Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

16. August 2025

Baum oder Parkplatz? Die Verkehrswende braucht gute Kommunikation

Warum die Verkehrswende stockt, fragt sich BusinessInsider, und meint, es liege an der schlechten Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. 

In dem Artikel wird von den Stadtverwaltungen und der Lokalpolitik gefordert, dass sie mehr erklären, warum sie einen Radfahrstreifen bauen, eine Straße aufkosten von Parkplätzen begrünen oder Straßen für die Durchfahrt von Autos sperren. Wenn Autoabstellflächen im öffentlichen Raum verkleinert werden, sollten Alternativen angeboten werden. Es brauche für die Verkehrswende eine Kommunikationsstrategie. 

Als positives Beispiel wird die Stadt Hamburg angeführt. Die Stadt habe massiv in den öffentlichen Nahverkehr investiert, aber auch den Ausbau des Radschnellwegnetzes und von autofreien Quartieren konsequent vorangetrieben. Dabei habe sie der Bevölkerung stets erklärt, was passiert und warum es passiert. In Berlin hingegen stocke alles, weil es Parteienstreit gebe und Verwaltung und Politik sich gegenseitig blockierten. Dabei sei klar: Verkehrspolitik ist Klimapolitik. Ohne eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs lassen sich, so der Bericht, die Klimaziele nicht erreichen. Im Verkehrssektor stagnieren die CO2-Emmissionen oder verschlechtern sich sogar. Dass mehr Radwege und Räum für Menschen zu Fuß aufkosten von Raum für Autos dem Klima deutlich helfen, ist belegt. Businesinsider appelliert an die Verwaltung und Politik, Projekte für den Rad- und Fußverkehr nicht halbherzig anzugehen, sondern entschlossen und mit langem Atem. Dafür müssen Mittel gefunden werden, die Bevölkerung mitzunehmen. Die Verkehrswende sei ein Gesellschaftsprojekt. 

Besser kommunizieren lässt sich leicht fordern, aber die entscheidende Frage ist: Wie denn eigentliche?  

31. Juli 2025

An jeder Abbiegung droht Radfahrenden Gefahr

Das hat die Stuttgart Zeitung festgestellt und bezieht sich dabei auf den Abbiegezusammenstoß auf der auf der Kaltentaler Abfahrt. 

In Kaltental fuhr am Freitag, dem 30. Mai, eine Radfahrerin auf dem Radfahrnstreifen bergab in Richtung Engelboldstraße. Ein Autofahrer (oder eine Fahrerin) fuhr ebenfalls bergab. Er oder sie muss vorher an der Radfahrerin vorbei gefahren sein, hat aber - wie üblich - beim Abbiegen bereits völlig vergessen, dass es diesen Menschen auf dem Fahrrad gibt, bog ab und streife dabei die Radfahrerin, die stürzte und sich leicht verletzte. An ihrem Fahrrad entstand außerdem Schaden. Der Fahrer oder die Fahrerin kümmerte das nicht, er oder sie fuhr davon. Womöglich, ohne im rechten seitlichen Rückspiegel den Sturz der Radlerin überhaupt bemerkt zu haben. Manche Autofahrende wollen Radfahrende nicht sehen und sehen sie deshalb auch nicht. 

Mit beachtenswerter Nachdrücklichkeit kümmert sich die Stuttgarter Zeitung gerade um Belange und Themen des Radverkehrs. Und statt sich bei diesem Zusammensstoß mit der Frage zu beschäftigen, ob die Radlerin Warnweste oder Helm trug oder nicht, bemerkt die Autorin ganz richtig:  "Am Steuer eines Autos muss man auf einer einspurigen Straße kaum eine Gefahr befürchten, wenn man geradeaus fährt. Anders sieht es für Verkehrsteilnehmende aus, die keine schützende Karosserie um sich haben: Radfahrerinnen und Radfahrer. Immer wieder passiert es, dass sie beim Abbiegen von Autos (eigentlich Autofahrer:innen) angefahren werden, obwohl diese ihnen Vorrang gewähren müssten." 

11. Juli 2025

Wut auf Radfahrende zieht immer

Der Bayrische Rundfunk hat einen Beitrag veröffentlicht, in dem es um einen Radschnellweg geht und um die "Wut auf die Rennradler". 

