24. August 2017

Es ist Zeit für den großen Wurf

Immer mehr Menschen fahren mit dem Fahrrad. Aber die Infrastruktur hinkt hinterher. 

Die Planungen von Radwegen und Radspuren ist großenteils Jahrzehnte alt. Entsprechend schmal und verwinkelt ist sie, geprägt von einer defensiven Haltung dem Autoverkehr gegenüber. Dem darf nichts weggenommen werden, so die Planung, weshalb Räder an Engstellen immer wieder über Gehwege und Fußgängerampeln geleitet werden. Immer mehr Radler benutzen heute schon die Fahrbahn, denn sie wollen direkt links abbiegen und überhaupt schneller vorankommen. Das wiederum stört den Autoverkehr und schafft Aggressionen auf beiden Seiten. Radler fühlen sich bedrängt, Autofahrer ausgebremst. Geschrei und Gehupe ist die Folge.

Doch der Radverkehr boomt, auch in Stuttgart. Eigentlich bräuchten wir jetzt sofort den großen Wurf:

22. August 2017

Doofe gibt es überall

"Machen wir uns nix vor: Es sind nicht die Radfahrer, nicht die Autofahrer und auch nicht die Fußgänger – es sind die Doofen, die nerven", schreibt Setzer in Kessel-TV. Stimmt eigentlich. 

Wir streiten uns hier - mehr noch auf Facebook - ständig, wer schlimmer ist im Missachten der Regeln, wer böser ist, und wer mehr nervt, Radler oder Autofahrer. Die meisten Radfahrenden die meisten Autofahrer/innen und die meisten Fußgänger/innen verhalten sich jedoch vernünftig, rücksichtsvoll, vorausschauend und freundlich und beachten die Verkehrsregeln. Ich erlebe mehr Autofahrende, die in angemessenem Abstand hinter mir bleiben, wenn ich auf einer Fahrbahn radle, und erst überholen, wenn Platz ist. Aber ich merke mir den einen Autofahrer, der mich spiegelstreifend knapp überholt, dann nach rechts zieht und mich auch noch ausbremst, um mich zu bestrafen. Ein Depp! Und solche Deppen bestimmen dann meine Gefühle. 

21. August 2017

Abkürzungen haben fast immer zwei Spuren

Wie viel Umweg nehmen Leute in Kauf, die mit Muskelkraft unterwegs sind - Fußgänger und Radfahrer?

Dafür gibt es sogar eine Formel, die der Physiker Dirk Helbig beim Blick von seinem Fenster auf den Stuttgarter Uni-Campus entwickelt hat. Allerdings für Fußgänger und ihre Trampelpfade.

Er hat sich nämlich gewundert, dass Menschen selbst kleine Ecken um wenige Meter abkürzen. Seine Formal lautet: Menschen sind bereit, bis 25 Prozent Umweg in Kauf zu nehmen. Ist der Umweg sichtlich länger, kürzen sie ab, egal wir kur der Umweg eigentlich ist. Radfahrer kürzen auch gern ab. Die meisten Abkürzungen sieht man nicht, denn sie geschehen über Gehwegecken oder Gehwege oder einen linksseitigen Radweg/Radspur als Geisterradler.

20. August 2017

Radkultur in die Stadt

Am kommenden Donnerstag, den 24. August, reden wir mal darüber. Ich nehme meine andere Rolle an und höre mir an, was ihr schon immer mal der Stadträtin sagen wolltet. 

Ich hoffe nicht nur auf Kritik, die man ja in Stuttgart leicht an der Radinfrastruktur üben kann, sondern auch auf die  Diskussionen, die wir in diesem Blog in den Kommentarfeldern führen. Was wäre wo besser: Eine Fahrradstraße oder gar nichts, Radstreifen, ein Radweg? Wie müssten der Charlottenplatz organisiert werden, damit der raderlfreundlich ist? Wie schätzen wir die Hauptradroute 1 ein? Was brauchen wir zu allererst? Hier der Facebook-Link zur Veranstaltung.

