1. April 2020

Noch eine Umfrage zum Mobiltiätsverhalten

Wien macht ebenfalls eine Umfrage zur Veränderung des Mobilitätsverhaltens in diesen Zeiten.

Auch die passt nicht so ganz auf Vielradler/innen, aber ist ja egal. Man muss ja nichts geändert haben, um an einer Umfrage teilzunehmen, die herausfinden will, wie viele Leute tatsächlich jetzt mehr Fahrrad fahren oder mehr zu Fuß gehen oder weniger Öffentliche, aber dafür mehr Auto fahren. 

Hier der Link zum Mitmachen.
Eine erste Umfrage der Uni Dresden habe ich vor ein paar Tagen weiterverbreitet. Hier der Link dazu.

Wir beobachten in Stuttgart allerdings eine Zunahme der Radfahrten an den Zählstellen.

30. März 2020

Neue Schilder in Stuttgart aufgehängt

Kaum ist die StVO-Novelle beschlossen, sind in Stuttgart die ersten Fahrrad-Überholverbotsschilder für Autofahrende aufgetaucht. 

Sie werden in Twitter-Posts und auf Facebook lobend kommentiert, so wie dieses hier am Schwabtunnel. Auch Blogleser/innen haben mir Fotos zugeschickt, allerdings auch mit fragender Verwunderung. Dieses Schild kann tatsächlich aufgehängt werden, um Autofahrenden zu signalisieren, dass sie Radfahrende nicht überholen dürfen, weil der Platz dazu nicht reicht.

28. März 2020

Vandalismusopfer - Radservicestation

Die Stuttgarter Zeitung hat am 19. März davon berichtet, dass die kleine Radservice-Säule in der Eberhardstraße dem Vandalismus zum Opfer gefallen ist. 

Der Artikel versteckt sich in StZ Plus, ist also online nicht lesbar. Ich erinnere mich in der Papierausgabe, gelesen zu haben, dass die Stadtverwaltung habe verlauten lassen, man werde das Pilotprojekt nun überprüfen. So schnell klein beigeben finde ich nicht gut. Vielleicht war es nur die falsche Servicestation. 

26. März 2020

Niemand schafft jetzt Platz für Fußgänger und Radfahrer

Die Corona-Krise wäre eine Chance, die Straßen in unseren Städten, auch in Stuttgart, neu aufzuteilen. Aber genau jetzt hat niemand Zeit und Kraft dafür.

Menschen zu Fuß und auf den Fahrrädern brauchen mehr Platz, weil sie anderthalb Meter Abstand voneinander einhalten sollen. Das geht auf unseren schmalen Gehwegen teils nicht. Man weicht also auf die Fahrbahn aus und stellt dann schnell fest, dass Autofahrer/innen ungebremst an einem vorbeidieseln.

In Zeiten, wo die Fahrbahnen leerer sind, weil weniger Menschen mit dem Auto zur Arbeit fahren und mehr Menschen mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind, sollte man eigentlich sofort Maßnahmen ergreifen, die dem Radfahren und zu Fuß Gehen mehr Platz einräumen: 
  • Im Stuttgarter Kessel auf allen mehrspurigen Fahrbahnen eine Fahrbahn als temporären Radstreifen ausweisen und durch Pylonen schützen. 
  • Keine Durchfahrten durch Wohngebiete mehr (hier fahren nur Anwohner/innen, Lieferdienste und Sozialdiesnte noch rein), 
  • Schrittgeschwindigkeit in Tempo-30-Zonen, Vorrang für Fußgänger/innen und Radfahrende auf den Fahrbahnen, 
  • Tempo 30 auf allen Straßen, wo es nur schmale Gehwege gibt, am besten überall.  
  • Autofreie Zonen massiv ausweiten. 
Doch dafür ist derzeit keine politische Kraft mehr übrig. 

24. März 2020

Neue Ampel-Querung am Bopser

Die Ampel über die Hohenheimerstraße am Bopser auf der Hauptradroute 3 ist jetzt in Betrieb. 

Man radelt durch den Park und stößt dann links auf den Fußgänger-Rad-Übeweg mit Ampel. Die Autofahrenden werden mit vorgeschalteten Lichtsignalen darauf aufmerksam gemacht, dass hinter der Kurve eine Ampel auf Rot steht.

22. März 2020

Das Parkverbot für Fahrräder ist abgewendet

Fahrräder dürfen auf dem Gehweg abgestellt werden, aber nur so, dass sie niemanden behindern: keine Kinderwagen, keine Rollstühle. Für Fahrräder gibt es keine Parkverbote.

Das Bundesverkehrsministerium wollte erreichen, dass Räder auf Gehwegen abgestellt werden müssen.  Der Bundesrat lehnte das (S.8) ab. Die Länder wollen Gehwege freiheihalten von all dem, was sich derzeit dort hinstellt: Räder, Motorräder, E-Scooter, Parkscheinautomaten, Aufsteller, Bänke, Werbefahräder, Radabstellanlagen, Tische, Stühle, Schildermasten, Baustellenschilder und so weiter.

21. März 2020

Gibt es einen Mobilitätswandel in Zeiten von Corona?

