9. März 2026

Handzeichen im Straßenverkehr

Radfahrende müssen Handzeichen geben, bevor sie abbiegen. Übrigens nur davor und nicht während des ganzen Abbiegevorgangs. 

Inzwischen ist es erlaubt, das Handzeichen durch eine Blinkeranlage am Fahrrad zu ersetzen. Aber es gibt noch andere Handzeichen mit denen man kommunizieren kann. Im Autoverkehr ist der Einsatz von Handzeichen weitgehend verloren gegangen, weil man sich gegenseitig hinter getönten Scheiben nur noch schlecht sieht. Und wenn ich beim Ranradeln an eine Kreuzung nicht sehe, ob ein Autofahrer, der von rechts kommt und anhält, mich durchwinkt, dann bremse auch ich und halte an. Und wenn ich schon stehe, dann warte ich solange, bis er losfährt, was manche Autofahrende nicht kapieren, weshalb ich dann winke. Denn sollte der Autofahrer plötzlich doch fahren, während ich glaube, er hält, und selber fahre, kann ich mich vor Gericht nicht darauf berufen, dass ich den Eindruck hatte, er wolle mich durchlassen, weil er stand. Ich muss sein Handzeichen deutlich gesehen haben. Und selbst dann kann der Autofahrer oder die Fahrerin leugnen. 

Juristisch ist es so, dass man mit einem Handzeichen, mit dem man auf die eigene Vorfahrt verzichtet, eigenmächtig die Verkehrsregeln außer Kraft setzt. Dazu ist man als Privatmensch nicht befugt. Der andere, dem man etwas gewährt, kann sich also nicht darauf berufen, wenn es wegen eines Missverständnisses dann doch zu einem Zusammenstoß kommt. Für ihn gelten immer die Verkehrsregeln. Deshalb nehme ich es so gut wie nie an, wenn ein Autofahrers an einer Kreuzung anhält und mir Vorfahrt gewährt, obgleich ich sie nicht habe. Das ist zwar nett, aber sich an die gültige Verkehrsregel halten (rechts von links) wäre für mich einfacher. Ich bin auch schon mal von einem Autofahrer umgenietet worden, bei dem ich dachte, er habe mich gesehen. 

Mein Dankeshandzeichen hingegen, sehen Autofahrende sehr deutlich, etwa, wenn sie mir in beidseits zugeparkten Straßen Vorrang geben (und in einer Einfahrtenlücke warten). 

Handzeichen sind für uns Radfahrende allerdings durchaus nützlich. Und wir genießen den Vorteil, dass man sie bei uns sehr deutlich sieht. Ich setze beim Radfahren immer wieder Handzeichen ein, die über das bloße Anzeigen meiner Richtungsänderung hinaus gehen. Übrigens ist das Arm-raustrecken vor dem Abbiegen eines der wichtigsten Zeichen überhaupt, mit dem auch wir Radfahrenden uns untereinander das Leben sehr erleichtern können. Wenn ich weiß, dass jemand mit dem Rad in die Straße einbiegen will, aus der ich hinausfahren möchte, dann kann ich weiterfahren, statt anhalten und den Fuß auf den Boden setzen zu müssen. 

Ich kann aber auch mir die Fahrt erleichtern, zum Beispiel wenn ich per Handzeichen eine Person, die am Bordstein an einem Zebrastreifen zögert, ermuntere, loszugehen. Dann ist sie schon halb drüben, wenn ich mit meinem Fahrrad am Zebrastreifen ankomme, und ich muss nicht anhalten. In diesem Fall setze ich auch keine Verkehrsregeln außer Kraft, denn die Fußgängerin hat das Recht, zu gehen, sie hat Vorrang. 

Ich benutze Handzeichen auch zu meinem Schutz.
Kommt mir ein Autofahrer zu schnell in einer engen Straße entgegen, dann hebe ich die linke Hand mit nach schräg unten offener Handfläche in Richtung des Autos und mache dann mehrmals eine dämpfende oder eben bremsende Handbewegung nach unten. 

Die nach vorn erhobene Handfläche ist ein Halt-Zeichen, dass in unserem Kulturkreis alle verstehen. Meine Geste ist nicht allzu gebieterisch, sondern eher warnend. Allerdings wirkt sie oft nicht, viele Autofahrenden bremsen nicht ab. Vermutlich haben sie mich als Radlerin gar nicht gesehen, obgleich ich ihnen entgegenkomme. 

Wenn ein Auto hinter mir fährt und der Fahrer oder die Fahrerin nicht überholen kann, weil die Fahrbahn zu schmal ist, dies aber versucht, dann strecke ich die linke Hand raus, ebenfalls mit offener Handfläche zum Fahrer oder der Fahrerin und mit dieser nach unten hin dämpfenden Bewegung. Das wirkt immer. In einigen Fällen allerdings wohl nicht, weil der Fahrer oder die Fahrerin die Bewegung als Aufforderung versteht, langsam zu machen, sondern weil viele denken, ich würde jetzt gleich nach links fahren oder nach links abbiegen. Und umfahren wollen sie mich nicht. Deshalb bremsen sie sofort. Manche überholen, nachdem sie kurz nachgedacht haben, dann doch. Die meisten allerdings nicht. 

