23. Juni 2024

Polizei verunsichert Radfahrerin massiv

Radlerin Ruth hatte den Charlottenplatz von der Planie her kommend über die Fußgänger-Radfurten überquert und fuhr an dieser Ampel auf die Charlottenstraße. 

Sie radelte dann auf der Abbiegespur hoch Richtung Kreuzung Olgastraße. Kurz davor wollte sie eigentlich dann auf dem Geradeausspur wechseln. Auf dieser Geradeausspur wurde sie aber von drei Polizeibussen überholt. Aus dem offen Fenster schrie einer der Polizisten ihr zu: "Radfahren hier verboten!" Radlerin Ruth war so verunsichert, dass sie an der Ecke Olgastraße auf den Gehweg fuhr, der ebenfalls  ab da nicht für den Radverkehr freigegeben ist. Das ist ihr normaler Nachhauseweg, und sie wusste, sie darf nicht nur, sie muss auf der Fahrbahn radeln. Wie hätte sie auch sonst mit dem Fahrrad die Charlotten- und dann die Hohenheimer Straße hochkommen sollen? Dennoch dachte sie ständig darüber nach und erzählte mir die Geschichte. Was, wenn diese Polizisten sie angehalten und in Erklärungsnot gebracht hätten? 

21. Juni 2024

Verkehrsversuche muss man machen. Und dabei die Nerven behalten.

Immer wieder versuchen Städte, einen mehr oder weniger kurzen Straßenabschnitt fürs Radfahren zu ertüchtigen oder sogar für Autos zu sperren und in deine Fußgänger- und Fahrradzone umzuwandeln. Die einen finden es toll, laut werden aber vor allem die aufs Auto Fixierten.  

Seit gut einem Monat ist die Augustenstraße in Stuttgart-West mit Durchfahrtssperren für Autos versehen und verkehrsberuhigt. Es gibt mehr Radabstellanlagen und an verschiedenen Stellen Parkletts, wo sich Menschen hinsetzen und aufhalten können. Dafür sind Parkplätze weggefallen. Allerdings nicht viele. Autofahrende kommen zwar noch überallhin in dieser Straße, die immer noch weitgehend zugeparkt ist, aber sie können nicht durchfahren, sie müssen an den Kreuzungen jeweils wieder abbiegen. Man nennt das Diagonalsperren. Radler:innen kommen durch.

19. Juni 2024

Viele Autos auf Rad- und Busspur Charlottenplatz

Autofahrende werden wegen einer Baustelle und der Sperrung der Hauptstätter Straße am ehemaligen Breuninger Parkhaus durch die Esslinger Straße zum Charlottenplatz geleitet. Dort dürfen sie nur noch nach links zur Planie abbiegen. Daran halten sich enorm viele nicht. 

Geradeaus fahren geht nicht mehr, da steht eine Sperre. Aber rechts zur Charlottenstraße abbiegen geht noch, es ist halt nur verboten. In diesen Straßenabschnitt reinfahren darf nur der Linienverkehr, also der Bus, der hier sein neue Haltestelle hat, und der Radverkehr. Die Verkehrsschilder sind eindeutig. Das aber interessiert viele Autofahrende nicht (siehe unten). 

Für Radfahrende hat man eine kleine Radspur links neben die Busspur gelegt. Links steht auch eine kleine Radampel. Die Sperre lässt eine Lücke für Radfahrende, die geradeaus zur Landesbibliothek wollen. Eine durchaus angenehme Strecke. Auch auf die Verkehrsinsel rüber zum Auslandsinstitut kommt man schnell. 

18. Juni 2024

Ähm - nein. Wofür sind Radbügel noch mal gut?

Die Fußball-EM hat Stuttgart gekapert. Offensichtlich gibt es mit der Stadt Stuttgart eine Vereinbarung, dass die Anbieter vermehrt E-Scooter aufstellen dürfen, damit das Gastvolk sie für seine Wege nutzen kann. 

Okay. Aber Radabstellanlagen sind nicht der Ort, wo man über Nacht Dutzende E-Scooter reinschiebt. Sie fehlen den Radfahrenden hier in der Eberhardstraße (die Fahrradstraße ist) zum Abstellen ihrer Räder. Diese Radbügel werden nämlich tagsüber ziemlich rege genutzt. 

Abgesehen davon wird der Radverkehr wegen der EM ohnehin schon massiv eingeschränkt. Eine Durchfahrt auf bislang erlaubten Wegen am Rathaus, am Karlsplatz, über den Schlossplatz, am Eckensee und durch den Oberen Schlossgarten ist so gut wie unmöglich. 

17. Juni 2024

Erfolgreicher Radentscheid in Göttingen

Es ist das erste Mal, dass Bürger:innen einer deutschen Stadt erfolgreich eine Verbesserung für den Radverkehr per Referendum durchgesetzt haben. 

Wie die taz berichtet stimmten 54 Prozent der Göttinger:innen für den "Radentscheid 1". Der viel weitergehende "Radentscheid 2" erhielt dagegen 55 Prozent Nein-Stimmen. Damit muss die Stadt jetzt den Radverkehr priorisieren, und zwar gegen über dem Autoverkehr und dem ÖPNV. Es soll Fahrradstraßen ohne Durchgangsverkehr von Autos geben, geschützte Radstreifen auf wichtigen Abschnitten, Kreuzungen fahrradsicher gestaltet und Ampeln rad- und fußgängerfrendlicher geschaltet werden. Radabstellanlagen sollen überdacht werden. Der "Radentscheid 2" enthielt konkrete Einzelmaßnahmen wie den Umbau einer Umgehungsstraße, den Abbau von Parkplätzen und Einbahnstraßenregelungen auf großen Straßen. Erzwungen hat die Klima-Initiative "Göttingen Zero" diese Abstimmung am 9. Juni per Bürgerbegehren, bei dem in kurzer Zeit mehr als die notwendigen Stimmen zusammengekommen waren. 

Und das gegen den massiven Widerstand aus der Politik und Verwaltung.

15. Juni 2024

Sieht aus wie ein Radweg, ist aber keiner

Blogleser Joachim hat mich auf ein Problem aufmerksam gemacht, das bei ihm in der Gegend neu entstanden ist, aber in Stuttgart vielerorts besteht. Fürs Radfahren nur freigegebene Gehwege werden optisch zu Radwegen. 

Er schreibt: "In Walzbachtal (Gemeinde Wössingen) wurden die Wege an den Ausfahrten farblich markiert und mit Rad-Symbolen versehen. Allerdings meinen die Autofahrer nun, es ist ein Radweg. Der Weg ist aber nur in eine Richtung mit blauem Fußgänger - Schild und darunter Radfahrer frei gekennzeichnet. Es handelt sich hier teilweise um eine 30er-Zone." Die roten Markierungen befinden sich an einer Straßeneinmündung und an den Ein- und Ausfahrten zweier Supermärkte. Er hat mir dieses Foto geschickt. Ein Anblick, den wir auch in Stuttgart gut kennen.