7. August 2022

Alle Argumente für Parkplätze sind falsch

Der VCD räumt mit beliebten Parkplatz-Mythen auf. Denn sobald in einer Stadt Parkplätze zugunsten einer Busspur, eines Radstreifens oder von Aufenthaltsflächen von Menschen wegfallen sollen, tobt der Widerstand. Die Argumente, die wir dann hören, sind alle falsch. 

Richtig ist nur, dass Menschen in Panik geraten, wenn sie bislang ihr Auto in ihrer Straße geparkt haben. Wohin mit der Karre so schnell? Ich habe schon mehrmals darüber geschrieben, dass viele Autos allerdings ganz schnell einfach verschwinden, wenn die Parkplätze verschwinden, nämlich in Garagen und auf Stellplätze auf dem Grundstück, in Hinterhöfen und ganz woandershin. Dann haben die, die keine andere Möglichkeit haben, als ihr Auto an den Straßenrand zu stellen, genauso viel Platz dafür wie vorher. Diese Kenntnis ist allerdings nicht weit verbreitet, deshalb lohnt es, immer wieder darüber zu reden. 

Weniger Parkplätze bedeuten auch nicht, dass man noch länger nach einem Parkplatz sucht.

5. August 2022

Elektronische Falschparkerüberwachung ist möglich

Eine Ordnungshüterin kann ungefähr 300 parkende Fahrzeuge pro Tag abwandern und kontrollieren. Ein ScanCar schafft 2000 in der Stunde. 

In Berlin und Dortmund gab es bereits Versuche mit Autos, die per Kamera auf dem Dach Falschparker registrieren. Wobei Berlin erst einmal nur damit beschäftigt war, die Straßenränder zu filmen und den Parkraum zu erfassen. Jetzt soll der ScanCar aber zur Kontrolle eingeführt werden. In Genf hat man schon 2016 damit Erfahrungen gesammelt. Hier geht es nicht so sehr um die Erfassung von Falschparkern in Parkverbotszonen, sondern um die Erfassung derer, die nicht zahlen oder deren Parkschein abgelaufen ist. In den Niederlanden sind seit 2012 Autos, Fahrräder oder Motorroller als Scan-Fahrzeuge unterwegs, wie Die Zeit berichtet. Sie erfassen 1000 Autos pro Stunde, Kontrolleure zu zweit aber nur 200. In Amsterdam soll die Quote der Autos, die ohne Gebühr auf kostenpflichtigen Parkplätzen stehen, um ein Drittel gesunken sein.

Digitale Systeme dazu gibt es in den Niederlanden und in Polen zu kaufen. Es funktioniert so: Wer sein Fahrzeug parkt, bezahlt entweder per App oder gibt am Parkscheinautomat sein Kennzeichen ein. Ein Auto mit Kameras fährt die Straßen ab und gleicht die Kennzeichen mit der Datenbank des Parkbetreibers ab. Wenn ein erfasstes Kennzeichen nicht drinsteht oder die Parkzeit abgelaufen ist, wird es direkt an die Bußgeldstelle weitergeschickt. Voraussetzung ist, dass die Parkraumbewirtschaftung digitalisiert ist. Dass soll jetzt auch allmählich in Stuttgart kommen. 

3. August 2022

Radfahren ist doch gar nicht gefährlich!

Wir alle, die wir gerne und oft Rad fahren, hören sie oft: Die Ausreden der Autofahrenden, warum sie nicht aufs Fahrrad umsteigen können. 

Die Seite chrismon hat auf 13 Ausreden ausführlich und klug geantwortet. Blogleser Christian hat mich darauf aufmerksam gemacht. Er hatte vor allem ein Anliegen: Radfahren ist gefährlich - nein, stimmt eben nicht.

