29. März 2026

Das Problem mit den Werkstattterminen fürs Fahrrad

Es gibt zu wenige Händler, die die vielen Fahrräder reparieren können, die online oder bei den wenigen großen Anbietern gekauft wurden. 

Neue Bremsen, ein kaputtes Licht, die Kette springt ständig raus, das sind einige der Probleme, die bei Fahrrädern auftauchen, die viel gefahren werden. Also ab in den nächsten Fahrradladen. Der aber hat einen Termin erst in zwei oder vier Wochen. Wie Bike-x berichtet, haben knapp die Hälfte Schwierigkeiten bei der Wartung der Räder und für 33,1 Prozent sind vor allem die Wartezeiten auf einen Reparaturtermin zu lang. Ging mir übrigens auch schon so. Mit einem kaputten Rücklicht bin dann erst Mal in den Keller 5 gefahren, wo man gemessen hat, woran es liegt. Dann habe ich mir ein Rücklicht im Internet bestellt und bin damit zu meinem Fahrradhändler des Vertrauens am Marienplatz gefahren. Der hatte zwar keine Zeit, aber er hat mir das Werkzeug gegeben, sodass ich das Licht vor der Ladentür selber ersetzt habe. Ich bin aber keine Bastlerin und Bremsen ersetze ich nicht selber. Doch ich brauche ein fahrtüchtiges Fahrrad. Deshalb brauche ich auch einen Fahrradladen, der mir bei Problemen hilft. Den habe ich, aber so viel Glück haben nicht alle. 

Manche haben ja zwei Fahrräder, die nehmen dann das andere, aber zwei Pedelecs haben die Leute selten. Viele steigen dann, so die europäische Studie im Auftrag von Shimano  auf andere Verkehrsmittel um, nicht nur temporär, manche auch für immer. Sie lassen das Fahrrad Fahren sein und kaufen sich natürlich auch kein neues mehr, was die Fahrradbranche beunruhigen sollte. 27 Prozent versuchen, ihr Fahrrad alleine zu reparieren. Für Stuttgart kann ich empfehlen, mit dem Rad zur Fahrradwerkstatt des ADFC oder in eine andere zu gehen, wo einem bei der Reparatur geholfen wird. 

Und ich empfehle: Kauft euer Fahrrad oder Pedelec in genau dem Laden in eurer Nähe, wo ihr es zur Reparatur hinbringen wollt. (Und hofft, dass es den noch lange gibt.) Händler leben vom Verkauf von Fahrrädern. Vom Service allein lebt kein Laden, denn der ist personalintensiv, und die Radelnden meinen ja auch noch, Reparaturen dürften nicht viel kosten. Der lokale Handel ist für uns aber genau dann wichtig, wenn wir keine weiten Wege haben wollen. Mit online gekauften Rädern zum Service anzuradeln, ist nicht wirklich fair. Auch ich habe zwei Mal den Fehler gemacht, ein Rad, das mir gefiel, von einem weit entfernten Hersteller zu kaufen, mit dem Effekt, dass es schwierig war, einen Reparatur-Laden zu finden. Damals gab es immerhin noch die Radtheke, die mir half, als vom Rad die Kurbel abfiel, und es gab auch noch an der Hauptstätterstraße die Reparaturwerkstatt für E-Räder, die inzwischen ebenfalls dichtgemacht hat. Einige Händler weigerten auch rundheraus, mein Fahrrad anzufassen, das ich nicht bei ihnen gekauft hatte. Zwar verständlich, aber auch nicht sonderlich weitblickend. Denn als an meinem Fahrrad dann der Rahmen brach, habe ich das neue in dem Laden gekauft, der mich die ganze Zeit freundlich und gut betreut hat. 




