Die Presse hat sich vor allem für die Aggressionen interessiert. Ich finde aber die Ablenkung am Lenker allerdings beunruhigender. Dazu mehr unten.
In der Zusammenfassung der Studie heißt es: Fast alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten hätten in den zurückliegenden drei Jahren zugenommen. So müsse sich jeder zweite Autofahrer sofort abreagieren, wenn er/sie sich geärgert hat, man drängelt, schneidet beim Überholen, bremst andere absichtlich aus oder überholt auf der Autobahn rechts. Die einzelnen Prozentzahlen kann man sich hier im Link zu den Tabellen der Studie anschauen.
Auch Radfahrende verhalten sich demnach egoistischer oder auch aggressiver, 43 Prozent geben zu, hin und wieder eine Vorfahrt zu erzwingen (was auch immer das heißt) und beinahe die Hälfte überholt Autos, die sich wartend vor einer Ampel aufreihen auch mal auf der linken Seite (erlaubt ist das vorfahren auf der rechten Seite mit mäßiger Geschwindigkeit) oder schlängelt sich durch die stehenden Autos. Das mache ich auch an der Ampel Cottastraße oder Kolbstraße, wenn die Autofahrenden wieder mal das rechts Vorbeiradeln komplett blockiert haben. Wir Radfahrende setzen allerdings mit unserem Verhalten andere weniger als Autofahrende einer Gefahr aus. Knappes Überholen anderer Radfahrender, weil man sich über die Langsamkeit des/der Radler:in ärgert, kommen zwar vor, allerdings würde der überholende Radler selber stürzen, wenn er die Überholten zum Sturz brächte.
Die Befragung zeigt auch, dass wir selbst uns für besser halten als alle anderen. Wir glauben, dass wir Regelverstöße seltener begehen als alle anderen. Selbsteinschätzung und Fremdbild klaffen also ziemlich auseinander. Schuld haben die anderen, sie verhalten sich egoistisch, meine Gründe für einen Regelverstoß sind hingegen gute Gründe.
Viele halten im Straßenverkehr das Handy in der Hand. Was mich erstaunt, ist, wie freimütig Leute zugeben, schwerste Regelverstöße zu begehen und in diesem Zusammenhang auch zugeben, in welch ungeheurem Ausmaß sie beim Auto-Fahren Handys nutzen, nicht nur um zu telefonieren, sondern vor allem um Textnachrichten oder E-Mails zu lesen und zu verfassen und sogar im Internet zu surfen. Ungefähr knapp die Hälfte sagt, dass sei es nie täte, die anderen tun es gelegentlich bis oft. Sie wissen, dass dies ein enormes Sicherheitsrisiko für andere darstellt, aber sie tun es trotzdem, jüngere sehr fiel häufiger, Ältere (ab 70) so gut wie gar nicht. Übrigens ist auch auf dem Fahrrad das Telefonieren mit dem Handy in der Hand verboten, dennoch tun es einige. Italien plant sogar ein Verbot für Fußgänger:innen, beim Überqueren einer Straße aufs Handy zu starren.
Aber dieses blicklos Auto Fahren, wenn man mit dem Smartphone beschäftigt ist, ist vor allem für uns Radfahrende und Fußgänger:innen eine immense Gefahr. Wir werden dann nicht gesehen, obgleich wir gut sichtbar waren, und es kommt zu diesen Zusammenstößen, wo hinterher die Presse schreibt, dass unklar sei, wie es zu dem Unfall auf gerader Strecke ohne Sichtbehinderungen kam.







