Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

14. September 2026

Ablenkung am Lenker nimmt zu

Das ist ein Ergebnis einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) über Aggressionen im Straßenverkehr, die Mitte August veröffentlicht wurde. 

Die Presse hat sich vor allem für die Aggressionen interessiert. Ich finde aber die Ablenkung am Lenker allerdings beunruhigender. Dazu mehr unten. 

In der Zusammenfassung der Studie heißt es: Fast alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten hätten in den zurückliegenden drei Jahren zugenommen. So müsse sich jeder zweite Autofahrer sofort abreagieren, wenn er/sie sich geärgert hat, man drängelt, schneidet beim Überholen, bremst andere absichtlich aus oder überholt auf der Autobahn rechts. Die einzelnen Prozentzahlen kann man sich hier im Link zu den Tabellen der Studie anschauen. 

18. Juli 2026

Sind wir unfähig, richtig Rad zu fahren?


Neunzig Prozent der Deutschen können nicht richtig Rad fahren,  titelt die FAZ auf Facebook. "Beim Bremsen bereiten Radfahrer ihre Hinrichtung vor" lautet die reißerische Artikelüberschrift. Deshalb gebe es so viele tödliche Radunfälle. 

Radfahrende problematisieren ist ja beliebt, insbesondere das Pedelec-Fahren. Und dabei großzügig übertreiben, auch. Ob die Behauptung mit Zahlen unterlegt ist, weiß ich nicht. Aber der Autoverkehr ist immer noch problematischer auch für uns Radfahrende. 90 Prozent aller Autounfälle gehen auf menschliches Versagen zurück (falsche Sitzposition, Unaufmerksamkeit, falsche Blickführung, Kontrollverlust übers Auto etc). Und vom Autoverkehr geht die Hauptgefahr für Radfahrende und Fußgänger:innen aus. An rund 75 Prozent der Crashs zwischen Fahrrad und Auto sind Autofahrende Schuld, Aber immerhin 35 Prozent der Radunfälle sind Alleinunfälle. Das nur zur Einordnung. Egal, an wie vielen Crashs oder Alleinunfällen ein Fahrfehler aufseiten des Radfahrers mit eine Rolle spielte, fehlerfrei ist niemand, auch Autofahrende nicht. Aber Fehlervermeidung ist natürlich immer gut.  

Den FAZ-Artikel kann ich nicht lesen, er befindet sich hinter der Bezahlschranke. Aber Radweltmeister Mike Kluge, der hier befragt wird, dürfte nicht nur Selbstüberschätzung und Kontrollverlust über schwere Pedelecs genannt haben, sondern auch falsche Fahrtechniken. Wahrscheinlich geht es ums Bremsen, Kurven fahren und um Ausweichmanöver. 

Richtig bremsen 

4. Juli 2026

Das Auto ist schon okay, das Fahrrad eigentlich nicht

In den Medien wird über Verkehr tendenziell eher aus Autoperspektive berichtet. Das hat Folgen für die Darstellung des Radverkehrs und für die Einstellung zum Radverkehr. 

In Deutschland wird reichlich über den Autoverkehr geschrieben. Dabei geht es mehrheitlich um die Probleme der Autofahrenden mit ihrem Verkehr, um Baustellen, Steckensperrungen, Autostau, schlechte Straßen, marode Brücken oder Radfahrstreifen, also um das berühmte "Verkehrschaos", bei dem immer nur der Autoverkehr gemeint ist. Seltener geht es darum, welche Probleme der Autoverkehr anderen macht, Anwohnenden, Radfahrenden, Fußgänger:innen oder der Natur durch Lärm, Abgase, Raserei oder Falschparken. Autofahrende werden tendenziell eher als unter Problemen leidend dargestellt. Dass der Autoverkehr für andere oder unsere Gesellschaft und Ökonomie problematisch ist, interessiert die Medien nicht sonderlich. 

Es wird auch gerne und viel über den Radverkehr geschrieben, doch in diesen Artikeln geht es meistens darum, dass Radfahrende anderen Probleme bereiten, also um "Kampfradler", Fehlverhalten, Regelverstöße oder Platzanspruch (Radwege, die Parkplätze kosten) und die Kosten für Radinfrastruktur als zu hoch. Ein weiteres riesige Themenfeld ist die Sicherheit der Radfahrenden, verbunden mit Risiken und Radunfällen. Die Radfahrenden werden tendenziell eher als gesellschaftliches Problem dargestellt. Dass sie selber Probleme haben, die man ernst nehmen könnte (Hindernisse, Unterbrechungen der Radinfrastruktur, Aggression von Autofahrenden), interessiert nicht sonderlich. 

