10. September 2026

Achtung, Nesenbach! Sturzgefährlich!


Seit Ende August fließt der Nesenbach in schmalen Rinnen wieder oberirdisch, so auch in der Möhringer Straße, in der Fußgängerzone beim Alten Rewe, die für den Radverkehr freigegeben ist. 

Wie die Stadt auf ihrer Seite schreibt, soll ein von vielen lang gehegter Wunsch gewesen sein, dass man den Bach wieder sieht. Der Gemeinderat hat es vor zwei Haushalten auch beschlossen. Damit da Frischwasser fließt, mussten die Quellen von Nesenbach, Eisenbach und Heideklingenbach in einer gesonderten Leitung vom Abwasser getrennt werden, das mit dem Nesenbach zum Neckar fließt. Am Marktplatz fließt das Bachwasser dann in den Eckensee. Später soll es bis zu den Seen im Schlossgarten weiterfließen. 

In der Möhringer Straße zum Marienplatz hin haben wir auch so ein Bächle und damit eine gefährliche Falle. Und das sie nass ist, macht die Sache nicht lustiger. Vor allem nicht für Blinde. Denn Blindenleitsystheme fehlen komplett. Mit dem Kinderwagen oder Fahrrad kommt man auch nur noch auf einer Seite durch. 

Früher ging die Hauptradroute 1 genau hier durch den Abschnitt zwischen Jella-Lepman-Straße und Marienplatz. Inzwischen verläuft sie über die Tannenstraße und Böblinger Straße. Menschen, die nicht so gerne Fahrbahn radeln und sich nicht durch den Parkplatzsuchverkehr in der Böblinger Straße fädeln wollen, nutzen den Abschnitt aber immer noch reichlich, der Weg ist ja für den Radverkehr freigegeben. Aber die Fläche hat sich jetzt für den Fuß- und Radverkehr halbiert. Es wird alles furchtbar eng. 

Wer sich nicht auskennt oder nicht so oft hier lang radelt und noch die alte Führung im Kopf hat, läuft zudem Gefahr, plötzlich in der Wasserrinne zu landen. Vor allem bei Dunkelheit. Das ist schon für Fußgänger:innen nicht so ohne, denn bei so einem Fehltritt stürzen und verletzen sich nur junge Menschen nicht, ältere aber zuverlässig. Wer die Verhältnisse schon kennt, wählt als Fußgänger:in oder Radler:in die richtige, die (auf dem Foto) rechte Wegseite. Auf der drängt sich aber jetzt alles: Radler:innen, Fußgänger:innen, E-Scooter (verboten), Eltern mit Kinderwagen. Und zwar auch deshalb, weil diese Müllkonainter eigentlich immer den Weg auf der anderen Seite versperren. 

An Menschen mit Kinderwagen hat niemand gedacht - die führenden Figuren bei der Stadt sind ja alle männlich. Die sind gut zu Fuß (und gehen hier auch nie lang) schieben keine Kinderwagen, haben keine Einkaufstrolleys bei sich und fahren auch nicht mit dem Fahrrad. Und den Blindenverband haben sie auch nicht gefragt.

Die Frau (siehe Foto), die vom Marienplatz auf der linken Seite heran kommt, stößt auf die Sperre aus Müllkontainern und Schildermast. Zum Glück ist ihr Kinderwagen schmal, sie kann den Wagen gerade so zwischen Halteverbotsmast und Rinne vorbei klemmen. Die andere Frau hat mit ihren deutlich breiterem Kinderwagen zum Glück den breiteren Weg rechts gewählt. Sie hätte hier umdrehen müssen. (Tja, Städte werden eben nie für Frauen,  Rollstuhlfahrende oder Blinde geplant und gemacht.) 

Die Passage zwischen Baumbeetbegrenzung einerseits und dem Schildermast anderseits und dem Ende der Abdeckung der Wasserrinne und dem Beginn des offenen Gewässers ist eng, wie man den dem Mann sieht, der da lang geht. Mit dem Fahrrad kommt man auch gerade so zwischen Bachkanal und Schildermast durch, sollte aber keinen Lenkfehler machen. 

