Infrastruktur, mit der Menschen, die nicht in Autos sitzen, die Autoströme überqueren können, wurde nie fürs Fahrrad geplant. Sie wird aber oft fürs Radfahren freigegeben, denn irgendwie müssen die ja auch über die Verkehrsschneisen kommen.
Spitzkehren sind bei Brückenbauwerken an den Auf- und Abgängen für niemanden angenehm, aber die einzige halbwegs platzsparende Lösung, um es Menschen in Rollstühlen oder mit Kinderwagen zu ermöglichen, runter oder rauf zu kommen. Für Fußgänger:innen und Radfahrende verlängern sie die Überquerungswege um ein Vielfaches. Für Radfahrende ist der Umweg nicht ganz so lästig, aber dafür sind die Spitzkehren eine radlerische Herausforderung. Blogleser Andreas hat mir die Situation in Esslingen auf der Pliensaubrücke geschildert, die zwischen der Stuttgarter Straße und der Neckarstraße den Neckar, die Eisenbahngleise und Neckarstraße überquert. Die Fotos sind von ihm.
Man sieht kaum, ob hinter der nächsten Kehre Fußgänger:innen oder Radler entgegenkommen, zumal man mit Lenkmanövern beschäftigt ist. Und unten am Ende auf der Stadtseite gibt es dann einen U-Turn. Für lange Lastenräder, Trikes, Tandems oder breitere Räder, die einen größeren Wendekreis haben, schier in Ding der Unmöglichkeit. (Und schieben lassen die sich nicht,) Diese Brücke ist nicht unwichtig für den Rad- und Fußverkehr. Sie verbindet den Radweg auf der Ost-/Nordseite des Neckars zwischen Stuttgart und dem Esslinger Stadtkern. Sie ist natürlich, wie all diese schwierigen Verlegenheitsinfrastrukturen für Radfahrende als Gehweg mit Radfreigabe ausgeschildert. Aber immerhin gibt es sie. Doch für den Radverkehr kann sie nicht mit geplant worden sein, sie wurde auf dem Reißbrett entworfen. In Stuttgart kenne ich auch so eine Straßenüberquerung in Cannstatt, den Schmidtsteg, mit ruppigen 180-Grad-Kehren vom Neckardamm (Seilerwasen) über die Schönestraße hinweg zur Eisenbahnstraße. Diese Brücke ist aber für Radfahrende nicht so wichtig, es sei denn, der Neckardammradweg ist gerade gesperrt und es wird über sie umgeleitet. Immerhin sind ihre Spitzkehren etwas weiter gebaut, der Weg aber insgesamt schmal. Auch diese Überführung wurde sicherlich nie für Radfahrende geplant. Und heute, wo die Schönestraße nicht mehr der Zubringer zur Rosensteinbrücke ist (die ist ja abgerissen), würde man so eine Brücke nicht mehr bauen, sondern einen ebenerdigen Fußgängerüberweg anlegen.Enge Kehrtwenden gibt es für uns auf unseren Alltagsradstecken nicht selten, zum Beispiel zwischen Brunnersteg und Heilbronner Straße, wo es über die Bahnanlagen geht. Obgleich der Weg eher eine Z-Form hat, ist er nicht leicht zu radeln, vor allem bergab nicht, weshalb in der Grünfläche schon Abkürzungsstreifen entstanden sind. Auch hier ist das ganze Gehweg und fürs Radfahren nur freigegeben. Auch nach der Abfahrt von der König-Karls-Brücke runter zum Wasen gibt es für alle, die Richtung Hofen auf dem Neckardamm weiter radeln wollen, eine Spitzkehre. Oftmals - so auch hier - bilden sich dann Abkürzungsspuren durchs die Grünflächen, die ganz selten, aber manchmal - so wie am Wasen - dann in eine Radrampe umgewandelt werden.
Ihr kennt auf euren Alltagsrouten sicherlich noch andere für Radfahrende freigegebene Brücken mit unübersichtlichen und zu engen Spitzkehren.




Also ich fand den ironischen Kommentar mit Zusatzzeichen 1012-32 eigentlich recht treffend. Beschreibt häufige Herangehensweise der Verwaltung an Radverkehrsprobleme!
AntwortenLöschenIn Mannheim wurden nach Unfall dann an so unsäglichen Spitzkehren die tollen "Trixi Spiegel" nachgerüstet. Das verbessert die Sicht um die Ecke, aber nicht das Fahren mit kleinem Wende-Radius.
AntwortenLöschenIch fahr die Ecke als. Schlechte Zufahrt mit Pfosten im Weg. Und dann wirds als Radverkehrs-Infrastruktur verkauft, dabei ist es „nur“ Gehweg mit Rad frei. Eine typische Mannheimer Mogelpackung.
LöschenKarin
Die dafür Verantwortlichen hassen halt Behinderte. Hat man Probleme mit dem Gleichgewicht greift man zum Dreirad mit oft größerem Wendekreis, Blinde greifen gerne direkt zum Tandem mit einer sehenden Steuerperson vorne. Da hat man dann Spaß in engen Kehren oder mit Drängelgittern.
AntwortenLöschenEs ist auch besonders "aufmerksam" vom Planer der Brücke, so viele senkrechte Stäbe für das Geländer zu verwenden, wo die doofen Radies hängen bleiben können. Dafür gibt es auch ein Geländer am Geländer, was die lichte Breite nochmals verkleinert und der Schlosserinnung Schotter (bzw. Golderze) verspricht. Ist vielleicht auch als modaler Filter gedacht für jeden der es wagt, schneller als 5 km/h zu fahren. Offenbar sind die blöden Radies nicht so einfach auszurotten - der KFZ Verkehr muss rollen! /s
AntwortenLöschenIch war kürzlich in Wien und dort sehr positiv überrascht wie der Zugang für Radfahrer und Fußgänger auf zumindest einige der Donaubrücken gelöst ist. auf einer Seite Fußgänger mit einem scheinbar nachträglich angebauten freistehenden Treppenbauwerk (schaue in Google maps nach der Praterbrücke, das ist auf der Karte gut zu sehen), auf der anderen Seite für Radfahrer ähnlich, aber eine runde Spirale als Rampe. Ich war allerdings zu Fuß und habe nicht so sehr auf die Steigung geachtet.
AntwortenLöschenSo ein Bauwerk braucht natürlich mehr Platz als Rampen mit Spitzkehren, aber es hat sich schon gut angefühlt.
In Ulm gibt's auch so eine Spirale. Finde ich ganz angenehm zu befahren
AntwortenLöschenhttps://www.komoot.de/highlight/1996731?ref=ahd
Danke für die Hinweise auf die Spiralen. Die brauchen natürlich Platz, sind aber die beste Lösung.
AntwortenLöschenBin etwas spät dran - aber auch hier 2 - wie ich finde gelungene - Spiralen.
AntwortenLöschenBeide in Raunheim.
1. die Ölhafenbrücke https://www.openstreetmap.org/way/204084511 hat sogar einen eigenen Wikipediaartikel https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lhafenbr%C3%BCcke_Raunheim
2. Älter aber auch nicht schlecht https://www.openstreetmap.org/way/160524140
In Darmstadt gibt es das „Rote Wunder“ oder die „Pont de Louboutin“. https://maps.app.goo.gl/qBxc2ZBjehRRTXkMA?g_st=ic
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