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20. Juni 2026

Bitte anders über tödliche Zusammenstöße von Auto und Fahrrad berichten!

Am Mittwoch um 17:40 Uhr ist hier auf der alten B14 (Pascalstraße) zwischen Vaihingen und Sindelfingen offensichtlich ein Autofahrer von hinten auf eine Radfahrerin aufgefahren. Sie starb an Ort und Stelle. 

Wir sind erschüttert und entsetzt, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, Freund:innen und Bekannten der Radfahrerin. 

Und ich schicke voraus: Es fällt mir sehr schwer, diesen Blog-Artikel zu schreiben, denn es geht um Menschenleben, und eigentlich sollte der Schmerz der Hinterbliebenen in unserem Denken im Vordergrund stehen. Ich bin aber eben auch bestürzt, wie die Presse mit dem Geschehen umgegangen ist und noch umgeht. Auch das muss die Angehörigen sehr belasten. Denn der Radfahrerin wird wieder einmal implizit die Verantwortung, allemal aber eine Mitverantwortung für ihrem Tod zugeschrieben. Zunächst nämlich scheint es, als sei sie mit dem Auto zusammengestoßen, nach dem geklärt ist, dass der Autofahrer mit ihr zusammenstieß, stellt ein Journalist die Frage, wieso sie überhaupt auf dieser Straße radelte und problematisiert Alter und Pedelec-Fahren. 

Hier meine Analyse:

Die ersten Meldungen, die uns alarmiert und entsetzt haben, lauteten "Radfahrerin auf alter B14 mit Auto zusammengestoßen und gestorben." Das klang nach Fahrfehler der 78-jährigen Radfahrerin. Aber es stellte sich uns in der Rad-Commiunity sofort die Frage, ob auf dieser zweispurigen Landstraße im Wald, auf der an dieser Stelle kurz vor der Bushaltelle noch 100 gefahren werden darf, nicht doch eher der Autofahrer mit der Radfahrerin zusammengestoßen ist. Beide fuhren in dieselbe Richtung, nämlich Richtung Sindelfingen. Die Meldung der Polizei klang neutraler: "Ersten Erkenntnissen zufolge kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Mercedes-Benz eines 42-Jährigen Fahrzeuglenkers und einer 78-jährigen Radfahrerin." Und sie bittet Zeug:innen, sich zu melden. 

Aus den Fotos von der Unfallstelle, die von der Presse veröffentlicht wurden und in sozialen Medien und Chatgruppen kursieren, lässt sich schließen, dass der Autofahrer mit dem vorderen rechten Kühler auf die die Radfahrerin aufgefahren ist. Das rechte Forderlicht ist beschädigt, das Blech auch. Und das Hinterrad des Pedelecs ist zerstört (wie auf diesem StZ-Video zu sehen, Achtung, überlegt euch, ob ihr es sehen wollt). Die Radlerin schleuderte dann offensichtlich auf die Windschutzscheibe, die rechts gesplittert und eingedellt ist. Uns erinnert das sehr an den Tod von Natenom. Warum der Autofahrer bei Tageslicht die vor ihm gut sichtbare Radlerin nicht gesehen hat, ist noch ungeklärt. Er wurde wohl nicht verletzt und soll unter Schock gestanden haben. 

Einen Tag später veröffentlichte die Stuttgarter Zeitung online einen langen Bericht mit dem Titel "E-Bike-Fahrerin wurde von hinten erfasst

Nachtrag und Einwurf vom 23.6.26:  dieser Beitrag wurde  inzwischen gelöscht (er ist unter diesem Link nicht mehr auffindbar), und in einer um etliche meiner Kritikpunkte bereinigten Fassung neu veröffentlicht). Am Freitag erschien der Artikel auch in der Druckfassung der Stuttgarter Zeitung, und diese Fassung ist die alte und liegt mir vor.  

