Quer über die Fahrbahn laufen vier türkisblaue Streifen. Und was ist das jetzt? Was soll mir das sagen? Hätte ich nicht in der Zeitung gelesen, dass es sich um um eine Maßnahme für "Mehr Platz zum Spielen" handelt, hätte ich nicht gewusst, was das ist. Denn es fehlt jegliche Beschilderung. Noch. Ich hoffe, die kommt bald. Und zwar, bevor Kinder draußen spielen wollen.
Eine Spielstraße ist das jedenfalls jetzt nicht, wie der Titel des Zeitungsberichts nahelegt: "Graue Betonklötze weisen auf Spielstraße hin" und später auch der Text: "In Stuttgart sind Spielstraßen immer noch eine Seltenheit. Die Stadtverwaltung hat
daher bereits seit 2023 das Projekt „Mehr Platz zum Spielen“ ins Leben gerufen. Dabei können sich Anwohner melden und ihre Wünsche zur Einrichtung von Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten für Kinder auf Fahrbahnen anmelden. Nunmehr wurde die vierte Maßnahme in der Steinenhausenstraße im Stuttgarter Westen umgesetzt."
Derzeit gibt es jedoch keinen Hinweis für mich als Radlerin (oder wenn ich im Auto komme), dass es sich bei diesem Verkehrsraum um etwas anderes handelt als ein Fahrbahn in einem Tempo-30-Bereich. Und auf Fahrbahnen darf laut Paragraf 31 der StVO nicht gespielt werden. Fußgänger:innen dürfen Fahrbahnen überhaupt nur betreten, wenn sie sie auf kürzestem Weg überqueren.
Betonblöcke, blaue Querstreifen und blaue Kreise auf der Fahrbahn sind kein Hinweis darauf, dass hier Kinder auf der Fahrbahn kicken dürfen oder mit Mahlkreide auf dem Asphalt Bilder malen, Fange spielen oder mit Kinderrädern und Rollschulen ihre Übungskurven ziehen dürfen, auch wenn sie die Aufmerksamkeit von Autofahrenden vielleicht erhöhen. Nehmen wir an, dass niemand glaubt, dass im Winter hier Kinder spielen und man sich mit dem Aufstellen der Verkehrszeichen Zeit lässt, es sollten dann aber auch die Eltern ihren Kindern jetzt noch nicht sagen, dass dies eine Spielstraße ist.


Das wirkt für mich fast wie ein Straßenmöblierungs-Testfeld, hier konnte man Abstände ausprobieren und das Handling üben.
AntwortenLöschenDie Blöcke an sich finde ich gar nicht übel, vielleicht sogar als Bestandteil der Stuttgarter Ecken. Angesichts der galoppierenden Personalkosten und des Fachkräftemangels könnte es sogar günstiger sein, solch einen Block abzuladen, statt Poller einzubetonieren und die Straße zu bemalen.
Das ist mal wieder ein Beispiel für "Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht". Wäre ich Kind würde mich das nicht besonders zum Spielen einladen.
AntwortenLöschenIch denke. Ein Kind kann mit allem spielen. Problematischer scheint mir die Sträßemfläche, auf der immer noch Autos fahren, deren Fahrer:innen hinter der Lurve die Kinder nicht sehen, die auf dem Boden sitzen und mit Kreide malen.
AntwortenLöschenSieht einfach nur schrecklich aus. Da gruselt es einen
AntwortenLöschenSo ein Blödsinn. Auch in sog. verkehrsberuhigten Bereichen stellt sich die Hierarchie nach Gewicht und Geschwindigkeit her. Also Autos ganz oben und spielende Kinder ganz unten.
AntwortenLöschenDas kommt dazu. Selbst, wenn die Schilder da stünden und stehen werden, spielen bleibt riskant.
LöschenEine "Spielstraße" nach offizieller Lesart ist ein Straßenbereich der mit Z.250 + Z.1010-10 beschildert ist. Da ist klar, das da weder KFZ noch Fahrräder etwas zu suchen haben.
