Posts mit dem Label Psychologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Psychologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

28. August 2025

Warum verstoßen wir gegen Vekehrsregeln?

Der Straßenverkehr ist komplex, und wir dürften uns alle einig sein, dass es Regeln braucht, damit alle irgendwie unbeschadet vorankommen. Zugleich ist kaum etwas so normiert wie der Straßenverkehr. Wenn wir uns in ihm bewegen, müssen wir etliche Regeln beachten. 

Wir machen aber alle die Erfahrung, dass sich nicht nicht alle - auch wir selbst nicht - an alle Regeln halten, die der Gesetzgeber aufstellt. Manche Regeln werden grundsätzlich anerkannt, aber dennoch missachtet, wenn man für sich eine gute Begründung dafür hat, etwa fürs Parken im Parkverbot oder schneller fahren als erlaubt. Radfahrende und Gehende wiederum überqueren eine Straße immer mal wieder bei Rot, wenn sie für sich keine Gefahr sehen. Eine Diplomarbeit von Fabian Kühne von 2007 (hinter Bezahlschranke) geht der Frage nach, wie es dazu kommt, dass Verkehrsteilnehmer:innen sich mehr oder weniger an Verkehrsregeln halten und was notwendig wäre, damit sie sich regelkonform verhalten. Menschen halten Regeln besser ein, wenn sie eine Belohnung dafür kriegen, das ist aber im Straßenverkehr nicht der Fall. Folglich wirkt vor allem die Angst vor der Härte einer Strafe.

Ein erster Grund für Regelverletzungen, der für alle gilt, ist, dass wir nicht am Straßenverkehr teilnehmen, weil wir unbedingt Teil dieses Spiels und seiner Spielregeln sein wollen, sondern weil wir von A  nach B wollen und keine andere Wahl haben. Dabei lernen wir: Das Sanktionsrisiko bei den meiten Verstößen ist gering, sie bleiben in der Regel folgenlos. Der Gewinn durch einen Regelverstoß erscheint uns höher als das Risiko einer Verlusterfahrung durch Strafe. Das kann eine Präferenz für regelwidriges Verhalten erzeugen. Hinzu kommt, dass die Sozialkontrolle im Straßenverkehr fast völlig fehlt. Man agiert allein und weitgehend anonym. Und mit Moral verbinden wir die Beachtung von Verkehrsregeln auch nicht. 

8. August 2025

Radfahren ist ein Game Changer: für mich und für andere

Radfahren hat das Leben von Lena Rauschenecker verändert. Sie ist maximal flexibel und bewegt sich viel mehr als früher, schreibt sie. 

In einem Artikel für Utopia nennt sie neun Gründe fürs Radfahren. Egal, ob fünf, sieben oder zwölf,  gute Gründe gibt es viele und sie werden regelmäßig in den Medien (und auch bei mir im Blog) aufgeführt. Damit überzeugt man Leute nicht, die bislang das Auto für das einzige Vehikel von Ungebundenheit halten. Aber uns Radfahrenden tut es gut, sie zu hören oder zu lesen. Und sie können uns helfen, anderen zu erklären, warum glücklich ist, wer Rad fahren darf und nicht Auto fahren muss. Denn die Radmoblität ist nicht nur gut für uns, sondern auch für andere, für Autofahrende, für Einwohner:innen einer Stadt, sogar für die städtischen Finanzen. 

15. Juli 2025

Landstraßen mit dem Rad queren ist riskant

Die Stuttgarter Zeitung hat einen differenzierten Artikel über Senior:innen auf Pedelecs veröffentlicht, die vor allem auf Landstraßen unverhältnismäßig oft Opfer von meist selbstverschuldeten Zusammenstößen mit Autos werden. 