20. Juni 2026

Bitte anders über tödliche Zusammenstöße von Auto und Fahrrad berichten!

Am Mittwoch um 17:40 Uhr ist hier auf der alten B14 (Pascalstraße) zwischen Vaihingen und Sindelfingen offensichtlich ein Autofahrer von hinten auf eine Radfahrerin aufgefahren. Sie starb an Ort und Stelle. 

Wir sind erschüttert und entsetzt, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, Freund:innen und Bekannten der Radfahrerin. 

Und ich schicke voraus: Es fällt mir sehr schwer, diesen Blog-Artikel zu schreiben, denn es geht um Menschenleben, und eigentlich sollte der Schmerz der Hinterbliebenen in unserem Denken im Vordergrund stehen. Ich bin aber eben auch bestürzt, wie die Presse mit dem Geschehen umgegangen ist und noch umgeht. Auch das muss die Angehörigen sehr belasten. Denn der Radfahrerin wird wieder einmal implizit die Verantwortung, allemal aber eine Mitverantwortung für ihrem Tod zugeschrieben. Zunächst nämlich scheint es, als sei sie mit dem Auto zusammengestoßen, nach dem geklärt ist, dass der Autofahrer mit ihr zusammenstieß, stellt ein Journalist die Frage, wieso sie überhaupt auf dieser Straße radelte und problematisiert Alter und Pedelec-Fahren. 

Hier meine Analyse:

4. Juni 2026

Zwischen Schuh und Auto - die Feinmobilität

Unsere Pkws werden immer größer, belegen immer mehr Platz und verstopfen die Städte. Eigentlich ginge es viel einfacher mit kleineren Fahrzeugen. 

Da gibt es viele Möglichkeiten zwischen zu Fuß gehen und Auto Fahren. Sophie Elise Kahnt hat dazu auf der SPEZI in Freiburg einen Vortrag gehalten, auf den mich Blogleser Andreas aufmerksam gemacht hat. Sie und andere haben ein Buch über Feinmbolität geschrieben, also über eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Mobilität mit kleineren und leichteren Fahrzeugen in einer riesigen Bandbreite zwischen E-Rollator, Rollstuhl, elektrifizierrem Rollstuhl. E-Scooter, Fahrrad, Lastenrad, Minicar oder kleinen Elektrotransportern. Das Buch kann man sich als pdf kostenlos unter diesem Link runterladen. Die Analysen der Fahrzeuge, ihres Raum- und Energiebedarfs, ihrer verkehrsrechtlichen Klassifizierung, ihres Flächenverbrauchs beim Fahren und Stehen, ihres Nutzens und ihrer Faszination sind sehr detailliert. Das Auto hingegen wird immer größer und verlangt immer mehr Platz. 

1. Mai 2026

Eine Anmerkung zu den jährlichen Unfallzahlen

Jedes Jahr das gleiche: Die Zahl der im Straßenverkehr - meist von Autofahrenden - getöteten Radfahrer:innen steigt. 2025 waren es 462 Menschen, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Das ist nicht gut, doch in manchen Medienbeiträgen klingt es schon fast triumphal: Haben wir es nicht immer gesagt, Radfahren ist gefährlich, besonders, wenn Alte Pedelecs fahren. Pedelecs sind gefährlich. 

Die taz sucht hat sogar nach einer weiteren Schreckenszahl gesucht und ist auf 20,6 Prozent Zunahme von getöteten Radfahrenden gekommen, allerdings halt in den letzten zehn Jahren. Auch das ist zu viel, aber der Radverkehr hat sich seitdem gewandelt. Immerhin macht die taz deutlich, dass die Radinfrastruktur nicht immer weniger passt. 