Ich finde das gefährlich. Menschen zu Fuß und Radfahrenden so unvermutet eine Vertiefung im Gehweg vorzusetzen, ist nicht mehr zeitgemäß. Autofahrende würden mit Schildern gewarnt, für Fußgänger:innen und Radfahrende gibt es keinerlei Warnung. Sie tappen oder fahren einfach rein, wenn sie - was ja sowohl bei Fußgänger:innen als auch bei Radfahrenden vorkommt - von irgendeiner Situation nur kurz abgelenkt sind und nicht auf den Boden vor sich geschaut haben, auch im Vertrauen darauf, dass sich für sie (die Fußgänger:innen und Radfahrenden) keine Abgründe und nasse Stolperfallen auftun. 

Ich finde, hier muss die Stadt sehr schnell entschärfen. Tritte ins Lehre und Stürze mit den Schienbeinen gegen scharfe Steinkanten der Rinne, sind schmerzhaft, und je älter der Mensch, desto wahrscheinlich landet er danach im Krankenhaus. Will die Stadt das? Radfahrende, die hier unversehens ins Bächle fahren, stürzen übrigens auch dann zuverlässig, wenn sie mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sind, die Kante aber zu spät sehen. (Gerade langsam Radeln erzeugt mehr Lenkerbewegungen und verringert die Spurtreue.) 

Zur Abhilfe
  • Ans Ende der Bachabdeckung muss ein kleines Geländer oder Gitter hin, damit man nicht einfach weitergehen kann.
  • Bis dahin muss ein Warnschild aufgestellt werden. 
  • Der Laternenmast mit dem Halteverbotsschild muss versetzt werden. 
  • Und die Müllkontainer dürfen ab jetzt nicht mehr dort stehen und den Weg versperren. 
  • Außerdem könnte man die Radfreigabe einziehen und das ganze mit großen Schildern zur Fußgängerzone machen. Dann ist zwar die mit viel Aufwand installierte Fahrradampel am Überweg zum Marienplatz sinnlos geworden, aber das ist dann halt so. Ein Ende der Radfreigabe würde übrigens nicht dazu führen, dass da dann keine Räder mehr fahren, es bedürfte dann schon deutlicher Hinweise auf eine Änderung der Beschilderung, so wie man das für den Autoverkehr auch macht. Außerdem mögen etliche in der Rad-Community auch an dieser Durchfahrt hängen. 

10 Kommentare:

  1. „Die führenden Figuren bei der Stadt sind ja alle männlich“ – geht die Kritik an möglichen Planungsfehlern nicht auch ohne ein solches Geschlechterstereotyp?

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    1. Solange man den Eindruck haben muss, dass die Entscheidungen von älteren weißen Cis-Männern in der gewohnt patriarchalen Weise gefällt werden, muss man da drauf hinweisen. Ja.

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    2. Ich bin auch drüber gestolpert. Wollte erst nichts dazu schreiben.
      Ich finde es ebenfalls daneben.

      Die bekannte Faktenlage ist doch offensichtlich: Da wurde einfach unprofessionell gearbeitet. Wenn man nasepopelnd solch eine Entscheidung trifft, anstatt die betroffenen Personengruppen und Situationen zu berücksichtigen, kommt so was dabei raus. Das schafft auch eine Frau, mit dem Geschlecht hat das nichts zu tun.
      Und ich würde mir wünschen, solche Spitzen hier außen vor zu lassen.

      Mein Vorschlag wäre für die Dunkelheit ein sanftes blaues Licht, vielleicht in Form einer LED-Kette, in den Kanal zu legen. Dann sieht das wenigstens noch halbwegs schick aus.
      Für die Blinden beantworten das besser die Betroffenen.

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    3. Ich finde es gerechtfertigt anzuprangern, dass Gremien, die nur aus alten Männern bestehen, Entscheidungen treffen, die an den Lebensrealitäten vieler Menschen vorbeigehen, und mehr Diversität zu fordern.

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    4. Weiß man denn eigentlich, welcher „ältere weiße Cis-Mann“ diese konkrete Gestaltung verbrochen hat? Oder hat vielleicht eine Frau geplant, ein gemischtes Team entschieden und ein Mann am Ende unterschrieben?

      Und was genau sind eigentlich „führende Figuren“? Das klingt nicht unbedingt nach einer sachlichen Bezeichnung für Verantwortliche, sondern eher nach einer spöttischen, vielleicht sogar abwertenden Charakterisierung.

