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9. August 2026

Geschüzte Radfahrstreifen gibt es in Stuttgart nicht

In München gibt es im Verhältnis zu den Autostraßen die meisten geschützten Radfahrstreifen. Wie der ADFC auf Facebook berichtet, ist das Netz von protected Bike Lanes 862 km lang. 

Das entspricht laut ADFC  37 Prozent des gesamten Straßennetzes. Hamburg kommt zwar auf 1291 km geschützter Radinfrastruktur, aber das sind nur (aber immerhin!) 33 Prozent des Straßennetzes. Dazu zählen auch Radwege, die von der Fahrbahn getrennt auf Gehwegniveau verlaufen. Protected Bike Lanes sind Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau, die durch Poller oder Betonelemente vom Autoverkehr getrennt sind. Mal schnell mit dem Auto auf den Radfahrstreifen fahren und anhalten ist nicht möglich. Sie lassen sich, verglichen mit einem Radweg (auf Gehwegniveau), schnell und kostengünstig herstellen. Sie ermuntern Menschen, das Fahrrad statt des Autos zu nehmen, weil sie Schutz bieten. Radfahren ist dann nicht davon abhängig, dass sie Autofahrende regelkonform verhalten und den Radfahrstreifen respektieren. 

In Stuttgart gibt es ein paar Kilometer reine Radwege, aber mit ist keine einzige protected Bike Lane bekannt. 

Es gibt keine, wie die Stadt selber mitteilt. Informationen zur Länge unseres Radfahrstreifennetzes findet die städtische KI auch nicht, obgleich es diese Informationen gibt. Wir haben nur rund 41 km Radfahrsteifen im Stuttgarter Straßennetz von 1.300 km Länge. Das sind gerade Mal gut 3 Prozent. Bei den Radwegen kommen wir gerade mal auf gut 20 km getrennt vom Auto- und vom Fußverkehr, das entspricht 1,5 Prozent. Wir sind also von München oder Hamburg mit unserer Radinfrastruktur noch meilenweit entfernt. 

Ich kenne übrigens allerdings hier und dort im Kurvenbereich durch Baken geschützte Schutzstreifen wie zum Beispiel in der Zimmermannstraße, wo es von der Alexanderstraße runter geht zum Kreisverkehr an der Olgastaße (Foto oben). Auch in der Liststraße, wo der Radstreifen von der Böheimstraße hoch geht und in die Liststaße mündet, gibt es so einen Schutz, der aber teils schon wieder beschädigt ist.


Und geschützt ist auch dieser Radstreifen in der Industriestraße zum Kreisverkehr am Wallgraben hin. Vermutlich, um zu verhindern, dass Autofahrende über den Streifen hinweg auf die Rechtsabbiegespur fahren. 

Geschützte Radstreifen kann man nur dort anlegen, wo nicht rechts davon noch Autos geparkt werden dürfen. Werden Radstreifen von Autofahrenden respektiert - das scheint beispielsweise auf der Böblingerstraße in Kaltental zumindest bergauf der Fall zu sein -, dann ist der Schutz durch Betonbegrenzungen wohl nicht notwendig. Stehen aber immer wieder Autos auf einem Radstreifen (wie auf der Theo, die aber richtige Radwege kriegen soll), dann braucht es physische Hindernisse. 

Problematischer finde ich übrigens den geringen Respekt von Autofahrenden vor den sogenannten Schutzstreifen und den Radaufstellflächen an Ampeln. Geschätzt ein Drittel neigt dazu, mit den rechten Reifen auf dem Schutzstreifen zu fahren und an Ampeln auf Radaufstellflächen zu halten und mir als von hinten an eine Ampel herankommender Radfahrerin den Platz wegzunehmen. Mal schnell auf Schutzstreifen halten anhalten, ist sowieso üblich. 

