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Fahrradhelm?

Ich trage einen Helm. Aber ich bin gegen eine Helmpflicht. 

Bei der Diskussion über Helmpflicht gehen die Emotionen hoch. Beide Seiten bezichtigen sich irrationalen Verhaltens. Wobei natürlich beide Seiten glauben, Recht zu haben. Also fahren wir dem Emotionen mal runter und gucken genauer hin.

Ob der Helm den Radler auch wirklich vor schweren Kopfverletzungen schützt, scheint keineswegs ausgemacht.

Das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg veröffentlichte 2017 Studie, aus der keine Initiative für eine Helmpflicht hervorging, sondern nur eine Empfehlung. Die Verkehrswacht leitet aus ihr ab, dass Helme deutlich vor tödlichen Kopfverletzungen schützen, hier nachzulesen. So eindeutig war das Ergebnis allerdings wohl nicht. Die Studie ist abwägend und belässt vieles im Bereich der Vermutung und der statistischen Hochrechnung. Das Hauptproblem solcher Studien ist, dass es keine Kontrollgruppe gibt. Man kann also nicht exakt sagen, wie die Kopfverletzungen von Radfahrenden in derselben Situation mit Helm im Vergleich zu denen ohne Helm aussehen. Jeder Unfall ist ein individuelles Geschehen. Zudem sind Radunfälle mit Kopfverletzungen auch viel seltener als Herzinfarkte, Treppenstürze, Haushaltsunfälle oder Unfälle mit dem Auto (siehe unten), wo das Risiko von Kopfverletzungen überraschend hoch ist. Die Aussage aber bleibt: Helme können schützen. Wie die Studie herausgefunden hat, besteht ein Risiko, von knapp 40 Prozent, bei einem Unfall eine Kopfverletzung zu erleiden, inklusive Gesicht (Zähne, Kiefer, Nase), das der Helm gar nicht schützt. Und in den 40 Prozent sind auch leichte Kopfverletzungen enthalten, nicht nur die schweren oder gar tödlichen. Etwas häufiger sind mit knapp 42 Prozent Armverletzungen. Zu 24 Prozent trifft es die Beine und Füße, in 8 Prozent der Fälle sind Rippen, Bauch, Rücken und Becken betroffen.

Die UDV (Unfallforschung der Versicherer) beruft sich auf eine Studie und behauptet, ein Helm hätte in der Hälfte der Fälle eine tödliche Verletzung verhindert. In der Pressemitteilung der UDV heißt es, dass viele Radler noch leben könnten, wenn sie einen Helm getragen hätten. Sie hat Unfälle 2012 und 2013 genauer untersucht. Zitat: "Von 117 tödlich verunglückten Radfahrern trugen nur sechs einen Helm. Über 50 Prozent der getöteten Radfahrer starben an einem Schädel-Hirn-Trauma." Ob in diesen Fällen ein Helm die Unfallfolgen gemildert hätte, ist allerdings dadurch nicht bewiesen. Es ist nur eine Vermutung. Die UDV ist ein Verband der Versicherungswirtschaft. 

Die taz berichtet hingegen über eine Untersuchung von Neurologen, die keinen Beweis erbracht hat, dass ein Helm vor schweren Kopfverletzungen schützt. Zitat: "Auch die Untersuchungsergebnisse von Frank Thomas Möllmann, heute Neurochirurg in Osnabrück, und seinen Kollegen vom Universitätsklinikum Münster liefern keinen Beweis dafür, dass ein Helm schwerere Kopfverletzungen zuverlässig verhindert: 2004 erforschten sie Ursachen für Fahrradunfälle und typische Verletzungen. Sie konzentrierten sich dabei insbesondere auf Schädel-Hirn-Traumata und untersuchten mehr als 300 Patienten, die bei Fahrradunfällen Hirnverletzungen erlitten hatten. 90 Prozent der Unfallopfer hatten keinen Fahrradhelm getragen -, "aber die Schwere der Verletzungen unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant", schreibt Möllmann in seinem Fazit." (Quelle: taz)

