26. Juli 2021

Gepflegtes Durcheinander an der neuen Landesbibliothek

An der neuen Landesbibliothek gibt es reichlich Radabstellanlagen. Ob man mit dem Rad auch dorthin fahren darf, also auf dem Gehweg, ist unklar. Ein Freigabeschild gibt es nicht. 

Ohnehin ist der Weg bis rauf zum Charlottenplatz noch nicht durchgängig beradelbar. Wenn das mal geht, werden wir hier viele Radler:innen haben. Runter kommen sie schon, aber auf der Fahrbahn. Viele kommen über die Ampel am Deckel und biegen auf die Fahrbahn ein. Chaotischer wird es dann an der Ecke Ulrichstraße. 

24. Juli 2021

Tempo 30 in Städten hilft allen

Für Fußgänger:innen und Radfahrende ist das unter Umständen lebensrettend. Ein Aufprall mit 30 oder 40  überlebt man eher als einen mit 50 oder 60 km/h. 

Außerdem ist die Differenz zwischen Radfahrenden und Autos dann geringer und der Überholdruck nimmt ab. Enges Überholen ist weniger beängstigend für die Radfahrenden. Der Fahrtwindschlag fällt weg. Und leiser ist es auch. Nachteile gibt es keine, aber Vorteile reichlich, wie das Umweltbundesamt schon 2016 in einem Bericht feststellt. 

Die meisten Autofahrenden glauben leider, dass sie um so schneller ankommen, je schneller sie auf einer innerstädtischen Straße fahren. Das mag nachts um drei so sein, es ist aber nie tagsüber der Fall, wenn viele andere Autofahrende ebenfalls meinen, sie müssten so schnell wie möglich fahren, um so schnell wie möglich anzukommen. Das klappt dann aber nicht. Wir werden an Ampeln und von Falschparkern und Ein- und Abbiegern aufgehalten, und je mehr Autos unterwegs sind, desto länger müssen wir an Ampeln warten.

22. Juli 2021

Wer radelt, kann auch reden

Wir schweigen zu viel. Dabei sind kurze Wortwechsel, auch Small-Talk genannt, gut für die Seele. Darauf macht Spektrum.de aufmerksam. Wer im Auto abgekapselt sitzt, spricht mit niemandem, wer auf dem Fahhrad durch die Stadt streift, kann mit vielen Leuten reden. 

Vor allem eben mit Leuten, die man gar nicht kennt. Am Zebrastreifen steht eine Frau, die sich nicht traut, ich mache langsam und sage: Gehen Sie nur, ich habe Sie gesehen. Sie bedankt sich unnötigerweise. Und in meinen neuronalen Netzen entsteht ein kleines Lächeln. Am Wegesrand müht sich eine Frau mit einem Fahrrad ab, die Kette ist rausgesprungen, ich halte an und frage, ob sie Hilfe braucht. Selbst, wenn nicht, so fahre ich doch mit einem zufriedenen Gefühl weiter. 

20. Juli 2021

Verpeilter Radler mit Pfadfindersinn

Es gibt immer wieder Radler:innen, die sehr unorthodox durch die vorhandene oder nicht vorhandene Radinfrastruktur in Stuttgart schlingern. 

Sie fahren wie Pfadfinder, ohne sich um Regeln zu kümmern. Sie machen aber auch deutlich. dass der Verlauf der Radinfrastruktur nicht immer leicht zu entschlüsseln ist oder sich so umständlich darstellt, dass sie nicht angenommen wird. 

Diesen Radler habe ich am Botnanger Sattel beobachtet. Er kam die Botnanger Straße hoch, wo es bergab rechts und bergauf links einen Zweirichtungsradweg gibt.

18. Juli 2021

So, und was will uns das jetzt wieder sagen?

Aussagen sind ja kontextabhängig, also man versteht sie, wenn man sich die Umgebung anguckt. An sich müsste man Radfahrenden ja nicht per Pfeil sagen, dass sie nicht gegen die Umzäunung der Anlage rumpeln sollen. 

Aber darum geht es offenbar gar nicht. Die Urbanstraße 47 ist zwischen Urbansplatz und Sängerstraße endlich renoviert und ein Parklett hergestellt worden. Wenn man vom Kernerplatz her kommt (die Straße ist in dieser Richtung Einbahnstraße) stößt man auf diese Ecke. Ein Radzeichen auf der Fahrbahn mit Pfeil dahinter zeigt, dass man sich links halten soll (was auch gar nicht anders ginge). 

