Muss die Fußgängerin warten oder der Radler? Beachten wir als Radfahrende Paragraf 1 der StVO, der Rücksichtnahme und Vorsicht verlangt, dann dürfte es nicht zu Zusammenstößen zwischen Menschen zu Fuß und Menschen auf Fahrrädern kommen. Denn alle würden aufeinander achten, ins besondere wir Radfahrende auf den Fußverkehr. Anderseits: Blöde Dinge passieren. Ein Fußgänger guckt nicht, eine Radlerin sieht ihn bei Regen nicht rechtzeitig, ein Kind rennt einer Gruppe von Spazierengehenden voraus und plötzlich über den Radweg. Eigentlich passiert immer alles, was passieren kann. Und dann stellt sich die Frage: Wer hätte hier jetzt eigentlich Vorfahrt oder Vorrang gehabt? Wer haftet?
13. Mai 2026
Wenn sich Rad- und Fußweg kreuzen
11. Mai 2026
Umfrage der Stadt Stuttgart zum Radverkehr
Die Stadt Stuttgart hat vor einiger Zeit ihre Bürger:innen befragt, wie sie sich durch die Stadt bewegen. Wobei es nicht ums Autofahren, sondern ums Radfahren und zu Fuß gehen ging.
Der Blick auf die Umfrageergebnisse ist interessant. Demnach gehen 71 Prozent hauptsächlich, also fast täglich zu Fuß, 85 Prozent derer, die teilgenommen haben, fahren Fahrrad (einschließlich Pedelec), 46 Prozent nutzen den ÖPNV und 17 Prozent hauptsächlich das Auto, 12 Prozent kombinieren die Verkehrsarten.
Da das keine repräsentative Umfrage ist, spiegelt das nicht die Mobilitätsrealität in Stuttgart wider. Den Fragen, die folgen (und die man sich auf der Seite anschauen kann), merkt man allerdings an, dass jemand den Fragebogen gemacht hat, der oder die schon sehr genau die Knackpunkte kennt: zu lange Wartezeiten an Ampeln, Unsicherheit auf Radwegen, lückenhafte Radinfrastruktur. Den Ergebnissen zufolge nutzen 81 Prozent das Fahrrad in der Freizeit und 78 Prozent fahren damit zum Einkaufen. 61 Prozent fahren zur Arbeit mit dem Fahrrad.
9. Mai 2026
Fahrräder kreuzweise parken?
7. Mai 2026
Sonntagsfahrer auf der für Autos gesperrten Hofener Straße
Die meisten haben auch kapiert, dass an diesen Tagen der Gehweg verboten und alleine den vielen Spaziergänger:innen und Jogger:innen vorbehalten ist.
Leider aber wollen es viele Autofahrende weder kapieren noch akzeptieren, dass sie an den Sperren und Verbotsschildern nicht vorbei fahren dürfen. Am vergangenen Sonntag kamen sie, als ich da radelte, in verblüffenden Massen von beiden Seiten, überholten teils knapp, schüchterten Radfahrende mit ihren Kindern ein, versuchten trotz Rad-Gegenverkehrs zu überholen und wollten überhaupt nicht einsehen, dass man hier Sonntags nicht Auto fährt (außer den Winzern und Anwohnenden).
5. Mai 2026
Stuttgart fragt uns Radler:innen um Rat
Stuttgart hat am vergangenen Donnerstag die Auftaktveranstaltung für eine umfangreiche Bügerbeteiligung an einem erweiterten Radverkehrskonzept abgehalten.
3. Mai 2026
Velo Queens' Kessel Ride statt Fancy Women Bike Ride
Aber jetzt gibt es neu in Stuttgart den Velo Queens' Kessel Ride am 14. Juni 2026.
Die Initiative kommt aus der offenen ADFC-Frauenradgruppe "Keine fährt alleine", zu der ich auch gehöre. Wir organisieren die Ausfahrt für Frauen* und bereiten sie vor. Als Schirmherrin hat die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Simone Fischer zugesagt.