Eine weitere Studie rechnet vor, dass es die Gesellschaft teurer kommt, wenn wegen der Helmpflicht zwischen 7 und 20 Prozent auf Radeln oder so manche Radstrecke verzichten, verglichen mit den Unfallfolgekosten. Sie stellt auch dar, dass Helme nur in jedem zweiten Fall vor einer schweren Kopfverletzung oder dem Tod schützen, und natürlich immer nur dann, wenn man auf den Kopf fällt. Wird ein Radfahrer von einem rechtsabbiegendem Lkw überrollt, ist es irrelevant, ob er/sie Helm trug.

Es könnte sogar sein, dass Radler mit Helm riskanter fahren als solche ohne. Erwiesen ist, dass Autofahrer Radler mit Helm knapper überholen als solche ohne. Frauen ohne Helm in nicht sportlicher Kleidung werden von Autofahrern sehr viel weiträumiger überholt als Männer mit Helm. Offenbar glauben Autofahrer, ein behelmter Radler sei weniger zerbrechlich. (Quelle: eine englische Studie)

Radler, die sportlich und schnell fahren, tragen heutzutage meistens Helme. Auch Kinder haben heutzutage fast immer Helme auf. Aber soll man einer Frau einen Helm aufzwingen, die ihre Einkäufe mit dem Fahrrad erledigt? Ja, auch sie kann stürzen. Aber sie kann auch daheim auf der Treppe oder von der Leiter stürzen. Andererseits kenne ich die Geschichte eines 15-Jährigen, der keinen Helm aufhatte, an einer Mülltonne hängen blieb, stürzte und nun im Koma liegt. Seine Eltern sind überzeugt, dass er noch gesund wäre, hätte er einen Helm getragen. In den Niederlanden oder in Kopenhagen radelt kaum jemand mit Helm, und es ist auch kein Thema. Dort gibt es eine einladende u nd ausladende Radinfrastruktur, das Radfahren ist nicht mit dem Sigma "gefährlich" behaftet, sondern eine Alltagsbewegung wie zu Fuß gehen, was auch nieman dals gefährlich bezeichnet, auch wenn man sich da zu Tode stürzen kann. Bezogen auf die Zahl der Radfahrten liegt die Unfalquote in den Niederlanden übrigens nicht niedriger als in Deutschland. 

Immer, wenn die Zeitung von einem Radunfall berichtet und es heißt: "Er zog sich schwere Kopfverletzungen zu, er trug keinen Helm", eskaliert die Diskussion. Auffällig bei solchen Zeitungsmeldungen ist, dass es meist "er" heißt und nicht "sie" und dass vor allem Männer dann die Helmpflicht fordern. Männer fahren oft schneller und riskanter und Männer haben keine Frisur. Und ein Helm schadet der Frisur. 

Jetzt könnte man sagen: Wer Rad fahren will, muss halt auf eine Frisur verzichten, die nicht unter den Helm passt. So manche Frau wird dann lieber aufs Radfahren verzichten. Dabei liefern die Pedelecs für Frauen, die unverschwitzt im Geschäft ankommen wollen, endlich eine Möglichkeit, das Auto stehen zu lassen und mit dem Rad zur Arbeit zu  fahren, auch Karriere- und Geschäftsfrauen, die geschniegelt irgendwo ankommen wollen.

Und wie regeln wir das bei Leihrädern, die wir mit viel Aufwand überall in Stuttgart aufstellen? Hätten wir eine Helmpflicht, müssten alle Menschen, die so ein Rad für ein paar Kilometer ausleihen wollen, einen Helm mit sich führen, um ihn dann aufsetzen zu können. Und schwupps, hat man den Aufbruch in einer moderne Mobilität kaputt gemacht.

