6. April 2026

Benzinpreispanik oder Vernunft?

Sobald fossile Treibstoffe teurer werden, diskutiert Deutschland über Entlastungen für Autofahrende. Allerdings nützen diese durchaus nicht der Mehrheit der Menschen, sondern einer, wenn auch großen Minderheit in Deutschland. 

Einer der ersten Berichte im Fernsehen nach Beginn des Irankriegs zeigte eine Frau beim Tanken. Sie sagte ins Mikro, sie habe noch tanken wollen, bevor der Literpreis die 2-Euro-Marke überspringt, und jetzt werde sie eben wieder Fahrrad fahren. Eine gute Entscheidung. Wenn hohe Spritpreise dazu beitragen, dass Menschen für kürzere Wege das Fahrrad entdecken oder wiederentdecken, dann ist das prinzipiell gut für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. 

Doch die zukunftssichernde Lenkwirkung hoher Preise für fossile Energie spielt in unserer Medienwelt nur eine untergeordnete Rolle. Dauerthema sind hingegen die steigende Spritpreise. Und die Politik überlegt fieberhaft, wie man die Autofahrenden entlasten könne. Aber warum nur die, warum nicht auch die Nutzer:innen öffentlicher Verkehrsmittel? Immerhin verlangen die Grünen jetzt eine Wiedereinführung des 9-Euro-Tickest und schlagen Tempolimits vor. Dafür wäre auch durchaus eine Mehrheit von 62 Prozent der Deutschen. Tempolimits würden nicht nur Treibstoff sparen und den CO2-Ausstoß senken, sondern vor allem auch Menschenleben retten und Schwerverletzte bei Unfällen reduzieren. Aber unsere Bundesregierung ist prinzipiell (also ideologisch motiviert) dagegen. 

4. April 2026

Fahrradspur in Cannstatt nützt allen Verkehrsarten

Die Radspur mit Busfreigabe zwischen Mercedeslstraße und Wilhelmsplatz in Cannstatt ist ein Erfolg. Die Unfallzahlen haben sich drastisch reduziert.  Der Autoverkehr staut sich trotzdem nicht mehr als vorher. 

Vor einem Jahr hatte die Stadt ab Mercedesstraße eine von zwei Fahrspuren in eine Spur für Fahrräder, Busse und Taxis umgewidmet. Für uns bedeutete das auf der Hauptradroute 1 Richtung Fellbach eine deutliche Verbesserung. Am 24. März äußerte sich auch die Stadt im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats in einem mündlichen Bericht sehr zufrieden über den Verkehrsversuch. Und wir Radfahrenden können es auch sein. Die Sicherheit des Fuß- und Radverkehrs hat sich signifikant verbessert. Wir radeln nicht mehr auf dem Gehweg unter der Bahnbrücke durch. Es gab keine Zusammenstöße mehr zwischen Fußgänger:innen und Radler:innen, auch wenn immer noch einige den linksseitigen Gehweg stadteinwärts regelwidrig benutzen. Übrigens ist auch die Zahl der Autounfälle drastisch zurückgegangen, unter anderem, weil der Fahrspurwechsel fehlt. 

2. April 2026

Hoppelpassage entschärft

Vor sechs Wochen habe ich die Stelle noch in einem Post erwähnt: aufgeworfene Platten, welliges Baumbeet auf der Hauptradroute 1 im Akademiegarten. Und - schwupps - ist die Stelle hergerichtet worden. 

Der Schlossgarten gehört dem Land, es ist zuständig dafür, wie dort die Radstrecken aussehen. Das habe ich in meinem Post über die Landtagswahlprogramme angemerkt. Und seit Jahren hoppsen tausende Radler:innen täglich im Akademiegarten über die Plattenkanten oder weichen ihnen über das schrundige Baumbeet aus. 

So sah das bis vor ein paar Wochen aus (Bild rechts). "Ist das schrecklich", stieß ein Radfahrer einmal aus, der knapp vor mir über die Stelle fuhr. Ohnehin keine leicht Stelle, weil hier auch noch viele Menschen zu Fuß unterwegs oder herumstehen und weil es reichlich Ecken gibt, die wir umrunden müssen. Und nun gibt es hier endlich doch mal eine kleine Verbesserung.  

Zwei Wochen vor Ostern wurde erst das Erdreich rund um den Baum erneuert, dann die Platten neu verlegt. Sie sind zwar immer noch nicht völlig plan, aber deutlich glatter aneinander gefügt als sie es vorher waren. Mal sehen, wann die Sperrgitter um den Baum wegkommen. Dann vergrößert sich die Geh- und Fahrfläche wieder. 

Danke. 

31. März 2026

Spitzkehren - nicht an den Radverkehr gedacht

Infrastruktur, mit der Menschen, die nicht in Autos sitzen, die Autoströme überqueren können, wurde nie  fürs Fahrrad geplant. Sie wird aber oft fürs Radfahren freigegeben, denn irgendwie müssen die ja auch über die Verkehrsschneisen kommen. 

Spitzkehren sind bei Brückenbauwerken an den Auf- und Abgängen für niemanden angenehm, aber die einzige halbwegs platzsparende Lösung, um es Menschen in Rollstühlen oder mit Kinderwagen zu ermöglichen, runter oder rauf zu kommen. Für Fußgänger:innen und Radfahrende verlängern sie die Überquerungswege um ein Vielfaches. Für Radfahrende ist der Umweg nicht ganz so lästig, aber dafür sind die Spitzkehren eine radlerische Herausforderung. Blogleser Andreas hat mir die Situation in Esslingen auf der Pliensaubrücke geschildert, die zwischen der Stuttgarter Straße und der Neckarstraße den Neckar, die Eisenbahngleise und Neckarstraße überquert. Die Fotos sind von ihm.  

