1. November 2026

Licht am Fahrrad muss sein. Welches darf, welches nicht?

Jetzt im Winter radeln wir morgens und abends wieder im Dunkeln. Deshalb brauchen wir eine korrekte Beleuchtung. 

Am Rad dieser Radlerin (Bild rechts) fehlt, was unbedingt nötig ist: angeschaltetes Licht und Speichenreflektoren oder Reifenfenreflektoren. Immerhin hat sie eine helle Jacke an und fährt in einer hellen Stadt. Die Polizei würde sie aber anhalten und dürfte 20 Euro kassieren. 

Die Straßenverkehrs-Zulassungsordnung hat Richtlinien für die Fahrradbeleuchtung festgelegt. Sie verbietet blinkende rote Rücklichter am Fahrrad, erlaubt aber inzwischen Stecklichter, die nicht fest installiert sind und bei Helligkeit nicht mitgeführt werden müssen. Zulässig sind auch Abblendlichter mit zuschaltbarem Fernlicht. Sobald die Sichtverhältnisse schlecht sind, es dämmert, regendüster oder dunkel ist, braucht ein Fahrrad folgende vier Beleuchtungen:

  • Eine Frontbeleuchtung mit mindestens einem Scheinwerfer mit weißem Abblendlicht. Außerdem ist ein zusätzlicher weißer Reflektor vorn notwendig, der aber auch im Scheinwerfer eingebaut sein kann. Besser ist es, man hat einen zusätzlich. 
  • Ein rotes Rücklicht und ein roter Reflektor (der nicht dreieckig sein darf), der aber auch Teil des Rückbeleuchtung sein kann. Auch hier ist ein gesonderter roter Reflektor besser. 
  • Pedalreflektoren, also die gelben Rückstrahler, die an den Pedalen sind. Bei Dunkelheit werden die von den Autoscheinwerfern auf weite Entfernung erfasst. Ihre Auf- und Abbewegung ist das deutlichste optische Signal, dass ein Radfahrer unterwegs ist. 
  • Speichen- und Reifenreflektoren. Da sind diverse Möglichkeiten erlaubt: Die klassischen gelben Katzenaugen (zwei pro Laufrad), Speichenstäbe, also die weißen Röhrchen, die man auf die Speichen fädelt, oder reflektierende Reifen. Diesen Reflextreifen muss man sauber halten. 
Die Beleuchtung muss übrigens bei Dunkelheit am Fahrrad montiert sein. Eine Helmbeleuchtung mit Weißlicht vorne und Rotlicht hinten reicht nicht. 

Wichtig ist auch, dass die Frontlichter richtig eingestellt sind und Entgegenkommende nicht blenden. Auffällig viele sind zu hoch eingestellt, sie blenden sogar, wenn sie bei Pedelecs als Tagfahrlicht genutzt werden. Die Gefahr ist aber bei an den Lenker geklipster Frontbeleuchtung noch größer als bei fest am Fahrrad verbauten Lichtern. Der Lichtkegel sollte schräg nach unten auf den Boden gehen, nicht in die Gesichter der Fußgänger:innen oder Radfahrenden. So ungefähr zehn Meter vor dem Vorderreifen, sollte der Lichtkegel auf den Boden treffen. Heutige Frontlichter können aber auch bis zu 50 Meter weit reichen, ohne zu blenden. Entscheidend ist, dass sie nicht streuen, sondern eine klare hell-dunkel-Grenze besitzen. Ruft dir beim Radeln ein Entgegenkommender "blendet!" zu, dann überprüfe, ob dein Licht zu hoch eingestellt ist. Alle anderen Radelnden werden es dir danken. 

Blinkende Rücklichter am Fahrrad sind verboten. Sie blenden oft und machen die Entfernungsabschätzung schwierig. Außerdem ziehen sie Aufmerksamkeit auf sich (weil man herausfinden will, was für ein Lichtalarm da vorne ist) und senken damit gleichzeitig die Aufmerksamkeit für das Verkehrsgeschehen und die Radfahrenden dazwischen. Allerdings darf man an der Kleidung oder am Helm zusätzlich Blinkelemente verwenden. 

Ich finde es wichtig, dass ich Radfahrende im Dunkeln eindeutig als solche erkennen kann. Das heißt, die Beleuchtung muss typisch und auf typischer Höhe sein. Von vorn und hinten sind wir an den Lichtern auf Fahrradhöhe und vor allem an den sich auf und ab bewegenden Pedalen und deren Reflektoren erkennbar. Von der Seite sind wir erkennbar an den orangefarbenen Katzenaugen, die sich mit dem Reifen drehen und/oder an den runden Reifenreflektoren. Ich habe mal fast einen Radfahrer beim Linkssabbiegen übersehen, der nur mit einer Stirnlampe als Beleuchtung die Alte Weinsteige runter gerast kam. Sein Licht war viel zu weit oben. Zusätzliche Körperbeleuchtung irritiert mich als Radfahrerin eher, sie lenkt mich ab und blendet oft. 