Die Uni Dresden macht eine qualifizierte Umfrage zu unserem Mobilitätsverhalten.

Sie will wissen, ob es sich während der Corona-Krise ändert. Die Studie ist langfristig  angelegt. Wer Lust hat, kann sich für weiterer Befragraungen zu Verfügung stellen.

Hier der Link zum Mitmachen. 

20. März 2020

Jetzt Platz schaffen fürs Fahrrad!

Radfahren ist die derzeit gesündeste Art, in Stuttgart unterwegs zu sein.

Wenn ich von meinem Balkon runter schaue, sehe ich dieser Tage mehr Radfahrende (übrigens auch mehr Fußgänger/innen) als sonst. Mein Nachbar fährt jetzt mit dem Rad zur Arbeit, statt mit den Öffenlichen. Und er ist nicht der einzige. Am Montag und gestern passierten über 4.000 Radler/innen die Zählstellen an der König-Karls-Brücke. Auf der Kaltentaler Abfahrt (Böbinger Straße) waren es rund 1.500.

Und weil auch immer weniger Autos unterwegs sind, könnten wir jetzt doch mal schnell für die vielen neuen Radfahrenden auf unseren Hauptstraßen eine Spur wegnehmen und als Radwege ausweisen. Das wäre doch was! Das würde ganz schnell noch mehr Leute aufs Fahrrad bringen.

18. März 2020

Warum wir auf die Hauptstraßen wollen

So titel der Radentscheid Frankfurt. Immer, wenn es um Radstreifen entlang von Haupstraßen geht, hören wir: Da will doch keiner radeln, viel besser ist die Route durch Nebenstraßen.

Nicht nur die Gegner/innen von Radinfrastrukturen auf unseren Autostraßen argumentieren so, sondern auch etliche Radfahrende selber, die sich für ihre Wege eine schlaue Parallelstrecke durchs Grün oder durch Wohnstraßen erarbeitet haben. Aber wenn ich in einen Stadtteil komme, wo ich mich nicht auskenne, dann radle ich auf den Hauptstraßen. Da weiß ich wenigstens immer, wo ich bin. Auch wenn es manchmal unangenehm wird, weil die Autofahrenden mit mir als Radlerin nicht umgehen können.

16. März 2020

Zeiten für das Fahrrad

Jetzt ist das Fahrrad gefragt. Man ist an der frischen Luft, man steht oder sitzt nicht in engen Stadtbahnen.  

Die Bewegung ist zusätzlich gesund und stärkt die Abwehrkräfte. Wer irgend kann, nimmt am besten das Fahrrad für seine Besorgungen.

Man steht auch nicht im Stau derer, die jetzt lieber das Auto nehmen als öffentliche Verkehrsmittel.

Und es sage keiner "Ich brauche mein Auto. Wie soll ich sonst das Klopapier transportieren?" Das geht auch mit dem Fahrrad.

Bleibt gesund!

14. März 2020

Fahrrad-Park-in

In  der Kölner Südstadt gibt es eine Apotheke, die hinter der Eingangstür einen Fahrradparkplatz eingerichtet hat.

Statt vor der Apotheke einen Felgenkiller aufzustellen, der den halben Gehweg versperrt, können Kund/innen in Köln das Rad in die Apotheke schieben (Foto unten), abstellen und am Schalter nebenan etwas kaufen. Umständliches Abschließen fällt weg. Der ADFC Köln ist begeistert.

Die Apotheke hatte zufällig den Platz dafür, deshalb konnte sie das tun. Sie lässt Medikamente auch von Fahrradkurieren ausfahren, und sie hat Kund/innen gehabt, die es offenbar zu kompliziert fanden, die Räder draußen an Radständern anzuschließen, vielleicht weil sie zu weit weg oder vollgestellt waren, und deshalb damit in die Apotheke kamen.

12. März 2020

Darf man in Fußgängerzonen das Fahrrad wie einen Tretroller nutzen?

Ganz schlaue schieben nicht, sondern stellen sich auf ein Pedal und stoßen mit dem anderen Fuß vom Boden ab, wenn sie mit dem Fahrrad durch eine Fußgängerzone wollen. 

Das ist nach etlichen Gerichtsurteilen legal. Es wird nicht getreppelt, das Fahrrad wird zum Tretroller umfunktioniert, und Tretroller (solange es keien E-Scooter sind) sind in Fußgängerzonen erlaubt. Das regelt Paragraf 24 der StVO. Nicht motorisierte Tretroller sind keine Fahrzeuge, sie müssen dort fahren, wo die Fußgänger/innen laufen, dürfen aber nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit sein. Kenner/innen dieses Paragrafen (viele sind es allerdings nicht) machen aus ihrem Fahrrad darum auch mal einen Roller, stellen sich auf ein Pedal und stoßen mit dem anderen Fuß vom Boden ab. So bewegen sie sich durch Fußgängerzonen oder auf Gehwegen.

Das dürften sie nach einem Gerichtsurteil in München aber nicht tun.

10. März 2020

Wie frauenfreundlich ist der öffentliche Raum?