Allerdings sind es nicht die Berufsradpendler:innen, die sich über Rennradler:innen ärgern, sondern - wie sollte es auch anders sein - die Menschen in Autos, (die aussteigen müssen und dann zu Fuß unterwegs sind), die ihre Wut rauslassen dürfen gegen "rasende Radler".  Es sollen sogar bereits Nägel auf den Radschnellweg geworfen worden sein. Und Autofahrende beschweren sich, dass sie vor lauter Radler:innen nicht mehr aus einer Garage fahren könnten. Den BR-Beitrag kann man hier nachlesen. Wieder einmal wird der Radverkehr problematisiert, eigentlich skandalisiert und der Wut preisgegeben, in einem Maß, in dem der Autoverkehr nie problematisiert wird, obgleich er die eigentliche tödliche Gefahr für alle darstellt, die nicht im Auto sitzen.  

Ich habe deshalb mal kurz die Perspektive gewechselt und im BR-Text das Fahrrad durch das Auto ersetzt, was auch deshalb naheliegt, weil die Medien gerne bei Radschnellwegen von "Fahrradautobahn" oder "Autobahn für Radfahrer" reden und schreiben: 

22. März 2025

Stuttgart auf Platz 1 fürs Farradpendeln?

Dieses Ergebnis in einer Veröffentlichung der Firma Canyon hat uns Radfahrende und viele Medien überrascht. 


Wie Utopia berichtet "überzeugt Stuttgart auf ganzer Linie", denn es gibt fast 300 fast komplett barrierefreie Bahnhöfe, über 18:000 Fahrradabstellplätze, was für die Kombi Bahn und Rad gut ist. Außerdem gibt es bei uns eine vergleichsweise geringe Zahl an Crashs oder Unfällen. Und während Autofahrende jährlich in Stuttgart "79 STunden im Stau gefangen sind", kommen Radfahrende meist schneller ans Ziel. Nur mit den Radwegen haben wir es nicht so.

Man soll die eigene Stadt ja nicht schlechter reden als sie ist. Immerhin haben wir eine meist gut ausgebaute Haupradroute 1 und kommen radial meist ganz gut in die Stadt. Das nützt Pendler:innen. Und wir haben fünf bis sieben ampelfreie Kilometer durch den Schlossgarten. Wir vermissen zwar Fahrradgaragen und Abstellplätze am Hauptbahnhof (und am neu gestalteten Cannstatter Bahnhof), aber es stimmt, es gibt viele Stellplätze beispielsweise in Vaihingen am Bahnhof.  Aber wie kommen die darauf, dass wir für Menschen, die mit Rädern zu Arbeit pendeln, die besten sind? 

23. Januar 2025

Warum der Fahrrad-Führerschein ein Social-Media-Tiger ist

Die Forderung nach Fahrradführerscheinen und Fahrradsteuern taucht in einer bestimmten Ecke der sozialen Medien immer wieder auf. Das gipfelte im vergangenen Jahr sogar in er Behauptung, in diesem Jahr - 2025 - komme der Fahrradführerschein. 

Das ist eine Falschbehauptung. Irrig ist auch der dahinter liegende Gedankengang, eine Führerscheinprüfung für Menschen, die Rad fahren, würde die Regeltreue erhöhen. Denn das tut auch der Führerschein für Autofahrende samt gut sichtbarem Kennzeichen nicht. Auch aus anderen Gründen ist ein Fahrradführerschein Unsinn. 

21. Januar 2025

Menschen zu Fuß und auf Fahrrädern zählen nicht.

Hauptradroute 1 2021
Am Mittwoch, dem 15. Januar gab es am frühen Morgen bis in den Vormittag hinein völlig vereiste Straßen.   

Autos rutschten und krachten ineinander oder gegen geparkte Autos. Es rutschten aber auch Menschen zu Fuß, wenn sie ihren Weg zur Arbeit unbedingt aufnehmen wollten oder mussten. (Viele sind auch zu Hause geblieben oder haben Termine verschoben.) In einer ersten Pressemeldung sprachen die Stuttgarter Nachrichten von mehr als hundert "Unfällen" bis 8:15 Uhr und der Polizei im Dauereinsatz. Und dann heißt es: "Bei den Unfällen sei seither noch nichts Schlimmeres passiert, es gäbe keine Verletzten, teilt die Polizei mit." Die haben aber nur auf die Menschen in Autos geschaut. 

