28. Juni 2026

Ampeldrücker - Fake oder nicht?

Immer wieder, wenn ich mich an die Ampel Lehenstraße bergab Richtung Tübinger Straße an der Hauptstätter Straße komme, sehe ich Radfahrende, den Drücker betätigen. Kürzlich bat mich eine Radlerin hinter mir sogar extra, zu drücken. 

Ich konnte ihr sagen, dass das völlig unnötig ist. Egal, was wir tun, wir kriegen Grün im regulären Umlauf der Ampelschaltung an dieser Kreuzung. Sie ist an die Ampelanlagen am Marienplatz und am Österreichischen Platz gekoppelt, um den Autoverkehr flüssig zu halten. Immerhin aber gibt es hier eine kleine Radampel mit Gelbphase. 


In der Innenstadt gilt tatsächlich für die meisten Bedarfsampeln für den Rad- und Fußverkehr, dass die Drücker nur Attrappe sind. Sie haben keinerlei Funktion, sie dienen lediglich der Beruhigung der Wartenden. Egal, ob man tatenlos daneben steht, drückt oder drei Mal drauf schlägt, es wird nicht schneller Grün. Man weiß es aber halt nicht, man sieht es den Drückern und Ampeln nicht an. Also wird man in Bewegung gehalten und zum Drücken animiert. (Foto: Ampel am Marienplatz, wo es für uns nur Fußgängerampeln ohne Radzeichen gibt.)

26. Juni 2026

Es ist passiert: Polizei kontrolliert Schrittgeschwiindigkeit

Die Verkehrspolizei hat entdeckt, dass man auf fürs Radfahren freigegebenen Gehwegen wunderbar Radfahrende beim Regelverstoß erwischen kann. 

Ich habe immer davor gewarnt, dass die Polizei auf freigegebenen Gehwegen die Schrittgeschwindigkeit durchsetzt, denn die Stadt Stuttgart lotst uns auf 140 km über Gehwege, die fürs Rad freigeben sind, und nicht immer haben Radfahrende die Wahl, auf der Fahrbahn zu radeln. Schüler:innen will man offensichtlich ohnehin auch gar nicht auf Fahrbahnen haben. Da Schrittgeschwindigkeit mit dem Rad nur auf ein paar Metern gefahren werden kann, nicht aber über mehrere hundert Meter, sind wir allesamt - ausnahmslos alle - auf solchen Wegen regelwidrig unterwegs, nämlich immer zu schnell, und können immer und jederzeit von der Polizei mit einem Verwarngeld von 15 Euro belegt werden, bei Gefährdung oder Behinderung von Fußgänger:innen mit 30 Euro. 

24. Juni 2026

Ups! - Ampel steht auf dem Radstreifen

Auf der Hauptradroute 1 in Cannstatt Richtung Stadtmitte geht nach der Kreuzung mit der Daimlerstraße der Radstreifen nicht mehr weiter. Man soll sich hier aufstellen und indirekt nach links abbiegen. Aber .... Ups! 

Da steht jetzt eine Behelfsampel mitten auf dem Radfahrstreifen über die Gleise mit hübschen Warnbaken drum herum. Aber hätte man sie nicht einfach etwas weiter rechts auf die Sperrfläche stellen können? Da hätte sie den Radverkehr nicht behindert. 

Dass man nicht geradeaus radeln kann, sondern links um die Ampel herum radeln muss, dürfte man auch in der Nacht gut erkennen. Immerhin bringt uns auch kein Autoverkehr aus der Daimlerstraße beim Umrunden in Bedrängnis, denn die ist in diese Richtung momentan gesperrt (Dopplbild unten). Also keine Problem?  

22. Juni 2026

Radfahren in den Niederlanden

Der Deutschlandfunk hat eine einstündige Reportage und Analyse des Radverkehrs und der Radpolitik in den Niederlanden veröffentlicht, die uns einen guten Einblick in Probleme und Chancen verschafft. 

Ein paar Gedanken dazu: Leider heißt er in der Url reißerisch "Tod auf dem Rad" und ist mit "Die Niederlande wollen den Radverkehr sicherer machen" überschrieben. Das Ziel des Beitrags ist es, den Radverkehr zu problematisieren. Es wäre schön, wenn auf ähnliche Weise auch mal der Autoverkehr bei uns problematisiert würde. Anlass scheinen Meldungen zu sein, wonach in den Niederlanden inzwischen im Straßenverkehr mit 35 Prozent mehr Radfahrende sterben als Leute in Autos (30 Prozent) oder aber Fußgänger:innen (8 Prozent). An den 8 Prozent getöteten Fußgänger:innen sieht man allerdings auch, dass ein starker Radverkehr und geringerer Autoverkehr für Fußgänger:innen von Vorteil ist. In Deutschland sterben rund 14 Prozent Fußgänger:innen im Straßenverkehr, ca. 16 Prozent Radfahrende, aber rund 45 Prozent Autoinsass:innen. In den Niederlanden radeln im Durchschnitt 23 Prozent, in Utrecht oder Amsterdam aber um die 50 Prozent. Sie legen dabei im Durchschnitt 1000 km pro Jahr zurück. In Deutschland radeln 11 bis 12 Prozent, in Münster oder Freiburg an die 40 Prozent. Und sie legen im Durchschnitt nur 500 km im Jahr zurück. Wo mehr Rad gefahren wird, gibt es also auch mehr Radunfälle. 