Worauf sich der Pfeil vermutlich bezieht, zeigt sich hinter der Anlage.

16. Juli 2021

Was bringt eigentlich eine Fahrradstraße?

Seit Mitte der neunziger Jahre darf man sie einrichten, aber erst jetzt kommt die Sache mit den Fahrradstraßen so richtig in Gang. Und das Rätselraten beginnt. 

Diejenigen Autofahrenden, die nicht zum ersten Mal mit dem Schild konfrontiert sind und sich dann, ob erlaubt oder nicht, in die Fahrradstraße verirren, wissen inzwischen, dass eine Fahrradstraße nicht ihre Straße ist. Alle anderen, die das Schild zum ersten Mal sehen, wissen meistens gar nicht, was das für sie bedeutet. 

Eigentlich sollte eine Fahrradstraße für den Autoverkehr komplett gesperrt werden. Das ist sozusagen die Norm-Vorgabe. Wie man auf dem Foto sieht, ist das der Stadt Stuttgart bei einer Baustellenbeschilderung passiert, unter dem Verkehrszeichen fehlt das Zusatzschild "Anlieger frei". Wie man sieht, hat das die Autofahrenden überhaupt nicht gestört, sie sind in die Straßen hineingefahren und haben dort geparkt. 

Tatsächlich geschieht es so gut wie nie, dass eine Fahrradstraße autofrei ist.

14. Juli 2021

Schwerer Dooring-Unfall in de Köllestraße im Westen

Eine Frau mit Beifahrerin fährt am Samstagmittag im Stuttgarter Westen die Köllestraße Richtung Osten lang. Auf Höhe der Hausnummer 80 hält sie an, ihre Beifahrerin stößt die Tür auf und holt eine Radfahrerin vom Rad. 

Die Radlerin stürzt und fällt auch noch einige Stufen der Staffel hinunter, die genau dort beginnt. Sie wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. 

Laut Polizeibericht wollte die Radlerin rechts an dem stehenden Auto vorbeifahren, als die Tür aufging und sie vom Rad fegte. Ob die Autofahrerin beim Anhalten den Blinker rechts setzte, ist nicht bekannt (muss man aber machen). Eine Anwohnerin, die das Auto noch stehen sah, erzählte mir: "Das ist dort total blöd. Die Straße ist schmal, wirkt eher wie ein Weg. Der Abstand zwischen Auto und Gebüsch und Staffel war nicht besonders groß." Auf dem Foto, das ich gemacht habe, sehen wir die Situation in Fahrtrichtung. Die Markierungen zeigen, das Autos stand mittig, mehr links als rechts. Die Polizeimarkierungen habe ich optisch verstärkt. Rechts, wo es grün ist, geht es die Staffel runter. Dort öffnete sich die Tür. Auf dem zweiten Bild sehen wir, dass die Radlerin keine Chance hatte, sich für links vorbeifahren zu entscheiden. 

12. Juli 2021

Osterbronnstraße soll für Radfahrende schöner werden - Dürrlewang

Die Osterbronnstaße verbindet den Wallgraben über die Galileistraße mit Rohr und führt durch Dürrlewang. Links und rechts wird geparkt, auf einer Seite gewohnt, auf der anderen befindet sich die parkähnliche Einkaufszeile. Radinfrastruktur fehlt. 

Im Rahmen Soziale Stadt wird das Zentrum schön gemacht. Und nun ist auch die Osterbronnstraße dran. Auf ihr sollen sich auch Radfahrende wohl fühlen, nicht nur Autofahrende. Für Fußgänger:innen gibt es Wege durch den Fußgängerbereich. Da darf nicht Rad gefahren werden, ein Schild macht das ganz deutlich. Aber das sieht niemand und noch weniger halten sich daran. Da wird mächtig geradelt. 

10. Juli 2021

Autos beschützen Radbügel vor Nutzung

Samstags ist Markt auf dem Schillerplatz. Aber Radfahrende sind bei den Marktbeschickern offenbar nicht erwünscht. Wo wir unsere Fahrräder abstellen könnten, stehen Transporter. 

Die Radbügel am Alten Schloss auf der Seite des Schillerplatzes im Durchgang zur Planie kann man nicht anfahren, und man kann auch kaum ein Rad dort anschließen, weil die Kühler der Autos keinen Platz dafür lassen. Und dann schreien wieder die Radfeindlichen: Wozu hier Radbügel, da steht ja nie ein Fahrrad. Was muss man eigentlich tun, damit Autofahrende den Platz, den die Stadt für Radfahrende ausweist, auch respektieren? 

