Der lange Obere Kirchaldenweg zwischen Botnang und Solitude ist eine für routinierte Radler:innen wichtige Pendel-Strecke durch den Wald. An Wochenenden sind hier die Freizeitradler:innen unterwegs.
Bis Sommer wird nun der ziemlich frisch gemachte Asphalt aufgegraben, um Stromleitungen zu verlegen. Es muss unter der Fahrbahn sein, weil sie seitlich davon durch den Waldboden nicht gelegt werden dürfen. Aber das ist nicht das Thema. Es fehlt jedoch wieder einmal eine eindeutige, in sich konsistente und freundliche Beschilderung für Radfahrende und eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke für uns. Das Versprechen einer Radfortführung ist falsch.
Für den Autoverkehr ist die Straße gesperrt. Klar. Die Beschilderung an den Eingängen verspricht allerdings eine Fortführung für Radfahrende und Fußgänger:innen durch die Baustelle. Die Fotos hat mir Blogleser Matthias geschickt, der hier regelmäßig mit dem Rad unterwegs ist. Das blaue Viereck auf dem Foto ganz oben, das Fußgänger:innen und Radfahrenden Hoffnung macht, ist leider im Januarnebel kaum zu erkennen. Egal, denn am Forsthaus ist dann sowieso Schluss. Kein Durchkommen mehr, weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad. Ätsch-bätsch, bitte umkehren oder umwegige Waldwege nehmen!Und das Ganze soll jetzt sieben Monate so gehen?
Über den Oberen Kirchhaldenweg habe ich schon einmal geschrieben. Ich würde dort nicht täglich radeln, mir wäre das viel zu stressig und riskant. Denn dort dürfen, weil außerorts, die Autofahrenden auf fatzenglatt ashpaltierter Fahrbahn bis zu 60 km/h fahren. Die Straße ist nur fünf Meter breit. Das macht den Autobegegnungsverkehr schwierig, aber es können auch Radfahrende nicht legal (also mit 2 Metern Abstand, weil außerorts) überholt werden. Eigentlich gehört so eine Straße, die ausschließlich als Schleichweg von ortskundigen Autofahrenden genutzt wird (in den Navis scheint sie nicht zu sein), für den Autoverkehr gänzlich gesperrt. Es gibt eine Schnellstraße exklusiv für Autos, wieso müssen die durch den Wald, der zudem voller Wildschweine ist (Wildunfallrisiko). Zumindest müsste auf ihm eine rad- und fußgängerfreundliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h gelten. Das aber ist erfahrungsgemäß mit einer Weltungergangsstimmung unter zu vielen Autofahrenden verbunden - die für sich ein Recht sehen, stets den kürzesten Weg langrasen zu dürfen - und scheint rechtlich auch nicht so einfach zu sein. Zusammenstöße zwischen Autofahrenden, aber auch von Autofahrenden mit Radfahrenden sind jedoch nicht selten, wie ich höre. Und wie ich von Betroffenen höre, haben es Radfahrende schwer, bei Konflikten zu ihrem Recht zu kommen.
Radfreundlich ist dort jedenfalls gar nichts. Auch die irreführende Beschilderung und die Komplettsperrung für Radler:innen, die ja immer an Baufahrzeugen vorbeikommen (auch wenn die Stadtverwaltung das nicht glaubt), ist es nicht.
Hallo Christine,
AntwortenLöschenso beschissen die Sperrung des Oberen Kirchhaldenwegs auch sein mag - aber mit dem letzten Absatz bin ich nicht einer Meinung mit Dir.
Rein rechtlich habe ich als Radfahrer in der Baustelle doch nix suchen?! Du willst doch nicht ernsthaft durch einen Baustellenbereich fahren? Da sind Baustellenarbeitende unterwegs, da fahren Bagger und LKWs und es sind irgendwo auch tiefe Gräben offen wenn da Leitungen verlegt werden.
Gruß Markus
Kann ja sein, dass das bei dieser Baustelle tatsächlich nicht geht. Aber meine reiche Erfahrung mit wegen Baustellen gesperrten Radfahrabschnitten ist, dass die Bautätigkeit oft - vor allem am Wochenende - nicht so intensiv ist, dass es sich selten um mehr als ein Baufahrzeug in Aktion handelt, und dass ich das ja sehe und sehr langsam und vorsichtig daran vorbei komme, womöglich sogar, indem ich absteige und zehn Meter schiebe. Das ist dann trotz sehr langsamen Radelns oft viel einfacher und geht auch viel schneller, als langwierige Umwege durch ein Terrain, wo ich mich nicht auskenne und wo es auch keine Umleitungsbeschilderung gibt. Ich weiß schon, in der Regel trennt man uns von Baufahrzeugen. Aber das hat oft ein bisschen was davon, dass man uns Radfahrenden nicht zutraut, dass wir sehen, was vor uns ist.
