27. Juni 2014

Es geht ja doch - Neckarstraße

Die Neckarstraße hat plötzlich einen neuen Sicherheitsstreifen für Radler bekommen, der jetzt bis zum Neckartor durchgeht. Hurra! Toll! Super! 

Er führt - was in Stuttgart äußerst selten ist - zwischen der Linksabbieger- und Geradeausspur für Autos jetzt samt vorgezogener Aufstelllinie an der Ampel über die Heilmannstraße hinweg. Stuttgart wird doch noch Fahrradstadt.





Diese Sicherheitsspur (gestrichelte statt durchgezogener Linie), die ich hier ab und zu mal auch Radspur nenne, beginnt seit Längerem schon auf Höhe des Zeppelin-Gymnasiums und führte seit Kurzem bereits bis zur Ampelanlage an der Hackstraße vor.

(Wer wissen will, wie es vorher in der Neckarstaße zuging, hier ist der Link.)

Dort endete sie bisher, was zu Schnellstarts der nebenan an der Ampel aufgestellten Autofahrer führte, die unbedingt vor mir, der Radlerin, an der Staatsanwaltschaft vorbeisausen wollten. Jetzt schafft die Radspur eindeutig Platz für Radler.

Der Gehweg ist hier übrigens nicht für Radler freigegeben, weshalb man die Sicherheitsspur auch nicht als Radweg ausgeschildert hat. Radler müssen hier seit jeher auf der Fahrbahn fahren. Sie tun es aber oft nicht, wie man sieht. Auch jetzt nicht. Vermutlich müssen Radler sich erst daran gewöhnen, dass es hier jetzt was für sie gibt, das das Sicherheitsgefühl auf Fahrbahnen erhöhen soll.

Das bedeutet generell für alle Autofahrer (wie überhaupt ein Sicherheitssreifen): Achtung, Radler vorlassen! Es sei aber allen Radfahrern dringend angeraten, darauf zu achten, dass die Autofahrer (die aus der Einfahrt kommen und links hinter einem fahren) einen auch wirklich sehen.

Denn natürlich dürfen Autofahrer hier ihre Spuren wechseln und über den Streifen hinüber fahren.

Ein Radler der, wie ich, sehr oft nach der Ampel links hoch in die Werrastraße fährt, darf natürlich die Spur auch verlassen und sich links auf der Abbiegespur einordnen. Es gibt keinen Zwang, auf dieser Sicherheitsspur zu radeln.

Die Aufstelllinie ist an der Ampel vor die Aufstellinien für Autos vorgezogen, damit Autofahrer den Radler auch sehen. Alle haben aber hier eigentlich genügend Platz, um einander nicht ins Gehege zu kommen. Den rechts auf der Abbiegespur fahrenden Autos, ist es eindeutig verboten, die durchgezogene Linie der Radspur nach links zu überqueren. Wenn sich die Autofahrer an die Verkehrsregeln halten, dann ist der Radler hier sicher.


Über die Heilmannstraße hinweg wird die Radspur fortgeführt, wo sie, wie bisher auch, doch relativ schmal an geparkten Autos entlang (Türauf-Unfall-Gefahr!) zur Radlerampel am Neckartor weitergeht.

Ich finde das jetzt erst einmal nur gut. Ausführlich über Details nörgeln kann man später mal. (Beispielsweise ist an der Ampel Heilmannstraße eben leider nicht vorgesehen, dass Radler links oder rechts abbiegen. Sie werden geradeaus gezwungen.) Jetzt erst einmal gefällt mir das einfach nur.

Es gibt Dutzende von zweispurigen Straßen in Stuttgart, wo man das an den Ampeln auch so machen könnte und machen muss. Und wie man hier sehr gut sehen kann, wird den Autos keine Fahrspur weggenommen. Es ist also möglich! 

Die Neckarstaße ist zwar offiziell nicht Teil der Radhauptroute 1 (des Tallängswegs), aber eine gute Alternative, wenn man sich einen Teil des Schlossgartens sparen will (weil es finstere Nacht ist, z.B.).

