29. November 2021

Wenn die Autotür plötzlich vor dem Radfahrer aufgeht ...

Immer noch sehe ich viele auch sichtlich erfahrene Radfahrer:innen arg dicht entlang geparkter Autos entlang radeln. 

Wenn jetzt einer, der in einem geparkten Fahrzeug sitzt, die Tür aufmacht, dann haut er den Radler oder die Radlerin vom Sattel. Nur selten kann man noch bremsen oder gar ausweichen. Dooring-Unfälle sind nicht selten und ungeheuer gefährlich, sie führen meist zu gravierenden Verletzungen und zuweilen enden sie sogar tödlich. Schuld ist immer der Mensch, der aus dem Auto aussteigt, denn, so steht es in der StVO § 1: „Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist.“ 

Oft sind die Bedingungen schuld daran, dass wir zu dicht an geparkten Autos entlang radeln:

27. November 2021

Achtung - Ferdinand-Leitner-Steg gesperrt!

Dieser Tage wird man mit dem Fahrrad nicht über den Steg zwischen Oper und Planetarium im  Schlossgarten fahren können. Schieben aber geht. 

Der Grund: Es hat sich der Boden abgesenkt, deshalb haben sich auf den Rampen auf der Seite des Planetariums Absätze gebildet, die auch nicht gut für uns Radfahrende sind. Die sollen kommende Woche  niveliert werden. Vermulich schon diese Woche wird dafür jeweils eine der beiden gegabelten Rampen gesperrt, Fußgänger:innen werden über die andere geleitet, das Radfahren wird verboten, aber schiebend kommt man durch. Das Ganze soll zwei bis drei Tage dauern.

25. November 2021

Der Ideologievorwurf

 Bei Debatten über Klimaschutz und das Fahrradfahren höre ich oft die Begriffe "Radlobby" und "Ideologie", "Verbotsideologie" oder "Ideologie der Radlobbyisten". 

Mein erster Gedanke ist dann immer: Ja, und du, welcher Ideologie folgst du eigentlich? Der Ideologievorwurf ist eine Form, den politischen Gegner oder die Gegnerin pauschaul abzuwerten und seine/ihre Ansichten als von vorn herein falsch und nicht auf die Wirklichkeit bezogen zu diffamieren. Um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht es da nicht, sondern um eine persönliche Abwertung. Das wird auch allgemein so von denjenigen definiert, die sich wissenschaftlich mit diesem rhetorischen Mittel des Ideologievorwurfs befassen. 

23. November 2021

Mit Schutzstreifen kommt niemand klar

Mit diesen sogenannten Schutzstreifen können Autofahrende nicht umgehen. Sie fahren regelmäßig darauf, und sie stellen Fahrzeuge darauf ab

Fahren darf man auf Schutzsteifen, wenn der Gegenverkehr es erfordert und sonst kein Platz ist. Dabei darf man Radfahrende nicht behindern oder gefährden. Wenn man sich diese Situation anschaut, sieht man, dass Radfahrende vor lauter Auto auf dem Schutzstreifen gar nicht durchkommen würden. Autofahrende würden auch gar nicht sehen, dass sich von hinten ein Radfahrer nähert, der auf seiner Spur schneller radeln kann als die Autos gerade fahren, weil sie sich gegenseitig blockieren oder zum Abbiegen anhalten. 

21. November 2021

Politik sieht Parkdruck, aber keinen Raddruck

Lenzhalde: vier Spuren für Autos
Das neue Zauberwort in der Mobilitätswende heißt Parkdruck. Es wird immer dann verwendet, wenn wegen eines Radwegs Parkplätze wegfallen sollen. Sonst nicht. 

In der Hohenheimer Straße gab es nämlich keinen Parkdruck, denn da musste die Fahrbahn hochzu zweispurig befahrbar gemacht werden. Dort wohnen in mehrstöckigen Häusern einer fast nahtlosen Wohnbebauung sehr viele Leute, denen man unterstellen könnte, das sie Autos haben, die sie irgendwo parken müssen. Allerdings nicht vor ihrer Haustür. Die müssen andere Straßen nehmen. In der Lenzhalde oder in der Talstraße oder woachimmer man Radstreifen oder Radwege einrichten will, wohnen auch Leute. Die haben mehr Glück, denn es geht ja nur um Radwege oder Radstreifen. Und da gilt: Parkdruck ist immer ein gutes Argument. 