Ich plädiere hier für mehr Gelassenheit und Abwarten. Die nachwachsenden Radler werden mehr Helme tragen, als die jetzt älteren Radfahrer. Und das Unfallrisiko ist für alle gleich. Denn Helme verhindern keine Unfälle (die würden nur durch eine Geschwindigkeitsreduktion des Autoverkehrs verhindert). Wer den Helm falsch aufsetzt (zu locker, falsch platziert), der wiegt sich überdies in falscher Sicherheit und ist bei einem Sturz auf den Bordstein auch nicht besser geschützt.

Und wie viel vorsorglichen Schutz brauchen wir eigentlich? Ja, auf jeden Fall kann das individuelle Schicksal eines Radlers anders verlaufen, je nachdem, ob er bei einem Unfall einen Helm getragen hat oder nicht. (Ich trage zum Beispiel einen Helm.) Doch auch das individuelle Schicksal eines Kindes verläuft anders, je nachdem, ob es einen Helm getragen hätte oder nicht, als es irgendwo runter fiel. Oder ob es einen Helm aufgehabt hätte, als es über eine Tempo-30-Straße lief, die ein Auto mit Tempo 40 befuhr (30 ist das Tempo, bei dem Kinder keine schweren Kopfverletzungen erleiden, wenn ein Auto sie auf den Kühler nimmt.) 

Ohnehin ist das Todesrisiko in anderen Lebensbereichen teils sehr viel höher als beim Radfahren an einer Kopfverletzung zu sterben. 

In Deutschland sterben (im Mittel mehrerer Jahre) rund
  • 2.500 Menschen bei Verkehrsunfällen (darunter sind auch Radfahrende)
  • 7.000 Menschen bei Haushaltsunfällen, 
  • 7.000 beim Sport und Freizeitaktivitäten (dazu dürften auch Alleinunfälle von Radlern zählen), 
  • 10.000 Menschen durch eigene Hand, 
  • 600 bei Bränden,
  • 800 Menschen, weil sie ermordet werden und   
  • 450 Radler:innen (die Hälfte von ihnen bei Alleinunfällen ohne Unfallgegner). 
  • Die meisten Kinder sterben in Deutschland nicht an Krankheiten, sondern durch Unfälle aller Art.
  • Und die allermeisten Deutsche sterben generell infolge von falscher Ernährung, Übergewicht und unabsichtlichen Vergiftungen (Schimmelpilze, Bakterien, Drogen etc.) (Quelle Risikoforscher Otwin Renn)

2020 wurden bei Straßenverkehrsunfällen in Deutschland rund 91.800 Radfahrer verletzt (das entspricht 28 % der bei Straßenverkehrsunfällen Verletzten) und 426 getötet (15,7 % der Getöteten), die Zahlen sind im Lauf der letzen Jahre angestiegen. 

Ich sage es noch einmal - fahre ich selber mit Helm. Und ich finde auch, je älter man wird, desto eher sollte man einen Helm tragen, weil die eigene Reaktionsfähigkeit und -schnelligkeit abnimmt. Wo sich Jüngere bei einem Sturz kaum verletzen, verletzen sich ältere Menschen schwer.

Radfahren ist aber wiederum an sich gesund, hält fit, ist gut für den Kreislauf, verhindert chronische Erkrankungen, bekämpft Depressionen, macht glücklich und bringt uns zurück in die Stadt, in die Natur ins Leben. Radfahrer leben im Durchschnitt ein Jahr länger als Leute, die sich von Motoren bewegen lassen. 

Wer keinen Helm trägt und einen Unfall erleidet, trägt juristisch (noch) kein Mitverschulden. Das hat der Bundesgerichtshof im Juni 2014 entschieden, nachdem ein untergeordnetes Gericht einer Frau zwanzig Prozent der Arztkosten aufhalsen wollte, die von einer sich plötzlich öffnenden Autotür eines im Parkverbot stehenden Autos zu Fall gebracht wurde und folgenschwere Kopfverletzungen erlitten hatte. Die Versicherung muss also zahlen. Das gilt allerdings nicht  für Rennfahrer und ebenfalls nicht, wenn bei einer Veranstaltung Helme vorgeschrieben sind. Hier trägt der Radler eine Mitschuld an seiner Verletzung.