Und darin tut der Journalist alles, was eigentlich nicht mehr passieren sollte, wenn es um tödliche Zusammenstöße zwischen Autofahrer:in und Radfahrer:in geht. Er versteckt den Autofahrer hinter Formulierungen wie "... war eine 78 Jahre alte E-Bike-Fahrerin (eigentlich Pedelec) nach der Kollision mit einem Auto zu Boden gestürzt.", "... muss der Mercedes die Radfahrerin mit Wucht getroffen haben", "weshalb es zum Zusammenstoß des Mercedes eines 42-Jährigen und dem E-Bike gekommen ist ...", "... dann kam es aus ungeklärten Gründen zu einem Zusammenstoß. Die Frau wurde von hinten angefahren." "... an der Stelle unweit der Bushaltestelle „Waldheim“, an der die 78-jährige E-Bike-Fahrerin am Mittwoch gegen 17.40 Uhr durch den Crash mit dem Auto zu Tode kam, ist die Straße einspurig". (Sie ist eigentlich zweispurig mit jeweils einer Richtungsfahrspur.) Im Text verschwindet der Fahrer sprachlich durchgängig im Auto, das Auto agiert, der Fahrer scheint drin zu sitzen, er fährt aber nicht aktiv, er wird gefahren. Der einzige Mensch, der hier als Person und Opfer auftaucht, ist die Radfahrerin. Der inneren Logik dieser Perspektive folgend, kann auch nur sie letztlich verantwortlich gemacht werden. Und genau das geschieht dann aich.


Nachdem eigentlich völlig klar ist, dass hier der Autofahrer eine Radfahrerin getötet hat (eine sicherlich unabsichtliche, also fahrlässige Tötung, der allerdings eine Entscheidung des Fahrers vorausging, welche auch immer) stellt der Journalist die Frage: "Weshalb die Seniorin die von Autos hoch frequentierte, einspurige Kreisstraße und keine autofreien Radwege nahm, ist auch der Polizei nach derzeitigem Ermittlungsstand unbekannt." Warum sollt der Polizei das bekannt sein? Die Radlerin kann es nicht mehr sagen. Der Journalist wählt diese Satzkonstruktion, um zu suggerieren, dass die Radfahrerin irgendwie selber schuld an ihrem Tod ist, weil sie dort radelte und nicht durch das verzweigte und vor allem aber gar nicht zielführende Rad- oder Waldwegnetz im Umfeld der Straße. Es gibt keine parallelen Radwege. Kommot kann hier in der Umgebung keine Strecke fürs Fahrrad berechnen und schlägt einen Riesenumweg über die Römerstraße vor (Bild). 

Anschließend problematisiert der Autor das Pedelec-Fahren (er nennt sie meist E-Bikes, obgleich das was ganz anderes ist) an sich. Während des vergangenen Jahres seien zwei Personen während der Fahrt mit einem E-Bike ums Leben gekommen. Die Wahrheit ist, sie wurden beide von Autofahrenden angefahren und getötet. Im anderen Fall hatte die ebenfalls betagte Autofahrerin den 87-jährigen Radfahrer "wohl übersehen". Während "übersehen" sprachlich andeutet, dass es ein Flüchtigkeitsfehler war, der zum Tod eines anderen Menschen führt, macht der Radfahrer aktiv einen, er trug keinen Helm. Im Artikel dazu wird der ganze Zusammenstoß als Problem "älterer" Radfahrender und Autofahrender abgehandelt (dabei stellen junge Autofahrende ein fast genauso großes Problem dar). Die Tendenz: Ältere sollten am besten eigentlich weder auf dem Rad noch im Auto am Straßenverkehr teilnehmen. Ein ADFC-Sprecher darf am Schluss klarstellen, dass Pedelecs nicht per se gefährlicher als herkömmliche Räder seien, die Gefahr gehe von den Autofahrenden aus. Das wollte der Autor wohl so nicht hinnehmen, er fragte dann offensichtlich, ob man einen Pedelec-Führerschein einführen solle. Und das, obgleich nicht die Radfahrerin, sondern die Autofahrerin die Unfallversursacherin war. 