Die Zeitung schreibt, oftmals seien es beim Überqueren von Landstraßen mit E-Rädern die Frauen, die ihren Männern folgen, obgleich ein Auto kommt, und das auch noch sehr schnell. Über die Gefahren beim Radeln zu mehreren habe ich bereits geschrieben. Der vorausfahrende Radler sieht für sich eine freie Straße und die Gelegenheit und fährt  beispielsweise aus dem Feldweg über eine Landstraße. Damit bringt er jedoch die Nachfolgenden in Gefahr. Denn die befinden sich im Vertrauensmodus hinter einem Anführer und Entscheider. Sie wollen dranbleiben, gucken nicht oder schaffen es nicht, sich mental blitzschnell vom Voranfahrenden zu lösen, eine eigene Entscheidung zu treffen, anzuhalten und den Verkehr abzuwarten. Das passiert auch Jugendlichen. Es passiert aber eben auch bei radelnden Paaren im Rentenalter. Da die meist Pedelecs fahren, entsteht der Eindruck, als seien die Pedelec-Fahrenden im Vergleich zu Normalradfahrenden besonders gefährdet. Würden sie Normalräder fahren, bestünden allerdings die gleichen Gefahren. Es stimmt aber auch, dass die Senior:innen vielfach gar nicht mehr Rad fahren würden, gäbe es diese Räder mit E-Unterstützung nicht. In den allermeisten Fällen verlaufen all diese Radfahrten übrigens unfallfrei, und mit Pedelcs radeln ist gesund, hält mobil und ermöglicht Teilhabe im Alter, ist also gut. Es darf also nicht darum gehen, Pedelecs zur Hauptgefahr und stilisieren und zu verdammen. Autofahren ist gefährlicher, wenn auch nicht für die Senior:innen selbst, so doch für andere. 

Die Polizei sucht im Zeitungsartikel allerdings aufs Pedelec bezogene Erklärungen:

9. Juli 2025

Framing - so beschönigen wir den Autoverkehr

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat Mitte Mai an einen Polizisten der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster den den DVR-Förderpreis für seine Masterarbeit über das Framing in der Presseberichterstattung der Polizei verliehen. 

In seinem Bericht darüber verwendet der DRV selbst bereits nicht mehr das Wort "Unfall" oder "Verkehrsunfall", sondern "Verkehrskollision". Mehr als neunzig Prozent der Zusammenstöße seien auf menschliches Versagen zurückzuführen, heißt es. Fehlverhalten müsse klar benannt werden, damit (Auto-)Fahrende ihr Verhalten ändern. Der DVR fordert einen Kulturwandel in der Berichterstattung über das Geschehen im Straßenverkehr. Die Masterarbeit selbst ist mir nicht zugänglich. Sie stammt aus dem Jahr 2023. Ich habe immer wieder über das Thema geschrieben, sei es über die Mär vom starken und schwachen Verkehrsteilnehmer, über die tückische Doppeldeutigkeit des Bergriffs der "Verkehrsopfer" oder wie unsere Sprache die wahren Gewaltverhältnisse im Straßenverkehr verschleiert und die Verkehrswende verhindert. Zum Framing gehört auch, dass Radfahren in Artikeln regelmäßig als gefährlich (für einen selbst) dargestellt wird, Autofahren aber nie als gefährlich für andere, die nicht im Auto sitzen. Gleichzeitig wird der Radverkehr in den Medien oft als rowdyhaft, also rücksichtlos und gefährlich für Fußgänger:innen angeprangert, obgleich die tödlichen Gefahren vom Autoverkehr ausgehen. 

Es gibt aber auch ein softeres und beinahe unmerkliches Framing, mit dem wir in unserer Gesellschaft die Dominanz des Autoverkehrs über unser ganzes Leben als unabänderlich bestätigen. Etwa wenn der Autoverkehr als als Naturgewalt beschrieben und damit suggeriert wird, dass man ihm nachgeben, ihn fließen lassen muss. Darüber ließe sich eine Dissertation schreiben. Hier nur ein paar Beispiele für Soft-Framing: 

12. Mai 2025

Ablenkung beim Fahren ist hochgefährlich

Ich bin kürzlich fast in einen entgegenkommenden Radfahrer hineingefahren, weil ich kurz auf meinen Tacho am Fahrradlenker geschaut habe. Wer sich beim Radeln mit dem Handy beschäftigt ist noch länger abgelenkt. 

