Gegen eine Einbahnstraße fahren, auf der linken Straßenseite fahren und halten, das darf die Müllabfuhr. (Zum Wiederlesen)
Paragraf 35 Absatz 6 der Straßenverkehrsordnung* erlaubt es Müllfahrzeugen wie Baufahrzeugen oder Straßenreinigern, auf allen Straßen und Straßenteilen und auf jeder Straßenseite in jeder Richtung zu allen Zeiten zu fahren und zu halten, wenn ihr Einsatz das erfordert. Denn die Müllabfuhr erledigt hoheitliche Aufgaben.
Für Autofahrende bedeutet das, dass sie manchmal länger warten müssen, bis sie an einem Müllfahrzeug vorbeikommen. Und Warten ist leider nicht das, was Autofahrende gut können. Das gilt übrigens auch für Radfahrnde, die noch leichter in Versuchung geraten, das Müllauto über den Gehweg zu umfahren. Damit bringen sie (wie übrigens auch Autofahrende) die Müllleute in Gefahr, die mit Mülltonnen hinter dem Müllauto oder einem Haus hervorkommen. 2018 hat mir die AWS (Abfallwirtschaft Stuttgart) deshalb mal einen Brief geschrieben, in dem sie mich bat, Radfahrende darauf aufmerksam zu machen, dass sie auf Kollisionskurs mit Müllleuten fahren (Foto oben). Weder Radfahrende, noch Autofahrende dürfen Gehwege benutzen, um ein haltendes Auto zu umzufahren. Sollten sie dennoch tun, dann sollten sie es wenigstens unbedingt sehr, sehr langsam und aufmerksam tun. Wir Radfahrende können übrigens kurz absteigen und schieben. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Autofahrenden.
Sonderrechte haben auch Polizist:innen in Polizeiautos. Allerdings nicht immer.
Wir Radfahrenden wundern uns immer wieder, wenn ein Polizeiauto beispielsweise wie ein Radfahrer vom Tagblattturm über den Radfahrstreifen in den Teil der Eberhardstraße einbiegt, der autofreie Fahrradstraße ist. Aber der Streifendienst mit als solchen erkennbaren Polizeifahrzeugen ist auch eine hoheitliche Aufgabe. Kürzlich kamen mir da allerdings ein schwarzes Auto entgegen (ungefähr so wie auf dem Foto). Von uns Radfahrenden, die wir da raus wollten, aufs Abbiege- und Einfahrtverbot hingewiesen, behauptet der Fahrer, von der Polizei zu sein und dies zu dürfen. Ich habe ihn sofort nach dem Polizeiausweis gefragt. Er seufzte und fing an zu suchen. Eine zufällig vom Wilhlemsplatz kommende Streife im Polizeiauto raunzte den illegalen Fahrer über Lautsprcher an, dass er da nicht einbiegen dürfe. Die Sonderrechte gelten nur dann, wenn die Polizei im Einsatz ist, was aber, wenn man dem Auto nicht ansieht, dass es ein Einsatzfahrzeug der Polizei ist? Wir nehmen es hin, dass ein Polizeiauto auf Streife im Ordnungsdienst durch die Eberhardstraße oder eine Fußgängerzone fährt, aber nicht irgendwelche Autos, die nicht als Polizeifahrzeuge (Baufahrzeuge oder Müllautos) erkennbar sind. Auch auf Radwegen darf die Polizei ihre Fahrzeuge nur in besonderen Fällen abstellen, etwa zur Absicherung eines Unfalls oder bei einer eiligen polizeilichen Maßnahme, etwa der Vollstreckung eines Haftbefehls. Geht es nur um eine Wohnsitzermittlung (oder den Gang zum Bäcker), dann müssen sie das Auto woanders hinstellen.__________
*(6) 1Fahrzeuge, die dem Bau, der Unterhaltung oder Reinigung der Straßen und Anlagen im Straßenraum oder der Müllabfuhr dienen und durch weiß-rot-weiße Warneinrichtungen gekennzeichnet sind, dürfen auf allen Straßen und Straßenteilen und auf jeder Straßenseite in jeder Richtung zu allen Zeiten fahren und halten, soweit ihr Einsatz dies erfordert ...