Auch im dem Artikel, um den es hier geht, problematisiert der Autor das Pedelec-Fahren, nicht etwa die hohen Geschwindigkeiten auf Landstraßen, zu schnelles und unachtsames Autofahren oder das Risiko von Männern im Straßenverkehr für sie selbst alle anderen. Aus Sicht des Autors ist die Lösung ein Sicherheitstrainings für "E-Bike-Radlerinnen und -radler", um - wie er ausdrücklich sagt - solche schweren Unfälle zu verhindern. Autofahrende brauchen offenbar keinerlei Schulungen mehr, nachdem sie den Führerschein gemacht haben. Damit suggeriert er, dass die Radlerin hätte verhindern können und müssen, dass der Autofahrer mit Wucht von hinten auf sie auffuhr und sie tötete. Und zwar, indem sie nicht dort geradelt, am besten gar nicht geradelt wäre. 

Sprache beeinflusst, wie wir über Radfahrende, Fußgänger:innen und Autofahrende denken. Dazu gibt es Studien, die ich in diesem Blogpost bereits beschrieben habe. Schon kleine Änderungen in der Sprache erzeugen andere Einsichten. 

Und ich setze hier am Schluss hinzu: Bitte, liebe Leser:innen und Kommentator:innen, haltet Ärger, Wut oder gar Hass im Zaum. Bleibt äußerst ruhig und sachlich! Die Analyse dient der Hilfestellung für Mediensschaffende und unserem Erkenntnisgewinn, nicht der Anklage. Überall sitzen Menschen, die nicht immer alles richtig machen. Wir brauchen keine expliziten oder impliziten Schuldzuweisungen. Wir brauchen ruhiges Nachdenken über die Art, wie wir miteinander und übereinander reden und schreiben. An die Medien appelliere ich, sich wirklich Gedanken zu machen, in welcher Art und Sprache über den Radverkehr berichtet will. 

27 Kommentare:

  1. Aus der Perspektive von vielen Autofahrern wird das Radfahren im normalen Verkehr grundsätzlich als zu gefährlich ("Sind die wahnsinnig?") und letztlich unverantwortlich wahrgenommen. Und wenn dann schlimme Unfälle wie dieser passieren, fühlen sie sich bestätigt. Im StZ Artikel drückt sich deutlich diese Perspektive aus (die natürlich mit den objektiven statistischen Zahlen über Unfälle und Risiken des Radverkehrs nicht zusammen passt). Ich sehe hier leider auch einen großen Unwillen, sich in die Situation der Radfahrerin hinein zu versetzen. Was ihre Gründe und Bedürfnisse gewesen sein können, wird nicht mal ansatzweise ergründet.

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    1. Es fragt ja auch niemand, warum zwei Frauen mit dem Kleinwagen aus einer Tankstelle fahren wollten, als sie von einem Raser mit dem Auto tot gefahren wurden. Und warum der Autofahrer im vorliegenden Fall nicht die parallele Autobahn gefahren ist, sondern die Landstraße wählte, auf der womöglich Radfahrende unterwegs sind, die er nicht rechtzeitig sehen könnte, fragt die Presse ja auch nicht.

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  2. Mich frustriert das so. Bei gefühlt 95% der Artikel gibt es selbstfahrende Autos und offensichtlich masochistische Fußgänger/in bzw. Fahrradfahrer/in, die sich verletzen.
    Kommentare zu diesem Artikeln auf Social Media bewirken nichts und auch auf Leserbriefe habe ich noch keine Antwort erhalten.

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    1. Danke für deinen Kommentar, Ursula. Man muss keine Antwort auf Leser:innen-Briefe bekommen, aber was man schreibt, kommt in jedem Fall an. Medien gehen in der Regel davon aus, dass hinter einem oder einer Schreiber:in hundert weitere stehen, die nicht geschrieben haben, aber genauso denken. Leserbriefe sind schon ein mächtiges Instrument, das Medienkonsument:innen zur Verfügung haben, vorausgesetzt, sie bleiben ziemlich sachlich.

