20. Januar 2018

Der Navigucker

Dialog mit einem, der an der Radlerampel am Ausgang Eberhardstraße zum Tagblattturm anhielt. 

Ich formulierte es einfach: "Sie sind da jetzt gegen die Einbahnstraßenrichtung gefahren."
Er: "Ja, ich habe keinen Navi."
Ich: "Aber da stehen Schilder."
Dazu fällt ihm nichts sein.

Es war übrigens nicht der Fahrer dieses Wagens, der auf dem Bild abgebildet ist. Das Bild steht für eine typische Situation in der Fahrradstraße Eberhardstraße. Und es es war einer mit einem Nummernschild von anderswo.


19. Januar 2018

Gehwegfahrten sind extrem riskant

Fußgänger hassen sie: Radfahrer auf Gehwegen. Also bleibt weg von den Fußwegen! Auf der Fahrbahn ist es eh viel sicherer für Radfahrer. 

Ich bin selber mal wochenlang mit Krücken unterwegs gewesen und hatte immer Angst, dass mich aus Versehen jemand anstößt (weil ich dann umgefallen wäre) oder ein Radfahrer meine mangelnde Wendigkeit falsch einschätzt. Diese Angst dürfen wir Radler Menschen mit Gehhilfen nicht machen. Ich bin als Radlerin mal sehr langsam (und erlaubt), aber mit doch nur einem Meter Abstand hinter einer alten Frau durchgefahren. Sie hat sich fürchterlich erschreckt, sie ist regelrecht zusammengefahren und ins Taumeln geraten. Es tat mir sehr leid. Ich wusste zwar selber, dass keine Gefahr bestanden hatte, aber das hat die alte Frau eben gar so nicht erlebt. Deshalb finde ich, sollten wir Radfahrenden Gehwege meiden, auch wenn sie vielerorts leider erlaubt sind. Gehwege sind ohnehin extrem unsicher für Radler.

17. Januar 2018

Neue Fahrradwerkstatt in Stuttgart Süd

Es geht los mit der offenen sozialen Fahrradwerkstatt im Süden. Dort reparieren Geflüchtete Fahrräder, die gespendet wurden. 

Nach der Reparatur werden die Räder im Viertel weitergeben. Auch wer selber seinen Platten flicken möchte, findet in der Werkstatt das nötige Material und Werkzeug. Und wer sich kein Fahrrad leisten kann, aber eines braucht, kann nachfragen, ob es eines für ihn oder sie gibt.

Der Freundeskreis Flüchtlinge Süd  hat endlich einen Raum gefunden und lädt deshalb zur Gründungsveranstaltung ein für morgen, 18. Januar, um 18 Uhr in den Gemeinschaftsraum der Flüchtlingsunterkunft Schickardstraße 35-37. Die liegt zwischen Schöttle-Platz und Schwabtunnel. Wer mitmachen oder sich auch nur informieren will, ist herzlich eingeladen. Und alle, die ein Fahrrad übrig haben, wissen jetzt, wo sie es demnächst in Stuttgart-Süd hinbringen können.





15. Januar 2018

Wer haftet, wenn mein Kind mit dem Fahrrad ...

Bei meinem Bericht über exzessives Gehwegparken tauchte die Frage auf, wer eigentlich haftet, wenn ein Kind bim vorbeiquetschen mit dem Rad den Lack verkratzt.

Ich hatte keine Ahnung und habe mich auf der Seite Verkehrslexikon.de kundig gemacht. Dort steht auch noch anderes zum Thema Kind und Radfahren. Ab welchem Alter darf man Kinder alleine zur Schule fahren lassen? Und wer haftet, wenn das Kind einen Unfall verursacht oder ein Auto beschädigt? Dabei bin ich auf einen interessanten Begriff gestoßen, das Haftungsprivileg für Eltern von Kindern, die mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen. Der Gesetzgeber will nämlich unbedingt, dass Eltern ihren Kindern Freiraum geben, sie auch mal fahren und springen lassen. Deshalb dürfen sie nicht für alles in Haftung genommen werden, was Kinder auf Rädern anrichten.

13. Januar 2018

Radeln auf der Nordbahnhofstraße

Am Milaneo darf man ja überall mit dem Fahrrad durch. Sehr schön. 

