19. Mai 2026

Wird das Königsträßle Fahrradstraße?

Seit sechs Jahren diskutiert die Lokalpolitik darüber, ob das Königsträßle, das in Degerloch die Waldau mit Schönberg verbindet, Fahrradstraße werden soll, kann und darf.  Heute steht im zuständigen Gemeindratsausschuss  STA eine Entscheidung an. 

Fahrradstraße bedeutet Tempo 30.  Auf der Waldau gilt derzeit Tempo 30 und außerhalb im Wald Tempo 40. Und an Sonn- und Feiertagen darf dort gar nicht mit dem Auto gefahren werden. Dem Gemeinderat wurde am 5. Mai von der Verwaltung ein Kompromissvorschlag vorgelegt, wonach das Königsträßle bis zum Haus des Waldes Fahrradstraße wird und auf der Reststrecke bis Schönberg 40 km/h gefahren werden darf. Das Sonntagsfahrverbot bleibt.  Das sehen der ADFC und Teile des Gemeinderats anders. Denn eigentlich ist die gerade Strecke durch den Wald eine gute Radfahrstrecke, die auch von Jugendlichen genutzt werden kann, die auf der Waldau Sport machen oder zur Schule gehen. Und natürlich von Radpendelnden und Alltagsradfahrten zwischen Schönberg, Birkach, Plieningen und Stadtmitte. Der Radverkehr auf dieser Strecke (Hauptradroute 3) wird noch zunehmen, wenn entlang der Jahn- und Pischekstraße der Radweg fertig ist. 

Das Königsträßle ist schmal (5 Meter) und Autos können durchaus Angst einjagen, denn der Unterschied von 40 km/h zu 14 bis 20 (Normalräder) ist spürbar. Es fahren zwar nicht viele Autos (rund 400 in 16 Stunden), aber wir Radfahrenden wissen alle, dass ein paar Angst einjagende Begegnungen mit Autofahrern, die zu schnell von hinten kommen, zu knapp überholen oder zu schnell entgegenkommen, reichen, um einem eine Strecke zu vergällen. Mir ist auch ein Fall bekannt, wo ein junger Raser mit seinem Auto einen Radfahrer in den Graben gestoßen hat, mit der Folge einer schweren Verletzung. Und Eltern könnten zu viel Angst haben, ihre Kinder hier alleine zum Sport oder zur Schule radeln zu lassen. Überschreiten die Autofahrenden auf der geraden Strecke das Tempolimit von 40 km/h, dann hat man hier schnell Auto-Fahrgeschwindigkeiten von 50 km/h. Tempo 30 wäre also besser, brächte mehr Sicherheit für Radfahrende und würde die Autofahrenden nur eine Minute kosten. 40 km ist grundsätzlich für Radfahrende keine angenehme Autogeschwindigkeit im Mischverkehr. 

Deshalb ist eine Fahrradstraße die bessere Lösung, sie ist fahrradfreundlicher und damit menschenfreundlicher, sie macht Ängstlicheren Mut, das Rad anstelle des Autos zu nehmen und erleichtert allen die Mobilität, die kein Auto haben, keines fahren wollen oder keines fahren dürfen. In der Regel nimmt der Radverkehr auf Fahrradstraßen auch dann zu, wenn sie noch von Autos befahren werden dürfen. Der BUND hat außerdem darauf hingewiesen, dass es keine rechtliche Grundlage dafür gibt, auf dem Königstäßle außerorts Tempo 40 anzuordnen. Nach der Sanierung müsse wieder Tempo 60 gelten. Richtet man jedoch eine Fahrradstraße ein, entfällt das, denn dafür gelten eigene Geschwindigkeitsregeln. 

Es gibt einen gemeinsamen Antrag von Grünen, SPD, FrAKTION/Linke/Piraten/Tierschutzpartei und Puls, das Königsträßle in eine Fahrradstraße umzuwidmen und modale Filter einzurichten. Ob die SPD aber nicht doch dem Kompromissvorschlag der Verwaltung zustimmt, ist noch nicht so ganz sicher. Tempo 60 will sie aber auch nicht. Der Bezirksbeirat Birkach hat hingegen mit CDU, SPD, FDP und FW gegen eine Fahrradstraße und für Tempo 40 außerorts gestimmt. Das darf der Gemeinderat durchaus anders sehen, denn er hat auch die Interessen der ganzen Stadt (und ihrer Radfahrenden) im Blick. 





3 Kommentare:

  1. Liebe Christine,

    mich stört, dass man sich über das Überholen dort Gedanken macht. Die Straße ist gerade einmal 5 m breit und es ist außerorts. D.h. ein MINDESTabstand von 2,00 m ist beim Überholen einzuhalten -- und das ist ja mit einem normalen Auto, was ~2,20 m breit ist ja nicht möglich (außer wenn es durch den Wald und nicht auf der Straße fährt). D.h. ein Überholen ist unmöglich. Die Polizei und die Stadt sind zwar der Meinung, dass man den auch auf zu engen Straßen den Mindestabstand einhalten kann (ich hatte das mal am Oberen Kirchhaldenweg überprüfen lassen), aber in einem rationalen Universum geht es nicht. Vielleicht wird auch der Mindestabstand von der Polizei nur als unverbindliches Angebot und nicht als verpflichtend angesehen, damit sie sich mehr um Wichtigeres kümmern können.

    Ich wusste gar nicht, dass die Schwurbler jetzt bei uns die Radwegeplanung machen.

    Abgesehen davon ist die Diskussion ob 30 oder 40 oder 60 km/h als Höchstgeschwindigkeit wegen des absolut nicht hinnehmbaren Zeitverlustes für die KFZ ein absoluter Witz (es geht hier um maximal eine Minute).

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  2. Der STA hat den Vorschlag der Verwaltung zugestimmt. Sie SPD hat mit den Konservativen gestimmt. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Tempo 40 außerorts rechtskonform ist. Tja. Die Geschichte geht weiter.

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  3. Die Entscheidung zur Einrichtung einer Fahrradstraße ist erstmal zu beglückwünschen. Die Hürden dabei liegen leider nicht so niedrig, wie man es gerne hätte. Eine Einigung im Gemeinderat allein genügt nicht. Es ist ein Schritt, jedoch müssen die Hausaufgaben dafür gemacht werden. Ansonsten kommt ein Kläger daher, dem das nicht passt.

    Siehe hier: https://www.bergischgladbach.de/news/52559/fahrradstrasse-hasenweg-verwaltung-akzeptiert-eilbeschluss-des-verwaltungsgerichts--markierungen-werden-unwirksam-gemacht

    Ich hoffe sehr, dass es Degerloch besser macht und drücke die Daumen.

    Kölnradler

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