18. Dezember 2018

Warum Autofahrer von Radwegen träumen

Ich frage mich oft, warum die Liebhaber des Autofahrens nicht drängender den Ausbau von Radwegen und Radstreifen fordern.

Fahren Autofahrer denn wirklich so gern mit 10 bis 25 km/h hinter einem oder zwei Fahrrädern her? Beispielsweise auf der Böheimstraße oder die Alte Weinsteige hinauf. Vorbei kommt man nicht, und die ganze Zeit steht man unter Stress, weil man unbedingt vorbei will.

Das müsste nicht sein, wenn es Radwege oder Radstreifen gäbe. Dann würden die Radler auf ihrer Fläche fahren und der Autofahrer auf seiner, beide in dem Tempo, das sie fahren wollen. Dann wäre alles ganz easy, für den Autofahrer und für den Radfahrer, wie man in der Neckarstraße (auf dem sehr kurzen Abschnitt) schön sieht.

16. Dezember 2018

Wo sollen Elektrokleinstfahrzeuge fahren?

Bestimmt nicht auf dem Gehweg. Aber auf dem Radweg und auf Radstreifen haben sie eigentlich auch nichts verloren. Sollen wir uns unsere schmalen Wege künftig mit E-Scootern, Segways, Hooverboards und E-Skateboards teilen?

E-Scooter mögen unserem Fahrverhalten noch ähneln, aber alle anderen Kleinfahrzeuge tun das nicht. Etwa solche, wo einer auf einem kleinen Board (Self Balance Scooter) steht und über Gewichtsverlagerung steuert und bremst. Solche Fahrzeuge werden zu einem zusätzlichen Hindernis, wenn sie langsamer fahren, oder zu einer Gefahr, wenn sie zu schnell sind, weil sie anders fahren, anders bremsen, anders abbiegen als wir.

Das ist der Konflikt. 

15. Dezember 2018

Kinotipp - mit dem Fahrrad durch Afrika

Mit dem Rad zum Kino, dann rein in den Film "Anderswo. Allein in Afrika." Der Film läuft derzeit noch für ein paar Tage im EM-Kino

Blogleser Anselm Pahnke, der eigentlich in Hamburg lebt, ist von Kapstadt losgeradelt und befand auf einmal auf dem langen und abenteuerlichen Weg durch Afrika, fernab der Touristenstraßen. Er hat alles erlebt, den Horror der Einsamkeit und die Schönheit der Gastfreundschaft.

Anselm schreibt mir: "Ein Film über eine Entdeckungsreise, die Suche nach dem Abenteuer und nach dem Ich. Nur mit dem Fahrrad bin ich durch den afrikanischen Kontinent gefahren. 15.000
Kilometer, 414 Tage, 15 Länder. Ich habe weder Bus noch Bahn genutzt und während der kompletten Reise darauf verzichtet, Trinkwasser zu kaufen. Denn ich wollte Afrika erleben, wie es wirklich ist. Menschen und der Natur aus unmittelbarer Nähe erleben. Gefilmt habe ich die gesamte Reise selbst. Inmitten der Herausforderungen wuchs in ihm Begeisterung für diesen riesigen Kontinent, ein 
tiefes Vertrauen in seine Mitmenschen und mich selbst, sowie die Einsicht, dass man allein nicht einsam sein muss."

Schööön.

14. Dezember 2018

Die absolut untaugliche Radinfrstruktur

Es gibt einige Stellen in Stuttgart, wo die Fahrbahnmalerei für Radler nicht befahrbar ist.  Die Abbiegespur für Radlfahrende auf der Herzogstraße gehört dazu. 

Wer hier so radelt, wie vom Ordnungsamt vorgesehen, läuft Gefahr, von einem aus der Rotebühlstraße einbiegenden Auto auf den Kühler genommen zu werden.

Ich habe schon mal darüber geschrieben, hatte aber die Situation bei weitem noch nicht erfasst. Und es gab eine Gelbe Karte an die Stadt. (Die Antwort ging nicht an mich, deshalb zitiere ich sie hier auch nicht.) Ich habe mich also mal wieder hingestellt, diesmal nur 9 Minuten, und Fotos gemacht. Und das sieht gar nicht gut aus.