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  3. Hier ein Artikel zu diesem Thema aus dem südlichen Kanton, von Lucca Raymond und Patrick Rèrat, Uni Lausanne
    "Blaming Cyclists, Invisibilising Drivers: How Motonormativity Shapes
    Swiss Media Collision Reports" (https://api.unil.ch/iris/server/api/core/bitstreams/675cab47-9b70-4b0b-be87-7fb2d0657794/content)

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    1. Danke für den ergänzenden Link. Das Thema ist tatsächlich schon lange bekannt, es ist viel darüber geschrieben worden. Wir können es gar nicht oft genug wiederholen.

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  4. Druckfrisches Beispiel von heute Nacht:
    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.unfall-in-der-nacht-20-jaehriger-radfahrer-prallt-in-stuttgart-mit-hoher-geschwindigkeit-gegen-auto.9ca239bb-ca18-4386-a290-bafe6fb33a78.html

    Der leichtinnige Jugendliche ist so schnell gerast, dass er das sich ganz selbverständlich auf der Straße befindliche Auto nicht gesehen hat und voll reingebretter ist.

    (obige Formulierung ist so, wie es bei mir nach dem Lesen ankommt)

    Zu schreiben, ob das Auto stand, fuhr, abbog oder was auch immer, hat der Artikel.......übersehen ;-)

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    1. Vielleicht erstmal den Artikel lesen und nicht nur die Überschrift. Falls du ihn gelesen hast, hast du möglicherweise die Passage mit den geparkten Autos „übersehen“.
      Im Artikel steht, dass der Radfahrer laut Polizei mutmaßlich zu schnell unterwegs war, in einer Linkskurve die Kontrolle verlor, zunächst einen geparkten VW Golf streifte und anschließend gegen das Heck eines ebenfalls geparkten Audi Q5 prallte.
      Eine Bewertung als „leichtsinnig“ oder die Annahme, er habe das Auto nicht gesehen, findet sich im Artikel nicht.

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    2. Mister oder Misses Anonym: Vielleicht anstatt zu belehren erstmal fragen warum ich das nicht berücksichtigt habe: Bei mir endete der Artikel mit dem Wort "unterwegs"...

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    3. Warum wird in diesem Fall nicht die Frage gestellt: Warum war der Autofahrer auf der gefährlichen Landstraße unterwegs ? Statt auf der parallel führendenden sicheren Autobahn

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    4. @Steffen:
      Du wirfst dem Artikel vor, etwas „übersehen“ zu haben, das ausdrücklich im Artikel steht, übersiehst aber selbst, dass der Artikel nach einer Anzeige – vermutlich hast du die mobile Ansicht genutzt – noch weitergeht. Dass ein Artikeltext nach einem Bild oder einer Anzeige noch weitergeht, ist nun wirklich nichts Außergewöhnliches.

      Und ganz ehrlich: Statt mir daraus einen Belehrungsvorwurf zu machen, hätten andere an der Stelle vermutlich einfach gesagt: „Sorry, mein Fehler.“

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    5. @Immer noch anonym: Ich habe keine Lust auf Streit. Bei mir endete der Artikel nach dem zweiten Absatz, danach kam nichts mehr.

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    6. @steffen: Der Artikel ist tatsächlich länger als Du ihn "gelesen" hast.
      Allerdings kenne ich Dein Problem auch: in mobilen Ansicht habe ich auch häufig nur den ersten Teil gesehen.
      Erst ca. 20-30sec später wurde dann der restliche Artikel geladen und angezeigt. Woran das liegt weiß ich leider nicht. Das Problem hatte ich nur über einen bestimmten Zeitraum (weiß nicht mehr wie lange). Aktuell ist es in Ordnung bei mir und ich sehe wieder alles normal und fast sofort.

      Gruß
      Markus

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    7. Hallo Markus,

      ich habe keine Mobile Ansicht. Und als ich ihn las, habe ich auch geschaut, ob er weiter unten noch weiter geht - war aber nicht. Hier verlinkt habe ich ihn erst deutlich später! Ob ich ihn vor dem aktuellen Zeitstempel im Artikel las oder kurz danach kann ich leider nicht mehr nachvollziehen.