Währenddesen stürzten die Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, auf spiegelglatten Untergründen und tauchten zu Hauf in den Kliniken auf. Vermutlich waren auch einige Radfahrende darunter, denn die Radwege werden erst nachrangig enteist.  

17. Januar 2025

Ein schwäbischer Radschnellweg löst Kritik und Spott aus

Stuttgarter Zeitung, 8. Januar 25
Das ist gründlich schief gegangen. Der Abschnitt des Radschnellwegs 14 zwischen Eislingen und Süßen geistert seit Wochen durch die Medien. 

Vor allem wegen einer Treppe, aber auch wegen falscher Beschilderung oder einem Kreisverkehr an einer Zweirichtungsradwegführung, den die Radler:innen in Gegenrichtung ganz außen herum fahren müssen. Der ADFC Göppingen hat bereits im November die Mängel aufgelistet. Auch  die Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten haben tüchtig gespottet. Ein FDP-Politker nutzt die Schwächen, um sich aufzumanteln, in der Presse Radschnellwege infrage zu stellen und gegen den baden-württembergischen Verkehrsminister zu wettern. Kritik und Unmut waren wohl so vehement, dass sich vor ein paar Tagen das Regierungspräsidium mit einer Pressemitteilung darum bemüht hat, in die überregionalen Medien zu kommen und die glücklose Umsetzung bundesweit bekannt zu machen. Die Süddeutsche Zeitung hat schon reagiert, die dpa-Meldung samt dpa-Recherche übernommen und zeigt die Treppe in einem Video

30. November 2024

Ach so, deshalb fährst du nicht Fahrrad?

Die Seite Radbonus hat sechs Gründe aufgelistet, die gegen das Radfahren sprechen. Dazu gehört das Wetter, die Anstrengung und die Schnelligkeit, mit der man ankommt. 

Aber das lest ihr am besten im Original, und ernst gemeint ist es natürlich nicht, weil ja nichts gegen das Radfahren spricht, sofern man es kann. Es gibt aber auch ernst gemeine Aufzählungen von Nachteilen, die eine Radfahrt zur Arbeit haben sollen, zum Beispiel: "Ein gravierender Nachteil ist die Unfallgefahr, sei es in einem städtischen oder ländlichen Gebiet.

Und schon sind wir beim "Radfahren ist gefährlich". Ja, ist es, nämlich ungefähr so gefährlich wie Autofahren oder zu Fuß gehen, und weniger gefährlich als schwimmen gehen oder Treppen steigen oder im Haushalt arbeiten (siehe hier). Das Risiko, auf dem Fahrrad eine Verletzung zu erleiden, ist vermutlich etwas höher als beim Autofahren. Der Spiegel nennt ein dreieinhalbmal höheres Todesrisiko und beruft sich dabei auf die Unfallversicherer, die Radfahren generell für irre gefährlich halten. Das scheint mir aber nicht haltbar. Transparente Statistiken dazu habe ich noch nicht gefunden. 

Aber, wenn es so wäre, was würde das überhaupt real bedeuten?

15. Oktober 2024

Wer erwischt wen? - Zynismus der Pressesprache

Symbolbild
Pro Velo hat einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Frage beschäftigt, ob eine Gesetzeslücke mitverantwortlich ist dafür, dass ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen eine Radfahrerin getötet hat. 

Der Schweizer Bundesrat soll damit zu einer Gesetzgebung animiert werden. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist jedoch - vorsichtig gesagt - ungeschickt, deutlich gesagt: zynisch. In Wien, wo die in Zürich getötete Radfahrerin herkam, seien Radfahrende "besser vor rechtsabbiegenden Lkws geschützt", so die Behauptung. Denn Fahrer:innen von Fahrzeugen ab 3,5 Tonnen dürften dort nur in Schrittgeschwindigkeit abbiegen. In Deutschland übrigens auch. Aber Gesetz bedeutet ja nicht gleich Gesetzestreue und richtiges Verhalten. Ich frage mich: Halten sich eigentlich die österreichischen und deutschen Lkw-Fahrenden an die Regel? Wird das überprüft? Und stimmt die Aussage überhaupt. Auch in Österreich gab es im Jahr 2023 mehrere Fälle von Verkehrsgewalt, bei denen Lkw-Fahrende beim Abbiegen Radfahrende getötet haben, 2024 verletzte in Wien einer einen Radfahrer beim Abbiegen schwer. 