Grundsätzlich gilt: Wenn eine Stadt wirklich ernsthaft den Radverkehr fördern will, dann muss sie diejenigen aufs Fahrrad bringen, die bislang zögern, weil ihnen die Situation auf unseren Straßen fürs Radfahren zu unsicher erscheint - egal ob rational oder irrational begründet. Das Potenzial ist groß. Aber die Menschen müssen sichere und einladende Radinfrastruktur sehen. Sie dürfen nicht die Sorge haben, dass Autofahrende ihnen vors Vorderrad fahren oder sie um ihren Platz an der Ampel streiten müssen. Dazu tragen geschützte Radstreifen bei. 

Frage an euch: Wo wären in Stuttgart geschützte Radfahrstreifen wünschenswert oder dringend notwendig. 


19 Kommentare:

  1. In San Francisco gibt es doch auch keine Rücksichtnahme auf Radfahrer - somit können wir bei unserem aktuellen OB lange warten!

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    1. Es ist nicht der OB, der sowas entscheidet, sondern der Gemeinderat. Und der hat schon oft gegen den OB entschieden.

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    2. Stimmt, aber die Verwaltung macht dann nichts oder seehr langsam.
      Der kleine Streifen in der Liststraße ist repariert, am Do oder Fr waren Arbeiter vor Ort

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  2. charlottenstr., hohenheimer str., also am olgaeck. weiss nur nicht ob moeglich, da man als autofahrer ja rechts und links abbiegen kann. so wie es da allerdings ist, ist es fuer radfahrer kaum zumutbar.

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    1. Dass man abbiegen kann, spricht ja nicht gegen einen geschützten Radwege, beispielsweise die Charlotten- und Hohenheimerstraße hinauf und hinunter. Derzeit kann man da auf der Fahrbahn nur mit sehr großer Stressresitenz radeln. Ich bin schon lange der Meinung, dass da Radfahrstreifen hingehören.

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  3. Das Überfahren der Schutzstreifen ist ein wichtiges Thema, das mal allgemein intensiver publiziert werden sollte! Letzte Woche hatte ich eine größere Anlieferung zu erledigen, wo ich einmal mit Rad + Anhänger, und einmal mit einem Stadtmobil-Lieferwagen hingefahren bin. Es geht da kurz vor dem Ziel eine Steigung hoch, die dankenswerterweise über so einen gestrichelten Schutzstreifen verfügt, weil man als Radler - auch mit E, gerade mit mehr "Tonnage" - einfach langsamer wird.

    Es ist erstaunlich, wie wenige Autofahrer den Streifen respektieren, wenn nicht gerade ein konkreter Radler zu sehen ist. Dabei ist in diesem Fall die Straße so gut konzipiert und markiert, daß es mir sogar mit dem etwas breiter als ein typischer Pkw dimensionierten Lieferwagen möglich war, den Schutzstreifen regulär freizuhalten, ohne auch nur annähernd an die Mittellinie oder gar in den Gegenverkehr zu gelangen.

    Ist es allgemeine Schlampigkeit, daß "Nur-Autofahrer" so wenig auf ihre Spur achten? Oder bin ich als Primär-Radler und Gelegenheits-Autofahrer so stark durch die Rad-Perspektive geprägt, übermäßig darauf zu achten?

    Ich sehe es nicht als Belastung, darauf zu achten, sondern wenn als positive Herausforderung. Und so mancher Autofahrer wäre doch gern halber Rennfahrer - da könnte so eine Präzision doch auch eine Herausforderung sein, statt allgemeinem Schlendrian... aber wahrscheinlich sind Handy und andere Themen wichtiger. Oder man kennt wirklich das Rad nur als "Sportgerät" und fährt selbst nur Feldwege....

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    1. Es gibt eine Neigung bei manchen Autofahrer:innen, nach rechts zu ziehen, auch auf Radfahrstreifen. Es ist ein Phänomen.