Übrigens gibt es auch einen Helm, der der Frisur nicht schadet. Den hat die schwedische Firma Hövding entwickelt. Man trägt ihn nicht auf dem Kopf, sondern um den Hals. Bei einem Unfall (Sturz oder Aufprall) öffnet er sich wie ein Airbag und stülpt sich über den Kopf, schützt also sogar besser als ein Helm auch vor Hals und Kieferverletzungen.  Er sieht aus wie der Kragen einer Outdoorjacke. Und im Falle eines Unfalls wie eine Trockenhaube. Der Hersteller sagt, dass das Teil nicht auslöst, wenn man vom Rad springt oder sonst irgendwelchen Unsinn macht, aber zuverlässig, sobald man mit dem Kopf auf ein Auto oder auf den Boden aufzuschlagen droht. Ich kenne einen Fall, da wurde er durch den Schlag eines Autofahrers und das Wegzucken der Radlerin ausgelöst.


25 Kommentare:

  1. aus aktuellem Anlass und der Fahrradfahrerdiskussion @FB:
    http://www.tagesschau.de/inland/radhelmpflicht100.html

    Grüsse Sandra

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  2. Ich weiß ja, Sicherheit geht vor, aber der Helm ruiniert mir jedes Mal die Friseur :-(

    VG
    Helen von Friseur Haidhausen

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  3. Der Helmkragen ist in zwischen billiger, und man kann ihn nach einem Unfall auch wieder herstellen lassen, habe ich im BMX-Laden in Stuttgart gehört.

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  4. Hi. Helmpflicht für Autofahrer, wenn das nicht mal ein interessanter Ansatz ist :) Ich denke das der Fahrrad Airbag von Hövding tatsächlich eine gute alternative zum normalen Helm ist.
    Juristisch wird sich das sicherlich auch irgendwann mal ändern, dann ist man auch ohne Helm Mitschuld.

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  5. "Ich habe den Eindruck, dass eine Helmpflicht vor allem der Radhelm-Industrie nützen würde." Falsch! Die Radhelmindustrie will keine Helmpflicht, weil sie mit Recht befürchtet, dass dann weniger Menschen Rad fahen und die Industrie dann weniger Helme verkauft.

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    1. Das ist interessnt. Gibt es sfpr eine quelle? Also, wer sagt das. Ider wo hast du ds gelesen?

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    2. Diese Aussage macht kein Sinn. Wer auch ohne Helmpflicht mit Helm fährt, kauft folglich auch einen Helm. Wer erst durch eine Helmpflicht einen Helm kauft, erhöht den Absatz der Helmindustrie um den Faktor X, aber auf gar keinen Fall würde der Umsatz zurück gehen, weil niemand, der sowieso mit Helm fährt, nun nicht mehr fahren würde.

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  6. Hallo

    Zunächst einmal : Vielen Dank für Ihre Zeit und für Ihre Blog. Es ist erstaunlich

    Ich habe einen Beitrag und ein inphographic sprechen über Radsportbekleidung erstellt:

    https://sunglassesrestorer.de/fahrradbekleidung/


    Wir haben ein Blog mit vielen Informationen über Vision , Radfahren und Sport im Allgemeinen .

    Es wäre eine Ehre für uns, wenn Sie den Artikel und inphographics in Ihrem Blog oder soziale Netzwerke erwähnen

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Entschuldigun für die Übersetzung. Ich weiß, sie ist nicht so gut, wie es sein sollte.

