Wie der SWR und die Neue Pressegesellschaft (StZ und StN) berichten war in Stuttgart ein Rückgang um 67 Prozent zu verzeichnen, in Heilbronn um 71 Prozent und in Reutlingen um 70 Prozent. Ausgewertet wurden Straßen, auf denen zwischen 2019 und 2021 die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 40 km/h gesenkt wurde, und Unfälle, an denen mindestens ein:e Autofahrer:in beteiligt war. Grundlage waren die Daten des Statistischen Landesamts. Besonders die Unfälle mit Schwerverletzten gingen drastisch zurück. Aber es verringerten sich auch deutlich die Unfälle mit Leichtverletzten. Aus der Grafik auf der Seite des SWR kann ich grob auf einen Rückgang um 40 Prozent schließen.
Interessanterweise wurden auch dort nennenswert weniger Menschen durch Autofahrende verletzt, wo noch Tempo 50 gilt. Im Durchschnitt waren das bei Städten in Baden-Württemberg mit über 50.000 Einwohnenden 46 Prozent weniger. Der Rückgang lässt sich also nicht allein mit Tempo 40 erklären. Auch die Fahrassistenzsysteme in modernen Autos könnten etwas dazu beigetragen haben, doch die meisten haben diese nicht. Es könnte auch daran liegen, dass insgesamt etwas weniger Auto gefahren und mehr zu Fuß gegangen und mit dem Rad gefahren wurde und wird.
Zu Tempo 40 hat auch die Uni Stuttgart eine Studie für Stuttgart vorgelegt. Die Reduziereung um 10 km/h (gegenüber 50 km/h) führte dazu, dass sich die Durchchnittsgeschwindigkeit bei einer Fahrt durch die Stadt nur um 1,2 km/h verringerte, also geringfügig. Da Tempo 30 auch dann die Unfallzahlen senkt, wenn sich viele gar nicht daran halten, kann man auch bei Tempo 40 eine erhöhte Aufmerksamkeit der Autofahrenden annehmen. Mag sein, dass sie mehr darauf achten, wie schnell sie tatsächlich fahren. Und bei wechselnden Höchstgeschwindigkeiten in einer Stadt mag auch der Aufmerksamkeitsgrad höher und das Fahrtempo insgesamt geringer sein. Das kommt Menschen zugute, die keinen Blechpanzer um sich herum haben.
Allerdings ging laut der Stuttgarter Studie die Zahl der Unfälle im Radverkehr nicht zurück, sondern stieg, in Tempo 30-Zonen um 27 Prozent, bei Tempo 40 um 13 Prozent und bei Tempi zwischen 50 und 80 km/h um 7 Prozent. Dass gerade auf Tempo-30-Straßen mehr Radfahrende zu Schaden kommen, liegt sicher daran, dass der Radverkehr vor allem auf solchen Fahrbahnen unterwegs ist und von der Stadt auch über solche Straßen abgewickelt wird. Dort herrscht also sehr viel Radverkehr, während auf Straßen, wo 50 oder schneller gefahren werden darf, eher wenige Radfahrende unterwegs sind. Man kann also nicht sagen, dass Tempo 30 für den Radverkehr gefährlicher sei als bei Tempo 50. Wo mit Autos schnell gefahren wird, sind eben nur wenige auf den Fahrbahnen mit dem Rad unterwegs.
Tempo 30 oder Tempo 40 sind also gut für die Sicherheit des Straßenverkehrs in einer Stadt. In Reutlingen gab es jetzt mehrere Jahre keine Verkehrstoten mehr. In Stuttgart, das die sechsfache Größe von Reutlingen hat, ist das nicht der Fall. Es starben 2018 elf Menschen im Straßenverkehr, 2020 (im Corona-Jahr mit sehr wenig Verkehr) waren es vier, 2025 sieben und 2025 neun. Für statistische Aussagen sind die Zahlen ziemlich klein. Man kann aber erkennen, dass bei wenig Autoverkehr auch weniger Menschen sterben. Am Olgaeck, wo letztes Jahr ein Aurofahrer in eine Menschengruppe fuhr und eine Frau tötete und viele Menschen schwer verletzte, darunter Kinder, wurde inzwischen von der Stadt Tempo 30 angeordnet.
In Stuttgart gilt auf nur 9 Prozent der Straßen Tempo 40, sagt zumindest der OB, der das viel findet. Das entspricht ungefähr 126 Kilometern. Der OB bemühte sich darum, zu Tempo 50 zurückkehren zu dürfen, weil der Grund - die Luftreinhaltung - entfallen sei, denn die Grenzwerte würden nicht mehr überschritten. Dem erteilte das Landes-Umweltministerium bereits eine Absage. Inzwischen ist klar, dass die Grenzwerte in absehbarer Zeit verschärft werden, weshalb man es nun bei Tempo 40 belässt. Auf 70 Prozent oder 900 Kilometer unserer Straßen darf höchstens 30 km/h gefahren werden, weil sie in Wohngebieten liegen. Bleiben von den ingesamt 1.400 Kilometern Straßennetzlänge noch 370 übrig, ca. 26 Prozent, auf denen 50 oder schneller gefahren werden darf.
In Reutlingen werden die Tempo-40-Korridore im Zentrum auch durch die Ampelschaltungen unterstützt. Das heißt, man kommt mit dem Auto flüssiger durch, wenn man sich an die 40 hält, muß weniger bremsen und paßt in der Folge insgesamt die Fahrweise entsprechend an.
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