19. August 2017

Der Felgenmotor zum Nachrüsten

 
 Quelle: Velospeeder Velogical 
Velogical bietet einen Felgenmotor  für Fahrräder an. Der Motor ist leicht und klein. Den Akku nimmt man in einer Stangentasche mit oder im Getränkehalter. 

Die Grundidee ist die, dass man leichte Rennräder oder Klappräder, etwa dass Bromton, mit dem Felgenantrieb nachrüstet. Dann bekommt man den typischen Pedelec-Rückenwind bergauf oder beim Radeln gegen den Wind. Der Motor ist mit 500 Gramm extrem leicht. Wenn man einen Akkus normaler Reichweite dazu nimmt, wiegt das Ganze 1,6 kg, was immer noch sehr leicht ist vergleichen mit üblichen Pedelec-Antriebssystemen.

18. August 2017

Radfahrer machen Autofahrer glücklich

Ich schreibe in regelmäßigen Abständen darüber, warum Autofahrer eigentlich Radfahrer lieben, hätscheln und belohnen müssten. Denn ohne sie erstickt die Stadt im Stau, Lärm und Feinstaub. 

Der Baseler Großrat und Verkehrsplaner Raphael Fuhrer, hat das in diesem Artikel in der Tageswoche auch noch einmal wunderschön und mit interessanten Zahlen ausgeführt. In der Schweiz - das habe ich von einer Delegation Züricher Stadträte, die im Juni in Stuttgart waren, erfahren - sind Radfahrende auch nicht wirklich geschätzt, obgleich die Schweiz keine Autoindustrie hat.

17. August 2017

Radbügel statt Polizei

Wenn man einen Gehweg vor Aufparkern schützen will, fallen dann auch mal Radabstellbügel für uns ab. 

So wie hier in der Epplestraße in Degerloch vor dem Metzger. Das ist schön, dass wir hier Fahrräder anbinden können. Dei Bügel stehen längs des Bordsteins, und zwar so, dass Autofahrer auch nicht mit einem halben Reifen hoch kommen.

Doch, es ist gut, dass wir mehr Radabstellanlagen bekommen. Zumal in einer Einkaufsstraße, die vor Parkplätzen nur so strotzt (übrigens alle mit Bäckertaste).

16. August 2017

Anton, der Unverwüstliche

Die Marke Anatom, auch Westdeutsches Luxus-Markenrad, kann man nur noch gebraucht kaufen. Oder man hat es noch. 

Viel habe ich darüber im Internet nicht gefunden. Offenbar wurde es in den Siebzigern hergestellt. Ich bin sicher, einige von euch wissen mehr über diese Radmarke.

Gesehen habe ich das Fahrrad in den Radständern an der Kronprinzenstraße beim Böhm. Auf den Stangen sieht man die Schriftzüge Anatom und Luxus-Klasse. Es scheint auch noch den ursprünglichen Sattel zu haben. Man sieht eine Dreigangschaltung. Und es hatte auch einst dieses lustige Hinterradspeichenschloss, dass man eigentlich nur aufbiegen musste, wenn man das Rad klauen wollte.

15. August 2017

Einar, das E-Einrad mit Handkurbel

Da stand ich dann doch eine Weile und habe gegrübelt. Ein Klappfahrrad? Mit Elektromotor! Aber mit nur einem einzigen Rad? Äh!

Und was soll das Rollstuhlzeichen am Gepäckträger ? Ach ja ... Genial! Es ist ein Hand-Bike für Rollstuhlfahrer mit elektrischer Unterstützung. Man verbindet es mit dem Rollstuhl und kann dann loslegen. Wie das geht, sieht man hier.

Ich habe dieses E-Handbike für Rollstuhlfahrer im Innenhof des Rathauses gesehen.

14. August 2017

Von der Schwierigkeit mit dem direkten Weg

So manche Quer- oder Längsverbindung durch Stuttgart ist für Radler nicht vorgesehen.  Dieser Radler nimmt den direkten Weg auf der Fahrbahn. 