AntwortenLöschenIch fahre definitiv nicht durch einen komplett abgesperrten Baustellenbereich, da liegt Gerümpel usw. Passiert da irgendwas, hab ich dann das Problem und nicht die Leute vom Bau... Also sorry.
LöschenGruß Markus
Wenn an einer Baustelle nicht gearbeitet wird fahre ich durch, da meist eh keine Umleitung für Radfahrer ausgeschildert ist. Bei Betrieb kommt es auf die Situation an. Hatte schon sehr positive Erfahrungen, dass der Bauleiter mir erklärte wir ich am besten duchkomme. Einmal hat ein Baggerführer kurz innegehalten und mich durchgewunken. An Baustellen wo es nur so wusselt, suche ich mir eine alternative Route, Gruß Frank
LöschenHallo Zusammen,
LöschenViele baustellenbedingten Sperrungen waren für mich als Radfahrer ein Segen. Zum Beispiel die Sperrung der Kreis Straße zwischen Gauting und Starnberg. 8km für KFZ weitestgehend gesperrte Strecke und dazwischen 100m Baustelle die vor 7:30 und nach 17:30 verlassen war.
Die 100m kann man schieben, langsam fahren, notfalls auch einige Meter den vorhandenen Trampelpfad neben der Straße nehmen, .... alles besser als mehrere km und Höhenmeter Umweg. Allerdings war ich nur ein einziges mal dort als gearbeitet wurde. dann waren es eben 100m schieben über den Trampelpfad um nicht auf dem Baustellengelänge zu fahren.
aber alles viel besser als eine Waldweg der nur für MTB geeignet ist oder eine Umweg von 6km bei 8km strecke
Immerhin gibt es in Stuttgart einen Radentscheid, er hier (wieder einmal) komplett ignoriert wird. Bei einer Komplettsperrung von einem Dreivierteljahr (!!) sollten ja Umwege für die Radies ausgeschildert werden können und nicht einfach nur offiziell verkündet werden, dass es so sei und tatsächlich wird überhaupt nix gemacht bzw. sogar irrlichternde Schilder aufgestellt. Juristisch wäre das wohl als Lüge zu bezeichnen. Die Stadt verweist als Umweg der (unvermuteten) Vollsperrung bei direkter Anfrage konkret darauf, über die Bärenseen zur Solitude zu fahren, das sind etwa 4 km Umweg und 200 zusätzliche Höhenmeter und das für fast ein Jahr (bis zum August). Für den Autoverkehr ist es üblich, Sperrungen auf die Zeiten der Bauarbeiten zu beschränken (7-17 Uhr o.ä.). Wo ein Wille, da ein Weg, aber hier fehlt ja offensichtlich nicht nur der (Rad) Weg sondern vor allem der Wille der Stadt.
AntwortenLöschenDie Menschen bei der Verwaltung bekommen Geld für das, was sie tun. Sie sind in dem, was sie tun, ausführlich geschult. Sie sind also Profis. Man sollte sich folglich davon lösen, dass sie derartige Planungen und Umleitungen ohne Vorsatz erstellen.
AntwortenLöschenThomas
die es können wollen uns nicht.
AntwortenLöschendie uns wollen können es nicht.
#keinerechtekeinepflichten
karl g. fahr
Wenn man nicht mit dem Rennrad unterwegs ist, kann man doch easy auf die Waldwege ausweichen. Als Rennradpendler würde ich übers Feuerbacher Tal nach Botnang fahren (wenn ich aus Richtung Norden komme) und mir somit den Anstieg über die Bergheimer Steige sparen.
AntwortenLöschenWenn ich von LEO oder Süden komme, würde ich über die Seen und die Vaihinger Landstraße rein.
Man kann sich also auch echt anstellen...
"Wenn man nicht mit dem Rennrad unterwegs ist, kann man doch easy auf die Waldwege ausweichen."
AntwortenLöschenWenns trocken ist, hast du Recht.
Aber wenn wie jetzt schlammig ist und ich nach jeder Fahrt mein Rad komplett vom Dreck befreien muss, taugt das für die tägliche Pendlerstrecke nicht. Da putze ich länger als dass ich fahre... :)
Die ganze Versorgung mit asphaltierten Radwegen ist im Umfeld des Rotwildparks, also wenn man von Warmbronn oder Magstadt her nach Stuttgart kommt, extrem dünn. Insofern tut es halt weh, wenn eine der wenigen verkehrsarmen Strecken so lange gesperrt werden. Ist aber nicht immer zu vermeiden.
AntwortenLöschenDas größere Problem ist, dass es für die gängigen Fahrradroutenplaner (Komoot, Brouter, Strava etc.) kein etabliertes System gibt, solche Sperrungen zu markieren. Theoretisch ist das über OSM möglich, bei dem sich diese Systeme ja bedienen, aber von all den schönen Echtzeitmeldungen für den motorisierten Verkehr ist das leider in der Praxis meilenweit entfernt.