Start ist am Sonntag, dem l4. Juni um 15 Uhr am Marienplatz bei jedem Wetter.
Die Rundtour durch den Kessel meidet steile Steigungen und endet auch wieder am Marienplatz. Die Frauenraddemeo ist inklusiv. Alle können mit. Herzlich eingeladen sind alle Frauen, aber auch Kinder, Männer und Diverse, jedoch fahren nicht sie, sondern wir Frauen vorn. Die Ausfahrt ist bunt und politisch. Personen und Räder können aufgebrezelt werden, müssen es aber nicht. Wir zeigen, dass wir da sind.
1. Mai 2026
Eine Anmerkung zu den jährlichen Unfallzahlen
Jedes Jahr das gleiche: Die Zahl der im Straßenverkehr - meist von Autofahrenden - getöteten Radfahrer:innen steigt. 2025 waren es 462 Menschen, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das ist nicht gut, doch in manchen Medienbeiträgen klingt es schon fast triumphal: Haben wir es nicht immer gesagt, Radfahren ist gefährlich, besonders, wenn Alte Pedelecs fahren. Pedelecs sind gefährlich.
Die taz sucht hat sogar nach einer weiteren Schreckenszahl gesucht und ist auf 20,6 Prozent Zunahme von getöteten Radfahrenden gekommen, allerdings halt in den letzten zehn Jahren. Auch das ist zu viel, aber der Radverkehr hat sich seitdem gewandelt. Immerhin macht die taz deutlich, dass die Radinfrastruktur nicht immer weniger passt.
Jedes Jahr stellen die Medien heraus, wie viele Pedelec-Fahrende unter den Opfern sind. 217 der Getöteten waren 2025 mit Pedelecs gefahren. 2015 waren das noch 36 gewesen. Pedelecs waren damals allerdings viel weniger verbreitet, weshalb auch weniger Ältere Fahrrad fuhren. 65 Prozent der Geöteten waren 2025 über 65 Jahre. Kein Wunder, es radeln ja auch mehr. So werden Jahr für Jahr das Pedelec und das Alter problematisiert und für die steigendenden Zahlen bei den Verkehrstoten unter den Radfahrenden verantwortlich gemacht. Man schanzt ihnen die Verantwortung für eine Verkehrssituation zu, die dem Auto Raum und Geschwindigkeiten verschafft, das Fahrrad aber Platz nur zögern zugesteht. Die Alten auf Pedelecs werden skandalisiert, aber nicht die Autofahrenden und ihr zu schnelles und unaufmerksames Fahren. "Fast jeder zweite getötete Radfahrer saß auf eine Pedelec", titelte die FAZ, aber niemand titelt, "alle neun Stunden stirbt ein Mensch wegen Raserei" und nur wenige Medien nehmen auch mal deshalb den Autoverkehr in den Fokus.
Ist Radfahren also gefährlich? Nein, das ist es nicht. Auch für ältere Pedelec-Radelnde nicht. Es ist sogar viel ungefährlicher als vieles andere, was wir so machen. Am riskantesten ist unser Lebensstil mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung. 340.000 Menschen sterben jährlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr kamen 43.000 Menschen durch einen akutem Herzinfarkt ums Leben. 10.400 Menschen begingen 2024 Suizid. Und auch der Autoverkehr ist gefährlicher für Autofahrende selbst als das Radfahren für Radfahrende. Rund 1.200 Menschen sterben jährlich bei Unfällen in ihren eigenen Autos. Das Risiko für Autofahrende, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, liegt bei 0,7 Prozent, das von Radfahrenden bei 0,4 Prozent, wie die vpv-Versicherungen feststellt. Das von Fußgängern liegt demnach unverhältnismäßig hoch, nämlich bei 1,5 Prozent.