Wir tun uns schwer mit Wahrscheinlichkeiten, und wenn wir von Radunfällen hören oder in der Zeitung lesen (wo sie öfter stehen als reine Auto-Auto-Unfälle), dann fühlen sich die, die nicht Radfahren wollen, bestätigt. Dazu tragen auch solche Artikel wie vom Spiegel bei, wo die Unfallversicherer behaupten, wer zum Radfahren auffordere, ohne für mehr Radwege zu sorgen, nehme mehr Tote in Kauf. Dem steht entgegen, dass Radfahren gesünder erhält und das Leben insgesamt verlängert. Das größte Risiko für Radfahrende ist die Luftverschmutzung, das aber sinkt, je mehr Menschen Rad fahren und je weniger mit dem Auto. Luftgifte verkürzen die durchschnittliche Lebenszeit von Radlern um 40 Tage, Unfälle um 9 Tage. Dem steht ein Gewinn an Lebenszeit durch Bewegung und Zufriedenheit von 3 bis 14 Monaten gegenüber. Auch chrismon und der VCD stellen fest: Eine Studie aus England zeigt: Wer regelmäßig Fahrrad fährt, verringert das Risiko, verfrüht zu sterben, um 20 Prozent – und gegenüber Autofahrern sogar um 24 Prozent. Und eines gilt in jedem Fall: Ohne Radfahren lebt man nicht gesünder, sondern ganz im Gegenteil.

1. August 2022

Die leiseste Lobby der Welt

Sie trifft sich am Samstag, dem 27. August in Stuttgart und radelt dann in zwei Wochen über Erfurt nach Berlin. Die TourDeVerkehrswende geht bis zum 10. September.

"Die leiseste Lobby der Welt ist unabhängig von Parteien, Öl und Wetter", sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities. Sie fordert eine feministische Verkehrswende. „Feministische Mobilitätspolitik bedeutet für uns ein komplett anderer Blick auf Mobilität und den öffentlichen Raum. Wer hat Zugang dazu? Wer bewegt sich wie fort und welche Privilegien oder Nachteile sind damit verbunden?“ Und: "Wir müssen uns vom toxischen motorisierten Individualverkehr, dem traditionellen männlichen Familienversorger-Modell, verabschieden: Unser Ziel ist ein neuer, friedlicher und inklusiverer Umgang miteinander im öffentlichen Raum zum Vorteil aller."
Der Zweirat lädt an diesem Abend außerdem zum Nightride ein (siehe unten). 

30. Juli 2022

Entspannt oder unentspannt zum Baden

So sieht das in Kopenhagen aus, wenn die Massen ans Wasser strömen. Und so sieht es in Berlin aus, wenn an einem heißen Tag die Leute an einen See wollen. 

Mal sehen, wann wir es in Deutschland auch begreifen. In Berlin sollen sich unvorstellbare Szenen abgespielt haben. Autofahrende rissen Sperren raus und brüllten sich an. Wie die Stimmung in Kopenhagen bei der Anreise war, ist nicht bekannt, ich kann es mir aber vorstellen. 

Die Links zu den Bildern: 

Kopenhagen

Berlin

Schönen Urlaub wünsche ich euch, woauchimmer ihr Fahrrad fahrt. 

28. Juli 2022

Tempo 30 in Städten rettet Menschenleben

Es braucht mehr als Fahrradhelme, damit Radfahrende nicht mehr tödlich verunglücken. In nur 5 Prozent der Fahrradunfälle ist der Kopf betroffen. Temporeduzierungen für den Autoverkehr haben eine viel bessere lebensrettende Wirkung. 

Das stellt die Die Zeit in einem Artikel dar. Eine Helmpflicht für Radfahrende bringt jedenfalls nichts, außer Ärger unter den Radfahrenden und Triumphgefühle unter Autofahrenden und allen anderen, die Radfahrende nicht mögen, und ihnen für die Freiheit, die sie sich nehmen, Rad zu fahren, wenigstens Helm und Schutzwesten aufbürden wollen. Lässt man Autofahrende weiterhin so schnell durch die Stadt fahren wie bisher, dann werden weiterhin Radfahrende durch Autos schwer verletzt oder getötet. 

Eine Kombination von Helm-Tragen und Reduktion des Stadtverkehrs auf Tempo 30 scheint hingegen geeignet, der Vision Zero sehr nahe zu kommen. In Helsinki ist es damit gelungen, die Zahl der getöteten Radler:innen auf Null zu bringen. Zumindest 2019 gab es dort keinen einzigen Verkehrstoten. In Finnland gibt es eine Helmpflicht. Im dänischen Kopenhagen haben Radfahrende immer Vorfahrt vor Autofahrenden, auch das schafft Sicherheit.