14 Kommentare:

  1. Das BMV darauf angesprochen: 'Wie bewerten Sie das Ergebnis der Shimano-Studie 2026, wonach Deutschland im europäischen Vergleich der Werkstatt-Infrastruktur auf den letzten Platz abgestürzt ist, und planen Sie vor diesem Hintergrund einen ressortübergreifenden Krisengipfel, um den drohenden Service-Kollaps beim Radverkehr abzuwenden?' Die Antwort darauf vom 25.03.2026: 'Das BMV beobachtet die Entwicklungen im Fahrradsektor kontinuierlich und steht hierzu in regelmäßigem Austausch mit der Zweiradindustrie, unter anderem im Beirat Radverkehr beim BMV. Die in der „Shimano-Studie 2026“ angesprochenen Herausforderungen im Bereich Fahrradservice und Werkstattinfrastruktur betreffen in erster Linie unternehmerische und organisatorische Fragen innerhalb der Fahrrad‑ und Zweiradbranche. Aus Sicht des BMV handelt es sich dabei um eine Thematik, die primär in die Verantwortung der Zweiradindustrie fällt. Dort werden Kapazitäten, Serviceprozesse und betriebliche Organisationsstrukturen gestaltet. Im Rahmen bestehender Austauschformate kann das Thema selbstverständlich angesprochen und erörtert werden. Ein ressortübergreifender Krisengipfel ist nicht geplant.' Die Antwort sollte dem ADFC und ZIV zu denken geben- halten wir fest: Während die Automobilbrache nur Husten muss und es wird eine Staatskrise ausgerufen, ist dem BMV die Fahrradbranche völlig gleichgültig. Das uns die hochgezüchteten Pedelcs noch in vielerlei Hinsicht richtig Ärger einbrocken werden, war absehbar. Das sie aber die ganze Verkehrswende ausbremsen- so war das alles nicht gedacht. Nadelöhr und Flaschenhals ist nicht die Mechanik, sondern die Elektronik und vor allem der E-Motor: Platzhirsch und Quasi-Monopolist BOSCH (60-70%; Oligopol Big 5) rückt hierbei in den Fokus. Durch sein geschlossenes Elektronik-Ökosystem findet eine regelrechte Logistik-Orgie statt. Die hochpreisig und sehr zeitintensiv ist. Daher meine Lösung: Die EU-Kommission muss BOSCH die Pistole an die Brust setzen (wie beim USB-C-Standard Apple): Das muss schneller und billiger gehen oder wir zwingen euch zum Open-Standard. Wenn das nicht zieht- die Nuklear Option: Wir lassen die Chinesen rein- in Asien gibt es nur den Open-Standard. Ich bin sehr verstört, dass der ADFC und der ZIV dieses Thema so schleifen lassen. M.R.

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  2. Dumm nur, dass der Randhändler auch nur das 0815-Zeug der großen Hersteller rumstehen hat. Wer ein effizientes Fahrrad, z.B. mit vernünftigen Schutzblechen sucht, wird da nicht fündig. Fazit, qualitätvolle aber einfach zu wartende Räder besitzen (ja, das schließt idR E-bikes und Zeug mit hydraulischen Scheibenbremsen u. dgl. aus), und selber schrauben.

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    1. Mir ging es vor Jahren beim Kauf eines neuen Rades ähnlich, da war nichts passendes zu haben. Ich wollte vor Ort kaufen, obwohl ich am Rad alles selber mache. So bin ich im Internet bei einem Angebot eines Fachhändler gelandet, habe nach Online-Beratung gekauft, aber das Rad hat nicht gepasst. Dann habe ich einen anderen Rahmen gekauft und alles ummontiert; anschließend war es super, aber das wird nicht jedem gelingen.
      So kann sich anhand der Abhängigkeit vom Fachhändler bzw. dessen Werkstatt und der Ansprüche an Qualität und Preis des Wunschrades ein Zielkonflikt ergeben.
      Da ist es ein Segen, wenn das Wunschrad dem aktuellen Trend entspricht und deshalb der Händler um die Ecke ein Modell mit passendem Preis-/Leistungsverhältnis vorrätig hat.
      Thomas

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    2. Das E Bike meiner Frau ist 11 Jahre ohne besonderen E Bike spezifischen Service ausgekommen, dann musste eine neue Komponente nach dem Tausch "angelernt" werden, das wars an Spezialarbeiten.
      Hydraulische Scheibenbremsen sind nicht schwerer zu warten als V Brakes, nur anders, und weniger Aufwändig als der Ölwechsel einer Getriebenabe.
      D.h wer will kann heute mehr selber machen als noch vor 10 Jahren. Inzwischen findet man jede Arbeit eine Videoanleitung.
      Wer das Rad im Alltag einsetzt, hat aber auch mal keine Lust Mechaniker zu sein. --> Es braucht Profis, nicht nur weil die Arbeiten zu kompliziert wären, sondern weil der Anspruch an ein Alltagsverkehrsmittel ist, das man nicht mehr Aufwand rein stecken muss als das Tanken eines PKW bedeutet.