So wichtig wie das Thema für alle Radfahrenden ist, und so richtig das Anliegen, den Schweizer Bundesrat zu einer Gesetzgebung zu animieren, so ungeschickt bis unglücklich sind die Formulierungen im Text.

7. Oktober 2024

Mythen übers Radfahren

Es halten sich - vor allem bei Leuten, die nicht Rad fahren - hartnäckig falsche Vorstellungen übers Radfahren: zu gefährlich, stört den Autoverkehr, man ist zu langsam und so weiter. 

Die Seite Discerning Cyclists hat fünf Mythen für den Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit identifiziert, denen ich hier mal nachgehe. Der Artikel fängt mit dem ärgerlichsten Mythos an, der von der Presse gern befeuert wird und viele Menschen davon abhält, im Alltag Fahrrad zu fahren. 

1. Radfahren ist gefährlich 

Nein. Tatsächlich ist es nicht gefährlicher, mit dem Fahrrad zu fahren als sich mit jedem anderen Verkehrsmittel in unserer Verkehrswelt zu bewegen. Nach Berechnungen von Cycling UK liegt die Wahrscheinlichkeit sich zu verletzen bei 5 Prozent pro - so die Zahl, die ich nicht nachprüfen kann - 1000 Stunden Radeln. Das Risiko, getötet zu werden liegt bei einer pro neun Millionen Fahrten. Die Deutsche Unfallforschung sieht das allerdings anders. Sie hat einen Spiegelartikel zufolge errechnet, dass das Risiko, auf dem Fahrrad bei einem Zusammenstoß oder Sturz zu sterben dreieinhalb mal höher als im Auto oder mit dem Motorrad. Wobei unklar bleibt, ob auf Wegstrecken oder Reisezeit bezogen. Das Verletzungsrisiko sei sogar siebenmal höher. Bezogen auf Berlin hat das der ADFC widerlegt. Demnach sind Menschen auf Fahrrädern an 3,8 Prozent der Crashs beteiligt, der Radverkehrsanteil am Modal Split beträgt allerdings etwa 15 Prozent. Jeder siebte Weg wurde in Berlin zu dieser Zeit mit dem Fahrrad zurückgelegt. 

18. August 2024

Wer was für Autofahrende tun will, muss Radwege bauen

So ähnlich titelt die Süddeutsche Zeitung. In diesem Artikel hinter der Bezahlschranke steht nichts, was wir hier nicht schon wüssten. Er reagiert auf die seltsamen Rücksprünge der FDP, die wieder reine Autostädte fordert. 

Also keine Parkgebühren, Rückbau von Fußgängerzonen, keine Radwege und so weiter. Damit alle mit dem Auto in die Innenstädte rammeln können und sich dort stundenlang gegenseitig blockieren. Wer so etwas fordert und glaubt, dass es den Städten gegen Verödung hilft, hat sich noch nie ernsthaft mit dem Thema Verkehr beschäftigt und ist leider meistens auch völlig unzugänglich für rationale Argumente. Mehr Autostraßen und mehr Parkplätze erzeugen immer mehr Autoverkehr und damit immer wieder Staus. Das ist ein Standortnachteil für die Wirtschaft, für Handwerker und Lieferanten, Pflegedienste und alle, die Auto fahren müssen, denn ihre Fahrten dauern lange. Das erläutert der Verkehrsexperte Stefan Gössling (Professor an der School of Business and Economics an der Linnaeus-Universität im schwedischen Kalmar) in dem Artikel. Ist uns alles bekannt. 

Interessant ist jedoch in diesem Zusammenhang die Geschichte vom Streit um die Citymaut in Stockholm, weil sie davon erzählt, wie der Populismus zugunsten des Autofahrens überraschend an der Realität scheitert.