Jedes Jahr stellen die Medien heraus, wie viele Pedelec-Fahrende unter den Opfern sind. 217 der Getöteten waren 2025 mit Pedelecs gefahren. 2015 waren das noch 36 gewesen. Pedelecs waren damals allerdings viel weniger verbreitet, weshalb auch weniger Ältere Fahrrad fuhren. 65 Prozent der Geöteten waren 2025 über 65 Jahre. Kein Wunder, es radeln ja auch mehr. So werden Jahr für Jahr das Pedelec und das Alter problematisiert und für die steigendenden Zahlen bei den Verkehrstoten unter den Radfahrenden verantwortlich gemacht. Man schanzt ihnen die Verantwortung für eine Verkehrssituation zu, die dem Auto Raum und Geschwindigkeiten verschafft, das Fahrrad aber Platz nur zögern zugesteht. Die Alten auf Pedelecs werden skandalisiert, aber nicht die Autofahrenden und ihr zu schnelles und unaufmerksames Fahren. "Fast jeder zweite getötete Radfahrer saß auf eine Pedelec", titelte die FAZ, aber niemand titelt, "alle neun Stunden stirbt ein Mensch wegen Raserei" und nur wenige Medien nehmen auch mal deshalb den Autoverkehr in den Fokus

Ist Radfahren also gefährlich? Nein, das ist es nicht. Auch für ältere Pedelec-Radelnde nicht. Es ist sogar viel ungefährlicher als vieles andere, was wir so machen. Am riskantesten ist unser Lebensstil mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung. 340.000 Menschen sterben jährlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr kamen 43.000 Menschen durch einen akutem Herzinfarkt ums Leben. 10.400 Menschen begingen 2024 Suizid. Und auch der Autoverkehr ist gefährlicher für Autofahrende selbst als das Radfahren für Radfahrende. Rund 1.200 Menschen sterben jährlich bei Unfällen in ihren eigenen Autos. Das Risiko für Autofahrende, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, liegt bei 0,7 Prozent, das von Radfahrenden bei 0,4 Prozent, wie die vpv-Versicherungen feststellt. Das von Fußgängern liegt demnach unverhältnismäßig hoch, nämlich bei 1,5 Prozent. 

12. April 2026

Radfahren hilft bei vielen Erkrankungen

Radfahren ist ein Ausdauersport, wobei es nicht nötig ist, am Kraftlimit zu radeln. Radfahren hat den Vorteil, dass man es tun kann, wenn man zur Arbeit fährt oder nach Hause. Man kann es in vielen Fällen leicht in den Alltag integrieren.

Dabei ist es völlig egal, ob man in flacher Gegend ein Normalrad fährt oder in bergiger Gegend wie in Stuttgart ein Pedelec, das die Anstiege entschärft. Wichtig ist, dass man es regelmäßig tut. Dann ist es gut für Herz, Kreislauf und Gelenke, hilft gegen Diabetes Typ 2 oder auch bei Multipler Sklerose, ist aber auch gut fürs Gehirn und kann stimmungsaufhellend wirken. Außerdem erweitert es den persönlichen Aktionsradius enorm und schenkt eine ungeahnte und froh machende Autonomie der Mobilität. 

Der Pressedienst Fahrrad listet zehn körperliche Beschwerden auf, bei denen Radfahren helfen kann, schickt aber voraus, dass man mit einer Ärztin oder einem Arzt spricht, bevor man sich zu viel zumutet. 

7. Februar 2026

Nein, E-Scooter dürfen nicht auf Gehwegen fahren

Das ist auch in der Neuregelung der Eletrokleinstfahrzeuge-Verordnung, in der die E-Scooter den Fahrrädern gleichgestellt werden, verboten.

Auch wenn es die Stuttgarter Zeitung in diesem Artikel (Bezahlschranke) es zunächst anders und damit falsch dargestellt hat. Das wurde binnen weniger Stunden in eine Nicht-Aussage dazu korrigiert. Denn auch mit dem Fahrrad darf man grundsätzlich nicht auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen fahren. Man darf es nur, wenn ein Zusatzschild den Gehweg oder die Fußgängerzone für den Radverkehr freigibt. Und neuerdings dürfen jetzt auch E-Scooter dort gefahren werden. Das habe ich hier bereits dargelegt. Und sie dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, so wie Fahrräder auch, was schlichtweg unmöglich ist. und was sicher kein einziger E-Scooter-Fahrer länger als ein paar Meter durchhalten wird. 

Die beiden E-Scooter auf dem Foto dürfen also auch künftig nicht durch die Fußgängerzone in der Stiftstraße (rund um die Königstraße) fahren, denn auch mit dem Fahrrad darf man das nicht.

1. Januar 2026

Brauchen wir bald eine Fahrradzulassungsbehörde?