    Bis bald

    Gerhard

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  7. Hallo Christine,

    vielen Dank für das interessante Blog.
    Zu diesem Artikel habe ich eine Frage: Du schreibst Du bist gegen die Helmpflicht, hast auch Argumente dagegen ("...habe den Eindruck, dass eine Helmpflicht vor allem der Radhelm-Industrie nützen würde") trägst aber selber einen.
    Warum eigentlich?

    PS: Ich trage auch einen Helm...

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  8. Lieber Thomas, ich gebe dir eine ganz persönliche Antwort. Ich überlege mir, wo ich einen Helm trage und wo nicht. Bei Stadtfahrten trage ich öfter mal keinen, um vom Kampfradlerimage wegzukommen, das wir bei Fußgängern haben, wenn wir gepanzert daherkommen. Ich bin aber nicht mehr so jung, meine Reaktionsschnelligkeit ist geringer als die eines jungen Menschen. Ich kenne eine Frau, die gestürzt ist und sich unter anderem unbehelmt eine Kopfverletzung zugezogen hat. Die Heilung dauerte. Allerdings ist offen, ob der Helm nicht zu einer ähnlichen Verletzung geführt hätte. Sie trägt jetzt den Fahrradairbag. Es ist ein persönliche Entscheidung, ob man ein minimales Risiko ausklammern will. Und es bleibt auch für mich die Frage, ob der Helm das kann. Im Einzelfall vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich finde es aber nicht gut, alle mit einer Helmpflicht zu belegen. In der Stadt fahren die meisten ohne Helm, und langsam. Soll man die zwingen? Vom Radfahren abschrecken? Ich finde es - ganz persönlich - auch grauslig, wenn ich kleine Kinder auf Gehrädern mit Helm sehe (daneben das Kind auf dem Tretroller aber ohne). Wo ist das der Unterschied? Kinder auf Rädern zu behelmen finde ich völlig daneben. Kinder stürzen immer und tun sich fast nie was. Kinder fallen von Bäumen, von Schaukeln, da tragen sie keine Helme. Und Erwachsene stürzen auf Treppen (viel öfter als von Rädern), da tragen sie auch keine Helme. Aber ich bin inzwischen so gewöhnt daran, einen zu tragen, dass ich immer denke: Vielleicht passiert heute der Unfall, wo ich einen hätte tragen sollen. Menschliche Unlogik. Eigene Übervorsichtigkeit ...

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    1. Danke für die Antwort. Ich kann mich diesen Argumenten vollkommen anschließen, ich denke nur sie hätten auch in diesen Artikel hineingepasst.

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    2. Der Artikel ist zugebenermaßen schon etwas älter, und meine eigenen Einsichten etwas gewachsen. Ich ergänze ihn bei Gelegenheit.

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  9. Richtig schöner Artikel, ich finde gerade diesen Aspekt echt wichtig, dass man die Artikel und Blogeinträge gut und leicht lesen kann. Es gibt leider so wenig gute Fahrradblogs, die einfaches und gutes Wissen vermitteln, deswegen daumen hoch :) !

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  10. Vielen Dank, Lisa. Freut mich, dass du mit meinem Blog was anfangen kannst.

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  11. Bin auch pro Helmpflicht. Es geht ja weniger darum, dass man einfach so mal vom Rad fliegt auf dem Radweg zum Bäcker ums Eck, aber sobald man auf der Straße fährt, hat man die Kontrolle nichtmehr und mit dem Kopf auf ner Bordsteinkante landen, ist auch mit wenig Kmh deutlich uncooler als nen Helm zu tragen. Und im Gelände sowieso. Ich fahr dann ohne, wenn ich in Gegenden ohne Autos fahre, komplett nüchtern bin und wirklich langsam fahren kann. Sonst trag ich immer einen.