Kommentare:

  1. Du kannst es dir schon denken, ich finde es nicht gut :-) Die ganzen Probleme, die der Schutzstreifen (wie es korrekt heißt) aufwirft gäbe es nicht, wenn einfach darauf verzichtet werden würde. Dann könnten Radfahrer auf den ganz normalen Fahrspuren fahren, müssten nicht umständlich über die eine Blutspur (wie die roten Streifen bei Kritikern genannt werden) geleitet werden. Zusätzlich würden Autofahrer nicht noch dazu angeleitet werden zu dicht zu überholen. Auch die Ausfahrtsituationen beim DRK und den Autohäusern würde entschärft.

    Die Neckarstraße war und bleibt eins der abschreckendsten Beispiele, wie es nicht gemacht werden sollte, wenn Verkehrsplaner den Radverkehr wirklich sicher führen wollen.

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Ein Beispiel: Will ich über die Kreuzung mit der Heilmannstraße hinweg zum Neckartor, konnte ich mich früher in die Warteschlange der geradeausfahrenden Fahrzeuge einordnen. Wo war ich dann, nachdem ich diese Kreuzung hinter mir gelassen habe? Richtig geraten: immer noch in der Fahrzeugschlange. Ich konnte den Schutzstreifen rechts liegen lassen, um genügend Abstand von den rechts neben ihm geparkten Fahrzeugen zu lassen. Mit dieser Neuerung ist das Verkehrsklima vergiftet: Autofahrer und Polizei meinen, dass ich auf diesem Schutzstreifen fahren müsste; denn »Wozu sonst wurde der Schutzstreifen angelegt?«. Entspreche ich dieser Erwartung, bin ich dann wo hinter der Kreuzung? Immer noch rechts der Fahrzeugschlange und damit im Aufklappbereich der Türen der geparkten Autos! Sich diese Selbstgefährdung nicht aufdrängen zu lassen, braucht noch viel mehr Nervenstärke und einen dicken Geldbeutel für den Rechtsstreit!

      Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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  2. Ja, ich weiß, dass das allen nervenstarken Radlern nicht gefällt. Ich fahre auch viel auf Fahrbahnen, aber mit gefällt es, weil ich mich an dieser Stelle nun nicht mehr in den Autostau einreihen muss, sondern an der Ampel vorfahren kann, falls ich mal geradeaus will. Radler, die im Autostaustehen, weil die Autos ihnen keinen Platz auf der Fahrspur zum Vorfahren lassen, ist ja auch nicht die Lösung. Das führt dazu, dass auch Rennradler und andere Routiniers an solchen Stellen auf den Gehweg ausweichen, um schnell durchzukommen. Und ich fürchte, Stuttgart wird es nicht schaffen, zur Fahrradstadt zu werden, wenn es nicht sichtbare Zeichen auf die Fahrbahnen malt. Dur die Sichtbarkeit von Radfahrern und Radwegführungen bringt noch Unentschlossene dazu, anzunehmen, man könne in Stuttgart doch ganz gut Rad fahren.

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  3. Gut, das mit dem Stau ist ein Argument für die Streifen. Aber ich stehe lieber im Stau anstatt mich auf einem Streifen anfahren zu lassen, der Sicherheit nur vorgaukelt, aber keine bietet.

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    1. Ich weiß auch, dass Sicherheitsspuren nicht sicherer sind. Und am gefährlichsten sind Radwege. Aber gefährlich ist auch das Radeln auf dem Gehweg wegen der Abbiegeunfälle. Es geht um gefühlte Sicherheit. Ich rede oft mit Leuten, die mir erklären, sie würden ja Rad fahren, aber es gebe ja keine Radwege. Solche Straßenmalereien zeigen diesen Leuten, dass man doch Radler haben will. Und auf der Fahrbahn sind sie sicherer als auf diesen Radwegen oder Gehwegen.

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  4. Ich finde diese Entwicklung gut. Es tut sich was für Radfahrer. Was habe ich mich jahrelang über diesen lächerlichen Radstreifen in der Neckarstarsse amüsiert, der nach gefühlten hundert Metern am Stöckach endete... Und nun das :-)

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  5. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es vor gefühlt zehn Jahren einen Aufstand gab (und Presseartikel), weil diese kleine kurze Radspur den Autofahrern eine ganze Fahrspur wegnahm. Man prognostizierte heillose Staus. Dann verblasste die Spur allmählich. Und auf einmal, nachdem ich mein Blog angefangen hatte, wurde die Spur bis zur Aufstellinie an der Ampel Hackstraße verlängert. Und jetzt das ...