29. Juli 2024

Schiefe Mobilitäts-Bilder im Fernsehen

In unseren Fernsehserien kommen unverhältnismäßig viele Autos und Autofahrten vor. Zuweilen werden sie regelrecht inszeniert. 

Fahrrad fährt nur der schrullige Kommissar oder Privatdetektiv, und wenn es ernst wird, steigt er ins Auto um. Mit Stadtbahnen oder Bussen fährt kaum jemand. E-Scooter kommen gar nicht vor. 

Die Verkehrswelt, die beispielsweise im "Tatort" dargestellt wird, ist aus dem vorigen Jahrhundert, benzinreich und vom Auto dominiert. Das hat eine Studie über "Mobilität in den Medien" ergeben, die vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben und 2021 teilweise veröffentlicht wurde. Die Autor:innen haben Veröffentlichungen über Mobilität ausgewertert und bei diversen Fernsehserien die in Fimszenen dargestellte Mobiltät ausgezählt. Je jünger die Zielgruppe, so ein Ergebnis, desto eher werden umweltfreundliche Arten der Fortbewegung gezeigt, Radfahren und zu Fuß Gehen.

28. Mai 2024

Verkehrsgewalt: Böse Autos bauen Unfälle

In der Pesse "geraten" Menschen im Zusammenhang mit Autos in Situationen, für die niemand verantwortlich zu sein scheint. 

Zum Beispiel: Auto gerät auf Gehweg und verletzt Fußgängerin tödlich, Seniorin unters Auto geraten, Motorradfahrer gerät unter wendendes Auto, Auto gerät in den Gegenverkehr. In Berlin ist ein Auto auf den Bürgersteig geraten und hat Fußgänger erfasst, die nun in Lebensgefahr schweben.

Solche Formulierungen begegnen mir ständig in Medienberichten. (Wobei sich einzelne Medien, darunter die Stuttgarter Zeitung, davon inzwischen erfreulich absetzen.) Ich frage mich dann immer: Wie kann es sein, dass Menschen unter Autos und Autos irgendwohin geraten? Steuert die Autos niemand? Wenden die Autos eigenmächtig, steuern sie Gehwege an, überfahren Sie Fußgänger:innen? Sind die Leute, die drinnen am Lenkrad sitzen, gar nicht da? Werden sie völlig überrascht von den Aktionen ihres Autos? 

Weil in unserer sprachlichen Darstellung auch schwerster Zusammenstöße niemand die Autos zu lenken scheint, können wir dann sogar auch mal lesen: "... soll ein Pkw die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren haben." (Diese erste schnelle Meldung hat die StZ übrigens schnell korrigiert.)

10. Mai 2024

Helm und Schutzengel - Radfahren mit der Maus

Die Maus aus der Kinder-"Sendung mit der Maus" hat den deutschen Fahrradpreis 2024 als fahrradfreundlichste Persönlichkeit erhalten. Überreicht wird er am 23. Mai. 

"Von Verkehrsregeln über Fahrradpflege bis hin zu umweltfreundlichen Mobilitätsalternativen – „Die Sendung mit der Maus“ zeigt in zahlreichen Folgen die breite Palette an Themen rund um das Fahrradfahren. Mit informativen Lach- und Sachgeschichten sowie unterhaltsamen Animationen werden den kleinen und großen Zuschauerinnen und Zuschauern spielerisch die Funktion und die Bedeutung des Fahrradfahrens nähergebracht", heißt es in der Pressemitteilung. 

Ich gratuliere! Super, dass Kinder ans Fahrradfahren herangeführt werden. Für Kinder und Jugendliche ist es ein Stück Unabhängigkeit und Lebensfreude. Sie sind mit anderen zusammen und bewegen sich. Welche Geschichten erzählt die Sendung mit der Maus aber nun  den Kindern, oder anders gesagt, welches Narrativ zum Radverkehr bekommen wir präsentiert, habe ich mich also gefragt. 