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  12. Ich tendiere leicht zur Helmpflicht.

    a) Es lässt sich pubertierenden Kindern leichter vermitteln, dass ein Helm zu tragen ist.

    b) Wenn man in Stuttgart auf Radwegen mal einen Polizisten antrifft, dann weil er kontrollieren will, ob man den Helm richtig trägt und weil er Werbung für bessere Fahrradschlösser macht. Ich bin jedenfalls schon 4 mal in solch eine Aktion geraten und habe leider noch nicht erlebt, dass Beleuchtung geprüft wurde oder Fußgängerverhalten. Ohne Helmpflicht sind solche Aktionen ziemlich wirkungslos und binden Kapazität, die an wichtigen Stellen fehlt.

    c) Dann braucht man keine 200000 Euro teuren Analysen mehr zu beauftragen und hat mehr Geld für Fahrrad-Infrastruktur übrig und um Mitarbeiter der Verkehrsbehörden zu schulen, dass sie keine unsinnigen Schilder und Fahrbahnmarkierungen über das Land zu verteilen.

    d) Wie Helen schreibt, es ist nicht nur das eigene Tempo ausschlaggebend, sondern auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer drumherum. Auf rutschigem Boden - weit verbreitet in Stuttgart - stürzt man unvermittelt auch bei langsamer Fahrt.

    Das Frisur-Argument ist merkwürdig. In meiner Familie trifft das eher meinen Sohn als meine Tochter. Und Fahrradhelme sind für 14-17-Jährige extrem uncool und stempeln einen zum Außenseiter. Denn so was tragen nur kleine Kinder und die Eltern.

    Was gegen Helmpflicht spricht: Bei einem Unfall schadet nur sich selbst (und evtl. einem Ersthelfer wegen des unappetitlicheren Anblicks), aber keinem anderen Unfall-Beteiligten. Insofern kann man jedem selbst überlassen zu entscheiden, ob sich unter der Frisur ein Organ befindet, was sich zu schützen lohnt.

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    1. Hi,
      kurz zur Helmfrisur, es gibt mittlerweile sogar Helme die keine Helmfrisur verursachen. Ich beispielsweise schwöre auf den "Onyx" Fahrradhelm für Damen von Uvex! :)

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  13. Egal wie gut man selber fahren kann, es gibt immer Dritte im Straßenverkehr, die Fehler machen können. Und da hat meistens der Fahrradfahrer den Kürzeren gezogen. Auch wenn vielleicht der Autofahrer an einem Unfall Schuld hat, trifft es ihn amWenigsten. Und ganz ehrlich: Ich hänge an meinem Leben und habe da lieber noch 3cm mehr zwischen meinem Kopf und dem Tod, der eventuell hinter der nächsten Ecke lauert. Ich trage einen Helm.

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  14. ich kann von Giro den Atmos empfehlen. Das ist zwischenzeitlich mein vierter Helm. Bei anderen Helmen hatte ich sonst oft das Problem, das bei einer gebückten Haltung der Helm, trotz vernüftiger Einstellung leicht rutschte. Der Atmos hat zudem eine ideale Lüftung.
    Ich würde dir empfehlen im Fachgeschäft mal verschiedene Helme aufzuprobieren. Man spürt sehr schnell welcher Helm sitzt, und welcher einfach nur rum wackelt.

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  15. Ich finde diese Artikel immer wieder schön. Es gibt nach wie vor keine Wissenschaftlich standfeste Studie, die das Tragen von Helmen stützt. Es ist lediglich euer Eindruck, dass ein Helm helfen KÖNNTE.
    Machen wir mal einen Test: Wer ist für die Pflicht des Tragens von Schwimmwesten beim Baden? In Deutschland sterben jährlich etwa genau so viele Badegäste wie Radfahrer. Was glaub ihr, was den Tod sinvoller verhindert eine Schwimmweste beim Baden oder ein Helm wenn der LKW über den Radler rollt?
    Wer sich eingehend mit den Studien auseinandersetzt und die Grundlagen etwas beherrscht (Fahrphysik, Unfalldynamik), kommt unweigerlich zu dem Punkt, dass Radhelme nicht helfen können. Btw: Skihelme gehören zu den gleichen esoterischen Hilfsmitteln.
    Fragt euch bitte noch zum Schluss, warum ihr im Auto keinen Helm tragt, obwohl das Kopfverletzungsrisiko beim Unfall 20x so hoch ist wie beim Radfahren...
    Unsere Atomkraftwerke sind sicher...

