Abbiegeunfälle 2019

Es trifft oft Kinder, Frauen oder ältere Radfahrer. Sie fahren regelkonform auf dem Radweg. An der Kreuzung haben sie Grün bekommen und fahren im Vertrauen darauf, dass die Autofahrenden ihre Verantwortung kennen. Gleichzeitig hat auch der Autofahrer Grün bekommen. Er biegt ab und überrollt das Kind, die Frau, den Mann.

Hier die Liste der schweren Abbiegeunfälle 2019, von denen ich Kenntnis erlangt habe.
  1. 15. Januar in Rodenkirchen/Köln, 63-jähriger Mann (tot), von Bus überrollt.
  2. 18. Jnauar in Hannover, 11-jähriges Mächen zu Fuß (tot)
  3. 22 Januar in Oldenburg, 17-jährige Frau (tot)
  4. 25. Januar in Offenburg, 13-jährigen Junge (tot) Lkw-Fahrer überfährt ihn beim Abbiegen aus einer Grundstücksausfahrt. 
  5. 20. Februar in Oldenburg, Frau (schwer verletzt) 
  6. 20. Februar in Berlin, 37-jährige Frau (tot).
  7. 19. März in Hamburg, 48-jähirger Mann (tot)
  8. 21. März in Suttgart Bad Cannstatt, 38-jähriger Mann (schwer verletzt) 
  9. 3. April in Berlin, 47-jähriger Mann (schwer verletzt)
  10. 23. April in Stuttgart, 19-jährige Frau (schwer verletzt) 
  11. 30. April in Detmold, 52-jähriger Mann (schwer verletzt) 
  12. 30. April in Colditz, 43-jähriger Mann (schwer verletzt)
  13. 6. Mai in Senftenberg, 84-jähriger Mann (schwer verletzt)
  14. 14. Mai in Fellbach, 71-jährige Frau (schwer verletzt) 
  15. 14. Mai in Gotha, 77-jähriger Mann (verletzt)
  16. 20. Mai in München, 11-jähriger Junge (tot
  17. 4. Juni in Bonn, 25-jährige Frau (tot) (Ersthelferin ist erschrocken über mangelnde Hilfsbereitschaft der Gaffer)
  18. 28. Juni in Stuttgart, 42-jährige Frau (verletzt).  
  19. 10. Juli in Berlin, 55-jährige Frau (tot). In einer Spielstraße überfahren. 

Dass das auch für Lkw-Fahrer eine fürchterliche Situation ist, schildert dieser Artikel. Rechtsabbiegen eine der stressigsten und kritischsten Situationen für Autofahrende. Dass PkW-Fahrer da oft nicht langsam tun, ist unverständlich.

In Deutschland sind 2018 3275 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Davon verunglückten 445 Menschen tödlich auf einem Fahrrad - 63 Radfahrende mehr als im Vorjahr. Insgesamt verunglückten 88.850 Radfahrer/innen, das sind rund 11 Prozent mehr als im Jahr davor. Unter den Unfallopfern waren 10.225 Kinder, das entspricht einem Plus von fast 4 Prozent. Von den 445 getöteten Radfahrenden waren 21 Kinder, sechs von ihnen starben, weil LkW-Fahrer rechts abbogen.

Hier die Liste der schweren Abbiegeunfälle 2018, von denen Kenntnis erlangt habe.