20. Juni 2026

Bitte anders über tödliche Zusammenstöße von Auto und Fahrrad berichten!

Am Mittwoch um 17:40 Uhr ist hier auf der alten B14 (Pascalstraße) zwischen Vaihingen und Sindelfingen offensichtlich ein Autofahrer von hinten auf eine Radfahrerin aufgefahren. Sie starb an Ort und Stelle. 

Wir sind erschüttert und entsetzt, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, Freund:innen und Bekannten der Radfahrerin. 

Und ich schicke voraus: Es fällt mir sehr schwer, diesen Blog-Artikel zu schreiben, denn es geht um Menschenleben, und eigentlich sollte der Schmerz der Hinterbliebenen in unserem Denken im Vordergrund stehen. Ich bin aber eben auch bestürzt, wie die Presse mit dem Geschehen umgegangen ist und noch umgeht. Auch das muss die Angehörigen sehr belasten. Denn der Radfahrerin wird wieder einmal implizit die Verantwortung, allemal aber eine Mitverantwortung für ihrem Tod zugeschrieben. Zunächst nämlich scheint es, als sei sie mit dem Auto zusammengestoßen, nach dem geklärt ist, dass der Autofahrer mit ihr zusammenstieß, stellt ein Journalist die Frage, wieso sie überhaupt auf dieser Straße radelte und problematisiert Alter und Pedelec-Fahren. 

Hier meine Analyse:

18. Juni 2026

Seltener Respekt vor Geh- und Radweg

An den Gleisen beim Leuze wurde Anfang Juni gearbeitet. Die zuständigen Firmen haben ihre Autos dabei vorbildlich abgestellt. Nicht auf dem Gehweg und nicht auf dem Radweg. 

Weder der Fußverkehr noch der Radverkehr wurde behindert. Gut. So viel Aufmerksamkeit für die Mobilität, die nicht im Auto stattfindet, sehen wir nicht häufig in Stuttgart. Deshalb lobe ich das hier, auch wenn das Auto Abstellen auf Grünstreifen auch nicht ideal ist. Ich verstehe den Stress von Bauarbeitern, aber der Weg zu den Asphaltflächen vor dem Leuze wäre jetzt auch nicht so weit gewesen. 


Weniger Feeling für den Radverkehr hatte im März das Schilder-Team auf der Theodor-Heuss-Straße. Obgleich es zwei Autofahrspuren gibt, stellte es Auto und Anhänger auf dem Radweg ab. Es war nicht zur Hauptverkehrszeit, sondern mittags. Ein Stau auf der Theo wäre nicht entstanden. Mir wurde unwirsch zugerufen, ich könne ja drum herum radeln. Allerdings geht es für mich einen Bordstein runter und danach muss ich den wieder hoch fahren. Nicht gut. Und auch nicht erlaubt. 

16. Juni 2026

Wofür Fußgänger:innen Radfahrende hassen

Menschen zu Fuß mögen den Radverkehr auf ihren Wegen nicht, manche hassen ihn regelrecht. Und viele fühlen sich unsicher oder haben Angst, wenn Radfahrende eng an ihnen vorbeipfeifen. 

Heute wird es also ernst für uns selbst. Ich möchte einen kritischen Blick auf das Verhalten von Radfahrenden werfen. Leute, die viel zu Fuß gehen, haben mich schon gefragt, ob es denn nicht auch für Radfahrende einen Mindestabstand beim Passieren von Fußgänger:innen gibt, so wie für Autofahrende beim Überholen von Fahrrädern. Und ich vermute, wir alle haben schon mal den Kopf geschüttelt über Radler:innen, die ellbogeneng an Fußgänger:innen vorbei witschen. Die meisten von uns nehmen natürlich Rücksicht, so wie die meisten Autofahrenden auf uns Rücksicht nehmen. Aber ein paar verderben ja immer die Stimmung. Ich kenne Leute, die nicht mehr durch den Schlossgarten spazieren, weil die Radler:innen sie nicht nur stressen, sondern ihnen regelrecht Angst machen. 

Im Grunde gilt für uns Radfahrende: Was ich nicht will,  das mir ein Autofahrer antut, sollte ich auch dem Fußgänger nicht antun. Das heißt, wir sollten ihn oder sie nicht erschrecken, ängstigen und wegscheuchen