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  16. Hallo, erstmal schöner Artikel. Meiner Meinung nach ist das tragen eines Fahrradhelms extrem wichtig. Gerade in der Stadt passieren so oft Unfälle, wo eine Helm schwere Verletzungen verhindert hätte können. Über Fahrradhelm Airbags bin ich geteilter Meinung. So schlimm einen Helm aufzusetzen finde ich es wirklich nicht, dass mit so ein teuerer Fahrraddhelm Airbag das Geld wert wäre.
    Beste Grüße aus Stuttgart, Hanninio

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  17. Erschreckend viele Helm-Gläubige und gar Helmpflicht-Befürworter hier. Radhelme können gem. Prüfnormen überhaupt keine schweren Verletzungen verhindern. Sie verursachen oft eher andere (wegen der Hebelwirkungen auf Hals und Genick). Und gar nix taugen sie, wenn man mit einem LKW oder PKW kollidiert. Meine Güte - das sind einfach nur Styroporhüte.

    Wer beim Radeln einen "Helm" (eigentlich müssten Hersteller echter Helme mal wegen irreführender Werbung gegen die Verwendung dieser Bezeichnung klagen...) trägt, sorgt selber dafür, dass weniger Leute Radfahren! Weil man damit anderen suggeriert, Radfahren sei (grade noch für den Kopf) besonders gefährlich. Man muss sich dabei schon äußerst dämlich anstellen bzw. über überhaupt keine Fallreflexe verfügen, um mit dem Rad überhaupt auf den Kopf zu fallen - geschweige denn, die oft (auch hier) berüchtigte "Bordsteinkante" zu treffen.

    Zynisch ist, dass viele sich so'n Ding aufsetzen - und dann wie die Bekloppten durch die Gegend heizen - weil sie ja nun unverwundbar sind. Nennt sich Risikokompensation und lässt sich z. B. grade bei Downhill- und Freeride-Mountain-Bikern eindeutig feststellen. Überspitzt formuliert: "Helm auf, Hirn aus"!

    Bei Radwegen (noch so ein die Gefährlichkeit des Radfahrens suggerierendes Ding) dämmert wenigstens einigen, dass das mit der gefühlten Sicherheit so nicht stimmt. Bei Radhelmen hingegen...

    In dem Fall ist die Niederlande wirklich mal ein Vorbild: Die haben sich den Unsinn mit dem Fahrradhelmen im Gegensatz zu den Deutschen nicht aufschwatzen lassen. Dafür ist die Mehrheit der Niederländer zu erfahren...

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  18. Toller Beitrag! Damit haben Sie mir weitergeholfen!

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  19. Mein Motto: NIE ohne Helm!!!
    Ich hatte als Kind einen bösen Fahrradunfall, der ohne Helm wahrscheinlich ganz anders ausgegangen wäre.
    Ich würde niemals ohne Helm Fahrrad fahren, meine Sicherheit ist mir das Wichtigste. Unbequem sind die heutigen Helme auch nicht, und sehen zum Teil sehr flott aus.

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  20. Ich trage statt einem Fahrradhelm ein BASEBALL CAP, da der Schirm (Sonnenblende) die AUGEN VOR SONNENEINSTRAHLUNG SCHÜTZT. Am späten Nachmittag kann ich bei tiefstehender Sonne die Mütze so tief ins Gesicht ziehen, dass mich die Sonne, der ich ggf. entgegenfahre, nicht stört. (Eine Sonnenbrille hilft da nicht wirklich weiter (habe ich auch zusätzlich).)
    Autofahrer haben übrigens auch eine Sonnenblende.
    Wichtig ist doch, dass Radfahrer klar sehen können, oder?

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