Auch wenn es gar nicht in ihrer Absicht liegt, denn die meisten fahren Rad, weil es ihnen selbst Vorteile bringt, weil sie es bequem und schön finden. Dennoch tun wir der Gesellschaft Gutes.
- Wir tun was gegen die Klimakrise. Wir produzieren auf unseren Fahrten weniger CO2 als Leute, die Auto fahren.
- Wir machen Städte lebenswerter. Wir nehmen weniger Platz ein, wir machen kaum Lärm und haben keinen Blechpanzer um uns herum, sind ansprechbar und zeigen uns als lebendige Menschen.
- Wir sind gut für den Autoverkehr. Denn wer Rad fährt, ist nicht mit dem Auto unterwegs und entlastet so die Straßen, auf denen dann die besser durchkommen, die mit den Auto fahren wollen oder müssen. Wären alle, die heute Radfahren, in Autos unterwegs, käme der Stadtverkehr schnell zum Erliegen.
- Wir stärken den lokalen Handel. Denn wir haben mehr Geld zur Verfügung, weil wir es nicht für Benzin und Werkstattbesuche ausgeben müssen und oft auch nicht in ein Auto gesteckt haben. Wir sehen beim Radeln Schaufenster, können schnell anhalten und was kaufen und tun das auch. Wir entdecken auch die kleinen Läden auf unseren Fahrten. Noch mehr Radfahrende zieht ein Laden an, der auch Radabstellanlagen vor der Tür hat.
- Wir entlasten die Krankenkassen und damit die Beitragszahlenden. Denn Radfahren stärkt das Herz-Kreislauf-System, macht eine gute Kondition, übt den Gleichgewichtsinn und die Koordination, stärkt das Immunsystem und macht das Gehirn wach und leistungsfähig. Wir haben im Durchschnitt weniger Krankheitstage, was nicht nur den Arbeitgeber:innen freut, sondern auch die Krankenkassen und uns selber. Radfahren hilft gegen Depressionen und gegen Diabetes 2.
- Wir haben mehr Spaß. Während die meisten Autofahrenden gestresst im Verkehrsgewühl stecken, genießen wir auf dem Rad die Landschaft, freuen uns auch in der Stadt an der eigenen flüssigen Bewegung und entdecken viele Orte neu. Radfahren befriedigt die Sinne und bringt uns in Kontakt mit Licht, Luft, Wind und Wetter.
- Wir sind ungefährlicher. Kaum ein Radfahrer nimmt in Kauf, einen Fußgänger oder eine Fußgängerin anzufahren, weil er dann selber stürzt und sich verletzt. Und Radfahrende töten kaum jemals andere im Straßenverkehr.
- Wir sind sozialer. Auf unseren Wegen treffen wir andere, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, können anhalten und reden. Wir haben mehr Freund:innen und eine engere Verbindung zu unserem Kiez, denn wir schotten uns nicht in Fahrkabinen ab.
- Wir sind pünktlich. Denn wir wissen immer genau, wie lang es dauert, unsere Strecken zu radeln, wir stehen nie im Stau und müssen nie Parkplatz suchen. Wenn der Autoverkehr in der Stadt zum Erliegen gekommen ist, kommen wir immer noch durch. Nur ein Platten könnte uns aus der Bahn werfen, aber das passiert selten.
- Wir verschaffen unseren Kindern mehr Vorteile. Denn wir fahren unsere Kinder nicht im Auto zur Schule. Und aus dem Lastenrad wachsen sie schnell heraus, sodass sie bald selber radeln, mit uns und dann auch alleine. Kinder von Radfahrenden haben mehr Chancen auf Bewegung, Training, einen wachen Verstand und eine gute körperliche Verfassung. Unsere Kinder lernen schneller, eigenverantwortlich ihre Wege zu suchen, zusammen mit anderen Kindern unterwegs zu sein, und genießen die kleinen Freiheiten, die das Fahrrad ihnen verschafft.
- Wir sind nicht dominant. Zumindest nicht im Straßenverkehr. Denn wir lernen schnell, für uns ist nichts vorbereitet, die Radwege haben Schlaglöcher, sind zugewachsen und im Winter kaum geräumt, an Ampeln müssen wir ewig warten, und dann überholt uns noch ein Auto viel zu eng. Wir sind Verkehrsteilnehmer:innen zweiter Klasse, Vogelfreie, Underdogs. Das ist nicht nur gut für den Perspektivwechsel für eine:n Manager:in oder ein:e Chef:in, es verhilft zur Bescheidenheit, und die tut allen gut. Und mögen wir nicht eigentlich auch gerade die Vogelfreien und Underdogs?