Zentrale Kfz-Zulassungstellen gibt es gut zweihundert in Deutschland. Auch online-Zulassungdienste gibt es bereits. Irgendwas dieser Art brauchen wir auch für Fahrräder, sollte die Politik ernsthaft meinen, es müsse Fahrradkennzeichen geben. 

Es gibt schätzungsweise 82 Millionen Fahrräder in Deutschland (im Vergleich zu 50 Millionen Autos).  Die bräuchten alle ein Kennzeichen. Bei Autos gibt es rund 4 Millionen Neuzulassungen im Jahr, Firmen und Zulassungsstellen kümmern sich um die Versorgung. Dann bleibt das Kennzeichen über Jahre oder Jahrzehnte am Auto. Fahrradkennzeichen aber müssten jedes Jahr neu verschickt werden, 82 Millionen Mal. Und das, obgleich die allermeisten Radfahrenden bereits ein private Haftpflichtversicherung haben. 

4. Dezember 2025

Dürfen wir für Fahrradparkhäuser Geld ausgeben?

Immer, wenn Geld für den Radverkehr ausgegeben wird, regt sich medial verbreitete Kritik. Es scheint immer zu teuer.   

Neuester Presseaufreger: In Saarbrücken sollen zwei Radparkhaustürme gebaut werden, ausgestattet mit automatischen Verstausystemen. Man stellt das Rad unten in eine Kabine und es wird automatisch eingelagert. Die Gebäude sollen mit Holz verschalt werden und sich in die Umgebung einpassen. 3,5 Millionen Euro sollen für 144 Radparkplätze ausgegeben werden. Das sind dann, wie man schnell ausgerechnet hat, 24.000 Euro pro Radabstellplatz. Für ein Auto kostet ein Stellplatz in einer Tiefgarage oder einem Parkhaus zwischen 15.000 und 45.000 Euro, je nachdem wie technisch aufwendig das Parkhaus ist. Platzsparend automatisch eingelagert wird da kein Auto mehr. Mein Vater hat Anfang der 60er Jahre in Hamburg seinen VW Käfer noch in einem Parkhaus untergebracht, wo das Auto per Lift in die entsprechende Etage gebracht wurde. Die Investitionen, die damals in die Zukunftsmoblität dieser Zeit und deren Wegebahnung und Unterbringung in den Innenstädten getätigt wurden, müssen unverhältnismäßig hoch gewesen sein. Und Autoparkhäuser (Foto weiter unten) haben sich selten schön in die Stadtarchitektur eingefügt und nehmen bis heute viel Platz weg. Fürs Auto scheint nichts zu teuer. 

22. November 2025

Nur wenige sitzen optimal auf dem Fahrrad

Eigentlich sitzt fast niemand optimal auf dem Fahrrad. Das sagt Bikefitter Kim Alexander Tofaute in einem langen Interview mit der Süddeutschen Zeitung. 

Bei kurzen Fahrten von einer Viertelstunde ist alles super. Aber bei längeren Radfahrten entstehen Schmerzen oder Taubheitsgefühle. Meist liegt das am Sattel, oft aber auch an der falschen Rahmengröße. Auch Tofoute warnt davor, sich zu große Fahrräder verkaufen zu lassen, was wohl besonders oft im Pedelec-Bereich passiert. Sitzt man zu weit nach vorn gebeugt, werden die Hände taub und im Genitalbereich gibt es Probleme. Ist der Sattel zu tief oder zu hoch eingestellt, dann wird das Radeln bei langen Strecken anstrengend oder schmerzhaft. Ein paar Zentimeter können da viel ausmachen. 

17. September 2025

Pedelecfahrten ersetzen mehr als die Hälfte der Autofahrten

Pedelecs sind Fahrräder und werden bei der Verkehrsplanung gemeinsam gedacht. Allerdings werden sie unterschiedlich eingesetzt. Gerade E-Räder ersetzen deutlich öfter Autofahrten als Normalräder. 