      Wenn die Kritik lautet, dass die Bedürfnisse von Blinden, Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrenden oder Radfahrenden nicht ausreichend berücksichtigt wurden, dann ist das eine konkrete und berechtigte Kritik. Dafür braucht es aber keine Spekulationen über Geschlecht, Hautfarbe und vermeintlich patriarchale Entscheidungsweisen. Oder ist die Vorstellung tatsächlich, dass Frauen solche Planungsfehler grundsätzlich nicht machen würden?

      Diversität in Planungsprozessen zu fordern, ist das eine. Aus einer misslungenen Planung auf die Eigenschaften der vermeintlich Verantwortlichen zu schließen, ohne überhaupt zu wissen, wer sie geplant, entschieden oder freigegeben hat, ist etwas anderes.

      Bernd

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  2. Das sieht so aus wie die Bächle in Freiburg. Da gibts auch keine Absperrungen, aber Überfahrten und Übergänge. Und in der Fußgängerzone sind die richtig nett.
    Die Leute sitzen da am Rand und baden die Füsse drin, die Kinder lassen die Bächleboote schwimmen und die werden auch gepflegt. Da gibt es richtige Bächleputzer bei der Stadt.
    Und in Freiburg fährt Hinz und Kunz per Rad durch die Fußgängerzone. Die packen das auch irgendwie.
    Vielleicht muss man sich nur ein bisschen daran gewöhnen? An die Bächle, woanders als in Freiburg.
    Karin

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    1. Ja, an anderen Stellen, wo der Nesenbach wieder da ist, ist das auch unproblematischer, weil genug Platz links und rechts für Fußgänger:innen (und Radfahrende ist), aber hier stehen Müllkontainer, ein Laternenmast und eine Baumbeetbegrenzung, die den Durchgang eng machen. Und wenn jemand geradeaus da durch geht, tappt er in den Bach.

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    2. Gibt es in Freiburg neben den Bachläufen eine Änderung des Pflasters? Das wäre sinnvoll damit man beim Laufen merkt dass man nicht mehr auf den normalen Gehwegplatten unterwegs ist (also so was wie Riffelsteine oder Kopfsteinpflaster)

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  3. ich muss auch ehrlich sagen, dass ich noch nie gerne durch diese kurze Fußgängerzone gefahren war.
    Insgesamt zu eng für zu viel Verkehr (sowohl Fuß- als auch Radverkehr)
    Zudem darf man sowieso nur in Schrittgeschwindigkeit durchfahren. Schneller gehts auch nicht wirklich weil einem immer jemand vors Fahrrad läuft zum Rewe rein, vom Rewe raus.
    Da muss ich jetzt nicht nach "dringenden Verbesserungen" rufen...

    Das beste wäre wirklich, dass man die Radfreigabe aufgibt, macht einfach keinen Sinn mehr seitdem die HHR drumherum geführt wird. (zumindest nicht während der Öffnungszeiten von Rewe)
    Nicht falscgh verstehen, bin gerne für kurze Wege. Aber ich möchte auch noch lebend ankommen, nicht von PAssanten (versehentlich) umgeworfen werden und auch keine Oma-Handtaschen am Lenker hängen haben wollen.

    Und die mögliche "Unfallgefahr" von Fußgängern... Naja, es gibt so viele Stellen an denen theorhetisch tödlich verunglücken könnte. Okay, manche schaffen das sogar. Nunja. Wie oben schon erwähnt Freiburg - da legts doch auch nicht hunderte Leute am Tag aufs Fressbrett.
    Ich merke es ja selbst an mir, einfach mal aufmerksam die Umgebung be(ob)achten. Handy in der Tasche lassen usw.
    Wie gesagt - ich bin kein Deut besser als andere. Ich merke es halt auch selbst an mir...

    Gruß
    Markus

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  4. Mir stellt sich durchaus die Frage, warum man diese Bachabdeckung überhaupt unterbricht. Weiter vorne ergibt das irgendwie noch Sinn, weil der Bach quasi die Abgrenzung zwischen Gehweg und Straße ist. bzw. das ganze auch eine Art Aufenthaltsqualität initiiert, aber an diesem engen Durchgang, wo davor auch noch die Tiefgaragenein/ausfahrt ist? Nicht durchdacht, auch nicht für Rollatoren,

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