8. Juli 2021

Des Radlers 7. Sinn - aus der Fußgängerfurt auf die Fahrbahn einbiegen

Wer vom Gehweg auf die Fahrbahn runterradelt, guckt, ob was kommt, und fährt dann. Ganz einfach. Aber kompliziert wird es, wenn man auf eine beampelte Fußgängerfurt stößt. 

Das ist echtes Grübelmaterial, denn wir werden mit zwei inkompatiblen Verkehrssystemen konfrontiert, dem Fußgängersystem und dem Autosystem, und haben es demzufolge mit beiden Ampelsystemen zu tun. Wenn für Fußgänger:innen grün ist, dann haben Autofahrende Rot und umgekehrt. Wir aber wollen ja vom Gehweg runter auf die Fahrbahn. Nach welcher Ampel müssen wir uns da jetzt richten? 

6. Juli 2021

Ach übrigens, das Schild ist weg

Und weil wir beim letzten Artikel schon in der Gegend waren, noch ein Blick über die Seidenstraße hinweg in die Breitscheidstraße. 

Das Schild, das regelmäßig umgefahren und wieder aufgerichtet wurde, ist verschwunden. Es wurde augenscheinlich abgebaut. Es zeigte das Fußgängerzeichen mit einem Rad-frei darunter (Fotos unten). Rechts davon verlief ein markierter Radstreifen, der dort immer noch markiert ist. Jetzt sehen Autofahrende das eindeutige Einfahrt-verboten-Schild, (mit Rad frei) das üblicherweise am Ausgang einer Einbahnstraße steht, und sonst nichts. 

4. Juli 2021

Wilde Bodenmalerei an der Liederhalle

Beim Literaturhaus befindet sich eine Schranke, damit Autos nicht einfach auf den Platz der Liederhalle fahren. Radfahrende und Fußgänger:innen müssen links oder rechts an der Schranke vorbei. 

Das hat bisher geklappt. Aber offenbar meinte jemand, Radfahrende sollten von der Liederhalle her links vorbei radeln und hat wilde Malereien gestartet. Die bringen jetzt diese beiden Fußgänger:innen in Schwierigkeiten, die wie alle Fußgänger:innen den für sie kürzesten Weg nehmen, aber sich kaum trauten, diese unorthodoxe Radspur zu betreten. Und natürlich radelten Radler auch rechts vorbei, denn wer sieht schon auf der sehr unorthodoxen weißen Spur das per Schablone aufgesprühte Zeichen, mit dem Radfahrenden auf der Gehwegseite das Radeln verboten werden solle. Wer hat sich das einfallen lassen?

2. Juli 2021

Fußgänger:innen mit Kinderwagen sind uns ja sowas von egal

Damit das klar ist, hier darf nicht durchgeradelt werden. Allerdings dürfen Fahrzeuge  in diesen kleinen sehr steilen Verbindungsweg zwischen Filderstraße und Alter Weinsteige bis bis zum Straßenbahndepot hineinfahren. 

Deshalb radle ich da auch hoch, wenn ich ins Theater Rampe will und hinten im Hof mein Fahrrad abstelle. (Vorne gibt es ja keine Radbügel). 

Derzeit ist da schon länger Baustelle. Wie man sieht, schafft sie für Autos rede Menge Platz. Wer keinen Platz mehr hat, sind die Fußgänger:innen. Die Schleuse ist so eng und die Ständer der Beschrankung sind vielfach so gedreht, dass jemand mit einem Kinderwagen nur schwer durchkommt.

30. Juni 2021

Feste Parkplätze für E-Scooter - hilft das?

Berlin führt sie ein, aber nur an wenigen Stellen in der Innenstadt. Nicht geregelt bleibt nicht nur in Berlin, sondern auch bei uns, wo die E-Scooter in den Wohngebieten abgestellt oder hingeworfen werden.
 

Offenbar haben es die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger aufgegeben, sich bei der Stadt über die E-Scooter zu beschweren, die so abgestellt wurden, das man mit dem Kinderwagen den Gehweg nicht mehr entlang kommt oder Sehbehinderte darüber stolpern müssen. Aber sie stehen immer noch oft ziemlich blöd herum. Besser geworden ist nach meiner Beobachtung das Abstellen durch die Anbieterfirmen selbst. Ich sehe sie nicht mehr so oft mitten auf Gehwegen und auf Gehwegnasen aufgereiht. 

Natürlich kann man überlegen, ob feste Abstellflächen für E-Scooter die Gehewege entlasten.

