Seiten

8. September 2026

Gemeinsam radeln fördert Radeln

Kidical Mass Stuttgart
In Barcelona begann 2020 die Sache mit dem Bicibús, dem Bike Bus oder Fahrrad-Bus. Kinder mit und ohne Eltern sammeln sich und radeln gemeinsam zur Schule. Inzwischen gibt es das für 431 Strecken in 17 Ländern für 35.000 Kinder pro Woche. 

Das berichtet City Lab Barcelona. Der Bicibús hat sich von einem lokalen Experiment zu einer weltweiten Bewegung gemausert. Familien erleben ihre Städte anders, weil sie sich erst in geschützten Gruppen und dann alleine trauen, mit dem Fahrrad zu fahren. Eine Doktorarbeit hat das Phänomen in Barcelona, Zaragoza und Lissabon untersucht. Sie wollte herausfinden, wie sich Rad-Busse auf die Nutzung des Fahrrads auswirken, welche Faktoren dabei zum Tragen kommen und wie die Politik sie unterstützen können. 

Der Fahrrad-Bus ist deshalb wirkungsvoll, weil er Familien aufs Fahrrad bringt. Kinder, die sich zum gemeinsamen zur Schule Radeln treffen, können ihre Radfahrfähigkeiten dreimal schneller verbessern als andere Kinder. Die Gemeinschaft schützt vor dem direkten Kontakt mit dem Autoverkehr, verringert die Anspannung im Straßenverkehr und gibt Kindern und deren Eltern Raum zu radeln und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Alle, die mitradeln, sehen, wie ein Fahrrad ausgerüstet sein muss, können sich an Vorbildern orientieren und erleben Gemeinschaft. Das Radfahren wird zu einer normalen Mobilitätsform, wenn man sieht, dass andere Familien auch Rad fahren und dass es sogar Spaß macht, mit dem Rad in der Stadt unterwegs zu sein. Der Bicibús fördert außerdem den sozialen Zusammenhalt, stärkt das Selbstverständnis als Radfahrer:in und unterstützt Teilhabe und Freundschaften. Dann treffen sich Kinder und Familien auch mal außerhalb der geschützten Fahrten zu Radtouren. Radaktiivitäten wie "Kidical Mass" entwickeln sich daraus. 

In Berlin, Frankfurt und einigen anderen Städten - aber nicht in Stuttgart - organisiert der ADFC, oft zusammen mit lokalen Initiativen, ebenfalls Fahrradbusse, wie der ADFC 2015 schreibt. Das macht den Schulweg für alle sicherer. Das ist besonders in Anbetracht dessen dringend notwendig, dass im vergangenen Jahr so viele Kinder wie seit Jahren nicht mehr morgens auf dem Schulweg von Autofahrenden angefahren und verletzt oder getötet wurden, 7 Prozent mehr als im Vorjahr: Fast 30.000 Kinder verunglückten im Straßenverkehr 2025. 74 Kinder wurden getötet, 21 mehr als 2024. 34 Prozent der Verunglückten fuhren Fahrrad, 31 Prozent saßen im Auto und 20 Prozent gingen zu Fuß, wobei die unter 6-Jährigen, die besonders oft mit dem Auto gefahren werden zu 55 Prozent im Auto zu Schaden kamen. 

Den Schulweg sicherer machen, ist dringend geboten. Es liegt nicht an den Kindern, wenn sie angefahren oder getötet werden, sondern an der Art, wie wir den Straßenverkehr organisieren und alles - Fußgehen und Radfahren - dem Autoverkehr unterordnen. Wenn Ecken zugeparkt sind, können Kinder nicht sehen, ob ein Auto kommt. Wenn Fußwege schmal sind, treten sie aus Versehen mal auf die Fahrbahn, wenn sie mehreren unterwegs sind. Und solange Autofahrende Kinder auf dem Gehweg anfahren, weil sie rücksichtlos aus Einfahrten rausfahren oder in sei einbiegen, sind Kinder auch dann chancenlos, wenn sie sich richtig verhalten, im Vertrauen darauf, dass Autofahrende sich auch en die Vekehrsregeln halten und vor allem auf Kinder achten. 

Zu mehr Sicherheit kann aber auch der Bicibús beitragen, weil er den Kindern in der Gemeinschaft das Radfahren und das sichere Radfahren beibringt und sie zunächst in Ruhe üben können. In Stuttgart bietet die Kidical Mass über die Stadt verteilt im Jahr ein Dutzend Sonntagsausfahrten an. Auch das hilft, Kinder und Eltern gemeinsam aufs Fahrrad zu bringen, den Stadtteil auf dem Fahrrad kennenzulernen und zusammen Spaß zu haben. 

1 Kommentar:

  1. Wir sind früher auch mit dem Rad zur Schule gefahren. Einen Bicibus gabs damals nicht. Wir sind halt über Gehwege, Fußgängerbereiche und soweit als möglich ruhige Seitenstrassen gefahren. Auch wenn die Strecke irgendwann mal illegal wurde, weil man zu alt war.
    Meine Mutter hat aber schon damals gesagt, dass die die andere vor der Schule gefährden ausgerechnet die Mütter sind, die gerade ihre Kinder per Auto abgeliefert haben. Wenn wir mal gefahren wurden, mussten wir weiter vor der Schule aussteigen als Andere, damit man sich nicht noch da ins Getümmel stürzen musste.
    Ich finde mit dem Rad zur Schule auch wesentlich besser, aber wenn ich mir die Strecken ansehe und wie es dort abgeht, kann ich jedes Elternteil verstehen, das das seinen Kindern nicht antun möchte.
    Den Bicibus finde ich nicht schlecht, ob er sich für diese schlechten Strecken eignet weiß ich nicht. Ein Versuch wärs auf jeden Fall wert.
    Ich wünschte mir, mehr Polizeikontrolle (des Drumrumverkehrs, nicht der Schüler) auf den Schulwegen besonders zu morgentlichem Schulanfang und mittäglichem Ende und nicht nur in der ersten Woche nach den großen Schulferien. Und insgesamt mehr Sensibilisierung der Autofahrenden im Hinblick auf Rücksichtnahme und Regeltreue.
    Karin

    AntwortenLöschen