Er kommt von der Wolframstraße her, ist unter dem Eisenbahntunnel durchgeradelt (vielleicht auf dem linksseitigen Radweg und dann über die Fußgängerampel auf die Fahrbahn, vielleicht durchgehend auf der Fahrbahn.) Er will zur Neckarstraße. Über die Radwege des Schlossgartens schafft er das nur über sehr lange Umwege. Vielleicht kennt er sich auch so gut gar nicht aus, dass er diese Wege finden würde.

Also ist er auf der Cannstatter Straße geblieben und fährt mit den Autos bei Grün über die Kreuzung in die Heilmannstraße.

13. August 2017

Die Angst radelt mit

Es gibt eingefleischte Fahrbahnradler, die über Radwege und Radstreifen fluchen, und es gibt Menschen, die gerne Rad fahren, aber um Gottes Willen nicht auf der Fahrbahn, sondern nur auf Radwegen. 

"Wenn Radfahrer die Fahrbahn nutzen möchten, obwohl es einen straßenbegleitenden Radweg gibt, ist dies ein sicheres Zeichen für einen schlechten Radweg", schreibt David Hembrow in einem Artikel, den das Bundesverkehrsministerium übersetzt auf seine Seite gestellt hat. Es geht um die Frage der Sicherheit - objektiv und subjektiv - die Menschen in den Niederlanden aufs Fahrrad gebracht hat. Radeln ohne Angst, das ist das Entscheidende. Und dazu brauchen wir wohl Frauen für die Fahrradpolitik, die mit ihren Kindern radeln wollen. 

12. August 2017

Radler hassen geht immer

Autofahrer hassen sie. Und Fußgänger erst recht. Radfahrer sind staatlich anerkannte Gutmenschen, behauptet ein Beitrag im Blog des Freitags

"Die Cyborgs übernehmen gerade die Evolution. Die Radfahrer. Mit dem allerhöchsten Segen der umweltpolitischen Korrektheit klingeln sie mich erbarmungslos vom Spazierweg ..." egal, ob man springen kann oder nicht. Fahrradförderung auf Kosten von Fußgängern, so der Tenor, ist nicht fair, den Spaziergängern gegenüber. Das denke ich mir auch manchmal, wenn ich durch den Schlossgarten radle. Die armen Fußgänger! Und dann denke ich: Aber welche Alternativstrecken haben wir Radler eigentlich?

Wo ist denn der echte Tallängs-Radweg? 

11. August 2017

Der Himmel am Boden

Wie Radwege beleuchten, die durch dunkle Ecken oder Wälder führen. Wir denken derzeit beim geplanten Schnellradweg über die Römerstraße über LED-Lichter nach, die nur bei Bewegung anspringen. Es geht aber auch anders. 

Man könnte aber auch solches Material nehmen, das das Tageslicht speichert und nachts für ein paar Stunden wieder abgibt. Der Radblogger Tobias Finger hat da mal recherchiert, was es alles gibt. Im Nordpolnischen Ort Lidzbark Warminksi können Radler hundert Meter über einen Weg fahren, der tagsüber türkis glänzt und bei Dunkelheit blau leuchtet.

10. August 2017

Was eine Bloggerin auch mal glücklich macht

Man kann nie vorhersagen, welcher Post gut ankommt. Dieser aber ist durch die Decke gegangen. Jedenfalls für meine Verhältnisse. 

Am 12. Juli habe ich über die "Uneingeschränkte Macht auf der Straße" geschrieben. Kein einfaches Thema. Zumal ich mich auf eine US-Doktorarbeit und einen englischen Artikel bezogen habe, auf den mich Blogleser Carsten aufmerksam gemacht hat. Das Thema hat jedoch offenbar den Nerv von zehntausenden Radfahrenden getroffen. Er hat ihre Gefühle im Straßenverkehr gespiegelt und eine soziologische Erklärung dafür geliefert, warum viele Autofahrer sich Radlern gegenüber so respektlos bis hasserfüllt benehmen. Eine Erklärung haben, tut gut, auch wenn sie ein wenig deprimierend ist.