Vor zwei Wochen habe ich geschaut, wie es jetzt Richtung Nordbahnhofstraße geht, seitdem die Stadtbahnhaltestelle in Betrieb ist.  Die Stadtbahnbrücke über den Budapester Platz wurde vor vielen Jahren geplant, als man Radfahrer in Stuttgart noch gar nicht kannte. Heute hätte man sie vielleicht breiter geplant und mit einem Zweirichtungsradweg versehen.
So aber ist sie schmal und für Radler nur freigegeben. Und er bergab will, muss sich zwei mal über die Stadtbahnschienen winkeln.

12. Januar 2018

Abbieger fährt Radfahrerin um - Zeug/innen gesucht

Wieder ein Abbiegeunfall, diesmal auf der Löwentorstraße gestern, also am Donnerstagmorgen um zehn nach sieben. Der Autofahrer fuhr einfach weiter. Die Radfahrerin musste ins Krankenhaus.

Zum Glück wurde sie nicht schwer verletzt. Die Polizei meldet: Eine 52 Jahre alte Fahrradfahrerin ist am Donnerstagmorgen (11.01.2018) an der Löwentorstraße von einem Auto gestreift worden und gestürzt. Die Radfahrerin war gegen 07.10 Uhr in der Löwentorstraße Richtung Pragstraße unterwegs. Auf Höhe der Hausnummer 65 bog unmittelbar vor ihr ein Auto, das in gleicher Richtung unterwegs war, nach rechts ab und berührte das Fahrrad der Frau. Die 52-Jährige stürzte und verletzte sich leicht. Rettungskräfte kümmerten sich um die Frau und brachten sie in ein Krankenhaus. Das Auto (eigentlich war es ja der Mensch am Steuer), von dem keine Beschreibung vorliegt, fuhr weiter in Richtung der dortigen Tiefgarage. Zeugen werden gebeten, sich bei der Verkehrspolizei unter der Rufnummer +4971189904100 zu melden. E-Mail: stuttgart.pressestelle@polizei.bwl.de

11. Januar 2018

Fernsehteams auf der Suche nach Falschparkern

Vorgestern hat Regio-TV im Lehenviertel gedreht, gestern um 18 Uhr lief der Beitrag. Gestern drehte wohl auch der SWR auf der Suche nach Falschparkern, und das soll heute Abend im SWR-Fernsehen Thema sein. 

Die Bilder waren auch zu schön, die eine fantasievolle Aktion von Anwohner/innen geliefert  hat: weihnachtlich in Folie eingepackte Autos, die Gehwegecken zugeparkt hatten. Die Bilder gingen innerhalb weniger Tage viral, nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch bis nach Kolumbien oder in die USA. Dass auf Radwegen, Gehwegen und auf Ecken geparkte Autos massiv Radfahrende, vor allem aber eben Kinder behindern, die ihre Wege doch so dringend alleine zu machen lernen müssen, ist offensichtlich und ein Skandal. Aber auch Eltern mit Kinderwagen oder Ältere mit Rolatoren und Rollstühlen kommen auf unseren Gehwegen nicht durch. Was aber tun? Poller oder Polizei? Oder kann es die Nachbarschaft mit Appellen an ein rücksichtsvolleres Miteinander richten?

9. Januar 2018

Eine Grübelkreuzung - Gaußstraße

Wenn man die Wielandstraße in Stuttgart West hoch kommt, stößt man an der Einmündung in die Gaußstraße an diese Stelle. Das rote Schild sagt: Hier dürfen auch Radfahrende nicht weiter.

Statt einer Freigabe für Radler mit Radstreifen greift man zu einer bekannten Stuttgarter Notlösung, der Gehwegfreigabe. Tatsächlich bleibt Radlern gar nichts anderes übrig, als auf den Gehweg zu wechseln, den auch Autos bis zu ihren Grundstücken befahren dürfen.

Die Verkehrsregeln schaffen hier aber keine echte Sicherheit für Radler, sondern eher eine Gefahr.

7. Januar 2018

Wie radeln die in Hamburg, mal gucken

In Hamburg radeln viele. Aber die Stadt ist auch gefährlich, weil es schon sehr lange sehr viele Radwege gibt, und die verlaufen eben alle über Gehwege.