Viele rätselhaft erscheinende Unfälle von Autofahrenden dürften auf Ablenkung durchs Handy zurückgehen, was aber nur schwer nachweisbar ist. Ein Indiz ist für die Polizei, wenn das Telefon links vorn im Fußraum eines verunfallten Autos liegt. Das tödliche Potenzial von Autos und abgelenkten Fahrer:innen ist sehr viel höher als das von Radfahrenden, die abgelenkt sind, weil sie telefonieren oder auf dem Smartphone am Lenker herumtippen. Aber man gefährdet auch sich selbst. Kürzlich hat mir eine Radlerin erzählt, dass sie mal auf einem Feldweg radelte und dabei auf dem Handy etwas eintippte. Sie hörte ein Hupen, schaute hoch und sah, dass ein Traktor auf sie zu kam. Zum Glück hatte dessen Fahrer das Gefühl, er solle jetzt mal auf sich aufmerksam mache, sonst wäre sie in ihn hineingefahren. Ich sehe immer wieder auch Radfahrende mit dem Handy in der Hand oder am Ohr radeln.

28. April 2025

In welcher Farbe wird man am besten gesehen?

Wer leuchtend grüne Kleidung anhat, wird auf Fahrrad am besten gesehen. Das behauptet die Seite Francevelo, leider ohne die zugrunde liegende Studie anzugeben. 

Die meisten Warnwesten sind gelb, manche mit leichtem Grünstich, aber das ist offenbar gar nicht die beste Farbe, um von Autofahrenden auf weitere Entfernung erkannt zu werden. Während vom Auto aus ein gelb gekleideter Radfahrer auf 37 Meter erkannt wird, sind es bei einer grün gekleideten Radlerin schon 130 Meter (siehe Grafik unten). Woher diese Zahlen kommen (im Original sind "foot" angegeben), habe ich bislang noch nicht herausgefunden. Allerdings liegt dem keine neue Erkenntnis zugrunde, sondern gängiges Wissen, wenn auch nicht sonderlich bekanntes Wissen. Unsere gesunden Augen haben halt besonders viele Rezeptoren für Grün, weil das in der Natur die wichtigste Farbe ist. 

8. April 2025

Ampelstopps machen uns intelligenter

Wer durch die Stadt mit dem Rad zur Arbeit pendelt oder regelmäßig mindestens eine halbe Stunde mit dem Rad fährt, hat ein ideales Intervalltraining für geistige Gesundheit. 

Das sagt der dänische Hirnforscher Troels W. Kjær, wie unter anderem der Nordschleswiger kurz berichtet. Radfahren macht klüger, weil es das Gehirn stimuliert, über Botenstoffe, die zu neuen Verknüpfungen führen. Viele Verknüpfungen im Gehirn machen geistige Leistungen schneller und leichter.  Dass die Radfahrt zur Arbeit gut für die geistige Leistungsfähigkeit ist, wissen wir allerdings schon lange. 

Neu ist mir, dass die vielen Ampelstopps auf städtischen Wegen besonders gut für uns sind. Laut Kjær muss der Puls in Schwung kommen, aber man muss auch Pausen einlegen, um ein Intervalltraining hinzukriegen. Als Unterbrechungen zum Runterregeln von Puls und Atmung und danach erneutem Hochfahren von Puls und Atmung taugen gut die von uns so gehassten Stopps an Ampeln oder Kreuzungen. Fahren-Halten-Starten ist offenbar noch besser als kilometerlang im Flow durch ampelfreie Grünzonen zu gleiten. Radfahren als Intervalltraining macht noch mehr Nerven im Gehirn und schafft noch größere neuronale Netze. Wir Stadtrad-Pendler:innen können noch besser denken, uns besser erinnern und sind letztlich intelligenter. 

Wenn das so ist: Ach, ich liebe diese Ampeln, die alle alle rot werden, wenn ich angeradelt komme. 


6. April 2025

Es ist sinnvoll, Stadtautobahnen zu sperren

Quelle Wikipedia
In Berlin wurde eine Autobahnbrücke wegen Einsturzgefahr gesperrt. Im Rundfunk hörte ich noch von Verkehrschaos in Charlottenburg-Wilmersdorf und aufgebrachte Anrainer:innen klagen. 

"Droht nun ein jahreslanges Verkehrschaos?", fragten sich die Medien in lustvoller Katastrophenstimmung. Aber nichts da. Es gibt kein Autoverkehrschaos. Der Spiegel berichtet hinter der Bezahlschranke über ein Phänomen, dass als "traffic evaporation" oder auch Verkehrsverpuffung bekannt ist und ganz offensichtlich auch im Autoland Deutschland sehr gut klappt. Über 230.000 Fahrzeuge fuhren täglich über die Brücke, und die mussten nun anders fahren und landeten erst einmal in den angrenzenden Vierteln. Stundenlanges Herumstehen im Stau war für die einzelnen Autofahrer:innen die Folge. Doch nach einer Woche war das Verkehrschaos in Berlin-Charlottenburg weg, es herrscht wieder normaler Verkehr. Und das, obgleich es für die gesperrte Brücke nicht einmal eine leistungsfähige Umleitungsstrecke gibt. 