AntwortenLöschenVbB (Z.325.1) werden zwar oft als Spielstraßen bezeichnet, sind aber keine.
Gibt es "Spielstraße nach offizieller Lesart" eigentlich real? Wenn ja, in welcher Verbreitung? Halten sich Fahrzeugführer dort an das Verbot? Die Fragen sind nicht rhetorisch gemeint, ich habe zumindest bewusst noch nie eine solche Spielstraße mit Z. 250 und dem genannten Zusatzzeichen gesehen.
LöschenAus Wikipedia: "Da eine Sperrung der Straße durch Zeichen 250 auch Anlieger und Radverkehr betrifft, ist diese Konstellation selten; seit 1. September 2009 kann das Zusatzzeichen 1010-10 jedoch auch unter anderen Verkehrszeichen angeordnet werden, beispielsweise Zeichen 260 „Verbot für Kraftfahrzeuge“."
LöschenDort zeigen zwei der drei Beispielfotos vollständig abgepollerte Bereiche, die deutlich sichtbar als Bereich ohne Fahrzeuge saniert wurden und so auch ohne die Beschilderung (wenn auch nicht ohne die Poller) recht sicher die selbe Wirkung erzielen. Vielleicht war die Beschilderung aber zur Umsetzung notwendig (vielleicht weil Fläche noch entsprechend gewidmet ist).
Das dritte Beispiel zeigt eine Sackgasse der Dresdner Str. in Berlin, die in den Sommermonaten, jeweils Freitags zwischen 15 und 18 Uhr eine Spielstraße ist. Hier würde mich die Einhaltung schon speziell interessieren: sind die Fahrzeuge dann weg? Wird das durchgesetzt?
Vor 40 Jahren haben wir Hockey auf der Fahrbahn bei uns im Wohngebiet gespielt. Da war nichts Besonderes angeordnet, also Tempo 50. Ist keine Durchfahrtsstraße, da kam alle 20min mal ein Auto vorbei. Da ist man dann kurz zur Seite gegangen und hat danach weitergespielt. Heute ist Tempo 30 und alles zugeparkt. Es wäre gar kein freier Platz mehr da zum Spielen und die Eltern würden es sicher auch nicht erlauben. Die teilweise auch in den Kurven parkenden Autos verdecken auch noch die Sicht auf Kinder und den restlichen Verkehr.
AntwortenLöschenExakt so.
LöschenDie Zahl der Autos und der Fahrten ist mit das Hauptproblem. Erstere hat sich seit den 1970ern verdoppelt, letztere ist seit 1990 um 50% gestiegen. Wobei man bei den Zahlen gefühlt ja immer sagen möchte, sie seien viel zu niedrig. In der Straße meiner Kindheit hat die Zahl der Autos sich mindestens verzehnfacht.
Ergänzen muss man noch: Ein privater PKW wird im Schnitt 1h pro Tag benutzt. Und steht damit, wenn er "Laternenparker" ist , den Rest des Tages allen anderen im Weg rum.
LöschenDer Bereich ist ja mit Z 325.1 als verkehrsberuhigter Bereich gekennzeichnet.
AntwortenLöschenUnd die Möblierung und Bemalung sind der Versuch, die Vorgaben der VwV zur StVO ohne niveaugleichen Ausbau einzuhalten :
"Die mit Zeichen 325.1 gekennzeichneten Straßen oder Bereiche müssen durch ihre besondere Gestaltung den Eindruck vermitteln, dass die Aufenthaltsfunktion überwiegt und der Fahrzeugverkehr eine untergeordnete Bedeutung hat. In der Regel wird ein niveaugleicher Ausbau für die ganze Straßenbreite erforderlich sein."
Die Straße, um die es hier geht, ist noch nicht so gekennzeichnet. Sie ist bisher nur umgestaltet. Aber ich gehe davon aus, dass die Schilder noch kommen, und dass die Ahnwohnenden dieser sehr abgelegenen Straße alle wissen, dass Kinder draußen spielen dürfen. Schließlich haben die Anwohnenden ja Umwandlung auch gewünscht.
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