Parkdruck ist also die Weigerung, Straßenraum für den Radverkehr von geparkten Autos freizuräumen. Einen Radfahrdruck gibt es dagegen nicht. Er würde die Notwendigkeit bezeichnen, den Straßenraum zugunsten von Radstreifen von geparkten Autos freizuräumen.

19. November 2021

Der Beschützer-Instinkt des Autofahrers

"Oh, das ist aber gefährlich", sagt sich ein Autofahrer und hält Abstand von der Radfahrerin. 

Es regnet, die Ampel wird grün, ein Radler versucht im Anfahren den Regenschirm aufzuspannen. Es gelingt ihm nicht, er radelt auf einen Schutzstreifen weiter, den flatternden Schirm in der Hand. "Das ist aber gefährlich!," sagt der Autofahrer, fährt langsam und hält Abstand. Ich habe mich verfahren und komme an der Jahnstraße raus, auf der von rechts und links die Autos fahren. Ich will rüber, aber es gibt keine Lücke  im Autoverkehr, also radle ich auf der Fahrbahn zur nächsten Linksabbiegemöglichkeit, stelle mich auf den Mittelstreifen und strecke die Hand raus. "Das ist aber gefährlich!", denkt sich ein Autofahrer, der mir entgegenkommt, und hält an, damit ich nach links abbiegen kann. 

17. November 2021

So wenig Platz kriegen Radfahrende in der Stadt

Mehr als die Hälfte der Mobilitätsflächen in einer Stadt sind dem Autoverkehr vorbehalten. Er fährt und parkt auf fast 60 Prozent der asphaltierten Fläche. 

Der Radverkehr quetscht sich auf 3 Prozent und Fußgänger:innen tummeln sich auf rund 33 Prozent. 

Andere Verkehrsarten, z.B. Bahnen, belegen etwa 6 Prozent der Fläche. Das hat der Flächengerechtigkeits-Report 2014 für Berlin festgestellt. In Berlin lag demnach der Radverkehrsanteil 2014 schon bei 15 Prozent, in Stuttgart könnte er 10 bis 12 Prozent betragen, es radeln aber sehr viel mehr auf unseren Straßen als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig hat aber auch der Autoverkehr zugenommen. In einer Stadt wird dennoch in der Regel nur jeder dritte Weg (33 Prozent) mit dem Auto zurückgelegt, für Autos aber stellen unsere Städte dennoch den meisten Platz zur Verfügung, auch deshalb, weil sie, wenn sie nicht gefahren werden, irgendwo herumstehen müssen. Autos brauchen auf unseren Straßen auch deshalb so viel Platz, weil sie mit 40 bis 50 km/h gefahren werden und Bremsweg-Abstände einhalten müssen, die sich verkürzen, wenn sie mit 30 km/h gefahren würden. 

15. November 2021

Die beneidenswerte Leichtigkeit des Radfahrens

Radler:innen halten sich für Gutmenschen und glauben deshalb, sie müssten sich an keine Regeln halten, höre ich immer wieder. 

Fühlen wir uns wirklich als Gutmenschen und brettern darum über Rot? Unsere Gefühle beim Radfahren sind doch eher andere: Leichte Unsicherheit, Vorsicht, Wachsamkeit, manchmal Todesschrecken, aber auch Vergnügen, unterwegs zu sein, und Spaß an der Bewegung, am Wetter, an den Gerüchen. Und immer wieder, wenn ich durch Stuttgart radle, denke ich: "Musste das jetzt sein?", "Du hast mich doch gesehen!", "O Gott, wenn ich jetzt bei Grün losgeradelt wäre, hätte der mich erwischt.", "Hilfe, das war knapp!"

13. November 2021

Der Leuzetunnelumweg verschwindet im Frühjahr 2022


Derzeit kurven wir ja um die Tunnelbaustelle auf dem Radweg beim Leuze herum, was das Zeug hält. Diese Umleitung blieb viel zu lange, weil der Tunnelbau wegen eines Rechtsstreits stockte. 

Jetzt ist ein Ende absehbar. Ab Frühjahr kommenden Jahres müssen wir keine lange Schleife (gelbe Linie) mehr fahren, sondern kriegen eine direktere Verbindung vom Brunnen zur König-Karls-Brücke (rote Linie). Ende 2023 wird die Route dann auf den ursprünglichen geraden Weg englang der König-Karl-Straße zurückverlegt (blaue Linie). Die Frage stellt sich allerdings, warum die das dann doch noch so lange dauert. Und noch ein Problem gibt es. 

11. November 2021

So kriegen wir die Ecken schnell autofrei

Zugeparkte Kreuzungsecken, das war einmal. Zumindest an einigen Ecken in Frankfurt. Blogleser Peter hat mir diese Fotos geschickt. 