Man fragt sich jetzt, wo die Autos abgeblieben sind. 

12. März 2025

Autofahrer sehen schlecht

Sechs Prozent der Menschen, die Auto fahren, sehen schlecht, weil sie keine Sehhilfe tragen oder eine Augenerkrankung haben. Aber abgesehen von medizinischen Gründen, sehen Autofahrende insgesamt vieles nicht, was sie sehen sollten. 

Der Berufsverband der Augenärzte schätzt die Zahl der Verkehrsunfälle auf 300.000 im Jahr, die auf schlechtes Sehvermögen zurückgehen. Eine Studie ergab, dass von den 99 Prozent, die ihre Sehfähigkeit als gut oder sehr gut bezeichneten, 16 Prozent nur noch unter 70 Prozent der gesunden Sehfähigkeit hatten. Die meisten Sehfehler lassen sich mit Brillen oder Operationen beheben. Der Grüne Star (Glaukom) verengt allerdings das Sehfeld so massiv, dass Verkehrszeichen oder Radfahrende komplett aus dem Blickfeld verschwinden, und Radfahrende dann wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen. 

Glaubt man der Presse und der Polizei, dann ist "übersehen" ein häufiger Grund für Zusammenstöße mit Radfahrenden, Fußgänger:innen oder Stadtbahnen.

10. Februar 2025

I love Cyclists - oder doch nicht?

Das sagt niemand. Googelt man, dann wird der Satz nur böse ironisch verwendet und meint das Gegenteil.  Gut, okay, lieben muss man die Leute nicht wegen des Verkehrsmittels, das sie wählen. Niemand liebt Autofahrende oder Fußgänger:innen. 

Wenn man aber googelt, "Ich hasse Radfahrer", dann kriegt man 2.600 Treffer. "Ich hasse Fußgänger" ergibt 60 Treffer und "Ich hasse Autofahrer" kommt auf 1.100. Gehasst ist schnell. Vor allem die Menschen, die mit dem Fahrrad fahren. Warum das so ist, habe ich schon 2017 mal versucht zu erklären.  Abgesehen davon, dass wir für Autofahrende und Fußgänger:innen immer noch ein störendes Element der Freiheit darstellen, verstehe ich den Ärger auf uns aber auch, wenn - wie auf dem Foto - wieder mal Radler auf dem Gehweg an mir vorbeizischen. Anderseits scheint der Ärger über Autos, die über Gehwege fahren oder dort parken, ziemlich klein zu sein. Niemand verallgemeinert dieses Verhalten zu einem "Ich hasse Autofahrer, die halten sich ja an keine Regeln." 

8. Februar 2025

Lifehack: Kommunikation im Straßenverkehr

Es gibt unter Autofahrenden standardisierte Signale mit der Hand, mit Licht oder Blinker. Weniger standardisiert ist die Kommunikation zwischen Radfahrenden und Autofahrenden. 

Kommunikation schafft für beide Seiten Klarheit. Vor allem eben auch für den Autofahrer oder die Fahrerin. Es gibt nämlich etliche, die nicht vorhersehen können, was Radfahrende tun werden und auch fürchten, dass sie sich nicht an eine gültige Verkehrsregel halten werden. Die meisten Autofahrenden wollen keinen Radfahrer, den sie sehen, verletzen. Sie bremsen dann plötzlich, ohne dass für mich klar ist, was sie als nächstes tun werden, wenn sie sich von der Verblüffung, dass ein Fahrrad kommt, erholt haben. Wir Radfahrende haben den Riesenvorteil gegenüber Autofahrenden, dass wir unser Gesicht und unseren Körper zeigen und mit Mimik und Gesten kommunizieren können. Wir verschwinden nicht hinter abgedunkelten Autoscheiben. Und mit Fußgänger:innen oder anderen Radfahrenden können wir sogar reden. 

