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10. Dezember 2022

Ein Radfahrstreifen wird zum großen Erfolg

Aus der Angststrecke ist eine Routine-Radroute geworden. Der Radstreifen auf der Böblinger Straße ist ein richtiger Erfolg. Die Strecke ist damit gefühlt sogar kürzer geworden. 

Denn Radfahrende empfinden Strecken mit viel Autoverkehr und stressigen Situationen als bis zu sieben Mal länger als sie tatsächlich sind, nicht aber, wenn sie auf Radwegen oder in sicherer Umgebung radeln. Der ADFC belegt in seinem Bericht, dass knappes Überholen durch Autofahrende nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme ist, und die Radfahrenden in den Kommentaren bestätigen, dass man die Strecke jetzt endlich gerne radelt. Ein Fahrradpendler, der die Strecke regelmäßig fuhr und fährt und mit OpenBikeSensor unterwegs ist, konnte belegen, dass  sich der Überholabstand jetzt bei 2,40 Meter eingependelt hat, während er vorher im Durchschnitt mit 70 cm Abstand überholt wurde, wohlgemerkt auf einer Strecke, in der für Autofahrende das Überholen verboten war, schließlich sogar per Verkehrszeichen angeordnet, weil der Platz eben nicht reichte. Der Radverkehr wird sich, auch infolge der neuen Bequeemlichkeit und Sicherheit für Radfahrende, zwischen Vaihingen und Heslach weiter steigern, nachdem er bislang stetig zugenommen hat. 

Der ADFC bedankt sich bei allen Menschen in der Stuttgarter Stadtpolitik und Verwaltung, die an dem Projekt des Pop-up-Radstreifens (so genannt, weil er sehr schnell eingerichtet wurde, nachdem klar war, dass man ihn haben wollte) mitgewirkt haben. Für den Radstreifen sind an die hundert Straßenrandparkplätze weggefallen, die man eigentlich auch gar nicht gebraucht hat. Viele Autos, die dort standen, gehörten nicht den Anwohner:innen, und viele Anwohner:innen haben die Stellplätze auf ihren eigenen Grundstücken wiederentdeckt. 

Wie auch ich an dieser Stelle, weist auch der ADFC darauf hin, dass man das noch woanders machen kann, beispielsweise auf der Neckarstraße stadteinwärts bis vor zum Neckartor (auch da müssten Parkplätze wegfallen). Das würde den Schlossgarten vorn Radpendler:innen entlasten können. 

Ich radle dort an Wochenende fast immer, weil ich nicht durch den bevölkerten Schlossgarten fahren will, finde aber das letzte Stück ab Heilmannstraße extrem stressig, weil ich auf schmalem sogenannten Schutzstreifen zwischen geparkten und fahrenden Autos radeln muss. Weil sie die grüne Ampel am Neckartors ehen, beschleunigen fast alle Autofahrenden und schrabben eng an mir vorbei. Manchmal ist mir das zu anstrengend, und dann radle ich eben doch durch den Schlossgarten oder ganz anders. 

Es ist so unendlich viel einfacher Rad zu fahren, wenn man sich solchen Situationen nicht mehr ausgeliefert sieht, und es würde viel mehr Leute animieren, das Rad zu nehmen, wenn sie sich nicht immer wieder solchen Angststellen gegenüber sähen. Also weg damit und schöne Radfahrstreifen hin. Es hilft, und zwar allen, auch den Autofahrenden. 

4 Kommentare:

  1. Stimmt, der Radweg ist wirklich ein Fortschritt und ermöglicht (da gibt's immer noch eine Stelle wo man auf den Gehweg im Bereich einer Einfahrt geleitet wird) es wesentlich entspannter nach Vaihingen zu fahren. Ich bedanke mich bei den ganzen Aktiven. Angefangen bei den OBSlern die Technik entwickelt und angewendet haben, um objektiv der Stadt nachzuweisen, dass sie falsch liegt und dringender Handlungsbedarf existiert. Danke an die vielen die in unterschiedlichster Form, Demos, Briefe, Gelbe Karten usw organisiert und geschrieben haben und damit Druck auf die Verwaltung und Polizei ausgeübt haben endlich die aktuellen Regelwerke wie ERA2010 und StVO anzuwenden und auch durchzusetzen. Kaltental ist ein schönes Beispiel dass es offenbar Druck benötigt, dass die Verwaltung sich bewegt, Standards einzuhalten und die StVO zum Schutz für Radverkehr durchzusetzen. Und das Druck auf den Verwaltungsaparat offenbar notwendig ist, damit er sich bewegt.

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  2. Ich bin früher die Strecke immer über das Elsental umfahren, weil ich das Stück zwischen Elsental und der nächsten Kreuzung immer sehr unangenehm fand. Jetzt fahre ich die Strecke gerne und umgehe die steilere Steigung im Elsental, in der der Überholabstand auch teilweise abenteuerlich war.

    Vielen Dank an die, die es umgesetzt haben und die vielen Leute, die sich dafür eingesetzt haben. Ich vermute ja, dass somit der Autoverkehr, der Radverkehr und vielleicht auch noch der Busverkehr im Elsental beschleunigt wurde, ein Gewinn für alle.

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    1. Stimmt, ich bin früher auch schon die Elsentalstrecke geradetl, weil ich die Böblinger nach dem Waldeck so unangenehm fand, eine schönes Beispiel dafür, dass Radfahrende längere Strecken in Kauf nehmen, um eine sehr stressigen Situation an Autostraße zu vermeiden. Danke für den Hinweis, KaivK

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  3. Der obige Kommentar war von mir

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