Die Lösung ist einfach und billig. Gehwegnasen sind vielleicht schöner, aber sie müssen teuer gebaut werden (und ihre Planung und Umsetzung dauert lange), und Autofahrende stellen sich dann auch an die noch hin, weil sie einen Bordstein sehen. 

Frankfurt zeigt: Man malt die Ecke ab, stellt drei Poller auf und ein oder zwei Radbügel und schon haben wir auch noch Platz für Fahrräder. Sie müssen nicht auf den Gehweg gestellt werden, wenn man man schnell zum Bäcker muss. 

9. November 2021

Autofahrer bügelt mich um

Diesmal hat es mich erwischt. Und das, obgleich ich weiß, dass die Stelle am Rosensteinbunker in Cannstatt gefährlich ist. 

Ich war am Sonntag von der Wilhelmsbrücke in Cannstatt kommend entlang des Neckars unterwegs, bin an der Rosensteinbrücke auf den Geh-/Radweg nach links in Richtung der Radlerampel am Rosensteinbunker abgebogen. Der Mercedes stand in der Freiabbiegerspur der Badstraße (Karte unten), der Fahrer wollte nach rechts zur Rosensteinbrücke abbiegen. Er stand mit den Vorderreifen auf dem roten Radstreifen. Ich sehe die Beifahrerin, die mich anguckt, und fahre. In dem Moment sehe ich, dass der Fahrer nur nach links schaut und offenbar eine Lücke im Verkehr erspäht hat, denn er startet. Er stößt mich mit meinem Fahrrad um, ich kann mich mit den rechten Fuß abfangen, stürze aber übers Lenkrad und kriege es in die Rippen. Sehr schmerzhaft. 

7. November 2021

Ds Inselbad hat neue Fahrradbügel

Früher befanden sich die Radabstellbügel zusammengedrängt unter Bäumen, und viele waren es auch nicht. Jetzt ist Platz geschaffen worden für viele Radbügel. 

So können, wenn die Freibadsaison wieder beginnt, ganz viele Leute mit ihren Fahrrädern zum Inselbad in Untertürkheim kommen und sie bequem und sicher abstellen. Das Foto hat mir Blogleser Alex geschickt.  

Übrigens sind auch am Mineralbad Berg reichlich Radbügel neue geschaffen worden. Sehr schön. 

5. November 2021

Gleisanlagen für Radfahrende sicherer machen

Quelle
In Bochum stürzen Radfahrende auf einer bestsimmten Straße immer wieder in Straßenbahnschienen. Das sind Unfälle, die meist zu schweren Verletzungen führen.

Bochum will die Schienen dort jetzt mit Gummilippen versehen. Sie halten das Gewicht der Radfahrenden aus, werden von Straßenbahnrädern aber eingedrückt. Logisch, dass diese Gummilippen nicht ewig halten. Erste Versuche mit solchen Systemen schon 2013 in der Schweiz, über die ich auch berichtet habe, gingen deshalb schief. Das neue System soll den Belastungen jetzt standhalten. Ich gehe mal davon aus, dass Bochum eines verwendet, das nicht nach wenigen Jahren oder gar Monaten kaputt ist und die Gefahren noch vergrößert. 

3. November 2021

Immer schön radeln auf der Gulli-Linie

Es gilt das Rechtsfahrgebot. Am rechten Fahrbahnrand sammeln sich aber die Gulli- und Kanaldeckel, kombiniert mit Straßenschäden. Wir müssen Slalom fahren oder den Lenker festhalten und hoppeln.

Der rechte Straßenraum wird ja recht steifmütterlich behandelt, meistens sieht man ihn nicht, denn er ist zugeparkt. Aber wenn nicht, dann lieg dort der Radstreifen, und wenn man Pech hat, dann ist es nur ein alter vernachlässigter Schutzstreifen, so wie auf der Böblinger Straße bergauf. Und so radeln wir fast immer überall auf der Gulli-Linie. So auch hier über den sehr schmalen Radüberwegsstreifen an der Schreiberstraße beim Alten Feuerwehrhaus in Heslach. Immerhin die Hauptradorute 1, wo auch noch Radler:innen entgegen kommen. 

1. November 2021

Pedelec-Mobbing ist unsportlich

Es gibt etwas völlig Unnötiges, und zwar die Verachtung für Pedelecradler:innen: Ein Pedelec sei kein Fahrrad, die Leute, die so was fahren, seien keine Radfahrer. 