> Die Sonderrechte gelten nur dann, wenn die Polizei im Einsatz ist, was aber, wenn man dem Auto nicht ansieht, dass es ein Einsatzfahrzeug der Polizei ist?
AntwortenLöschenIn dem verlinkten Artikel steht
> Um Sonderrechte in Anspruch nehmen zu können, müssen Einsatzfahrzeuge in der Regel Blaulicht und Martinshorn einschalten. Damit wird den anderen Verkehrsteilnehmern signalisiert, dass höchste Eile geboten ist und sie Platz machen müssen. Ohne diese Signale haben Einsatzfahrzeuge kein Wegerecht und müssen sich an die normalen Verkehrsregeln halten.
Ich sehe regelmäßig Polizeiautos die die Eberhardstraße ohne Blaulicht oder Martinshorn und ohne erkennbaren Grund entgegen der Einbahnstraßenrichtung befahren.
Das wäre denen ja dann eigentlich nicht erlaubt, oder ?
Auch besonders beliebt bei mir: die Reiterstaffel die ihren mobilen Stall auf die HRR1 vor der Oper abstellt...
Ja, das mit der Polizei ist halt ein Problem. Allerdings dürfen die in Fußgängerzone fahren, und das machen sie nicht mit Blaulicht, wenn sie Streife fahren. Überhaupt glaubt die Polizei, dass sie mit ihren Fahrzeugen immer und überall auch dort abbiegen und reinfahren darf, wo Autos eigentlich nicht abbiegen und reinfahren dürfen. Aber ich rege mich darüber nicht sonderlich auf. Schließlich wollen wir ja auch, dass die Polizei präsent ist und aufpasst.
Löschen> Schließlich wollen wir ja auch, dass die Polizei präsent ist und aufpasst.
LöschenAus jahrzehntelanger Erfahrung als Mensch mit Stadtbildgesicht kann ich das nicht so unterschreiben.
"Präsent sein und Aufpassen" heißt leider auch, ein Beispiel von vielen, jemanden vom Fahrrad zu ziehen weil, Zitat, "Es eher ungewöhnlich ist, daß Menschen wie sie in dieser Gegend zu sehen sind."
Mir wäre schon wichtig zu wissen daß innerhalb der Polizei eine Kultur herrscht in denen das einhalten von Regeln, Recht und Gesetz auch für die Polizei gilt, und sich nicht einfach so darüber hinwegesetzt wird.
... ich fahre oft über den Gehweg an einer Müllautoblockade vorbei.
AntwortenLöschenLeider führen Radhauptrouten durch Wohngebiete wo ein Müllauto eine Straßensperre ist.
Allerdings fahre ich auf dem Gehweg dann mit < 3 km/h und halte intensiv ausschau nach den beiden (bei uns sind es immer zwei) Müllwerkern die mit den Tonnen hantieren. Wenn ich beide sehe und die wollen oder müssen grad nicht über den Pfad den ich mir ausgesucht habe, dann fahre ich.
Auf die Art muss ich mal 30s warten weil die schwere Mülltonnen über den Weg schieben aber dann komm ich vorbei. Mehr als 30s sind es nie.
Aber dafür bin ich eigentlich Fußgänger der gehen nur zu umständlich findet, ich bin langsam und eher bereit stehen zu bleiben und zu warten als so manche echte Fußgänger. Ich denke das ist eine Variante mit der alle Leben können, ich brauch keinen schlechten Umweg fahren und die Müllarbeiter müssen auf mich keine Rücksicht nehmen, weil ich in so großem Abstand warte, dass die gar nicht auf die Idee kommen sie müssten wegen mir irgendetwas anders als geplant machen.
Im eigenem Wohngebiet kenn ich die Zeiten und fahre mit dem Auto dann halt einen eine halbe Runde um den Block, auf dem Weg in die Arbeit geht das leider nicht, denn der gut zu fahrende Umweg ist die für KFZ optimierte Hauptstraße mit zwei großen Kreuzungen. Und da Radler ja außen rum geführt werden ist das eine Wahl die man nur ein mal probiert, dann weiß man das das zeitraubend und nicht gerade stressfrei ist. Auf dem Weg in die Arbeit trifft man halt immer an den gleichen Stellen auf die gleichen Hindernisse -