      Ich habe den Verdacht, dass Artikel, nachdem sie öffentlich zu lesen sind, gerne mal ergänzt werden. Es mögen unfertige Artikel sein, die später fertig geschrieben werden (das dürfte hier zutreffen), oder weil sich die Ereignisse oder Erkenntnisse weiter entwickelt haben.

      Wie auch immer, wir haben ja jetzt geklärt, dass sich meine Aussage auf den Artikel, wie er jetzt zu lesen ist, nicht (mehr) zutrifft.

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  5. Tatsächlich geht es hier um etwas anderes. Man sieht hier zwar schon mal gut, dass bei Radfahrenden die Fahrer:innen im Titel stehen, also nicht "Fahrrad prallt gegen Auto", und dass die Vermutung, dass der Radler zu schnell war, sofort kommt (anders als bei Autofahrenden,, wo die Vermutung erst später über eine Polizeiaussage kommt, aber Victim-Blamiing haben wir hier nicht. (Wenn ein Autofahrer gegen mehrere Autos prallt, würde das ähnlich erzählt werden..)

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  6. Auffällig ist das extreme Ungleichgewicht zwischen der medialen Verarbeitung von regelhaften, den zahlenmäßig klar dominierenden Landstraßenunfällen mit MIV-Toten (mehr als 1.500 Tote MIV-Insassen auf Landstraßen jedes Jahr), und den extrem seltenen aber medial stark thematisierten Längsunfällen mit Radfahr-Opfern auf Landstraßen.
    Würden die MIV Toten ein derart starkes Echo erhalten, dann wäre es mit T100 wohl recht schnell vorbei, und die alte Forderung der (links-grün-versifften usw.) Umweltverbände nach T 30-70-100 erhielte eine, sachlich/fachlich ohnehin gut begründete Renaissance.
    Auch das regelhaft integrierte alltägliche brutale Abschlachten von hunderttausenden Wildtieren (Rehe, etc.) und Millionen von Kleintieren (Igel, Katzen, Vögel etc.), das medial komplett totgeschwiegen wird, würde damit reduziert.
    Stattdessen aber läuft die Zielrichtung der medialen Verarbeitung fast immer darauf hinaus, dass auf Landstraßen das 'Eindringen' von quasi artfremden Nicht-MIV eine erhebliche Gefahr für die Eindringlinge darstellt und dass, so die immanente Konsequenz, der Nicht-Autoverkehr die eigentlich allgemeinen Landstraßen bei Strafe des Totgefahrenwerdens zu meiden habe, das Landstraßen (und Kreisstraßen) Netz also im Grunde ein Netz aus Kraftfahrstraßen sei. 'Autobahnisierung' des allgemeinen Verkehrsnetzes ist da m.E. der geeignete Begriff.
    Typscherweise wird, wie im Artikel beschrieben, denn auch die Frage aufgeworfen, ob die Radfahrenden nicht, statt fahrlässig die 'Autobahnen' zu benutzen, auf die für sie bestimmten Waldwege, oft holprigen und steilen Radwege oder auf phantomhafte Fantasiewege hätten ausweichen sollen oder müssen.
    So wird dann - unter dem Label von Sicherheitsberichterstattung - das System der automobilen Massaker auf unsern Land- und Kreisstraßen weiter gefestigt.
    Alfons Krückmann

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    1. Der Artikel zum Verkehrs-Bias (der medialen Verzerrung beim Schreiben über Auto. und Radverkehr) kommt demnächst. 😊

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  7. Liebe Christine,
    eine weiter "Ungenauigkeit" in dem Artikel: Nach Prüfung des Sachverhaltes würde dann durch die StAnwaltschaft entschieden, "ob" dem Autofahrer juristische Konsequenzen drohen. Wenn, offensichtlich, ohne die 2 m Mindestabstand einzuhalten eine Dame tödlich umgenietet wird und dazu die durchgezogene Linie überfahren wird (bzw. statt die Linie zu überfahren lieber der Radie getötet wird) und danach auch noch 50 km/h Tempolimit kommen, müsste die Zeitungsmeldung stattdessen eigentlich lauten "welche juristische Konsequenzen dem Autofahrer drohen".