Stimmt, ich bin keine Radfahrerin, ich fahre seit 2006 Pedelec. Es ersetzt mir das Auto in der Stadt. Mein Sport ist ein anderer, nicht das Radfahren. Ich radle nicht aus sportlichen Gründen und auch nicht, um andere mit Passfahrten und Welt-Umradelungen zu beeindrucken. Ich radle, weil es die bequemste und schönste Art ist, sich in der Stadt auf Strecken bis 25 km zu bewegen. 

Hier auf meinem Blog haben wir diese Gegnerschaft bisher vermeiden können. Aber ich hatte jetzt den ersten anonymen Kommentar, der sich verächtlich über die Leute geäußert hat, die "meinen, ein Pedelec sei ein Fahrrad" und die ihn oder sie (vermutlich ihn) stören. Ich habe auch schon gehört, dass radfahrende Männer sich über eine Arbeitskollegin ständig lustig machen, die mit einem Pedelec fährt. Nicht schön. Und vor allem unnötig wie ein Kropf. 

30. Oktober 2021

Filas Feingefühl für Gefahr

Filas rund vier Kilometer langer Schulweg vom Stuttgarter Osten hinüber zum Dillmanngymnasium führt über genau null Meter Radinfrastruktur. 

Fila (Name geändert) ist 13 Jahre alt. Weil die Bus- und Bahnverbindungen von der Ameisenstraße zum Dillmanngymnasium zu langwierig und umständlich sind und auch die Eltern gern Rad fahren, fährt Fila seit zwei Jahren mit dem Fahrrad zur Schule. Und weil es auf dem Rückweg ordentlich den Berg hochgeht, hat sie ein eigenes Pedelec. 

Und jetzt erklärt sie mir die Tücken des Stuttgarter Radverkehrs. Denn radfahrenden Kindern und Jugendlichen wird es nicht leicht gemacht. Sie müssen sich ihren Weg suchen und mit sehr viel Voraussicht und Disziplin radeln. Autofahrende gehen da nicht immer ganz so vorsichtig mit ihnen um. 

28. Oktober 2021

Kennzeichnungspflicht für Fahrräder ist Quatsch

Immer wieder, wenn ich über tödliches Fehlverhalten von Autofahrenden schreibe, taucht vor allem in Facebook die Forderung auf, Fahrräder hätten ja keine Kennzeichen, sollten sie aber haben. 

Abgesehen vom logischen Zusammenhang: Warum eigentlich? Steckt dahinter die Hoffnung, man könne einen Radfahrer bei der Polizei anzeigen, der gerade vor den eigenen Augen bei Rot über eine Ampel gefahren ist? Oder der oder die gerade einen Fußgänger zu Fall gebracht und weggeradelt ist? Beides nicht erlaubt. Im ersten Fall wäre es reines Anschwärzen, im zweiten Fall das absolut legitime Bedürfnis eines Unfallflüchtigen habhaft zu werden, damit er die Haftung übernimmt. Oder glaubt man wirklich, Kennzeichen führten zu weniger Regelverstößen?

Kennzeichen sind eigentlich Versicherungsnachweise für Betreiber:innen von gefährlichen und potenziell tödlichen Maschinen.

26. Oktober 2021

Welche Konsequenzen hat der schwere Radunfall auf dem Radweg Holzstraße?

Radwege sind gefährlich, wenn Autos sie kreuzen müssen. Das gilt besonders für den Radweg Holzstraße, der acht Mal überquert wird.

Am Samstag hat auf dem Radweg Holzstraße vor der Einfahrt zum Dorotheen-Parkhaus eine Autofahrerin eine Radfahrerin umgefahren und dabei schwer verletzt. Ich kam zufällig zehn Minuten danach dort entlang, sah zwei Krankenwagen, Polizei und mehrere Autos auf dem Radweg herumstehen. Ich stieg ab, schob mein Rad da durch und sah dabei eine Frau am Boden in der Trage der Sanitäter und ein leichtes Fahrrad mit verbogenem Vorderrad. Erst als ich durch war, drehte ich mich um und machte dieses Foto, das weder Opfer noch Unfallsituation zeigt. (Es ist nicht nur geschmacklos, sondern auch verboten, verunglückte Personen und Unfallstellen zu fotografieren.) 

Am Montag fand sich dann die Polizeimeldung im Presseportal der Polizei. Und wenn man das liest, wird einem wieder einmal schlecht. Was richten Autofahrende nur an, in ihrer Hast und ihrem Egoismus und der Blindheit, mit der sie ihre schweren Fahrzeuge rangieren?