Es begann vor neun Jahren in Schweden mit einem Scherz. Eine Initative forderte eine gendergerechte Stadtpolitik. Ein Spötter meinte, das Schneeschippen sei davon ja wohl ausgenommen.

Daraufhin kam man ins Grübeln. Wie überall wurden zuerst die Hauptverkehrsadern vom Schnee befreit, Geh- und Radwege kamen zuletzt dran. Man schaute hin und sah: In den Autos saßen mehr Männer, auf den Gehwegen liefen mehr Frauen. Nun räumte man zuerst die Gehwege.  Daraufhin wurde nur noch die Hälfte Frauen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Sie stürzten nicht mehr auf schnee- und eisglatten Gehwegen. Man sparte mehr an Krankenkosten als die neuen Gehwegräumgeräte und das Personal kosteten.

Mobilität von Frauen ist tendenziell anders ist als die von Männern, aber wir wissen kaum etwas darüber.

8. März 2020

Ist die Gablenberger Hauptstraße zu retten?

In der Innenstadt nimmt der Radverkehr sichtbar zu. Radelt man in den Außenbezirken, ist man ziemlich allein unter Autos.

Radstreifen oder Schutzstreifen fehlen meist, von Radwegen wollen wir nicht mal träumen. An einem Samstagnachmittag im Winter ist in der Viertelstunde, die ich an der Gablenberger Hauptstraße beim Schmalzmarkt stand, tatsächlich kein einziger Radler von irgendwoher gekommen und vorbeigefahren, außer einem einzigen jungen Downhiller, der regelwidrig auf dem Gehweg fuhr. Auf der Fahrbahn fuhren nur Autos und Busse. Auf den Gehwegen war auch kaum ein Mensch unterwegs.

6. März 2020

Poller gegen die Anarchie des Autoverkehrs

Poller und Sperren auf Straßen, die nur Radfahrende durchlassen, nennt man auch modale Filter.

Sie sind derzeit das einzige Mittel, Autofahrer/innen vom illegalen Befahren einer Straße abzuhalten und Radstrecken vom Durchgangsverkehr zu entlasten. 

Einen modalen Filter kennen die meisten von uns gut, denn er befindet sich auf der Hautpradroute 1. Es ist die Sperre in der Tübinger Straße, die mittlerweile mithilfe vieler Poller auch auf den angrenzenden Gehewegen sehr wirkungsvoll verhindert, dass Autofahrende bei der Feinstraße durchfahren. Ein weiterer Filter steht in der Vogelsangstraße.

4. März 2020

Wir diskutieren über Radgaragen

Klar ist, dass wir große und sichere Radabstellanlagen an allen Verkehrsknotenpunkten brauchen. Aber wir wollen eben auch welche in Wohngebieten haben. 

Diesen Haushaltsantrag haben wir bei den Haushaltsberatungen vor zwei Jahren gestellt. Die Verwaltung hat dies aufgenommen und nach Garagen gesucht. Eine Firma hat einen Vorschlag (Foto weiter unten) gemacht, den wir unter der Paulinenbrücke sehen können. Solche Kontainer sollen auch am Hauptbahnhof aufgestellt werden. Alle anderen sollten eingeschossig (Höhe 1,50 m) sein und dürfen nicht auf dem Gehweg oder in Grünflächen stehen, sondern nur auf Fahrbahnen.

Für größere Verwerfungen hat die Präsentation vorn Fahrradgaragen im Stuttgarter Westen gesorgt.

2. März 2020

Ein gutes Angebot erzeugt sofort Nachfrage

Wo die Wege bequemer werden, fahren rasch mehr Leute Fahrrad. Das zeigt sich auf der Radschnellverbindung zwischen Böblingen und Stuttgart Vaihingen. 

Auch wenn sie alles andere als perfekt ist (es geistern überraschend viele Autos auf der Römerstraße herum) so hat, einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zufolge der Radverkehr zugenommen. Früher fuhren die Kopfsteinpflasterstrecke 700 Radler/innen pro Tag, jetzt, nach der Asphaltierung, sind es schon 1.200. Nach Informationen der Stadtverwaltung Böblingen wurden an der Zählstelle seit Inbetriebnahme Ende Mai 2019 bis zum 23. Februar 2020 genau 158.028 Radfahrten erfasst. Das dürften noch mehr werden, auch wenn die Verbindungen in die Städte hinein nur sehr langsam besser werden.

29. Februar 2020

Durchwursteln als Prinzip für Radfahrer

Autofahrer haben Straßen. Radfahrer haben Systemwechsel. Ihre Strecken setzen sich aus Unterbrechungen, Gehweg-Fahrbahn-Hopping und lauter ungeklärten Situationen zusammen. 

Seit Jahren befahre und bestaune ich die Radstrecken rund um den Marienplatz. Radfahrende finden sich irgendwie durch, Konflikte sind selten. Geht also. Dennoch sind diese Wege symptomatisch dafür, wie sehr Radfahrende bei der Suche nach einer Radelstrecke von A nach B allein gelassen werden. Ein paar Meter Radstreifen bringen ein paar Meter Klarheit, aber die endet eben auch nach ein paar Metern.