- Wir sind glücklicher. Radfahren ist, wenn es läuft, so schön wie fliegen. Beim Radfahren werden Glückshormone im Gehirn ausgeschüttet. Bewegung an der frischen Luft macht fast jeden Menschen zufrieden und glücklich. Und nach einer echten Abenteuerfahrt durch Regen oder Schneegestöber, kommt man angeregt und glücklich zuhause an.

Ist das aus dem Parteiprogramm der GRÜNEN?
AntwortenLöschenHallo Anonym,
Löschenwelcher der 12 Punkte wäre denn falscher, wenn dem so wäre?
Ich kann alle uneingeschränkt für mich bestätigen, weil ich als Radfahrender täglich die gleichen Erfahrungen mache.
Wolfgang
Nö, die Punkte 1, 2, 3, 7 und 9 sind Grundlagen der Physik, 4 und 5 sind ökonomische Tatsachen und 6, 8, 10, 11 und 12 stehen in jedem Lehrbuch der Soziologie.
LöschenP.S.: Schön, wenn zumindest das eine oder andere Parteiprogramm auf der Realität fußt, oder ?
LöschenPauschalurteile sind also schon „Realität“?
LöschenWas an "Tatsachen der Physik" verstehen Sie nicht?
LöschenVielen Dank, besser kann es nicht beschreiben!
AntwortenLöschenMit rosaroter Brille und einer gehörigen Portion Polemik, Schwarzweißmalerei und Übertreibung kann man das schon so schreiben. Ob solche Texte allerdings dazu beitragen, Menschen für eine nachhaltige Verkehrswende zu gewinnen, bezweifle ich.
AntwortenLöschenSicherlich enthält der Text valide Sachargumente: Weniger Autoverkehr kann mehr Lebensqualität, bessere Luft und gesundheitliche Vorteile bedeuten. Auch Vorteile des Radfahrens für Umwelt, Gesundheit und den Flächenverbrauch sind vielfach belegt. Doch die polemische Verpackung schwächt diese Argumente erheblich.
Indem Autofahrende beispielsweise pauschal als gestresste Insassen von „Blechpanzern“ abgewertet werden, verhärtet der Text eher die Fronten, als dass er für einen Umstieg wirbt. Er bedient ein „Wir gegen die“-Narrativ und berücksichtigt dabei die unterschiedlichen Lebensrealitäten, etwa von Pendlerinnen und Pendlern auf dem Land, Familien, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und all jenen, die schlicht auf das Auto angewiesen sind, kaum.
Auch Aussagen wie „wir sind sozialer“, „wir sind glücklicher“, „wir sind pünktlich“ oder „wir sind ungefährlicher“ sind in dieser Pauschalität kaum haltbar. Sie machen aus einer Diskussion über unterschiedliche Verkehrsmittel und deren Vor- und Nachteile eine Frage von Identität und vermeintlicher moralischer Überlegenheit. Dabei ist es durchaus möglich, für mehr Radverkehr und weniger Autoverkehr einzutreten, ohne Menschen, die Auto fahren, implizit zu einer gesellschaftlich schlechteren Gruppe zu erklären.
Eine erfolgreiche Verkehrswende wird jedenfalls nicht allein durch moralische Abgrenzung erreicht, sondern braucht attraktive Alternativen, gute Infrastruktur und eine Kommunikation, die Menschen mitnimmt. Dazu gehören vor allem ein zuverlässiger und leistungsfähiger ÖPNV, sichere und durchgängige Radwege, gute Bedingungen für den Fußverkehr – aber eben auch eine funktionierende und bedarfsgerechte Verkehrsinfrastruktur für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind. Auch die bestehende Verkehrsinfrastruktur für den Autoverkehr ist vielerorts alles andere als optimal.
Wer Brücken baut statt Feindbilder, hat die größere Chance, am Ende auch diejenigen mitzunehmen, die heute noch auf das Auto angewiesen sind.
Und manchmal brauchen diejenigen, die schon auf dem Fahrrad sitzen einfach einen Text, der sie bejubelt und ihnen lobend auf die Schulter klopft, damit sie auch weiter mit dem Rad fahren und nicht wieder ins Auto steigen.
AntwortenLöschenKarin
Dem stimme ich im Grundsatz zu. Natürlich dürfen Texte auch diejenigen bestärken, die bereits Rad fahren, und ihnen ein bisschen auf die Schulter klopfen. Die Frage ist nur, ob das zwingend mit Polemik, Pauschalisierungen und der Abwertung anderer Verkehrsteilnehmer einhergehen muss.
LöschenGerade die zahlreichen Pauschalisierungen machen den Text unnötig angreifbar. Wer behauptet, Radfahrende seien „sozialer“, „glücklicher“, „pünktlicher“ oder „ungefährlicher“, während Autofahrende als gestresste Insassen von „Blechpanzern“ dargestellt werden, liefert der „Gegenseite“ jede Menge Ansatzpunkte, um die berechtigten Argumente für mehr Radverkehr abzutun.