13. Dezember 2018

Radentscheid übergibt 35.000 Unterschriften an den OB



Es war ein großer Pressetermin auf der Rathaustreppe.  Regio-TV und SWR waren dabei.

Auch viele Stadträt/innen und noch mehr Aktive des Radentscheids. 15.000 Unterschriften mehr als die  20.000, die für ein Volksbegehren notwendig sind,  konnten OB Fritz Kuhn übergeben werden.

Jetzt prüft die Stadt die rechtliche Zulässigkeit der elf Forderungen für eine bessere Radinfrastruktur in Stuttgart. Dann könnte es zu einem Volksentscheid kommen. Am Sonntagnachtmittag wird im Merlin gefeiert.

Wir sehen uns heute auf der Radhaustreppe

Das Paket ist gepackt. 

Heute Mittag 13 Uhr überreicht der Radentscheid Stuttgarts Oberbürgermeister Kuhn die Unterschriftenlisten, mit denen ein Volksentscheid über eine Verbesserung des Radverkehrs in Stuttgart in Gang gesetzt werden sollen. 

Der Radentscheid hat in den letzten Tagen bei den Sammelstellen die letzten gut gefüllten Unterschriftenlisten eingesammelt. In der Zeitung war zu lesen, dass es wohl mindestens 30.000 Unterschriften gibt (es müssen mindestens 20.000 sein). Risiko ist nur, dass zu viele Stimmen ungültig sein könnten, weil die Unterschreiber nicht in Stuttgart wohnen oder zu jung sind oder weil man sie Namen und Adressen nicht lesen kann.


Sind die Unterschriften beim Statistischen Landesamt abgegeben, wird dort überprüft, ob Namen und Adressen stimmen und den Kriterien entsprechen. Dann prüft die Stadt, ob der Bürgerentscheid in der Form mit den Forderungen rechtlich zulässig ist. Und dann sehen wir mal weiter.

Treffpunkt für alle, die dabei sein wollen: Heute 12:45 Uhr an der Rathaustreppe. 

12. Dezember 2018

Eigentlich wollen die meisten Rad fahren

Nach Untersuchungen des Instituts für innovative Städte, gibt es in Städten sechzig Prozent, die am Radfahren interessiert sind. Wie würden radeln, wenn es attraktiv wäre und nicht unsicher erscheinen würde. 

Wie ich auf einem Seminar der Evangelischen Kirche in Bad Boll über Mobilität erfahren habe, gibt es überall rund 2 Prozent furchtlose Radler. Sie fahren Rad, egal, wie die Infrastruktur aussieht. Sie ziehen es meist auch vor, auf der Fahrbahn zu radeln und lehnen meiner Erfahrung nach Radwege und Radstreifen ab, zumindest, wenn sie verpflichtend sind. 5 Prozent radeln gewohnheitsmäßig und gern. 33 Prozent lehnen das Radfahren für sich selbst ab. Aber es gibt einen riesigen Pool von Menschen (rund 60 Prozent), die man fürs Radfahren gewinnen könnte.

10. Dezember 2018

Radfahren ist total unvernünftig

Das Bundesumweltamt hat zusammengetragen, welche volkswirtschaftlichen, gesundheitlichen und persönlichen Vorteile das Radfahren hat. 

Eigentlich wissen wir das alles. Nur kriegen wir es irgendwie politisch und gesellschaftlich nicht in Gang.

Parallel zur politischen Trägheit entwickelt sich Radfahren zu einem Trend. Man zeigt sich gern mit einem schicken und/oder coolen Fahrrad. Man gehört gerne zu einer wachsenden Radlergemeinde, man fährt die Critical Mass mit. Die Diskrepanz zwischen der Lust aufs Fahrradfahren und einer Stadtpolitik fürs Auto ist gerade in Stuttgart besonders spürbar. Dieser Sommer hat uns zudem sehr deutlich gemacht, dass wir die Klimakrise ernst nehmen müssen, weil sie uns alle trifft. Erfahrungen zeigen leider, dass rationale Argumente fürs Radfahren schwach sind, wenn sie ans schlechte Gewissen appellieren. Stärker sind Argumente, die Gefühle hervorrufen und deshalb ein bisschen irrational sind.