Eine typische Hamburger Kreuzung sieht man hier (Lübeckertortamm, Steindamm, Berliner To, Lohmühlensgtr.). Die Radwege sind zwar rot, aber sie führen immer auch mitten durch die Aufstellplätze für Fußgänger an den Fußgängerampeln. Sie liegen nicht nahe an den Autofahrbahnen, sodass Autofahrer die Radfahrenden gar nicht neben sich kommen und vorbeifahren sehen. Der Radler taucht dann unvermutet vor dem Kühler des abbiegenden Autofahrers auf.

5. Januar 2018

Gefährliche Fallen für Radfahrer

In Heidelberg ist auf abschüssiger Strecke ein Radfahrer tödlich verunglückt, weil sich auf der Fahrbahn sogenannte Kölner Teller befanden, die Autos ausbremsen sollen.

Das berichten die Rhein-Neckar-Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten uns stellen die Frage: "Wird nun gegen die Stadt wegen fahrlässiger Tötung ermittelt?" Weil Autofahrer sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h hielten, wollte die Stadt die Sicherheit erhöhen. Leider hat man wieder einmal nicht an Radfahrer gedacht, für die die Schwellen gefährlich werden können. Ein Radfahrer stürzte, prallte gegen eine Hauswand und starb eine Woche später an seinen Kopfverletzungen. Kurz darauf rutschte ein Radler auf den Noppen weg, stürzte und zog sich zum Glück nur Prellungen zu. Die Kölner Teller sind bei Nacht und Regen schwer zu erkennen.

3. Januar 2018

Das Auto im Kopf

Besinnen wir uns mal wieder: Autofahren ist schlimmer als eine Sucht, so lautet der Titel eines Interviews, das Susanne Führer im Deutschlandfunk Kultur mit dem Verkehrsexperten Hermann Knoflacher geführt hat.

Das Auto hat sich in unserem Stammhirn eingenistet und bestimmt unser Handeln, unsere Vorlieben und unsere Politik, so der Tenor des Interviews. Weil das Auto so tief in unserm ganzen Denken verankert ist, machen wir unsere Welt fürs Auto, nicht für Menschen.

Rund elf Millionen Kinder leben in Deutschland. Die schleichen sich auf Gehwegen an Hauswänden entlang, damit die rund 62 Millionen Autos genügend Platz haben.

1. Januar 2018

Es kann nur besser werden

Willkommen im neuen Jahr! Es könnte spannend werden. Im Radverkehr geht es voran. 

Und es gibt wohl Fahrverbote für Autos. Falls die Gerichte bei ihrer Linie bleiben.

Eigentlich wünschen wir es uns: Die Befreiung vom Auto. Sogar eingefleischte Autofahrer bitten darum, dass endlich gezwungen werden, das Auto stehen zu lassen. Sie hätten ihr Auto sicher auch während der Feinstaubalarme, die wir drei Winter lang durchexerziert haben, stehen gelassen, wenn es mit ihnen zusammen viele Menschen gemacht hätten. Wenn es mehr Leute ernst genommen hätten.

30. Dezember 2017

Radfahrer bringen's Geschäft

Jedes Jahr geht im Konsumrausch zu Ende. Weihnachten, Silvester, Gutscheine einlösen. Innenstädte brauchen Handel. Und der funktioniert mit Radfahrern besser. 

Egal, was ich persönlich vom Konsum halte, für Städte sind brodelnde Innenstädte wichtig, in denen gekauft, gegessen, getrunken, ins Kino gegangen, gefeiert und gelebt wird. Wir mögen unsere Städte, wenn in ihnen Leben herrscht. Wo die Autos wegbleiben und Radfahrer hinkommen, beleben sich Handel und Gastronomie. Konflikte mit Fußgängern nehmen nicht zu, auch wenn es anfangs alle befürchten. Alle profitieren vom Radverkehr. Das hat Regensburg festgestellt und Konsequenzen gezogen.

28. Dezember 2017

Falschmeldung: Zeitung wirft ein Radweg-Problem auf, das gar keines ist

"Degerlocher sorgen sich vor Rückstaus." Und zwar, weil der Gehweg der Neuen Weinsteige für Radfahrer freigegeben werden soll? Wie kann das sein?