23. Janauar in Berlin, 52-jährige Frau (tot)
25. Januar in Brandenburg, 10-jähriges Mädchen tot)
  1. 13. Februar in Dortmund, 63-jähriger Mann (tot)
  2. 20. Februar in Dresden, Mann mit Baby im Anhänger (schwer verletzt, Baby unversehrt)
  3. 28. Februar Düsseldorf, 47-jähriger Mann (tot)
  4. 8. März in Singen im Kreisverkehr, 73-jähriger Mann (tot)
  5. 19. März in Emsdetten, 72-jährige Frau (tot)
  6. 28. März in Herne, 17-jähriger Junge (schwer verletzt)
  7. 29. März in  Leipzig, 31-jährige Frau (tot)
  8. 4. April in  Bremen, 24-jährige Frau (tot)
  9. 5. April in Berlin, 49-jähriger Mann (schwer verletzt)
  10. 5. April in Osnabrück, 26-jährige Frau (schwer verletzt)
  11. 5. April in Brieselang, 58-jähriger Mann (schwer verletzt)
  12. 10. April in Oranienburg, 59-jährige Frau (tot)
  13. 16. April in Frankfurt, 34-jährige Frau (tot)
  14. 16. April in Rosenheim, 45-jährige Frau (tot)
  15. 18.April in Hannover, 11-jähriger Junge (tot)
  16. 24. April in Köln, 56-jährige Frau (tot)
  17. 30. April in Leipzig, 16-jährige Frau (tot)
  18. 2. Mai in Lünen, 58-jähirger Mann (tot)
  19. 7. Mai in München, 9-jähriges Mädchen (tot)
  20. 7. Mai in Hamburg, 33-jährige Frau (tot)
  21. 20. Mai in Karow, 53-jähriger Mann (tot)
  22. 30. Mai in Ahrensburg 15-jähriges Mädchen (schwer verletzt.)  
  23. 31. Mai in Leipzig 53-jähriger Mann (tot)
  24. 1. Juni in Leipzig, 53-jähriger Mann (tot)
  25. 5. Juni in Erlangen, 25-jährige Frau (schwer verletzt) 6. Juni in Wesel, 44-jährige Frau (tot) 
  26. 6. Juni in Regensburg, 77-jähriger Mann (tot)
  27. 12. Juni in Berlin-Spanndau 8-jähriger Junge (tot)
  28. 1. Juli in Rensburg Eckerförde, 75-jähriger Mann (tot)
  29. 12. Juli in Bad Vilbel, 29-jähriger Mann (schwer verletzt)
  30. 16. Juli in Halle an der Saale, 62-jährige Frau (tot)
  31. 16. Juli in Ammendorf, 62-jährige Frau (tot
  32. 18. Juli in Osnabrück, 32-jährige Frau (leicht verletzt) 
  33. 22. Juli in München, 23-jähriger Mann (tot
  34. 25. Juli in Pirna, 26-jährige Frau (schwer verletzt)
  35. 27. Juli in Ulm, zwei Abbiegeunfälle mit zwei schwerverletzten Radfahrendern 
  36. 6. August in Dortmund, 82-jähriger Mann (tot, stirbt nach 6 Tagen im Krankenhaus)
  37. 21. August in Dortmund, 45-Jährige Frau (leicht unverletzt.) 
  38. 22. August in Dresden, 69-jähriger Mann (schwer verletzt)
  39. 23. August in Berlin, 29-jährige Frau (verletzt)
  40. 29. August in Rohrbrunn, 69-jähriger Mann (schwerst verletzt)   
  41. 29. August in Nürnberg, Mann (verletzt) 
  42. 31. August in Minden-Lübbecke, 52-jähriger Mann (lebensgefährlich verletzt)
  43. 6. September in Hamburg, 77-jährige Frau (schwer verletzt)
  44. 10. September in Düsseldorf, 45-jährige Frau (schwer verletzt)
  45. 17. September in Berlin ein Radfahrer  (tot)
  46. 17. September in Berlin eine Radlerin (schwer verletzt)
  47. 19. September in Duisburg, 55-jährige Frau (tot
  48. 21. September in Stuttgart-Zuffenhausen, 41-jährige Frau (schwer verletzt)
  49. 28. September in Dorsten, 19-jähriger Mann (tot)   
  50. 2. Oktober in Gütersloh, 52-jähriger Mann (schwer verletzt)
  51. 5. Oktober in Osnabrück, Frau (schwer verletzt)
  52. 6. Oktober in Berlin-Adlersdorf, 34-jähriger Mann (tot)   
  53. 10. Oktober in Gießen, 25-jähriger Mann (schwer verletzt)  
  54. 12. Oktober in Rheda-Wiedenbrück, 78-jähriger Mann (schwer verletzt)
  55. 12. Oktober in Varel, 49-jährige Frau (lebensgefährlich verletzt)
  56. 13. Oktober in Dietingen, 65-jähriger Mann (schwer verletzt)   
  57. 24. Oktober in Köthen, 53-jähriger Mann (verletzt)   
  58. 30. Oktober in Halle, Frau, (tot)
  59. 1. November in Halle/ Saale, 53-jährige Frau (tot) "Wie gefährlich sind Pedelecs", fragt die Zeitung und gibt damit der Radfahrerin die Schuld.*
  60. 2. November in Köln, 71-jähriger Mann (lebensgefährlich verletzt)   
  61. 2. November in Osnabrück, 22-jährige Frau (schwer verletzt)
  62. 6. November in Nürtingen 18-jähriger Mann (tot) War bei Dunkelheit ohne Licht auf der Fahrbahn unterwegs, wurde von Linksabbieger erfasst.
  63. 12. November in Offenburg, 33-jähriger Mann (tot)
  64. 13. November, Meckenheim, 62-jähriger Mann (tot)  
  65. 15. November in Paderborn, 35-jährige Frau (schwer verletzt)
  66. 21. November in Varel, 60-jähriger Mann (lebensgefährlich verletzt.)
  67. 23. November in Burgdorf bei Hannover, 16-jährige Frau (tot
Eine Studie der Unfallanalyse Berlin kommt zu dem Schluss, dass bislang sämtliche Einrichtungen an Lkw, die Radler besser sichtbar machen und vor dem Überrollen schützen sollen, untauglich sind.