Wenn mir in der Fahrradstraße Eberhardstraße, die für den privaten Autoverkehr verboten ist, ein Pkw entgegenkommt., dann kann ich es manchmal nicht lassen, mit der Hand mit erhobenem Zeigefinger zu wedeln, ein meist seit Kindheit bekanntes Zeichen der Warnung, des "Nein", der Missbilligung. Ob das verstanden wird, weiß ich nicht. Die meisten dürften diese Geste nicht mehr kennen oder nicht auf sich beziehen. Nur ein paar Mal ist es mir passiert, dass ein Autofahrer angehalten und mich gefragt hat, was her hier nicht darf, und dann sehr erstaunt war, dass er hier nicht mit dem Auto fahren darf. Er hatte sämtliche Verkehrszeichen alle nicht gesehen. 

Auch diese tadelnd winkende Geste mit der Hand ist ein uraltes Handzeichen im Straßenverkehr und findet sich in einem Stuttgarter Zeitungsartikel aus dem Jahr 1912, den mir Blogleser Bertram geschickt hat (Foto ganz unten).  Hier so beschrieben: ""Unterlassen einer bestimmten Handlung" , wie Abspringen von der Straßenbahn, Vorfahren usw.;Abwinken mit der rechten Hand, welche zu diesem Zwecke hocherhoben wird und bei dieser Gelegenheit raschdrehende Bewegungen im Handgelenk (in abweisender Form) ausführt.

Mir scheint das Wissen der Verkehrsteilnehmenden über die Bedeutung von Handzeichen allmählich verloren zu gehen, auch deshalb, weil es nur noch sehr selten vorkommt, dass die Polizei mal den Verkehr regelt, wenn eine Ampel ausgefallen ist. Die darf das und ihren Handzeichen ist unbedingt Folge zu leisten. Ich kenne die Bedeutung der Handzeichen noch, weil in den siebziger Jahren die Polizei öfter mal an Kreuzungen den Verkehr geregelt hat. Ich war aber vor ein paar Jahren mal Zeugin, wie ein Autofahrer dem Gebot "Halt" bei ausgefallener Ampel nicht Folge leiste, in vollem Tempo über die Kreuzung fuhr und eine querende Radfahrerin auf den Kühler nahm und schwer verletzte. 

Mir scheint manchmal, etliche Autofahrende sehen gar nichts mehr, wenn sie fahren, außer andere Autos und meistens noch die Ampeln, jedoch keine Stadtbahnen, keine Radelnden, keine Kinder, keine Menschen auf Zebrastreifen. Nicht alle, nicht einmal viele, aber doch einige mehr als, es sein sollten. 




16 Kommentare:

  1. Radfahrende müssen keine Handzeichen geben, bevor sie abbiegen, sie müssen das Abiegen lediglich rechtzeitig und deutlich ankündigen.

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    1. Sie dürfen auch Blinker benutzen. Einen habe ich mal gesehen, der sein Bein rausgestreckt hat, um seinen Richtungswechsel anzuzeigen. Das war für mich allerdings ziemlich missverständlich. Ich habe es erst kapiert, als er abbog.

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    2. Ich glaube, gemeint ist das Anzeigen durch einordnen in eine Richtungsspur, vielleicht auch entsprechendes positionieren in der Spur. Entscheidend ist aber sicherlich, dass es klar kommuniziert wird.

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    3. ich belasse auch oft die haende am lenkrad und wackel wild mit dem linken oder rechten ellenbogen, das wird hoffentlich auch gut verstanden.

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  2. Die Alte Weinsteige den Berg runter - da will ich mal den Radfahrer sehen, der mit einer Hand am Lenker noch die Geschwindigkeit kontrollieren kann - das geht brutal schief. Also nie mehr bergab fahren?

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    1. Das ist die Schwäche dieses Gebots. Wenn wir bremsen müssen, können wir schlecht Handzeichen geben. Aber nützlich ist es schon, wenn man seine Richtungsänderung anzeigt. Die Weinsteige bergab habe ich das schon mit einer Kopfbewegung gemacht, die zum Glück verstanden wurde.

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    2. Man kann Richtungsänderungen auch durch Einordnen auf der Fahrbahn anzeigen. Zur Mitte einordnen ist unmissverständlich.

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    3. ich fürchte das reicht nicht. Paragraf § 9 StVO regelt, dass man seine Richtungsänderung anzeigen muss. Und es ist auch unter Autofahrenden ein weit verbreitetes Missverständnis, dass man nicht mehr blinken müsse, wenn man auf der Links- oder Rechtsabbiegespur steht.