Die taz berichtet (leider mit der unklaren Begrifflichkeit "E-Bike") über eine aufwendige Studie im International Journal of Sustainable Transportation, die auf Daten aus dem Jahr 2017 basiert, und findet es "überraschend", dass E-Räder deutlich mehr Autofahrten ersetzen als gedacht, und dass sie deshalb mehr sind als "schnellere Fahrräder". Fast jede zweite Fahrt (42,1 Prozent), die mit einem Pedelec gemacht wird, ersetzt eine Fahrt, die der Mensch sonst mit dem Auto gemacht hätte. Bezogen auf die zurückgelegten Kilometer sind es sogar sogar 63,2 Prozent. Fahrräder ohne E-Antrieb ersetzen knapp 20 Prozent der Autofahrten. Und die Datengrundlage ist acht Jahre alt. Inzwischen hat sich die Zahl der Pedelecs sicher mehr als verdoppelt und sie ersetzen vermutlich noch mehr Autofahrten. Insbesondere Lastenfahrräder.  2017 nutzten nach Ansicht der Studienautoren vor allem Menschen mit besonderem Interesse und Bedarf das E-Rad, heute ist das Spektrum der Nutzer:innen viel breiter. 

Für mich ist die Erkenntnis der Studie jetzt nicht so überraschend, denn ich beobachte schon lange bei mir und in meinem Umfeld, dass Pedelecs tatsächlich sehr oft wie Autos genutzt werden, also für Alltagsfahrten, die man vorher mit dem Auto gemacht hat. Und ich erlebe, dass Leute sich ein Pedelec kaufen, um damit zur Arbeit zu fahren, weil sie erkannt haben, dass der Weg eigentlich gar nicht so lang ist und dass es unbequem ist, vor Ort Parkplätze fürs Auto zu suchen. 

Pedelecs sind eine andere Fahrzeugsorte

16. August 2025

Baum oder Parkplatz? Die Verkehrswende braucht gute Kommunikation

Warum die Verkehrswende stockt, fragt sich BusinessInsider, und meint, es liege an der schlechten Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. 

In dem Artikel wird von den Stadtverwaltungen und der Lokalpolitik gefordert, dass sie mehr erklären, warum sie einen Radfahrstreifen bauen, eine Straße aufkosten von Parkplätzen begrünen oder Straßen für die Durchfahrt von Autos sperren. Wenn Autoabstellflächen im öffentlichen Raum verkleinert werden, sollten Alternativen angeboten werden. Es brauche für die Verkehrswende eine Kommunikationsstrategie. 

Als positives Beispiel wird die Stadt Hamburg angeführt. Die Stadt habe massiv in den öffentlichen Nahverkehr investiert, aber auch den Ausbau des Radschnellwegnetzes und von autofreien Quartieren konsequent vorangetrieben. Dabei habe sie der Bevölkerung stets erklärt, was passiert und warum es passiert. In Berlin hingegen stocke alles, weil es Parteienstreit gebe und Verwaltung und Politik sich gegenseitig blockierten. Dabei sei klar: Verkehrspolitik ist Klimapolitik. Ohne eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs lassen sich, so der Bericht, die Klimaziele nicht erreichen. Im Verkehrssektor stagnieren die CO2-Emmissionen oder verschlechtern sich sogar. Dass mehr Radwege und Räum für Menschen zu Fuß aufkosten von Raum für Autos dem Klima deutlich helfen, ist belegt. Businesinsider appelliert an die Verwaltung und Politik, Projekte für den Rad- und Fußverkehr nicht halbherzig anzugehen, sondern entschlossen und mit langem Atem. Dafür müssen Mittel gefunden werden, die Bevölkerung mitzunehmen. Die Verkehrswende sei ein Gesellschaftsprojekt. 

Besser kommunizieren lässt sich leicht fordern, aber die entscheidende Frage ist: Wie denn eigentliche?  

31. Juli 2025

An jeder Abbiegung droht Radfahrenden Gefahr

Das hat die Stuttgart Zeitung festgestellt und bezieht sich dabei auf den Abbiegezusammenstoß auf der auf der Kaltentaler Abfahrt. 

In Kaltental fuhr am Freitag, dem 30. Mai, eine Radfahrerin auf dem Radfahrnstreifen bergab in Richtung Engelboldstraße. Ein Autofahrer (oder eine Fahrerin) fuhr ebenfalls bergab. Er oder sie muss vorher an der Radfahrerin vorbei gefahren sein, hat aber - wie üblich - beim Abbiegen bereits völlig vergessen, dass es diesen Menschen auf dem Fahrrad gibt, bog ab und streife dabei die Radfahrerin, die stürzte und sich leicht verletzte. An ihrem Fahrrad entstand außerdem Schaden. Der Fahrer oder die Fahrerin kümmerte das nicht, er oder sie fuhr davon. Womöglich, ohne im rechten seitlichen Rückspiegel den Sturz der Radlerin überhaupt bemerkt zu haben. Manche Autofahrende wollen Radfahrende nicht sehen und sehen sie deshalb auch nicht. 