Mein bisher meist aufgesuchter Artikel war der über die "2-Meter-Regel", aber nur weil TV-Zuschauer in einer Werbepause die Antwort auf die Halbe-Millionenfrage bei "Wer wird Millionär" recherchierten (4.600 Zugriffe). Der eigentlich erfolgreichste Post war bis dahin "Radfahren macht Kinder besser in Mathe" mit 1.800 Zugriffen. Aber auf einmal ist alles anders geworden.

9. August 2017

Lastenräder sind die Zukunft ...

... ja, aber es gibt sie auch schon ganz lange. Die Post ist mit der größten Lastenradflotte unterwegs, die wir in Deutschland haben. 

Längst auch mit elektrischer Unterstützung. Denn die Post weiß: Mit Lastenrädern kommt man überall hin und versperrt wenig Platz.

Wobei Postfahrräder wie dieses auf Gehwegen auch nicht die ideale Lösung sind. Wobei ich noch keine Beschwerden über Postfahrräder gehört habe. Wir nehmen sie praktisch nicht wahr.

Lastenräder helfen, wie man an der Post sieht, das Zustellproblem kleiner und leichter Waren in der Innenstadt und in den Wohngebieten zu lösen. Kleine Räder anstelle der Kleintransporter, die überall durchwollen und überall stehen, auf Gehwegen, in Kurven, auf Zebrastreifen ...

8. August 2017

Tür zu!

Auf den Radstreifen der Kaltentaler Abfahrt bergauf sind diese Zeichen aufgetaucht. Sie warnen Radler vor Dooring-Unfällen.

Sie warnen vermutlich auch Autofahrer. Und sie erinnern uns alle daran, dass es nicht gut ist, Radler so dicht entlang geparkter Fahrzeuge entlang zu führen.

Ich habe sie am Sonntag gesehen. Wer die da hingesprüht hat, verraten die Zeichen nicht. Offizielle Zeichen sind  es jedenfalls nicht.

Dooring-Unfälle sind bei Radfahrenden häufig. Uns sie gehen fast immer mit schweren Verletzungen einher.

Die leise Züricher Verkehrsrevolution

Zürich ähnelt Stuttgart. Auch diese Stadt hat Berge. Und Autos. Und Radfahrer.

Unmöglich sei es, den Autoverkehr in zehn Jahren um 10 Prozentpunkte zu senken, meinte die Stadtpolitik. Doch genau dazu hat die in der Schweiz direkter organisierte Stadtdemokratie die Regierung gezwungen. Und es klappt.

Der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr lässt sich auch in Zürich nicht so genau berechnen. Man hat immer nur die Zahlen der Radler, die an Zählstellen vorbeikommen (Dort werden es wie bei uns ständig deutlich mehr). Und man hat Leute befragt, was ihr Hauptverkehrsmittel ist. Demnach hat sich der Radverkehr in Zürich innerhalb von fünf Jahren von 5 auf mindestens 8 Prozent gesteigert. Ähnliches könnte man von Stuttgart sagen, mit dem gleichen Hinweis, dass die Zahl der Radler zugleich absolut deutlich zugenommen hat (der Autoverkehr parallel halt auch). Jedoch ist in Zürich innerhalb von 15 Jahren der Anteil des Autos am Verkehr von 40 auf 25 Prozent gesunken.

7. August 2017

Candy, das urbane Rennrad

Dieses Canyon sehe ich immer mal wieder. Vielleicht  gibt es ja auch zwei oder drei davon in Stuttgart. 

Canyon sitzt in Koblenz und stellt eigentlich Rennräder her, hat aber auch urbane Rennräder im Angebot. Ohne Motor, leicht, schlicht und darum stylish. Sehr schön.

(Im Hintergrund sieht man ein umgedrehtes Ruderboot aus Plastik.)