29. März 2026

Das Problem mit den Werkstattterminen fürs Fahrrad

Es gibt zu wenige Händler, die die vielen Fahrräder reparieren können, die online oder bei den wenigen großen Anbietern gekauft wurden. 

Neue Bremsen, ein kaputtes Licht, die Kette springt ständig raus, das sind einige der Probleme, die bei Fahrrädern auftauchen, die viel gefahren werden. Also ab in den nächsten Fahrradladen. Der aber hat einen Termin erst in zwei oder vier Wochen. Wie Bike-x berichtet, haben knapp die Hälfte Schwierigkeiten bei der Wartung der Räder und für 33,1 Prozent sind vor allem die Wartezeiten auf einen Reparaturtermin zu lang. Ging mir übrigens auch schon so. Mit einem kaputten Rücklicht bin dann erst Mal in den Keller 5 gefahren, wo man gemessen hat, woran es liegt. Dann habe ich mir ein Rücklicht im Internet bestellt und bin damit zu meinem Fahrradhändler des Vertrauens am Marienplatz gefahren. Der hatte zwar keine Zeit, aber er hat mir das Werkzeug gegeben, sodass ich das Licht vor der Ladentür selber ersetzt habe. Ich bin aber keine Bastlerin und Bremsen ersetze ich nicht selber. Doch ich brauche ein fahrtüchtiges Fahrrad. Deshalb brauche ich auch einen Fahrradladen, der mir bei Problemen hilft. Den habe ich, aber so viel Glück haben nicht alle. 

Manche haben ja zwei Fahrräder, die nehmen dann das andere, aber zwei Pedelecs haben die Leute selten. Viele steigen dann, so die europäische Studie im Auftrag von Shimano  auf andere Verkehrsmittel um, nicht nur temporär, manche auch für immer. Sie lassen das Fahrrad Fahren sein und kaufen sich natürlich auch kein neues mehr, was die Fahrradbranche beunruhigen sollte. 27 Prozent versuchen, ihr Fahrrad alleine zu reparieren. Für Stuttgart kann ich empfehlen, mit dem Rad zur Fahrradwerkstatt des ADFC oder in eine andere zu gehen, wo einem bei der Reparatur geholfen wird. 

27. März 2026

Trotz Durchfahrtssperre Autochaos auf der Fahrradstraße

Auf der Böblinger Straße wird am Südheimer Platz die Stadtbahnhaltestelle verlängert. Deshalb ist sie dort gesperrt. Autofahrende werden im Vorfeld umgeleitet. 

Das allerdings interessiert sehr viele Autofahrende überhaupt nicht. Sie fahren trotz unübersehbarer Sperren und Verbotsschilder durch die Burgstallstraße und blockieren die Fahrradstraße für Radfahrende. 

Sie blockieren natürlich auch sich selbst, weil die Straße für diese Massen an Autos im Gegenverkehr gar nicht ausgelegt ist. Und sie zwingen dann Radfahrende anzuhalten und abzuwarten, bis der eine Autofahrer rückwärts rangiert hat, der andere über den Gehweg ausgewichen und der dritte in eine Einfahrtenlücke gefahren ist. Das geht jetzt seit Montag so. Und in den ersten Tagen muss das Chaos perfekt gewesen sein, bis hin zu Staus. Das wird auch noch ganz lange so gehen, denn die Baustelle auf der Böblinger Straße soll noch Monate dauern. Der illegale Autoverkehr wird vermutlich etwas weniger werden, aber nicht aufhören. Es sei denn, die Polizei würde sich da mal ein paar Abende zwischen 17 und 17:30 Uhr hinstellen, was wir Radfahrende ja kaum zu träumen wagen. 

25. März 2026

Radfahrtypen

Die Niederländer:innen haben zwei verschiedene Worte für Leute auf Fahrrädern. 

"Wielrenners" radeln in Spezialkleidung mit Helm und vielleicht Sicherheitswesten sportlich und so schnell wie möglich. "Fietsers" sind diejenigen, die in moderatem Tempo, Normalkleidung und ohne Helme und Sicherheitswesten ihre Alltagswege in der Stadt zurücklegen. Wir haben vor allem die Negativ-Begriffe  "rasende Radler". "Ramboradler" und "Kampfradler". Na gut, auch wir kennen den Begriffe "Alltagsradler:in", "Radpendler:innen" oder "Freizeitradler:innen". 

In der Regel amüsiert man sich in den Niederlanden oder auch in einer Radfahrstadt wie Kopenhagen über unsere Neigung, für Alltagswege Sportkleidung und Outdoorausrüstung zu tragen. Herren, die im Anzug Rad fahren, sind bei uns selten, Frauen in Röcken oder eleganten Kostümen noch seltener. Häufig sind die Fietsers bei uns semisportlich ausgerüstet mit reflektierenden Jacken und Jeans, manche mit Sicherheitswesten über dem Mantel. Und wir fahren (fast) alle gerne ziemlich schnell. Auch das unterscheidet uns von Radfahrnationen. Uns fehlt das noch ein bisschen Radkultur.