5. März 2024

So beeinflusst die Sprache unsere Wahrnehmung von Verkehrsunfällen

Wie könnten Journalist:innen besser - also neutraler - über tödliche Zusammenstöße im Straßenverkehr berichten? Dieser Frage ist Tara Goddard von der Texas A&M University 2019 nachgegangen

Die Ergebnisse der Studie sind auf Englisch nachzulesen. Ich fasse sie hier zusammen. Goddard wunderte sich darüber, dass die zunehmende Zahl von Todesfällen bei den Fußgänger:innen in den USA keine öffentlichen Aufrufe zum Handeln erzeugten, und stellte fest: Die Art und Weise, wie die Presse berichtet, entscheidet darüber, beim wem die Lesenden die Schuld suchen: beim Menschen, der Auto fährt, bei der Person, die zu Fuß gegangen (oder Rad gefahren) ist, oder bei der schlechten Infrastruktur. Für die Studie wurden 999 Proband:innen je eine von drei Versionen eines Nachrichtentextes vorgelegt, in dem der tödliche Verkehrsunfall eines Fußgänger beschrieben wird. Danach sollten die Proband:innen sagen, wen sie für schuldig hielten, eine angemessene Bestrafung für den Autoahrer vorschlagen und Ansätze zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bewerten. Das Ergebnis war eindeutig und sollte allen, die Nachrichtenmeldungen über Verkehrsunfälle schreiben, zu denken geben. Zumal es eine Lösung gibt. 

Hier zunächst auf Deutsch übersetzt die drei Versionen des Pressetextes.

6. Februar 2024

Der seltsam unsichtbare Autofahrer

Der zweithäufigste Unfallgegner von Radfahrenden sei niemand, behauptet die Zeit-Online in ihrer Überschrift über einen langen Artikel über Fahrradunfälle und deren Gründe. 

Gemeint ist damit, dass die zweithäufigste Ursache für verletzte und getötete Radfahrende sogenannte Alleinunfälle sind. Der häufigste Unfallgegner ist allerdings der Autofahrer oder die Autofahrerin. Doch über den Menschen am Steuer wird nicht berichtet. Er bliebt unsichtbar. Wir lesen in den Presseschlagzeilen über tödliche Crashs mit Radfahrenden: "ums Leben gekommen" oder "stirbt bei Unfall", so auch, nachdem am 30. Januar im Enzkreis der bekannte Pforzheimer Fahrradaktivist Andreas Mandalka, alias Natenom von einem Autofahrer auf der Landstraße totgefahren wurde. Da heißt es "tödliche Tragödie", "Unfalltod" oder "Aktivist stirbt bei Unfall mit Auto" und "stirbt bei Verkehrsunfall". Und wir lesen, er "kollidierte mit Pkw" obgleich der Autofahrer mit ihm kollidiert ist, weil er von hinten kam, und zwar so schnell, dass Andreas Mandalka übers Auto geschleudert wurde. Auch die Stuttgarter Zeitung braucht viele Zeilen mit "verunglückte" und "Fahrradunfall" bevor sie zum Punkt kommt.

Der Zeit-Artikel suggeriert, dass Radfahrende im Grunde immer irgendwie selber schuld sind, wenn ihnen etwas passiert: Sie sind selbst ihre Unfallgegner. 

28. Dezember 2023

Von Saula zur Paula - Wie sie die Radfahrenden lieben lernte

Diese Geschichte handelt von der Frage, warum Yvette Caster aufgehört hat, sich über Radfahrende zu beschweren, mit Bussen und Bahnen fährt und sich wünscht, es gebe mehr Radfahrende. 

Sie ist im Guardian erschienen und kann hier auf Englisch nachgelesen werden. Caster erzählt, dass sie 2015 einen im Rückblick blöden Artikel für die online-Ausgabe eines Publikationsorgans schrieb. Sein Titel lautete übersetzt: "Radfahrer sind eine Bedrohung und sollten aus dem Straßenverkehr verbannt werden." (hier auf Englisch)

Er fing (übersetzt) so an: "Er, und ja, es ist fast immer ein Er, ein glatzköpfiger MAMI (Middle-aged Man In Lycra), der vor sich hin schwitzt, den Verkehr aufhält, Unfälle verursacht und generell eine totale Belastung auf der modernen Straße darstellt. Wo soll man anfangen mit dem Aufzählen, was alles falsch ist an Fahrrädern und am Radfahren und der Tatsache, dass Radfahren auf einer ruhigen Spur entlang einer überfüllten Londoner Straße erlaubt sind? Es gibt so viele Dinge, dass auch ein Mensch mit halbem Hirn einsehen muss, dass sie absurd sind." Sie führte damals aus, dass abgesehen von der Gefahr, die von ihnen für Fußgänger:innen und Autos ausgehen, Radfahrende einfach albern aussehen. Das Fahrrad sei ein Transportmittel für Clowns, Possenreißer und Boris Johnson.