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    1. vor dem Überholabstand kommt ein verstoß gegen das Sichtfahrgebot, und der muss bei einer so hohen Kollisionsgeschwindigkeit erheblich gewesen sein.
      Leider ist in den Köpfen vieler Autofahrer, dass man so schnell fahren darf wie über Schilder angeordnet (+10 km/h) oder eben 100 km/h auf Landstraßen, und das gilt auch für die Autoren solcher Texte. Solange man nicht erhelblich über diesen Geschwindigkeiten ist, hat man ja nichts falsch gemacht (was falsch ist!)
      Selber schauen und beurteilen, wie schnell man fahren darf um alles im Griff zu haben, haben viele nie gelernt. in dem Zusammenhang wünschte ich mir Prüfungsfahrten im Schwarzwald oder auf ähnlichen Nebenstrecken, bei der die implizit geltenden Begrenzungen bekannt sind und deren Einhaltung überwacht wird, und zwar ohne, dass der Prüfling gezeigt bekommt welche Geschwindigkeit auf Grund er Sichtverhältnisse gilt, das muss der selber wissen.
      D.h wer mit 100 aus blendender Sonne in einen dunkeln Wald rauscht ist mindesten 50 km/h zu schnell und sollte sofort den Führerschein abgeben müssen.

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  8. Und woher weißt du, dass der Fahrer die Radfahrerin überhaupt gesehen hat?

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  9. Kalle, S Süd: Solange Verkehrsteilnehmer:innen ihre Aufmerksamkeit dem Smartphone (oder Bedienelementen ihres Fahrzeugs) widmen, werden solche tragischen Unfälle zur Realität gehören. Oft werden dann "medizinische Notfälle " vorgeschoben, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Und ich rede hier bewusst von allen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern.

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    1. Ablenkung ist leider tatsächlich ein viel zu häufiger Unfallgrund. Ich will hier aber nicht spekulieren, was der Fahrer getan oder nicht getan hat.

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  10. Hallo Christine,
    Danke für den Artikel, in dem alles angesprochen ist was in der Berichterstattung so oft nicht passt.
    Es ist extrem schwer, in solchen Fällen seine Wut zurückzuhalten und ich würde sie den Autoren solcher Artikel gerne ins Gesicht schreien. auch wenn ich weiß, dass das nichts hilft . Ich mach das auch nicht, nicht nur weil ich die Autoren nicht treffe, sondern weil der Inhalt geschriebener Kritik nicht mehr wahrgenommen wird.
    Was mich an solchen Artikeln besonders stört, ist dass
    1: die zeigen wie Radfahrer in breiten Teilen der Bevölkerung wahrgenommen werden, und das Bild ist eben nicht gut. Wir sind irgendwas zwischen Parasiten und Störenfriede die in ihrer Freizeit unbescholtene Autofahrer drangsalieren
    2: Dadurch dass Radfahrer meistens die einzig handelnden Personen sind, und dann noch impliziert wird, dass das Handeln der Radler falsch war, wird gar nicht mehr über die wahren Ursachen für solche Unfälle gesprochen, weder was die Autofahrer angeht, und in anderen Fällen eben auch was die Gestaltung der Infrastruktur angeht. Allein die unzulässige Frage, warum die Radfahrerin dort war müsste eigentlich zu einem Shitstorm über die Redaktion führen. Die These, dass reine Fahrausbildung für die Radfahrerin solche Unfälle vermeiden könnte ist ein schlag ins Gesicht,
    Dagegen wird nicht thematisiert wie es sein kann dass ein Autofahrer eine Kollision einem Verkehrsteilnehmer hat der sich in die gleiche Richtung bewegt. Das bei Einhaltung des Sichtfahrgebotes vollkommen unmöglich. Und wer sich in eine Situation bringt in der eine minimale Unachtsamkeit zu so einem Unfall führt, muss vorher etwas gemacht haben was eigentlich eine schwere Verfehlung ist
    Diese Verfehlungen werden aber nie angesprochen, evtl. weil es Sachen sind die alle Autofahrer immer wieder machen, aber keine Lust haben sich damit aufeinanderszuetzen dass als dessen Folge der Tod einer anderen Person folgen könnte.
    Dieses Ausblenden der wahren Ursachen und kaschieren der Lücke durch Unterstellungen dass das Opfer doch auch nicht alles richtig gemacht haben kann, sind das was mich immer wieder maximal auf die Palme bringt. Denn damit wird erst gar nicht begonnen Maßnahmen zu finden, die solche Unfälle wirklich verhindern würden.
    Rasen in der Stadt und Drängeln auf der Autobahn sind die einzigen dieser Fehlverhalten die wir endlich als das machnmal als das erkannt wird was es ist: die Schaffung von Situationen in denen Menschen sterben.
    Mit dem Navi spielen, den Beifahrer bei Gesprächen ansehen, mit dreckiger Scheibe fahren, die wenn die Sonne drauf scheint einem Leuchtschirm gleicht,