28. Juni 2021

Kinder sicher in Lastenrädern transportieren

In Lastenrädern können Kinder ziemlich sicher transportiert werden. Es gibt keinerlei Hinweise, dass sie dort größeren Gefahren ausgesetzt wären als im Kindersitz auf dem Fahrrad oder in Autos. 

Lastenräder werden von den Menschen hinter Windschutzscheiben sogar besser wahrgenommen, also weniger ignoriert, als Radfahrende auf Normalrädern oder Pedelecs. Aber ein paar Dinge gibt es wohl zu beachten, die eine Broschüre der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) zusammenstellt. Diese Broschüre gibt es gedruckt und als pdf. Sie beschäftigte sich mit den Anforderungen der Räder für den Kindertransport und mit dem anderen Fahrverhalten von Lastenrädern im Vergleich zu Normalrädern, weist aber auch darauf hin, dass in Lastenrädern nur Kinder bis 7 Jahre von Menschen transportiert werden dürfen, die älter als 16 Jahre alt sind.

Alle, die sich über den Kauf eines Lastenrads beraten lassen (Etwa bei Hyggelig), haben die Wahl zwischen mehrspurigen und einspurigen Rädern.

24. Juni 2021

Nur schnell mal was verkaufen

 So sehen in Stuttgart Geh- und Radwege aus. Autos dürfen reinfahren bis zu ihren Parkplätzen und ein Essenverkäufer steht dann genau dort, wo es richtig schmal wird. 

Er steht in dem Teil hinter den Parklätzen, der dem Schild am Eingangzufolge nicht mehr für Autos zugelassen ist. Das ist übrigens der Abschnitt der Ernsthaldenstraße in Vaihingen, der derzeit noch Teil der Radschnellverbindung ist. Viele Radler:innen sind hier allerdings derzeit noch nicht unterwegs und der ADFC hat auch Bedenken, weil es dann noch schmaler wird. Aber das ist jetzt hier nicht das Thema, sondern der doch sehr wurstige Umgang von Menschen mit großen Autos, die etwas verkaufen wollen, mit der Rad- und Fußgängerinfrastruktur in Stuttgart. Nicht gut. 

Ich vermute übrigens, das wurde von der Stadt so nicht genehmigt. 

Autofahrende wünschen sich Radstreifen in der Lenzhaldenstraße

Glaubt ihr nicht? Ich auch nicht. Aber sie müssten sie sich wünschen. Wer mit dem Auto die Lenzhaldenstraße hoch fährt, hängt über etliche hundert Meter hinter Radfahrenden und kann nicht schneller als 20 km fahren. 

Gäbe es hier Radfahrstreifen, könnten Autofahrende die Straße mit 40 km/h rauffahren. Es ist eine alte Weisheit, dass Radwege und Radstreifen eigentlich nur Autofahrenden nützen, weil sie die Radfahrenden auf die ihnen zugewiesenen Plätze und Räume verweisen und die Fahrbahnen freiräumen. In der Lenzhaldenstraße radelt man ohne jegliche Infrastrukturhilfe hoch, das ist nicht einmal unangenehm, allerdings hat man eben immer wieder Autos hinter sich, die beim besten Willen nicht überholen könnnen und es dann an ungeeigneten Stellen, etwa am Zebrastreifen, tun. 

Radfahrstreifen in der Lenzhaldenstraße werden im Bezirk Nord heftig diskutiert, denn im oberen Teil müssen für einen Bergaufradstreifen Parkplätze wegfallen.

22. Juni 2021

Des Radlers 7. Sinn - ständiger Systemwechsel

Radfahrende benutzen drei Verkehrssysteme: Fahrbahnen, Radinfrastruktur und Gehwege.

Oft in kurzer Folge. Alle drei Systeme sind anders organsisisiert und folgen eigenen Regeln. Die meisten Radfahrenden schauen im Pfadfindermodus, wie sie durch- und weiterkommen, ohne die teils sehr spezifischen Regeln zu kennen. Ängstlichere und Genervte radeln auch auf Gehwegen, die für den Radverkehr nicht fregegeben werden, andere radeln auf Fahrbahnen, ohne sich darum zu kümmern, ob es eine Radinfratruktur gibt. Die meisten sagen "Radweg" zu allem, wo ein Radzeichen auftaucht. Aber es gibt Radwege, Radstreifen, Schutzstreifen, freigegebene Gehwegein jeweils mehreren Nuancen und dazu noch die Fahrbahnen, Feldwege und Waldweg, wo unterschiedliche Regeln gelten