30. April 2023

Schlechte und gute Tipps für Radfahrende

Sobald das Wetter schöner wird und in den Redaktionen nach Themen gesucht wird, die irgendwie mit Draußen zu tun haben, tauchen Artikel mit Tipps fürs Radfahren auf. 

Eigentlich geht es aber gar nicht um echte Tipps oder Warnungen vor Fehlern, sondern darum, irgendwie das Radfahren zu thematisieren und dafür eine Schlagzeile zu finden, die Klicks erzeugt und Leute verführt, den Artikel zu lesen. Der Artikel "5 Fahrrad-Fehler, die immer wieder gemacht werden" bestätigt eigentlich nur das gängige Nicht-Wissen von Nicht- oder Wenig-Radfahrenden, die dann eben meinen, dass Radler:innen sich mit grellgelbe Jacken oder Westen ausstaffieren und einen Helm tragen sollen, damit sie auf keinen Fall noch aussehen wie normale Menschen, sondern wie das Andere, das Fremde und Gefährliche und Gefährdete. Natürlich fahren in deren Augen Radfahrende nachts auch notorisch ohne Licht und verletzen ständig Verkehrsregeln. Das, was als "Fehler" daherkommt, ist entweder nicht nötig (Westen, Helme) oder aber sowieso verboten (ohne Licht radeln und Verkehrsregeln verletzen). Zum Schluss wird man noch ermahnt (Fehler!), dass man sein Fahrrad pflegen solle. 

22. April 2023

Was passiert jetzt mit den Daten?

Der SWR hat mit viel Aufwand Daten über den Zustand des Radverkehrsnetzes in Baden-Württemberg und auch in Stuttgart gesammelt. Und was passiert jetzt damit? 

Radfahrende werden an den Rand gedrängt, so das Ergebnis der Aktion, die bereits 2021 stattfand und über die ich damals auch kurz berichtet habe. Die Radfahrenden dokumentierten für den SWR und den Verkehrsökologen Prof. Jochen Eckart von der Hochschule Karlsruhe per Handy-app SimRa (Sicherheit im Radverkehr) ihre Fahrten. Die App misst plötzliche Bremsaktionen oder Ausweichmanöver und fragt hinterher nach dem Grund. Und sie maßen die Überholabstände von Fahrzeugen mit Sensoren. Es wurden über 10.000 Meldungen in Baden-Württemberg gesammelt, die man sich hier verschriftlicht in einer Excel-Datei runterladen kann. Außerdem gibt es auf der SWR-Seite eine Karte, auf der man die einzelnen Stellen und Meldungen anschauen kann (Foto unten). Da geht es um fehlende Radwege, zugeparkte Kreuzungen, fehlende Sicht, eine unfallträchtige Radverkehrsführung, Radstreifen, die plötzlich enden, oder eine Verkehrsführung, die den Radfahrenden beim Linksabbiegen auf die falsche Straßenseite schickt. 

Dem Bericht zufolge stresst die Radfahrenden am meisten im Stadtverkehr der zu enge Überholabstand, wenngleich Unfälle im Längsverkehr nach wie vor selten sind.

3. März 2023

Prinz Harrys Enthüllungsbuch und das Radfahren

Es ist schon eine Weile her, dass sich die Öffentlichkeit über Prinz Harry und sein Enthüllungsbuch den Kopf zerbrach. Und mit Radfahren hat das ja nun gar nix zu tun. Oder doch? 

Die Zeit ließ Patrik Schwarz darüber nachdenken, inwiefern der Gestus des Buchs symptomatisch für die Rechthaber-Schlachten unsere Zeit sei. Der Artikel ist am 11. Januar unter dem Titel "Das Prinzip Harry" erschienen und befindet sich leider hinter der Bezahlschranke. Und mit Radfahren hat er nichts zu tun. Doch, hat er.