8. Dezember 2018

Stresemannstraße, die Zweite

Wir haben über den Vorschlag der Verwaltung für eine Radspur auf der Stresemannstraße ausführlich und sehr sachlich diskutiert

Blogleser Michael hat auch geplant und für die Aufteilung von Gehweg, Radstreifen und Autofahrbahn diesen Vorschlag gemacht. Auch wenn man die Parkplätze nur auf einer Seite wegnehmen würde, wäre schon viel gewonnen.

6. Dezember 2018

Winterdienst auf Radwegen in Stuttgart

Diesen Winter wird der Winterdienst auf Radrouten massiv erweitert. Auf meinen Antrag hatte der Gemeinderat dafür bei den Haushaltsberatungen vor einem Jahr dafür das Geld bereitgestellt. 

Für Dezember bis März stehen nun gut 320.000 Euro mehr als bisher zur Verfügung. Der AWS beauftragt einen privaten Räumdienst damit, die ausgewählte Hauptradrouten erster Ordnung vom Eis und Schnee frei zu halten. Dabei soll getestet werden, welche Taumittel auf Radwegen die besten sind (also, Rückmeldung von euch an die Stadt per Gelber Karte ist sinnvoll). Die gewonnen Erkenntnisse sollen dann in die Satzungsänderung für Radwege einfließen. Winterdienstlich betreut werden alle fertigen Hauptradrouten und zehn weitere Radwegabschnitte:

5. Dezember 2018

Muss jede Radinfrastruktur kritisiert werden?

Vorgestern hat die Stadt im Bezirksbeirat Nord die Planung für die Stresemannstraße vorgestellt. Es gab offenbar einen Riesenkrach. Lasst uns mal darüber diskutieren, so sachlich und lösungsorientiert wie möglich.

Entlang der Stresemannstraße werden Radler derzeit auf die Gehwege verbannt. Richtung Killesberg sieht der Radweg so aus (inzwischen frisch asphaltiert). Links parken Autos, dann kommt der Trennstreifen zum Gehweg, auf dem stehen Lichtmasten. Mir hat es immer gegraust, wenn ich da lang radeln musste. Man fährt direkt in der Dooringzone, und Beifahrer/innen sind noch weniger gewohnt, zuerst rückwärts zu schauen, bevor sie eine Seitentür aufstoßen. Außerdem radelte man praktisch unsichtbar für Autofahrende.

3. Dezember 2018

Radfahrern Angst machen, das muss aufhören.

So genannte Schutzstreifen, auch Mischverkehrsstreifen genannt, werden für Radfahrende zum Stress, weil rechts Autos parken und links Autos viel zu knapp überholen. Aber auch in Nebenstraßen wird zu knapp überholt. 

Und weil wir in Stuttgart nur wenige Radwege haben (auch nicht wirklich viele Radstreifen, und wenn dann, etwa auf der Theodor-Heuss-Straße alte und viel zu schmale), müssen wir oft und viel auf Fahrbahnen radeln. Die meisten Autofahrer sind rücksichtsvoll, drängeln nicht und überholen mit genügend Abstand. Viele jedoch tun das nicht. Sie überholen, sobald sie eine Lücke für sich und ihr Auto zwischen mir, der Radlerin und dem Gegenverkehr sehen, oft mit einem Abstand von nicht mehr als einem Meter, manchmal so eng, dass ich den rechten Außenspiegel anfassen könnte.

2. Dezember 2018

Hier würde ich nie Rad fahren!

Eine Freundin von mir hatte im Sommer Besuch aus Bremen. Man hat die Fahrräder genommen, um dem Besuch Stuttgart zu zeigen. 

Der Besuch aus Bremen war einigermaßen verblüfft. Ein ratloser Blick auf der Suche nach dem Radweg: "Was da lang? Ihr müsst ja hier ständig Bordsteine rauf und runter." Umsichtig leitete meine Freundin sich durch die Fährnisse der Stadt, immerhin kennt sie sich blendend aus und weiß wie es weitergeht. Das Entsetzen der Bremerin wurde dabei immer größer.