Mit beachtenswerter Nachdrücklichkeit kümmert sich die Stuttgarter Zeitung gerade um Belange und Themen des Radverkehrs. Und statt sich bei diesem Zusammensstoß mit der Frage zu beschäftigen, ob die Radlerin Warnweste oder Helm trug oder nicht, bemerkt die Autorin ganz richtig:  "Am Steuer eines Autos muss man auf einer einspurigen Straße kaum eine Gefahr befürchten, wenn man geradeaus fährt. Anders sieht es für Verkehrsteilnehmende aus, die keine schützende Karosserie um sich haben: Radfahrerinnen und Radfahrer. Immer wieder passiert es, dass sie beim Abbiegen von Autos (eigentlich Autofahrer:innen) angefahren werden, obwohl diese ihnen Vorrang gewähren müssten." 

11. Juli 2025

Wut auf Radfahrende zieht immer

Der Bayrische Rundfunk hat einen Beitrag veröffentlicht, in dem es um einen Radschnellweg geht und um die "Wut auf die Rennradler". 

Allerdings sind es nicht die Berufsradpendler:innen, die sich über Rennradler:innen ärgern, sondern - wie sollte es auch anders sein - die Menschen in Autos, (die aussteigen müssen und dann zu Fuß unterwegs sind), die ihre Wut rauslassen dürfen gegen "rasende Radler".  Es sollen sogar bereits Nägel auf den Radschnellweg geworfen worden sein. Und Autofahrende beschweren sich, dass sie vor lauter Radler:innen nicht mehr aus einer Garage fahren könnten. Den BR-Beitrag kann man hier nachlesen. Wieder einmal wird der Radverkehr problematisiert, eigentlich skandalisiert und der Wut preisgegeben, in einem Maß, in dem der Autoverkehr nie problematisiert wird, obgleich er die eigentliche tödliche Gefahr für alle darstellt, die nicht im Auto sitzen.  

Ich habe deshalb mal kurz die Perspektive gewechselt und im BR-Text das Fahrrad durch das Auto ersetzt, was auch deshalb naheliegt, weil die Medien gerne bei Radschnellwegen von "Fahrradautobahn" oder "Autobahn für Radfahrer" reden und schreiben: 

22. März 2025

Stuttgart auf Platz 1 fürs Farradpendeln?

Dieses Ergebnis in einer Veröffentlichung der Firma Canyon hat uns Radfahrende und viele Medien überrascht. 


Wie Utopia berichtet "überzeugt Stuttgart auf ganzer Linie", denn es gibt fast 300 fast komplett barrierefreie Bahnhöfe, über 18:000 Fahrradabstellplätze, was für die Kombi Bahn und Rad gut ist. Außerdem gibt es bei uns eine vergleichsweise geringe Zahl an Crashs oder Unfällen. Und während Autofahrende jährlich in Stuttgart "79 STunden im Stau gefangen sind", kommen Radfahrende meist schneller ans Ziel. Nur mit den Radwegen haben wir es nicht so.

Man soll die eigene Stadt ja nicht schlechter reden als sie ist. Immerhin haben wir eine meist gut ausgebaute Haupradroute 1 und kommen radial meist ganz gut in die Stadt. Das nützt Pendler:innen. Und wir haben fünf bis sieben ampelfreie Kilometer durch den Schlossgarten. Wir vermissen zwar Fahrradgaragen und Abstellplätze am Hauptbahnhof (und am neu gestalteten Cannstatter Bahnhof), aber es stimmt, es gibt viele Stellplätze beispielsweise in Vaihingen am Bahnhof.  Aber wie kommen die darauf, dass wir für Menschen, die mit Rädern zu Arbeit pendeln, die besten sind? 

23. Januar 2025

Warum der Fahrrad-Führerschein ein Social-Media-Tiger ist

Die Forderung nach Fahrradführerscheinen und Fahrradsteuern taucht in einer bestimmten Ecke der sozialen Medien immer wieder auf. Das gipfelte im vergangenen Jahr sogar in er Behauptung, in diesem Jahr - 2025 - komme der Fahrradführerschein. 

