Vorurteile gegen Pedelec-Radelnde gehen immer. Vor allem, wenn man auf einem alten mechanischen Göppel sitzt.
Am vergangenen Sonntag radelte ich vom Rudern (meinem Sport) heim und überholte im Akademiegarten hoch zum Übergang über die Planie einen älteren Herrn auf einem Normalrad. Er musste aus dem Sattel, um den Anstieg hoch zu kommen. Wir warteten dann beide auf Grün an dem Einbieger auf die Planie und fuhren schließlich rüber auf die große Mittelinsel, wo man ja noch mal warten muss. Er fuhr nach links und ich konnte mich rechts am Mast an dem Haltegriff festhalten. (Das Foto ist ein Symbolbild.)
Er schaute mich an und sagte: "Den habe ich extra für Sie freigehalten." Ich antwortete: "Das ist aber nett von Ihnen." Er sagte: "Nein, das habe ich nicht so gemeint. Sie strengen ja ihre Muskulatur gar nicht an." Die Logik dahinter blieb mir dunkel, aber ich antwortete: "Ich bin gerade 20 Kilometer gerudert und fahre insgesamt 23 km mit dem Fahrrad." Er musste grinsen und meinte: "Okay. Na dann." Genehmigt.
Das Schöne am Radfahren ist, dass man solche lustigen Dialoge führen kann, wenn man an Ampeln wartet. Und um das Vorurteil "faule Pedelec-Radler:innen" etwas abzumildern: Es gibt inzwischen genügend Untersuchungen, die zeigen, dass der allgemeine Fitnesseffekt mit E-Rädern genauso hoch ist wie mit Normalrädern im Alltagsgebrauch. Zum einen weil man damit unerschrockener steile Steigungen hochfährt (was ich auf dem Heimweg machen muss) und weil die meisten Menschen, die gerne Rad fahren, mit Pedelecs öfter fahren und weitere Strecken radeln. Gerade im Alter ist das Pedelec eine gute Möglichkeit, vom Auto unabhängig und dennoch mobil zu sein. Also kein Grund, Pedelec-Radelnde über die Maßen zu verachten. Dass es Pedelec-Wochenendradelnde im Schneckentempo gibt, sei unbestritten. Und selbstverständlich hat der alte Herr meine Bewunderung, dass er mit dem Normalrad unterwegs ist und seine Muskulatur in Gang hält. Ob er allerdings damit die Alte Weinsteige hochradelt, wage ich zu bezweifeln.