Man kann Radfahrende motivieren und ihre Vorteile hervorheben, ohne daraus ein „Wir gegen die“ zu machen.
Radfahrer sind ungefährlicher als Autofahrer weil der gleiche Fehler beim Autofahrern viel drastischere Folgen hat. Hat also nichts damit zu tun, dass Radler wahnsinnig pazifistisch wären, sondern nur mit Physik.
LöschenGlücklicher ist über Umfragen so gut nachgewiesen wie man Gefühlszustände eben nachweisen kann und pünktlicher ist eine indirekte Folge der ebenfalls gut nachgewiesenen Planbarkeit der Wegezeiten beim Radeln (im Alltagsverkehr), hat also auch wieder nichts damit zu tun, dass jemand der Rad fährt besonders achtsam seinen Mitmenschen gegenüber ist, und daher immer rechtzeitig los fährt um rechtzeitig anzukommen. Nein Radfahrer müssen nur weniger Puffer einplanen oder kommen seltener, wegen einer ungeplanten Fahrzeitverlängerung, zu spät.
Klar hilft das Menschen wie meiner Frau nicht, denn die fährt erst los wenn sie bereits angekommen hätte sein sollen, egal mit welchem Fahrzeug.
--> d.h viele der genannten Dinge treffen statistisch relevant auf Radler zu (ok beim Sozialer hab ich keine Ahnung ob es da Untersuchungen gibt)
Ist aber halt so. Darüber gibt es zahlreiche Untersuchungen (Radfahrende sind im Durchschnitt gesünder, glücklicher, weniger gestresst, leiden weniger an Depressionen und leben länger als Menschen die im Alltag nur Auto fahren oder mit Bussen und Bahnen. In meinem Blog findest du dazu zahlreiche Artikel.
LöschenMein eigentlicher Einwand war ein anderer: Mir geht es um die Verabsolutierungen und die polemische Gegenüberstellung von Radfahrenden und Autofahrenden. Sie schreiben beispielsweise „Wir sind glücklicher“ – und eben nicht „Radfahren macht im Durchschnitt glücklicher“ oder „Wir sind oftmals glücklicher“. Ich kenne nicht wenige Menschen, die Autofahren glücklich macht oder die weniger glücklich damit sind, Rad zu fahren, weil es ihnen zu anstrengend ist oder sie bei „Wind und Wetter“ nur begrenzt Spaß daran haben.
LöschenAus einer Diskussion über die Vor- und Nachteile verschiedener Verkehrsmittel wird so eine Gegenüberstellung von „uns“ und „denen“ – und genau das halte ich für eine Verkehrswende eher für kontraproduktiv.
Lieber Anonymus, liebe Anonyma. Entspann dich! Diese Seite ist nicht für Leute, die nicht Rad fahren wollen, sie wird auch von denen nicht gefunden, die sich überlegen, ob sie Rad fahren könnten. Sie ist für Radfahrende vornehmlich in Stuttgart, hat aber Leser:innen überall (auf der Welt). Auf Autoseiten und in Autoforen finden sich interessanterweise eher keine Kommentare, die Argumente (mehr oder weniger sachlich) gegen das Autofahren vortragen. Wir Radfahrende sind aber immer wieder mit Pauschal-Urteilen konfrontiert wie "Radfahrer halten sich ja ein keine Regeln", "Radfahrer missachten rote Ampeln", "Radfahrer sollen gefälligst auf dem Radweg fahren." Da wird nicht feinfühlig unterschieden zwischen den wenigen, die sich grob verkehrswidrig verhalten und den meisten, die das nicht tun. Begriffe wie "Ramboradler", "Kampfradler" etc. stehen für die Gesamtheit der Radfahrenden, da wird von der Presse auch mal allen Rennradfahrern vorgeworfen, sie würden auf einer bestimmten Strecke rasen. Und so weiter. Das, was ein Radfahrer oder eine Radfahrerin macht, wird blitzschnell der ganzen Radfahrgemeinde angelastet. Wenn ich sage, ich bin mit dem Rad gekommen, erzählt mir bestimmt jemand von irgendeiner Untat, die ein Radfahrer begangen hat (die fahren immer auf dem Gehweg, die halten nie bei Rot). Und ich soll dann dazu Stellung nehmen, es verurteilen. So behandelt man Minderheiten: Mit Pauschalurteilen und der Erwartung, dass Angesprochene sich vom Fehlverhalten einzelner der eigenen Gruppe distanzieren. Angesichts dieser pauschalen Generalverurteilung ist mein "wir" ein harmloses Stilmittel, das im Übrigen ja auch gebräuchlich ist.
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