Ich kenne drei Standardsituationen, die ich mit Gesten oder Worten löse, bevor es zu einer Konfrontation kommt und sich beide Seiten übereinander ärgern. (Leider habe ich keine ganz passenden Fotos dazu, weil das Situationen sind, die im Fahren entstehen.)

27. Januar 2025

Kann ein Radfahrer als Mensch wahrgenommen werden?

Diese Frage stellt man sich in Großbritannien öfter als bei uns in Deutschland. Sie geht auch anders herum: Warum sieht die Gesellschaft in Radfahrenden lästige Gegenstände? 

Discerning Cylists hat darüber Anfang vergangenen Jahres mal wieder nachgedacht und sich dabei die Situation in anderen europäischen Ländern rosiger gedacht, als ich sie zum Beispiel in Deutschland empfinde. Aus Großbritannien stammt immerhin eine ältere Studie, wonach aufrecht sitzende, am besten noch blonde Frauen von Autofahrenden seltener knapp und aggressiv überholt werden als Rennradler in Radkleidung. Eine neuere australische Studie zeigt: Radfahrende in Radkleidung werden als "less human" wahrgenommen. Das verführt zu der Annahme, dass man entweder aufrecht sitzende Radfahrende eher als Menschen wahrnimmt und vorsichtiger oder respektvoller behandelt (eine Erfahrung, die ich auch gemacht habe, als ich mal ein Fahrrad fuhr, auf dem ich aufrecht sitzen musste, oder die Liegeradfahrende machen, weil sie ganz anders aussehen.) oder dass die typische Fahrradkleidung mit Helm und womöglich noch Signalwesten Autofahrende glauben macht, der Radler sei besonders sicher und fahre spurtreu, weshalb man ihn enger überholen kann. Liegt es einfach nur an den Klamotten? 

13. Januar 2025

Pendeln macht Spaß, wenn man Pedelec fährt

Die meisten ökonomischen Modelle gehen davon aus, dass Menschen ihre Reisezeit immer minimieren wollen, also nicht gerne unterwegs sind. Das stimmt aber so nicht.

Dass Menschen immer die kürzeste Reisezeit suchen, entspricht nicht der Wirklichkeit, wie verschiedene Studien belegen. Aktive Berufstätige bringen etwa 90 Minuten am Tag mit Fortbewegung zu. Das hat sich seit der Zeit des Zufußgehens nicht groß verändert. Je schneller die Fahrzeuge geworden sind, desto weiter wurden die Distanzen. Das hat auch dazu geführt, dass die Leute auf dem Land wohnen und mit dem Auto in die Sadt zum Arbeiten pendeln

Der Mensch ist gern unterwegs, am liebsten übrigens mit dem Fahrrad und zu Fuß. Radfahren befriedigt dabei am meisten. Autofahren macht unzufriedener. 

1. Januar 2025

Rad fahren ist schöner als Auto fahren

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie eigentlich lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren würden. Es fehlt an den entsprechenden Strukturen. 

Das sagt Ingwar Perowanowitsch in einem Interview mit dem Change-Magazin. Man solle nicht mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen und sagen, sie sollten mehr Rad fahren. Es brauche eine Basis dafür, dass sich Menschen sicher fortbewegen können, dann komme das von ganz allein. 

Hintergrund solcher Überlegungen ist, dass Städte ein gutes Angebot machen müssen an Radwegen und Radrouten, auf denen sich auch die wohl fühlen, die jetzt noch denken, das Auto sei das einzige sichere, bequeme und schnelle städtische Verkehrsmittel.

18. Dezember 2024

Fehler im System oder individuelle Fehler?

Das Eigenartige im Straßenverkehr ist, dass es Verkehrsregeln gibt, von denen man annimmt, dass sie sämtliche Zusammenstöße verhindern, wenn sich alle daran halten.  

Jeder Zusammenstoß wird deshalb als individuelles Ereignis betrachtet, bei dem eine oder beide Parteien gegen eine Regel verstoßen, also einen Fehler gemacht haben, und sei mit Absicht oder aus Versehen. Wenn die Leute alles richtig machen würden, gäbe es diese Zusammenstöße nicht. Doch wenn Menschen immer wieder den gleichen Fehler machen, bei dem sie selbst oder andere zu Schaden kommen, könnte man das auch als Fehler im System sehen und das System ändern. 