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  6. Ein Beispiel: Will ich über die Kreuzung
    mit der Heilmannstraße hinweg zum Neckartor, konnte ich mich
    früher in die Warteschlange der geradeausfahrenden Fahrzeuge
    einordnen. Wo war ich dann, nachdem ich diese Kreuzung hinter mir
    gelassen habe? Richtig geraten: immer noch in der
    Fahrzeugschlange. Ich konnte den Schutzstreifen rechts liegen
    lassen, um genügend Abstand von den rechts neben ihm geparkten
    Fahrzeugen zu lassen. Mit dieser Neuerung ist das Verkehrsklima
    vergiftet: Autofahrer und Polizei meinen, dass ich auf diesem
    Schutzstreifen fahren müsste; denn »Wozu sonst wurde der
    Schutzstreifen angelegt?«. Entspreche ich dieser Erwartung, bin
    ich dann wo hinter der Kreuzung? Immer noch rechts der
    Fahrzeugschlange und damit im Aufklappbereich der Türen der geparkten
    Autos! Sich diese Selbstgefährdung nicht aufdrängen zu lassen,
    braucht noch viel mehr Nervenstärke und einen dicken Geldbeutel
    für den Rechtsstreit!

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Ich habe mich meistens links vorn auf der Rechtsabbiegespur eingeordnet. Dann konnten die Autos, die geradaus wollten, losfahren, und ich bin direkt auf die Sicherheitsspur gekommen. Dort bin ich übrigens eher links und nicht direkt an den Autos entlang gefahren, habe als Abstand zu den Türen gehalten. Auf dem Schutzstreifen muss der Radler nicht fahren. (Und Autos dürfen darauf fahren, wenn sie keinen Radler behindern.) Ich möchte den Polizisten erleben, der mit mir anfängt darüber zu diskutieren, ob ich auf dem Schutzstreifen fahren muss. Auf das Gespräch freue ich mich schon. Aber das passiert nicht, denn die Polizei kümmert sich so gut wie gar nicht um den fließenden Verkehr. Sonst würde sie illegal fahrende Autofahrer ständig anhalten müssen.

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  7. Aus Neugier bin ich vom Neckartor-Überweg in Richtung Stöckach gefahren und wollte dieses schöne "Roter-Radstreifen-Weg" Gefühl erleben. Aber: da gibt es sowas nicht. An der Ampel an der Kreuzung Neckar/Heilmannstraße hat mich ein auf der Rechtsabbiegespur anfahrender Autist nachhaltig geradeaus beschleunigen wollen. Also nix mit Sicherheitssreifen und solche Sachen. An der Straßenbahnhaltestelle wird es dann so eng, dass jeder lebenswillige/mutige Radfahrer sich entweder breit macht und in der Fahrbahnmitte fährt oder auf den Gehweg ausweicht.
    Schon gewusst dass hier durchgänging maximal 30 km/h (30er Zone) geboten ist? Klar da braucht es keinen roten Streifen, genauso wie auf der anderen Seite. Vielleicht wäre ein bisschen städtischer Geschwindigkeitsmessdienst oder die Polizeipräsenz (die auch mal aus ihren blauen Luxuskarossen aussteigt) wirksamer wie ein roter Streifen.
    Nichts für ungut, aber diese Straßenmalerei finde ich überflüssig.
    Gruß vom Fellbacher

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  8. Genauso, wie du das beschreibst, fährt man die Neckarstraße stadtauswärts. Die Spur endet an der Heilmannstraße, danach fährt man zwischen Autofahrern. Und zwar angenehmerweise zwischen ihnen, also nicht neben ihnen. Auf diesem schmalen Abschnitt zeigt sich, wie gut es wäre, wenn Autos und Räder gemischt hintereinander fahren. Radler werden immer gesehen. (Hier ist allerdings Tempo 30, und wegen der Ampeln kann hier niemand schneller fahren.) Danach aber wünschte ich mir einen Radstreifen.

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