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  11. So geht es mir auch. Es gibt ja Forschungen darüber, wie sich das Denken der Lesenden und letztlich die Verkehrspolitik ändert, wenn anders über schwere Zusammenstöße berichtet wird. Das habe ich hier beschrieben: https://dasfahrradblog.blogspot.com/2024/03/so-beeinflusst-die-sprache-unsere.html

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    1. ...tatsächlich ist das beim Rasen und Drängeln in breiten Teilen der Bevölkerung geschehen. Wenn vor gut 40 Jahren über Drängler berichtet wurde, wurde gleich die Frage gestellt ob die Fahrer im bedrängten Fahrzeug wirklich brav auf der rechten Spur gefahren sind oder, wenn sie denn Angst vor hohen Geschwindigkeiten haben lieber doch auf der Landstraße geblieben wären. Einen Wendepunkt in der Wahrnehmung von Rasern war der "Turbo Rolf" Unfall 2003. Ich vermute, dass 10 Jahre früher die Schuld für den Unfall nicht beim Raser gesucht worden wäre.
      Daher habe ich Hoffnung, dass die Gesellschaft diesen Schritt auch bei Unfällen mit Radfahrern und der daraus resultierenden Bewertung von Fehlverhalten der KFZ Fahrer vollzieht.
      Wenn Augenblicksversachen zu einem tödlichen Unfall führt, dann muss man fragen wie es zu so einer Situation kommen konnte. In den meisten Fällen sind diese Situationen die Folge von Regelmissachtungen die nicht angeprangert werden weil sie so verbreitet sind, dass man daraus ableiten müsste, dass wir alle die bösen Rüpel im Verkehr sind, und nicht nur eine kleine Gruppe auf die man mit dem Finger zeigen kann.

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  12. Mir ist neulich was ganz skurriles in dieser Richtung passiert: Bei einem eintägigen Erste-Hilfe-Kurs vom ASB Mössingen, gab der Leiter Hr. M**k vor allen Leuten seine Einschätzung zum besten, es sei ja unverantwortlich, wenn Radfahrende ohne Sicherheitsweste unterwegs seien. Er hätte kürzlich einen Beinaheunfall erlebt, bei dem ein Kind mit dem Rad über den Zebrastreifen - ohne zuvor abzusteigen - gefahren sei. Kein Wunder.... bla, bla, bla.
    Da wurde mir klar, wie viele Leute ticken. Zum Glück war der Dozent kein ausgebildeter Rettungsassistent - ansonsten würde er im Einsatz womöglich den verletzten Radfahrenden nachrangig versorgen, falls dieser keine Rettungsweste trug ;-)
    Zum Glück war ich dann in der Position die Sache klar zu stellen - bei den anderen Teilnehmern dann betretende Minen und anschließend eine Entschuldigung durch den Dozenten.
    Vielleicht sollte man wirklich solche Momente nutzen um klare Kante zu zeigen :-)

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