Beim Autoverkehr macht man das sogar regelmäßig. So wird in Cannstatt an der Stelle, wo Autofahrende gerne illegal links über die Stadtbahnschienen abbiegen und schwere Zusammenstöße mit der Stadtbahn verursachen, jetzt eine Linksabbiegemöglichkeit geschaffen. Man gibt nach und legalisiert, was bislang illegal war. 

Und wie ist das beim Radverkehr?

2. Dezember 2024

Die Risiken des Radelns zu mehreren


Ich vermute, vielen ist die Situation bekannt, wenn sie öfter zu zweit oder zu mehreren radeln. Der erste kommt noch rüber, man selber nicht mehr. Als zweiter sollte man unbedingt fähig sein, schnell anzuhalten. 

Wenn Ehepaare zusammen Rad fahren, eskalieren die Konflikte, er bringt sie beinahe um, sie bringt ihn zur Weißglut. Ich habe bereits langatmig darüber geschrieben, Tipps gibt auch BikeX, erwähnt aber die heikelste Situation nicht, die einen von zwei Radfahrenden das Leben kosten kann. 

Zum Beispiel: Man nähert sich einer Straße, auf der viele Autos fahren, die überquert werden muss. Eine:r, oft er , fährt vorne und schätzt den Verkehr ab, sieht schon im Heranrollen die Lücke im Autoverkehr, tritt in die Pedale und fährt rüber. Sie kommt an, würde ihm gerne folgen, tritt schon an, erkennt aber: Das reicht für mich nicht mehr, greift in die Bremsen, stoppt, springt womöglich noch mit beiden Füßen auf den Boden, um die Vollbremsung abzufangen, und wäre beinahe gestürzt, während das Auto an ihrem Vorderrad vorbeirast. Hui, das war knapp! Da steht sie nun, muss sich sortieren, wieder aufsteigen und auf ihre Lücke im Verkehr warten. Die muss etwas größer sein, weil sie ja aus dem Stand antreten muss. Währenddessen steht er auf der anderen Seite und guckt spazieren und ist etwas genervt, weil er wieder mal auf seine Frau warten muss. Ob ihm wohl klar ist, dass er beinahe seine Frau verloren hätte (oder nun im Krankenhaus besuchen müsste?). 

30. November 2024

Ach so, deshalb fährst du nicht Fahrrad?

Die Seite Radbonus hat sechs Gründe aufgelistet, die gegen das Radfahren sprechen. Dazu gehört das Wetter, die Anstrengung und die Schnelligkeit, mit der man ankommt. 

Aber das lest ihr am besten im Original, und ernst gemeint ist es natürlich nicht, weil ja nichts gegen das Radfahren spricht, sofern man es kann. Es gibt aber auch ernst gemeine Aufzählungen von Nachteilen, die eine Radfahrt zur Arbeit haben sollen, zum Beispiel: "Ein gravierender Nachteil ist die Unfallgefahr, sei es in einem städtischen oder ländlichen Gebiet.

Und schon sind wir beim "Radfahren ist gefährlich". Ja, ist es, nämlich ungefähr so gefährlich wie Autofahren oder zu Fuß gehen, und weniger gefährlich als schwimmen gehen oder Treppen steigen oder im Haushalt arbeiten (siehe hier). Das Risiko, auf dem Fahrrad eine Verletzung zu erleiden, ist vermutlich etwas höher als beim Autofahren. Der Spiegel nennt ein dreieinhalbmal höheres Todesrisiko und beruft sich dabei auf die Unfallversicherer, die Radfahren generell für irre gefährlich halten. Das scheint mir aber nicht haltbar. Transparente Statistiken dazu habe ich noch nicht gefunden. 

Aber, wenn es so wäre, was würde das überhaupt real bedeuten?

18. November 2024

Radfahren ist gut, gerade für Frauen

Dies ist ein Beitrag, der sich an Frauen richtet. Und zwar deshalb, weil selten darüber gesprochen wird. Für Frauen hat Radfahren durchaus besondere Vorteile. So hilft es beispielsweise vielen Frauen bei Problemen mit dem weiblichen Zyklus.  