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  3. Ich bin immer wieder erschüttert, an was für simplen Reparatur- und Wartungsarbeiten Leute scheitern, dafür einen Fahrradladen brauchen. Schon Luft aufpumpen scheinen viele als Herausforderung zu empfinden.

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    1. Es soll Leute geben, die kaufen nur geschnitten Brot, weil das Abschneiden ja so viel Mühe macht.

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    2. Das habe ich auch schon beobachtet - und macht mir wirklich Sorgen. Immerhin lernen viele über YT-Filmle dazu und wagen sich dann an allerlei Wartungsarbeiten - da kommt dann doch wieder ein bissle Hoffnung.
      Thomas

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    3. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ich mache alles selber am Rad, aber ich mach das schon sehr lange und habe auch einen Beruf gewählt der mit Fahrzeugen und deren Technik zu tun hat, und inzwischen eine ordentliche Werkstattausrüstung.
      Trotzdem sehe ich es kritisch, wenn jemand der kaum eine Lampe aufhängen und anschließen würde, an den Bremsen seines Rades herumschraubt.
      Ich denke schon, dass für Alltagsverkehrsmittel auch eine Servicelandschaft notwendig ist, dass man die einfach nutzen kann. Die meisten Räder brauchen nicht sehr viel Pflege um über mehrere tausend km zu kommen.
      D.h ein großer Service im Jahr sollte den meisten reichen
      aufpumpen und ggf Kettenpflege ist das was ich den Nutzern auf alle Fälle zumuten würde, aber das war es dann auch schon.
      Eines der Probleme ist, dass viele Kunden meinen Radservice müsste billig sein, also in etwa um den gleichen Faktor günstiger wie der Service für den PKW. Das geht nicht, denn die Mechaniker die an den Fahrzeugen arbeiten haben eine vergleichbare Ausbildung und sollten von dem Job leben können. Stundensätze um die 100€ (inklusive der Umlagen für die Werkstatt und alles was dazu gehört) sind dafür so ziemlich die untere Grenze.
      Wer mit einem 4000€ Rad ankommt ist bereit auch für den Service zu zahlen, wer mit einer Bahnhofsgurke ankommt nicht. Dabei sind arbeiten an alten Rädern oft aufwändiger.
      D.h wenn wir guten Service wollen, müssen wir bereit sein dafür zu zahlen, dann wird es auch Werkstätten geben. Bei uns hat letzt wieder einer aufgegeben, nicht aus Auftragsmangel sondern weil er Frühling 24/7 durcharbeiten könnte aber übers Jahr kaum die Miete bezahlen kann.

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    4. Naja, Raketenwissenschaft ist das ja nun nicht gerade.
      Wenn die Bremse funktioniert, die Schrauben fest sind, das ganze getestet wird etc. dann passiert auch nichts.

      Jemand der keine Lampe aufhängen kann, wird nicht auf einmal am Rad rumschrauben, und wer Ersteres kann, darf sich Letzteres auch zutrauen.

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  4. Nur reparieren als Fahrradwerkstatt kann sich wohl tragen:
    https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2025/arbeitsmarkt/rms-bikes-das-drei-tage-prinzip

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  5. passend dazu:
    https://www.reddit.com/r/Fahrrad/comments/1s7249w/fahrradsaisonstart_mit_hindernissen_wegen/?sort=old

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  6. Hallo zusammen,
    ich habe diesen Artikel gerade erst entdeckt. Meine alte Radtheke in der Römerstraße gibt es zwar nicht mehr. Wer jedoch niemanden findet darf gerne, wie einige andere aus Stuttgart, auch zu uns nach Aidlingen kommen. Unter dem Namen Fahrrad Hoss reparieren wir nach wie vor jede Art von Rädern und verkaufen dazu hin Alltagsräder..
    https://fahrrad-hoss.de Wir helfen wo wir können.
    Viele liebe Grüße aus Aidlingen in den Kessel. Hotte Hoss