Ungefähr zehn Prozent aller Radfahrenden sind bei Dunkelheit komplett ohne Licht unterwegs. Insgesamt 22 Prozent sind mit Mängeln oder ohne Licht unterwegs. Allerdings spielte beispielsweise 2023 unzulängliche Fahrradbeleuchtung nur bei 0,13 Prozent der Unfälle eine Rolle. Dem ADFC zufolge ereignen sich eh 80 Prozent der Crashs bei Tag. Und bei Zusammenstößen bei Nacht waren andere Faktoren ausschlaggebend. Die Mithaftung bei einem Crash, bei dem man als Radler:in schuldlos war, liegt bei 30 bis 50 Prozent, wenn man kein Licht an hatte. 

Die Gründe fürs Fahren ohne Licht sind sind mir nicht immer ganz klar. Manche Räder haben eine fest installierte Beleuchtung, sie aber nicht angestellt. So wie die Radlerin auf dem Foto ganz oben. 
  • Vielleicht vermissen manche Radfahrenden ihr Frontlicht nicht, weil die städtische Umgebung so hell ist (das passiert Autofahrenden auch manchmal). Sie sehen selber ausrechend gut und tatsächlich - das muss man ehrlicherweise zugeben - werden auch sie in einer hellen Stadt recht gut gesehen, auch ohne Licht am Rad. Dabei unterliegen etliche Menschen der Perspektiven-Täuschung: Sie denken, ich sehe doch alles, also werde auch in von allen gesehen. Das stimmt aber nicht, vor allem, wenn es wirklich finster ist (Bild ganz unten).
  • Manchmal überhole ich Radfahrende, deren Rücklicht dunkel ist, deren Frontlicht aber tut. Sie haben den Defekt am Rücklicht nicht bemerkt, weshalb ich es ihnen sage. Auch mich hat mal ein Radler auf mein defektes Rücklicht aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür. Ich habe es anderntags repariert. Technische Defekte an der Beleuchtung entstehen oft durch Wackelkontakte an den Kabelverbindungen (dran ruckeln hilft manchmal). Oder man hat aus Versehen das Kabel an der Pedeleceinheit am Lenker rausgerissen. Manchmal ist auch die Birne durchgebrannt. 
  • Manche sind auch bei Tageslicht losgefahren und kommen auf dem Heimweg in die Dunkelheit, haben aber vergessen, ihre Stecklichter mitzunehmen. Oder sie haben vergessen, sie aufzuladen. Oder sie haben sie beim Abstellen am Fahrrad gelassen und sie wurden ihnen geklaut.Auch solche Fälle kenne ich. 
  • Manche sind auch schlichtweg zu faul, ihre Lichter für eine Fahrt von ein bis drei Kilometern ans Fahrrad zu stecken. (Fest verbaute Lichter sind schon ein Vorteil.) 
Der Grund, warum wir früher das Licht nur ungern angestellt haben, der laute und bremsende Felgendynamo (Foto rechts), dürfte heute keine Rolle mehr spielen. Der Nabendynamo, der heute den Strom für die Beleuchtung liefert, hat zwar auch einen Widerstand, der ist aber nicht als Bremse spürbar, sondern geht im Roll- und Windwiderstand komplett unter. 

Pedelecs haben oft nicht einmal mehr einen Nabendynamo, sondern werden vom Fahrradakku versorgt. Und selbst, wenn der Akku anzeigt, dass er leer ist, und keine Energie mehr fürs Radeln liefert, so ist immer noch zwei Stunden lang Strom für die Radbeleuchtung mit LED-Lampen da. Mit Licht radeln war noch nie so einfach wie heute.

Wenn es stockfinster ist, dann sieht man Radler:innen wirklich überhaupt nicht, so wie auf dem Foto von der Kirchheimer Straße zwischen Degerloch und Sillenbuch, wo der Gehweg der Radweg ist (Foto rechts). Vielleicht sieht der Radler selber mit guten jungen Augen noch den von Autoscheinwerfern erhellten Bordstein des Gehwegs. Und er erkennt entgegenkommende Radlerinnen am Scheinwerfer und weicht aus. Aber gesehen wird er von entgegenkommenden Radfahrenden nicht. Und die erschecken zu Tode. Außerdem sieht er den schwarz gekleideten Fußgänger auf dem Gehweg auch nicht, oder erst im allerletzten Moment. (Der Gehweg zwischen Degerloch und Sillenbuch hat jetzt übrigens eine reflektierende Leit-Linie am Bordstein.) 

2 Kommentare:

  1. Es soll auch Leute geben die das Licht am Fahrrad nicht benutzen, weil man ja genug sieht. Ich habe es aktuell auch tagsüber an, damit ich leichter gesehen werde.

    AntwortenLöschen
  2. Auch ich habe wie mein Vorschreiber das Licht dauerhaft an - und zwar ganzjährig. Aus dem einfachen Grund, dass das an Krafträdern Pflicht ist, damit man sie eher als solche erkennt. Radfahrende bilden eine ganz ähnliche Silhouette, von daher ist es für mich nur eine logische Konsequenz, stets mit Licht zu fahren.

    Was mich an den Stecklichtern und den Regelungen stört: Was machen die Fahrenden, wenn sie durch einen Tunnel fahren? Was, wenn sie - wie oben beschrieben - im Hellen losfahren, es unterwegs aber zu ungeplanten Verzögerungen kommt und man im Dunkeln zurück fährt?

    Ich sehe viele "coole" Bikes. Cool ist wohl auch, dass die ohne fest verbaute Beleuchtung ausgeliefert werden. Im KFZ-Bereich ist das undenkbar.

    AntwortenLöschen