt, wie man das beim Gehen tut. Warme Stiefel gibt es zuhauf zu kaufen, auch solche, die praktisch arktische Temperaturen abfangen und dabei sogar auch elegant oder zumindest stylisch aussehen. Ein Statement sind sie in jedem Fall. Kurze Strecken (ca. 5 km) übersteht man immer, bei längeren sollte man sich in der Tat warme Boots anziehen. Es gibt auch schöne Boots mit Goretex, das gegen Nässe schützt. Übrigens hilft auch: eine Plastiktüte über die Socken (oder über die Schuhe) ziehen und dann in die Stiefel rein (blockt den Wind, isoliert) oder klassisch: Zeitung über die Zehen. Auch Galoschen, die es reichlich für Radfahrende gibt, über den Schuhen oder Stiefeln helfen gegen Nässe und Kälte.

Sich warm halten
Letztlich schadet eine halbe Stunde Kälte an Füßen oder Händen den meisten Menschen nicht, solange der Körper warm ist. Übrigens bleiben Hände und Füße dann länger warm, wenn der Rumpf warm genug gehalten wird. Ist der Rumpf (Brust, Bauch, Rücken) nicht warm genug, versorgt der Körper alsbald die Hände und Füße schlechter mit warmem Blut, um die inneren Organe warm zu halten. Als Unterwäsche im Winter empfehle ich Merinowolle (darin bleibt man immer warm, ohne zu überhitzen, und man produziert beim Waschen kein Mikroplastik) oder hochwertige Techno-Textilien, die den Schweiß wenigstens schnell vom Körper weg transportieren. Kann sein, dass man im ersten Winter da etwas zu viel Geld ausgibt beim Probieren bis man das richtige Material gefunden hat, das beim Radeln warm hält und nicht verlangt, dass man sich bei Ankunft am Ziel umziehen muss. Aber im zweiten Winter klappt es dann.

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