Die Monatsblutung begleitet  Frauen über ungefähr dreieinhalb bis vier Jahrzehnte ihres Lebens, sie ist Teil eines Zyklus von Hormonveränderungen, die zu Stimmungsschwankungen führen können, aber auch mit unterschiedlicher Leistungsbereitschaft oder auch Leistungsfähigkeit einhergehen. Mehr Frauen als man so denkt haben irgendwann in ihrem Zyklus auch teils erhebliche Schmerzen. Das wirkt sich auf anstrengende sportliche Radfahrten aus. Alltagsfahrten mit dem Fahrrad zur Arbeit oder im Rahmen der Care-Arbeit sind jedoch meistens problemlos möglich. 

Die Seite fitnesswelt empfiehlt Frauen, in jeder Phase ihres Zyklus Rad zu fahren.

4. November 2024

Wir rechtfertigen uns immer vor dem Autofahrer hinter uns

Ich vermute, wir alle haben es schon erlebt: Wir wollen mit dem Rad links abbiegen, müssen aber den Gegenverkehr abwarten und stehen. Schließlich hält ein Autofahrer an und winkt uns nett rüber. 

Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn hinter ihm kommt kein weiteres Auto und wir hätten in Ruhe links abbiegen können. Und genau das ist der Grund, warum der Mensch im Auto anhält, obgleich er oder sie nicht muss: Hinter ihm kommt kein Auto. Er oder sie hält niemanden auf, der sich ärgern könnte. Also kann er uns was Gutes tun.

Die meisten, die Auto fahren, gucken in den Rückspiegel und treten in einen permanenten Dialog mit Menschen hinter sich ein. Er/sie soll nicht denken, dass ich zu langsam bin, nicht auf Zack, also ein schlechter Autofahrer oder eine ängstliche Autofahrerin. Fährt der hinter mir auf der Landstraße dicht auf, denke ich, dass er denkt, ich schleiche, und mich verachtet. Aber hier gilt nun mal 70 km/h, rechtfertige ich mich. Oder ich hänge hinter einem Radler fest, den ich nicht überholen kann, und hinter mir sammeln sich die Autos. Die Fahrenden ärgern sich jetzt sicherlich, halten mich für doof, dass ich nicht überhole. Und dann fange ich an, mich zu rechtfertigen: Schließlich gilt ein Überholabstand. Ich kenne die Regeln, ihr hinter mir nicht. Dieser Dialog kann aber nicht ausgetragen werden, das einzige Kommunikationsmittel, das ich in einem Auto habe, ist die Bremsleuchte und das Gaspedal (und der Blinker). Wenn der hinter mich mich nicht versehen will, kann ich nichts erklären. 

Wir kennen den Dialog mit dem Menschen im Auto hinter uns aber auch als Radfahrende.

25. September 2024

Warum nutzen die nicht den Radweg?

Das lese ich immer wieder in den Kommentaren. Ich habe dem bisher keine Beachtung geschenkt, weil ich ja weiß, dass es nur einige wenige sind, die auf der Fahrbahn radeln und dabei Autofahrende ärgern. 

Ein Blogleser hat mich auf ein kanadisches Youtube-Video aufmerksam gemacht, das der Frage nachgeht, warum ein vorhandener Radweg nicht genutzt wird. "Radler sind *-Löcher, sie sehen den Radweg und fahren auf der Fahrbahn, weil sie es können. Das ist eines der rätselhaftesten Argumente, die wir hören", so beginnt sinngemäß der lange Beitrag, in dem genau beobachtet wird, warum Radfahrende nicht den Radweg benutzen. Es sind, wie es im Video heißt nicht mehr als 10 Prozent aller Radfahrenden, die man mal außerhalb einer Radinfratruktur sieht, aber wie immer fällt den Leuten nur der Radler oder die Radlerin auf, die eine Regel verletzt, nicht die vielen Tausend, die richtig fahren. Und nicht alles, was Autofahrenden als Radweg erscheint, ist auch einer. Die meisten Gehwege sind nur fürs Radfahren freigegeben, nicht aber als verpflichtende Radwege ausgewiesen. Auf solchen ohne Freigabe darf man gar nicht radeln. Die Details der Verkehrszeichen und Verkehrsregeln für den Radverkehr kennen aber die meisten Autofahrer:innen gar nicht (übrigens auch viele Radfahrende nicht). 

Anhand von Beispielen werden acht Gründe aufgeführt, aus denen ein Radweg nicht genutzt wird.