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  7. Es ist zuweilen eine Platzfrage. Wohin mit dem Werkzeug, wo das Rad hinstellen, wenn man daran herumbasteln will, und habe ich überhaupt Zeit und Nerven dafür. Es gab früher bei den Autos auch Schrauber, und es gab die, die in die Werkstatt gingen. (übrigens habe ich immer Minimalwerkzeug dabei, wenn ich herumfahre, und manchmal konnte ich schon damit einem gestrandeten Radler (männliche) helfen, einmal, weil die Bremse sich festgestellt hatte). Ich persönlich lehne das selber Machen gar nicht ab, aber es ist nicht mein Ding, und an den Bremsen werde ich nicht herumschrauben. Mir fehlt schon das Gestell, um das Fahrrad aufzuhängen. Die, die selber schrauben, die ich kenne, haben einen Raum, also eine kleine Werkstatt dafür.

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  8. Interessanter Post - ich selber traue mich mittlerweile an recht viele Dinge am Fahrrad ran. Als ich noch viel MTB gefahren bin, habe ich angefangen, kleinere Sachen selber zu machen. Bis heute lasse ich allerdings von Schaltung und vom Flüssigkeitentausch bei hydraulischen Scheibenbremsen die Finger davon. Alles andere klappt auch immer besser - YT-Videos und ein gutes Sachbuch haben den Horizont erweitert. Schlauch flicken und Reifen tauschen hat mir mein Opa schon vor 40 Jahren beigebracht.
    Ich wohne in Pforzheim (PF) und arbeite in S. Im Sommer pendle ich gerne eine Teilstrecke mit dem Rad nach Anfahrt mit dem Auto ab einem Parkplatz zwischendrin in den Kessel und zurück.
    Zwei von drei Fahrrädern (davon ein Lastenrad) hatte ich übers Internet bestellt. Mein MTB-Händler hat das Lastenrad, solange ich noch ein bei ihm gekauftes MTB dort zur Wartung hatte, auch entsprechend gewartet. Auch wenn die sich nie so richtig dafür erwärmen konnten.
    Irgendwann waren die MTB weg und zum Lasti gesellte sich ein Pendlerrad, gekauft bei der kleinen Manufaktur im westlichen Landkreis BB - dort auch KD machen lassen (damals nahm der m. W. nur Bikes seiner Marke an). Später Kauf eines E-Gravel-Bikes übers Internet bei einem in S ansässigen Händler, der am Westbahnhof eine Filiale hat(te) - KD dort machen lassen, bis die Werkstatt plötzlich wegen behördlich verordneter Zwangspause dicht war (war vor der Insolvenz). Dumm nur, das ich einen KD-Termin kurz nach dem Beginn der Zwangspause hatte... Hinweis vom damaligen Filialleiter, einen KD-Termin unten in der Eberhardstraße/Hauptstätter Straße beim Partnerbetrieb zu vereinbaren. Auf die Antwort auf meine Anfrage per E-Mail warte ich noch heute (ich weiß, der hat mittlerweile auch zu) ...
    Bei mir in PF parallel eine Werkstatt mit kleinem Laden (Einmannbetrieb) und eine damals relativ neue Nur-Werkstatt (zwei Inhaber plus mindestens ein angestellter Mechaniker) per E-Mail angeschrieben. Von ersterer nie was gehört, von der Werkstatt innerhalb weniger Tage. Seitdem sind alle drei Fahrräder dort zum KD, inklusive einiger Optimierungen und auch Gewährleistungsabwicklung Ultegra-Kurbel/Shimano, obwohl das betroffene Rad dort nicht gekauft wurde. Auch "Notreparatur" an der Scheibenbremse eines der Räder innerhalb weniger Tage mitten in der Sommerhochsaison ging problemlos. Benötigte Teile alle dort gekauft, auch wenn ich sie übers Internet günstiger bekommen würde. Aber ich lege bei manchen Dinger lieber etwas mehr hin und halte meine Kundenbeziehung am Köcheln.
    Micha

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