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    2. (0) Kraftfahrer, die die Regel kennen und sich daran halten
      (1) Solche, die die Regel kennen, wenn sie es für richtig halten. Im Zweifel auch mit dem Wissen, dass die reine Benutzung des Schutzstreifens durch Kfz scheint keinen Tatbestand zugeordnet hat.
      (2) Alle anderen anderen Kraftfahrer, die die Regel nicht kennen sehen ohnehin keine Notwendigkeit sich an das Regelwerk zu halten, das würde auch beinhalten sich auf dem aktuellen Stand zu halten.

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  4. Inzwischen ist in der ADFC Mitteilung nur noch von "vom Kfz-Verkehr getrennter Radinfrastruktur" die Rede. Als Müncher habe ich mich auch gewundert, wo diese Protected Bike Lanes sein sollen.

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    1. Du meinst, diese protected Bike Lanes in München gibt es gar nicht. Interessant.

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    2. Die Protected Bike Lanes gibt es schon, aber sie sinr nicht 862 km lang sondern nur ein winziger Anteil davon.

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    3. Stimmt, und implizit geht das aus der ADFC-Meldung auch hervor, die ich nicht genau genug gelesen habe oder die inzwischen korrigiert wurde. Rechnet man Radwege zur "geschützten Radinfrastruktur" dazu, dann ergibt sich doch wieder ein ganz anderes Bild. Auch wenn Stuttgart dabei auch nicht gut aussieht. Ich habe meinen Blogbeitrag etwas abgeändert. 😊

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  5. Kalle: Die fehlende Radinfrastruktur ist nur ein Teil des Problems. Ich bin mir sicher, dass der Radverkehr wesentlich zunehmen würde, wenn Gesetze, Regeln und Vorschriften endlich auch um- und durchgesetzt würden (Geschwindigkeitsbegrenzungen, Abstandsregeln, Überholverbote, Durchfahrtsbeschränkungen, die Liste ist endlos). Das ist m.E. politisch gar nicht erwünscht.

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  6. Kalle:
    Frage an euch: Wo wären in Stuttgart geschützte Radfahrstreifen wünschenswert oder dringend notwendig? -> Schwabtunnel, Schwabstraße komplett, Rosenbergstraße vom Rosenbergplatz Richtung Hegelstraße.

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    1. Das Problem ist für sehr viele Menschen die fehlende geschützte Infra. Die bekommen wir nur, wenn Autofahrspuren baulich getrennt zu Fahrradspuren werden. Sonst wird das leider nichts werden. Ich war früher anderer Ansicht, habe jedoch in Gesprächen dazugelernt. Die Unerschrockenen Radis sind in der Unterzahl.

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    2. ... ich musste auch lernen, dass geschützte Infrastruktur für viele wichtig ist.
      Eigentlich schade, denn die Flexibilität der Flächennutzung wäre ein Vorteil aber leider wird diese eben so oft missbraucht dass das Sicherheitsgefühl leidet.
      Und wer nicht schon Jahre im Mischverkehr fährt, fängt erst gar nicht damit an, wenn es bei ersten Versuch schon mehrere unangenehme Situationen gibt. Trotzdem führt nichts daran vorbei, dass Autofahrer lernen müssen Radfahrern ihren Raum zu lassen, denn abgetrennte Radwege kann es nur in begrenzter Zahl geben.

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    3. Sehe ich auch so, Und je mehr Radfahrende letztlich unterwegs sind, weil sie eine gut Infrastruktur sehen und erleben, desto leichter wird es für Radfahrende dann auch an Stellen, wo sie im Mischverkehr mit Autos radeln müssen. Autofahrende gewöhnen sich dann schneller dran, dass sie auf Radfahrende achten müssen.

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  7. Es gibt in Stuttgart doch einen geschützten Radfahrstreifen. Den auf der König-Karl-Brücke. Und das ist mal gut geschützt !

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    1. Das ist ein Zweirichtungsradweg, kein Radfahrstreifen. Aber geschützt ist er.

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