Mancher mag denken, "na ja, nur verletzt", aber die schwerst Verletzten haben in vielen Fällen ihr ganzes restliches Leben mit den Folgen zu kämpfen. Ihnen fehlt ein Bein, eine Hand, ihr Gesicht wurde zerstört. Eindrucksvoll schildert das Beate Flanz, die in Berlin 2017 von einem Lkw umgefahren wurde. Sie war eine äußerst routinierte Radfahrerin, hatte es sogar kommen sehen, konnte aber nichts mehr tun, weil der Fahrer so schnell war. Auch der ADFC berichtet hier über die Folgen von Unfällen für das Leben der Betroffenen.

*Die Mitteldeutsche Zeitung skandalisiert nach dem tödlichen Unfall in Halle/Saale am 1. November das Pedelecfahren und gibt der Radfahrerin damit die Schuld. Der Lkw-Fahrer könnte die Geschwindigkeit der Radlerin unterschätzt haben, was auch der Unfallexperte, der zitiert wird, nicht ausschließen will. Und dann folgte die entlarvende Formulierung: "In 23 Fällen hatten die Brummilenker die Biker beim Rechtsabbiegen erwischt." Nette und niedliche Brummifahrer "erwischen" böse Biker ... in dieser Sprache sollte nicht über etwas gesprochen werden, das für die Opfer so entsetzliche Folgen hat und auf einen eklatanten Fahrfehler des Lenkers eines Lastwagens zurückzuführen ist.

Im November stellten die Medien diesen Leuchtturm, gennant Bike-flash, vor, der Autofahrer warnen soll, wenn neben ihnen Radfahrer kommen. In Garbsen wurde er aufgestellt. Sieht auf den ersten Blick sinnvoll aus. Ob sie helfen, soll ausgewertet werden. Allerdings müssten diese Lichtmasten an allen Kreuzungen stehen, wo Autofahrende beim Abbiegen Radwege kreuzen. Denn solche Abbiegeunfälle ereignen sich selten zwei Mal am selben Ort. Sie ereignen sich überall, und es ist nicht vorhersehbar, wo der nächste passiert.

Weitere tödliche Unfälle, die von Autofahrenden verursacht wurden:
Selten, aber auch das passiert: Oktober2018 in Steinbach. Ein Autofahrer (23) sieht den vor ihm fahrenden Radler (61) nicht und fährt auf ihn auf. Der Radler wird über das ganze Auto geschleudert. Da nützt ihm auch der Helm nichts. Der Radfahrer ist tot.
Was dagegen häufig passiert: der Dooring-Unfall. In Backnang starb ein 64-jähriger Radfahrer infolge der schweren Kopfverletzung, die er erlitt, als der am 20.11. der Fahrertür eines geparkten Autos ausweichen wollte und stürzte.


Kommentare:

  1. Wie man das Abbiegen (und geradeausfahren) für Radler an Ampeln tatsächlich besser regeln könnte,
    lesen Sie hier:
    http://dasfahrradblog.blogspot.de/2013/09/gelber-pfeil-fur-radler.html

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  2. Vielen Dank für die ausführliche Auflistung! Genau danach hatte ich gerade gesucht. Am 24.2. hatte ich in Berlin einen Unfall nach dem gleichen Muster. Glüklicherweise wurde ich nur vom Bus mitgeschleift und konnte aus der Situation entkommen, bevor das Fahrrad überrollt wurde. So kam ich mit einem großen Schrecken und den üblichen leichten Verletzungen davon. Tatsächlich weiß ich aber von einem noch dramatischeren Unfall einige Tage vorher eine Kreuzung weiter. Dort wurde ein Mädchen von einem LKW umgefahren und landete nicht nur zwischen Vorder- und Hinterrad sondern komplett unter dem LKW. Auch sie kam mit leichten Verletzungen davon. Trotzdem bleibt das Ereignis im Gedächtnis und beeinflusst die Psyche und das Verhalten enorm.

    Dabei bietet die Technik längst verschiedene Abbiege-Assistenten. Doch statt Busse und LKW nachzurüsten geben Unternehmen die Verantwortung an den einzelnen Fahrer ab, der im Falle des Toten Winkels meist keine Chance hat und selbst unter Schock steht, seinen Arbeitsalltag nun mit dieser Erinnerung fortführen und mit einer persönlichen Anzeige rechnen muss. Dabei sollte es die Pflicht von Betrieben der öffentlichen Verkehrsmittel und Lastentransporten sein den Fuhrpark auf dem neusten und sichersten Stand zu haben.

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