Das ist eines von vielen Ergebnissen der TÜV-Mobilitätsstudie, die dieses Jahr erschienen ist.
Der Studie zufolge sagen 89 Prozent der Befragten, dass für ihre Lebensqualität und Sicherheit Fuß- und Radwege sicher und durchgängig ausgebaut sein müssten. Das sind acht Prozentpunkte mehr als diejenigen, die ausreichend Abstellflächen für Autos fordern. Noch wichtiger ist ihnen übrigens, dass öffentliche Verkehrsmittel zuverlässig funktionieren. 71 Prozent wünschen sich, dass der Verkehrslärm reduziert wird und 67 Prozent möchten, dass klimafreundliche Mobilitätsangebote gefördert werden.
83 Prozent fordern als verkehrspolitische Maßnahme den Ausbau sicherer Fahrradwege und Radparkplätze. 56 Prozent halten das Radfahren an ihrem Wohnort für unsicher bis sehr unsicher.
Das ist der höchste Wert im Vergleich zur Einschätzung der Sicherheit für Fußgänger:innen oder Autofahrende. 86 Prozent finden die Winterräumung von Radwegen wichtig und 81 Prozent wollen den Ausbau von Radwegen, die vom Autoverkehr getrennt sind. Übrigens ordnen sich 80 Prozent der Bevölkerung als Radfahrende ein, wie der Fahrradmonitor des Bundesverkehrsministeriums feststellt, und 41 Prozent sagen, dass sie das Fahrrad oder Pedelec regelmäßig nutzen. Und viele sagen, sie wollten es künftig noch häufiger nutzen. Auch Kinder radeln gern, fühlen sich aber schon ziemlich unsicher zwischen teils sehr großen Autos.Allerdings ist laut TÜV-Studie auch für 83 Prozent das Auto das wichtigste Verkehrsmittel und 81 Prozent sagen, sie seien aufs Auto angewiesen. Wobei die beruflichen Gründe nur 44 Prozent ausmachen, die privaten Gründe aber 59 Prozent. Nur 13 Prozent geben an, dass sie das Auto aus körperlichen Gründen bräuchten.
Vor allem auf dem Land und in Kleinstätten bleibt das Auto wichtig, in Großstädten verliert es an Bedeutung. In Städten über eine halbe Million Einwohner:innen (wie Stuttgart) gehen mit 68 Prozent sogar etwas mehr Menschen zu Fuß als mit dem Auto fahren (66 Prozent). Das Fahrrad (einschließlich Pedelecs) nutzen im Durchschnitt 32 Prozent. Je kleiner die Städte, desto weniger wird Rad gefahren, zu Fuß gegangen oder der öffentliche Nahverkehr genutzt, und desto mehr (in über 90 Prozent der Fälle) Auto gefahren. Die Nutzung des ÖPNV liegt zwischen 14 Prozent (Land) und 47 Prozent (Großstadt). Auch wenn sich die meisten besseren Nahverkehr, bessere Wege für Fußgänger:innen und bessere Radwege wünschen, sind sie der Studie zufolge gegen Einschränkungen des Autoverkehrs in Städten. Immerhin 40 Prozent befürworten sie aber.Mir scheint, dass die meisten Menschen für den Radverkehr sind - schließlich besitzen über 90 Prozent der Bürger:innen Fahrräder und sie würden teils auch öfter radeln -, aber nur dann, wenn der Radverkehr nicht zugleich ihre Interessen als Autofahrende beeinträchtigt, und die sind: schnell durchkommen und überall parken können. Unter Lärm leiden sie aber trotzdem. Und sie finden, dass alle (anderen) die Verkehrsregeln viel zu oft verletzten, übrigens nicht unbedingt die Radfahrenden mehr als die Autofahrenden. Auch Autofahrende fühlen sich von anderen Autofahrenden bedrängt.
Wer sich die Studie in den vielen Details anschauen will, kann diesem Link folgen.

Radverkehrsanlagen sind ein tolles NIMBY Thema. Jeder ist dafür, außer
AntwortenLöschen1: man hat plötzlich eine viel genutzte Radhauptroute vor der Tür (München St. Magnussstraße weil da Rennradler in den Forst fahren)
2: es fallen Parkplätze im Quartier weg, die Anwohner nutzen weil über Jahre akzeptiert wurde, dass private PKW auf öffentlichem Grund stehen und der Bau von Stellplätzen auf privatem Grund daher nicht im notwenigen Maß durchgeführt wurde (wer zahlt schon für einen Garagenstellplatz, wenn man das Auto auch kostenlos abstellen darf)
3: wenn man von konservativen Lokalpolitikern erzählt bekommt, dass die Stadt zusammenbrechen wird wenn auch nur ein weiterer Fahrstreifen weichen muss um einen Radweg zu bauen
Und eine weiteres Problem, dass bei solchen Umfragen komplett untergeht, sind die unterschiedlichen Vorstellungen was eine gute und sichere Radinfrastruktur ist und wie die genutzt werden soll. Viele wünschen sich Radwege auf denen sie mit kleinen Kindern gemütlich fahren können, oder eben langsam wo auch immer sie hin
wollen. Viele dieser Menschen verstehen nicht wieso ein ordentlicher Radweg 2,3m breit sein soll, weil sie nicht auf dem Schirm haben, dass das die Breite ist, die notwendig ist damit Überholvorgänge problemlos möglich sind.
Die Studie zeigt also, dass man mit der richtigen Kommunikation Radverkehr weiter fördern kann, aber leider nicht, dass das ein Selbstläufer ist, weil die Aktzeptanz der Nebenwirkungen nicht gefragt wird.
Ich finde es auch interessant, dass Akkubrände und Reichweitenprobleme als Hindernis für die Anschaffung eines E Autos gesehen wird.
Akkubrände sind viel seltener als Brände bei konventionellen Fahrzeugen und die Verfügbarkeit von Schnellladestationen machen es möglich mit einem E Auto quer durch Deutschland zu fahren und faktisch die Pause die man eh machen würde zum Laden zu nutzen. Wer nicht gerade Vertreter ist und jeden Tag > 800 km fährt, hat mir der Reichweite kein echtes Problem mehr.
Ich kenne nur sehr wenige Menschen die 1000 km ohne größere Pause fahren --> Pausen müssen anders geplant werden, mehr nicht.
Schutzstreifen außerorts wurden in Baden-Württemberg längst ausreichend getestet. Ergebnis:
AntwortenLöschen"Grundsätzlich ist außerorts die Anlage eines straßenbegleitenden Radweges der Markierung von Schutzstreife vorzuziehen." Als Übergangslösung aber möglich. https://www.agfk-bw.de/angebote/details/modellprojekt-schutzstreifen-4715
Lieber Karsten, ich denke, du wolltest eigentlich meinen Beitrag "Sachsen testet Schutzstreifen" kommentieren, nicht diesen hier.
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