Unter diesem irreführenden Titel schreibt jedenfalls die Stuttgarter Zeitung am 27.12.17, für 2 Millionen Euro solle eine Panoramaradweg an der Neuen Weinsteige gebaut werden. Huch? Ist uns da was raus? Der Autor hat dazu auch schon mal Degerlocher Bezirksbeiräte befragt, die sich prompt Sorgen machen, den Autos könne Platz weggenommen werden. Auf einen Leserbrief von Blogleser Florian hin, wurden die 2 Millionen heute aus dem Untertitel  herausgenommen, denn knapp so viel kostet die Sanierung der Stützmauer. Der Grundfehler aber bleibt.

Denn schön wär's, es würde ein Panoramaradweg entlang der Neuen Weinsteige gebaut, der schönsten Straße Stuttgarts, die ganz und gar den Autos gehört. Aber der wird nicht gebaut. Das war auch im Oktober schon falsch, als die Stuttgarter Zeitung Radfahrenden Hoffnung auf einen Radweg entlang der Neuen Weinsteige machte. Hier wird lediglich ein Gehweg für Fußgänger hergerichtet und zum Radfahren freigegeben. Und das ist kein RadwegDie Wahrheit ist:

Schwere Fahrradunfälle wären oft vermeidbar

 Radweg Holzsstr, querende Parkplatzsucher 
Es ist seit langem bekannt, und trotzdem hat sich nichts geändert: Die Deutschen Versicherer (UDV)  haben schon 2013 eine Untersuchung vorgelegt, die sagt, Unfälle, verursacht durch abbiegende Autofahrer  sind häufig und lebensgefährlich für Radfahrer.

Autofahrer übersehen Radfahrer beim Abbiegen, besonders häufig übrigens beim Rechtsabbiegen. Und das liegt fast nie an den Radlern, sondern zum Teil an einer Radinfrastruktur, die Radler nicht ins Sichtfeld der Autofahrer rückt, zum größten Teil aber an den Autofahrenden selbst, die nicht auf Radfahrer achten, nicht sorgfältig gucken und es viel zu eilig haben, um eine Kurve zu sausen.

26. Dezember 2017

Der größte Irrtum: Nur Radfahrer fahren ständig bei Rot

Die Hamburger Polizei wollte es wissen: Radfahrer fahren immer bei Rot. Stimmt das überhaupt? Nö, stimmt nicht.

Wie der Stern in seinem Artikel schildert, stellten sich 148 Hamburger Polizisten am 21. November von 6 bis 22 Uhr an Kreuzungen und kontrollierten. Sie zählten 226 Autofahrer, die bei Rot fuhren und 22 Radfahrer, die das auch taten.

Klar, sind mehr Autos als Radfahrer unterwegs. Aber es ist auch klar, dass Rotlichfahrten unter Autofahrern durchaus verbreitet sind. Autofahrer versuchen meist, bei Gelb oder Rot noch über eine Kreuzung zu rutschen. Wie gefährlich das ist, habe ich selber als Radfahrerin erlebt. Ein Autofahrer wollte unbedingt noch eine Fußgängerampel in der Rotebühlstraße passieren, als für ihn schon rot war, und beschleunigte dabei. Ich stand an einer Einmündung, wo man darauf wartet, dass die Fußgänger Grün bekommen, um dann die Rotebühlstraße zu queren. Ich sah, dass die Fußgänger Grün bekamen und fuhr los. Das Auto raste da erst heran. Zum Glück fuhr mir gegenüber auch ein Auto los, der den Autofahrer bremste, der bei Rot weiter gerast war. Sonst hätte er mich erwischt.

22. Dezember 2017

Radfahren heißt frei sein

Es bringt uns ein Freiheitsgefühl zurück, das wir aus der Kindheit kennen. 

Aufs Fahrrad steigen und schnell - viel schneller als zu Fuß - auf die Felder gelangen. Aus der Rufweite von Müttern hinaus, raus aus der elterlichen Kontrolle. Meistens mögen wir es, wenn uns bei einem Tun als Erwachsene Gefühle aus der Kindheit begleiten. In der Traumdeutung steht Radfahren für Freiheit und Freude, für Optimismus und Zuversicht, mit eigener Körperkraft erreichen zu können, was man sich wünscht.

Radfahren stellt gewissermaßen ein ideale Mischung aus Geschwindigkeit und körperlicher Anstrengung dar. Mit relativ geringem, aber immer spürbarem Aufwand, kommt man in Fahrt. Man spürt den Fahrtwind, man hört die Reifen rauschen. Man ist aber nicht so schnell, dass man sich fürchten muss, die Kontrolle zu verlieren.