Das ist eine Falschbehauptung. Irrig ist auch der dahinter liegende Gedankengang, eine Führerscheinprüfung für Menschen, die Rad fahren, würde die Regeltreue erhöhen. Denn das tut auch der Führerschein für Autofahrende samt gut sichtbarem Kennzeichen nicht. Auch aus anderen Gründen ist ein Fahrradführerschein Unsinn. 

21. Januar 2025

Menschen zu Fuß und auf Fahrrädern zählen nicht.

Hauptradroute 1 2021
Am Mittwoch, dem 15. Januar gab es am frühen Morgen bis in den Vormittag hinein völlig vereiste Straßen.   

Autos rutschten und krachten ineinander oder gegen geparkte Autos. Es rutschten aber auch Menschen zu Fuß, wenn sie ihren Weg zur Arbeit unbedingt aufnehmen wollten oder mussten. (Viele sind auch zu Hause geblieben oder haben Termine verschoben.) In einer ersten Pressemeldung sprachen die Stuttgarter Nachrichten von mehr als hundert "Unfällen" bis 8:15 Uhr und der Polizei im Dauereinsatz. Und dann heißt es: "Bei den Unfällen sei seither noch nichts Schlimmeres passiert, es gäbe keine Verletzten, teilt die Polizei mit." Die haben aber nur auf die Menschen in Autos geschaut. 

Währenddesen stürzten die Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, auf spiegelglatten Untergründen und tauchten zu Hauf in den Kliniken auf. Vermutlich waren auch einige Radfahrende darunter, denn die Radwege werden erst nachrangig enteist.  

17. Januar 2025

Ein schwäbischer Radschnellweg löst Kritik und Spott aus

Stuttgarter Zeitung, 8. Januar 25
Das ist gründlich schief gegangen. Der Abschnitt des Radschnellwegs 14 zwischen Eislingen und Süßen geistert seit Wochen durch die Medien. 

Vor allem wegen einer Treppe, aber auch wegen falscher Beschilderung oder einem Kreisverkehr an einer Zweirichtungsradwegführung, den die Radler:innen in Gegenrichtung ganz außen herum fahren müssen. Der ADFC Göppingen hat bereits im November die Mängel aufgelistet. Auch  die Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten haben tüchtig gespottet. Ein FDP-Politker nutzt die Schwächen, um sich aufzumanteln, in der Presse Radschnellwege infrage zu stellen und gegen den baden-württembergischen Verkehrsminister zu wettern. Kritik und Unmut waren wohl so vehement, dass sich vor ein paar Tagen das Regierungspräsidium mit einer Pressemitteilung darum bemüht hat, in die überregionalen Medien zu kommen und die glücklose Umsetzung bundesweit bekannt zu machen. Die Süddeutsche Zeitung hat schon reagiert, die dpa-Meldung samt dpa-Recherche übernommen und zeigt die Treppe in einem Video

30. November 2024

Ach so, deshalb fährst du nicht Fahrrad?

Die Seite Radbonus hat sechs Gründe aufgelistet, die gegen das Radfahren sprechen. Dazu gehört das Wetter, die Anstrengung und die Schnelligkeit, mit der man ankommt. 

Aber das lest ihr am besten im Original, und ernst gemeint ist es natürlich nicht, weil ja nichts gegen das Radfahren spricht, sofern man es kann. Es gibt aber auch ernst gemeine Aufzählungen von Nachteilen, die eine Radfahrt zur Arbeit haben sollen, zum Beispiel: "Ein gravierender Nachteil ist die Unfallgefahr, sei es in einem städtischen oder ländlichen Gebiet.

Und schon sind wir beim "Radfahren ist gefährlich". Ja, ist es, nämlich ungefähr so gefährlich wie Autofahren oder zu Fuß gehen, und weniger gefährlich als schwimmen gehen oder Treppen steigen oder im Haushalt arbeiten (siehe hier). Das Risiko, auf dem Fahrrad eine Verletzung zu erleiden, ist vermutlich etwas höher als beim Autofahren. Der Spiegel nennt ein dreieinhalbmal höheres Todesrisiko und beruft sich dabei auf die Unfallversicherer, die Radfahren generell für irre gefährlich halten. Das scheint mir aber nicht haltbar. Transparente Statistiken dazu habe ich noch nicht gefunden. 

Aber, wenn es so wäre, was würde das überhaupt real bedeuten?