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26. Oktober 2026

Nicht alle können Rad fahren. Aber wie viele sind das?

Nicht alle können Rad fahren, höre und lese ich oft, wenn ich darüber rede oder schreibe, dass mindestens die Hälfte aller Alltagswege in der Stadt mit dem Fahrrad, statt mit dem Auto bewältigt werden könnten. 

Knapp die Hälfte aller Arbeitswege sind kürzer als 10 km (für ein Pedelec keine lange Strecke). Einkaufen, Kinder zur Kita bringen, Oma und Opa versorgen, Freund:innen besuchen, das alles ist innerhalb einer Stadt wie Stuttgart viel öfter mit dem Fahrrad möglich, als es getan wird. Aber es können halt nicht alle Fahrrad fahren, erklärt man mir dann. Es können aber auch nicht alle Auto fahren, erwidere ich. 

Wieviele sind das eigentlich? 

Der Fahrradmonitor 2025 des Bundesverkehrsministeriums schreibt dazu: "Die überwiegende Mehrheit aller Befragten (85 %) schätzt ihre Radfahrfähigkeiten als sehr gut oder gut ein. Entsprechend geben kleine Anteile an, mittelmäßig (10 %) oder nicht so gut bzw. überhaupt nicht gut (3 %) Fahrrad fahren zu können. Kaum Befragte (1%) geben an, nicht Fahrrad fahren zu können. Die meisten Befragten haben das Fahrradfahren im Vorschulalter (56 %) oder im Grundschulalter (37 %) erlernt." 

Der Anteil der Leute, die gar nicht Rad fahren können, liegt also bei 1 Prozent. Ich würde beim Radfahren noch die rund 0,2 Prozent der Menschen mit einrechnen, die eine Sehbehinderung haben und deshalb weder Rad noch Auto fahren können, weil die bei solchen Fahrradmonitor-Umfragen vermutlich eher nicht mitmachen. Rechnen wir noch die 1 Prozent der Menschen hinzu, die wegen einer vorübergehenden Verletzung von Hand, Knie oder Fuß für einige Wochen oder Monate nicht Rad fahren können, dann kommen wir auf 2,2 Prozent. Das sind sehr viel weniger als nicht Auto fahren können. 

12 Prozent der Erwachsenen können nicht Auto fahren. Sie haben keinen Führerschein, aus welchen Gründen auch immer. Rechnet man die Kinder mit ein, die nicht Auto fahren dürfen (aber Fahrrad fahren können), dann erhöht sich die Zahl auf 22 Prozent. Dazu kommen noch diejenigen, die nicht mehr Auto fahren können, obgleich sie ihre Führerscheine noch besitzen (Alte, Demente, Verletzte, Immobile). Da es dazu keine Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts gibt, werden sie unter anderem von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft in einer Dunkelfeldschätzung auf 10 Prozent geschätzt. Damit summiert sich die Zahl derer, die nicht Auto fahren können auf 32 Prozent. Dieselben 10 Prozent schlage ich auch der Gruppe zu, die nicht Rad fahren kann. 

Also: Ein Drittel kann nicht Auto fahren, ein Achtel kann nicht Rad fahren. 

Hm! Obgleich fast alle, die noch mobil sind, Rad fahren können, aber gut ein Fünftel der noch mobilen Bevölkerung nicht Auto fahren kann und darf, machen wir unsere Verkehrspolitik vor allem für Autofahrende. Auch Menschen ohne Auto finanzieren über ihre Steuern den Straßenbau, die Straßenrandparkplätze oder die Lärmschutzmaßnahmen und über ihre Krankenkassenbeiträge die gesundheitlichen Schäden durch den Autoverkehr. Die Kfz-Steuern, die Autofahrende zahlen (E-Auto-Besitzende zahlen derzeit keine), reichen dafür nicht aus. Pro Kopf wenden wir in Deutschland (vom Säugling bis zur Rentnerin) im Jahr rund 5000 Euro für den Autoverkehr auf. Mehrwertsteuern bezahlen wir alle, wenn wir einkaufen. 46 Millionen zahlen in Deutschland aber auch Einkommensteuer und die wenden rein rechnerisch und im Durchschnitt 10.000 pro Kopf und Jahr für den Autoverkehr auf. 

Natürlich finanzieren auch die Menschen, die nur Auto fahren, kein Fahrrad haben oder nicht Rad fahren können die Radinfrastruktur. Doch die ist so unendlich viel billiger, dass sie pro Jahr und Kopf zwischen nur mit rund 5 - 8 Euro und pro tatsächlich Steuerzahlenden rund 15 Euro beträgt. Zudem bringen Radfahrende der Stadt einen Gewinn an Gesundheit und an Einsparungen von Krankheitstagen und Lärm- und Umweltschutzmaßnahmen. Gemessen daran, was wir Steuerzahlenden für den Autoverkehr aufbringen, auch dann, wenn wir gar kein Auto haben, ist das nichts. 



4 Kommentare:

  1. Anderswo ist man offenbar weiter als in Deutschland. Interessanter Artikel vom Wochenende. Übrigens: Hat eigentlich der sogenannte Bund der Steuerzahler auch etwas zur A 100 in Berlin zu sagen?

    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/politik/stadt-der-zukunft-kulturkampf-ums-auto-die-revanche-der-radler-und-fussgaenger-79528438.html

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  2. Für Fahrten auf regulärem Asphalt mit ausreichender Breite dürften die Annahmen des Radpotentials ungefähr stimmen.
    Wenn aber die real existierende 'Radinfra' zugrunde gelegt wird verschiebt sich das Bild.
    Es braucht eine ausreichend robuste Gelenkgesundheit und ausreichend gute Reaktionsfähigkeiten, um auf den 'separierten' Rumpelradwegen halbwegs sicher unterwegs zu sein.
    Viele Oberflächen zB sind für die sehr große Gruppe der Vibrationsvulnerablen (wie zB etliche rheumatisch Erkrankte, etc.) kontrainduziert. Zwar WÄRE das Radfahren für diese Gruppen i.d.R. sogar gesundheitsfördernd, aber halt nicht auf den rumpelnden Oberflächen des viertklassigen 'Radwegenetzes'.
    Im Berufsleben gibt es Belastungsgrenzwerte für Vibrations- und Stoßbelastungen, beim Radverkehr wird der Wissensstand über die Vibrationsgefahren systematisch unter den Tisch gekehrt.
    Dass die betreffenden Gruppen sich nicht über die Rumpelwege beschweren hat seinen Grund:
    sie fahren wohlweislich nicht mit dem Fahrrad, sondern wählen das Auto mit seinem großen umwegfreien Netz aus breiten glatten Asphaltstraßen, das ja dem Radverkehr systematisch mehr und mehr entzogen worden ist, und weiterhin, sogar verstärkt, entzogen wird.
    Das sogenannte 'Radverkehrsnetz' mag für robuste sportliche Menschen halbwegs nutzbar sein, für inklusiven Verkehr ist es weitgehend ungeeignet.
    Alfons Krückmann

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  3. Ich hab den Titel falsch interpretiert. Ich dachte, es geht hier um die Autofahrenden, die häufig Fehler machen, die zu eng überholen, Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht einhalten, falsch parken. Dagegen sind die Radfahrenden, die ohne Fremdeinwirkung auf was drauf fahren oder mit dem Rad umkippen vermutlich eher selten, oder?

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    1. Erst den Artikel lesen, dann kommentieren, wäre vielleicht eine gute Option. 😊

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