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    4. Wenn man als Radler steht kann man auch Handzeichen geben.
      Ich denke an Situationen, wo dies definitiv nicht geht, und dazu gehört eine Bergabfahrt, und auch der Abbiegevorgang selbst, während dessen es reichen muss, dass ich mich vorher (unter Anzeige des Vorgangs) eingeordnet habe, denn dann kann ich den Arm nicht mehr rausstrecken.

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  3. Achtung: Die Kommentare werden heute von mir händisch freigegeben.

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  4. Ich bin konsequente Handzeichengeberin zum eigenen Schutz, vor allem, seit ich schon mehrfach von rechts überholenden Fahrradfahrern beim Abbiegen fast vom Rad geholt worden bin. Erst vorgestern wieder ist so ein Lastenrad-Bolide kurz vor meinem Abbiegen rechts auf dem Gehweg an mir vorbeigerauscht. Denen rufe ich schon hinterher, was ich vom rechts Überholen halte...

    Generell läuft es halt mit Kommunikation im Straßenverkehr deutlich besser.

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  5. Bei starken Steigungen (auch bergauf!), hohen Geschwindigkeiten (über 30 km/h) und auf Kopfsteinpflaster ist mir einhändig fahren zu gefährlich, auch kurzzeitig. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, wenn man deutlich nach Hinten in die Richtung schaut, wo man gleich hin fährt - evtl. kann man zusätzlich ein paar cm. nach links/rechts fahren - wird das von anderen verstanden. Zumindest an den Stellen wo ich so vorbei komme.

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  6. Für alle, die sich ärgern, dass ich Kommentare lösche oder nicht freigebe: Ich stehe hier für alles, was ich sage, mit meinem Namen. Ich möchte, dass auch alle anderen, die mich persönlich angreifen oder andere Menschen persönlich angreifen oder verächtlich machen, ihren vollen Namen nennen (eigentlich auch E-Mail-Adressen, aber soweit will ich gar nicht gehen).

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  7. Wenn ich zwischen Handzeichen und Bremsen wählen muss, nehme ich Bremsen. D.h ich mach meistens vor dem Abbiegen ein Handzeichen aber je nach Situation kommt die Hand dann an die Bremse. Das fährt dann gelegentlich dazu, dass andere meinen ich hätte kein Handzeichen gegeben (letzt eine andere Radfahrerin die mir die Vorfahrt genommen hat weil sie annahm ich fahr gerade aus und will nicht linkts abbiegen und bei gerade aus, hatte ich quasi rechts an ihrer Fahrlinie vorbei gepasst) gegeben, das liegt aber dann daran, dass ich dann schon am verzögern bin und das gerne mit zwei Händen am Lenker mache, besonders wenn ich auch noch um die Kurve fahre)
    Was mir bei anderen auffällt: dunkle Jacke mit dunklen Handschuhen: man sieht das nicht also kann man es auch lassen, bzw Handschuhe anziehen die Reflektoren haben.
    Handzeichen zum abbiegen sollte klar sein, nicht mit der einen Hand neben dem Sattel wedeln, das sieht eher aus als wäre die eingeschlafen und keines von beiden ersetzt den Schulterblick. Gerade auf Wege durch Parks erlebe ich oft langsame Radfahrer die mit minimalem Handzeichen oder ganz ohne sehr abrupt nach links abbiegen, oft noch nicht mal in einen für Radfahrer freigegebenen Weg sondern nur zur Parkbank oder auf einen Fußpfad, Bitte: ihr wisst, dass viele schneller sind, gebt denen eine Chance euch nicht zu nahe zu kommen, wir machen das nicht als Hobby.
    Obwohl ich zu den Schnellen gehöre sehe ich mich vor dem links abbiegen immer um ob gerade einer vorbei will und das erwarte ich auch von denen die deutlich langsamer sind.

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  8. Ich glaube die meisten "Abbiegeunfälle" von Autos/LKWs passieren, weil nicht geblinkt wird. Dann fehlt jede Chance zum reagieren. Das sollten Fahrtenschreiber heute alles aufzeichnen und die Fahrer haftbar gemacht werden, wir leben 2026! Daten speichern und Autofahrer strafen.

    Handzeichen hier können Kinder/Menschen töten, winkt man ein Kind rüber, und geht es weiter passiert es an Inseln gerne, dass Illegal von hinten links an der Insel vorbei überholt wird, ich winke keine Kinder über die Straße, wegen der Autofahrer hinter mir.
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  9. Handzeichen geben ist ein Feature, kein Muss, denn sobald ein Radfahrer die Hand vom Lenker nimmt, hat er das Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle. Aber natürlich ist es für den nachfolgenden Verkehr von Vorteil, wenn man kurz mal die Hand raus streckt.

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