30. November 2018

Reflektierende Kleidung mal anders

Es muss nicht immer die Bauarbeiterweste sein, dieses französische Unternehmen hat sich Gedanken gemacht über reflektierende Kleidung, die normal aussieht, nachts aber in Teilen reflektiert. 

Es gibt reflektierende Gürtel und Wende-Jacken, die man (großer Vorteil gegenüber allen anderen Reflektorjacken!!) tagsüber auch in dezentem Schwarz tragen kann.

Im Winter mag reflektierende Kleidung sinnvoll sein, wenn man ein Fahrrad mit nicht sonderlich auffälliger Beleuchtung fährt. Man ist als Radler/in bei Dunkelheit von Autofahrenden wirklich nur sehr sehr sehr schlecht zu sehen.
Besser ist aber eine anständige Beleuchtung am Fahrrad.

28. November 2018

Radfahren ist wie Wahrsagen

Radfahrende müssen vorhersehen können, was in fünf Sekunden passiert. Sie nehmen vielfältige Feinabstimmungen vor, um Zusammenstöße zu vermeiden. 

Das macht kein andere Verkehrsteilnehmer in diesem Maß.

Zum Beispiel: Ich muss am Bahnhof über die Fußgänger-/Radampel. Die Lichtzeichen sind immer noch gesetzwidrig falsch und zeigen nur ein Fußgänger-Männchen. Auf der Fläche, die mit einem Radzeichen gekennzeichnet ist, sammeln sich die Fußgänger mit Koffern und Kinderwagen. Ein Radfahrer stellt sich am Rand des Fußgängerbereichs auf, eine Radlerin wartet hinter der Barriere der Fußgänger/innen. Wenn Grün wird, setzt sich alles in Bewegung. Ich schaue allen Fußgänger/innen in die Augen und versuche abzuschätzen, ob sie mich sehen, und durchlassen und zu welcher Seite sie ausweichen. Zugleich schätze ich ab, wohin die Radfahrer wollen. Alles geht chaotisch durcheinander, dann sind alle drüben. 

27. November 2018

Endspurt Radentscheid! Stuttgart

Die Initiative Radentscheid teilt mit: Die Auswertung der ersten Unterschriften hat ergeben, dass die Quote der ungültigen Stimmen leider zu hoch ist. 

Wir haben zig tausend Unterschriften, aber sehr viele Menschen, die den Radentscheid unterstützen, sind zu jung, wohnen erst seit kurzem oder im Nebenwohnsitz hier. Oder haben zu unleserlich geschrieben. Daher sammeln wir noch weiter, damit wir deutlich über die 20.000 gültigen Unterschriften kommen. Wir können es schaffen, aber dafür muss jetzt jede/r noch ein paar Unterschriften sammeln und sei es nur eine Liste.
Macht mit bei unserer Radentscheid-Challenge: 10 Tage = 1000 Stimmen."

26. November 2018

Nicht das Opfer bestrafen, bitte!

Ein Vorschlag der Dekra geht an der grausamen Wirklichkeit vorbei. Sie möchte erreichen, dass Radfahrer nicht mehr rechts von Autos zur Ampel vorfahren dürfen.  

Die Dekra meint, das rechts von stehenden Autos Vorfahren sei die Ursache für die fürchterlichen Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrende viel zu oft sterben oder schwerst verletzt werden. Das ist aber nicht so. Das ist der falsche Ansatz.

24. November 2018

Autos auf Autos brauchen ganz viel Platz

Regelmäßig nutzen Autotransporter den Radweg Heilbronner Straße vor dem Autohaus Toyota als Parkplatz zum Entladen. Blogleser Ingo hat dafür zahlreiche Beispiele. 

Für Radfahrende und Fußgänger wird es hier regelmäßig sehr eng. Ein Fahrer aus der Tschechei, darauf angesprochen, zeigte zu seiner Entlastung den Frachtschein, den ihm den Toyota Logistic Services Frankreich ausgestellt hat. Darauf steht: "Unloading of vehicles should not be done on the B10/B27 (...) but on the connecting sidewalk/cycle track." (Lastwagen sollten auf der B10/B27 ... entladen werden, und zwar auf dem angeschlossenen Fußweg/Radweg.)