6. April 2025

Es ist sinnvoll, Stadtautobahnen zu sperren

Quelle Wikipedia
In Berlin wurde eine Autobahnbrücke wegen Einsturzgefahr gesperrt. Im Rundfunk hörte ich noch von Verkehrschaos in Charlottenburg-Wilmersdorf und aufgebrachte Anrainer:innen klagen. 

"Droht nun ein jahreslanges Verkehrschaos?", fragten sich die Medien in lustvoller Katastrophenstimmung. Aber nichts da. Es gibt kein Autoverkehrschaos. Der Spiegel berichtet hinter der Bezahlschranke über ein Phänomen, dass als "traffic evaporation" oder auch Verkehrsverpuffung bekannt ist und ganz offensichtlich auch im Autoland Deutschland sehr gut klappt. Über 230.000 Fahrzeuge fuhren täglich über die Brücke, und die mussten nun anders fahren und landeten erst einmal in den angrenzenden Vierteln. Stundenlanges Herumstehen im Stau war für die einzelnen Autofahrer:innen die Folge. Doch nach einer Woche war das Verkehrschaos in Berlin-Charlottenburg weg, es herrscht wieder normaler Verkehr. Und das, obgleich es für die gesperrte Brücke nicht einmal eine leistungsfähige Umleitungsstrecke gibt. 

Man fragt sich jetzt, wo die Autos abgeblieben sind. 

4. April 2025

Die Zacke und ein kurioses Pseudoverkehrszeichen

"Did you know that?," schreibt gleichnamige Facebookseite und berichtet einem internationalen Publikum auf Englisch über unsere Zahnradbahn, weil sie Fahrräder mitnimmt. 

Die Seite hat von Unique and Beautiful Text und Bild übernommen. Erwähnenswert sind die besonderen Wagen, auf denen die Fahrräder den Berg hoch transportiert werden. Dies erlaube es Radfahrenden, ihre Räder vom Marienplatz bis zur Endhaltestelle in Degerloch hochzubringen und damit den steilen städtischen Anstiegen zu entgehen. Der Transport ist kostenlos und fördert die städtische Mobilität, indem sie eine praktische Lösung anbietet für Stuttgarts herausfordernde Topographie. 

2. April 2025

Sind Pedelecs nur was für faule Leute?

Man muss sich nicht anstrengen, ist weniger fit, so die gängigen Vorurteile. E-Räder sind nur was für Alte und Unsportliche. Das stimmt aber so nicht ganz. 

Junge Menschen, die - womöglich in nicht so bergigen Städten wie Stuttgart - viel mit Rädern ohne elektrische Untersützung unterwegs sind, schauen mit mehr oder minder gelinder Verachtung auf die Pedelec-Radler:innen herab. Die sind doch keine richtigen Radfahrer:innen. Außerdem, so höre ich immer wieder, beherrschten sie die Räder nicht und seien viel zu schnell unterwegs. Ich fahre seit 2006 Pedelec, denn ich muss immer lange den Berg hoch, wenn ich heim radle. Mit einem Standardrad wäre ich heute nicht auf fast allen Alltagswegen in Stuttgart unterwegs. Stuttgart entwickelt sich auch deshalb gerade zu einer Fahrradstadt, weil es E-Räder gibt, die die teils steilen Anstiege nivellieren. Pedelecs sind nicht die Räder für Leute, die sich nicht anstrengen wollen, sondern Fahrzeuge für Leute, die lange den Berg hoch radeln müssen und sonst Auto fahren würden. Auch mit dem Pedelec muss man sich bergauf anstrengen und kann es auch bewusst tun. 

Discerning Cyclists hat deshalb zusammengetragen, was für E-Räder im Alltagseinsatz spricht. 

1. April 2025

Kein Aprilscherz

Kann das stimmen? Heute bin ich misstrauisch. Freibug hat deutschlandweit den meisten Radverkehr. Das lese ich heute auf Facebook.

Es ist das Ergebnis der Bundesweiten Studie "Mobilität in Deutschland". Der Anteil des Radverkehrs ist demnach in Freiburg 2023 auf 33 Prozent gestiegen, zehn Prozentpunkte höher als 2017. Das ist der höchste Wert aller Städte und Gemeinden, die bei dieser Erhebung mitgemacht haben. Eine große Rolle spielen bei dieser Steigerung auch E-Bikes, lese ich, die bei rund fünf Prozent aller Wege zum Einsatz kommen. Ihren Arbeitsweg legen die Freiburger:innen zu 49 Prozent mit dem Fahrrad zurück. Damit wäre die Fahrradstadt Münster (sehr knapp) geschlagen, die den Radverkehr auf 47 Prozent beziffert, allerdings bezogen auf eine Befragung im Jahr 2022, aber auch für "werktägliche Wege". 

Der Anteil des Fußverkehrs stieg in Freiburg demnach von 27 auf 29 Prozent. Strecken unter einem Kilometer gehen die meisten Menschen weiterhin zu Fuß, bei Strecken bis fünf Kilometer wird bevorzug Rad gefahren, ein Viertel fährt auch Strecken von fünf bis zehn Kilometer. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs ist gleichzeitig seit 2017 um neun Prozentpunkte auf 24 Prozent gesunken. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde mit 14 Prozent 2023 weniger genutzt als noch 2017 (17 Prozent). 

Diese Mitteilung erschien wortgleich bereits vor vier Tagen auf der Seite Freiburg, weshalb es keinen Grund gibt, sie für einen Aprilscherz zu halten. Der Grund, warum ich mich wunderte, ist, dass der Anteil der Pedelecs bei nur 5 Prozent liegen soll. Genau lesen hilft allerdings: Es sind 5 Prozent aller Wege (einschließlich derer mit Autos, zu Fuß oder mit Bahnen), ein schönes Beispiel dafür, dass Zahlen in die Irre führen, wenn man plötzlich den Bezugspunkt ändert. Interessanter ist ja, wieviele Radfahrten mit Pedelecs gemacht werden. Die Studie basiert auf Mobilitätstagebüchern, die zufällig ausgewählte Haushalte geführt haben. Im Freiburger Stadtgebiet nahmen 1350 Haushalte teil, was für ein repräsentatives Ergebnis reicht.

30. März 2025

Neues Ventil für Radreifen

Schwalbe hat ein neues Ventil für Fahrradreifen entwickelt, das es leichter macht, sie aufzupumpen, und damit den Eurobike Award 2024 gewonnen. 

Das Ding heißt Clik Valve und soll bei Schwalbe Standard werden. Das Entscheidende ist: Der Pubmpkopf wird aufs Ventil einfach nur aufgelegt und fixiert sich mit einem Klick. Dafür reicht eine Hand. Es sitzt lufticht. Mit einem Klick auf den Pumpkopf entfernt man ihn, alles schön anzuschauen hier. Man muss auch gar nicht warten, bis die Schwalbeschläuche damit ausgerüstet werden, man kann ein Set kaufen und  das Ventil am eigenen Fahrrad austauschen, indem man ein Teil am vorhandenen Ventil rausschraubt und das Clik Valve einschraubt (man muss nicht an den Schlauch), auch das ist im Video zu sehen. Man braucht allerdings einen speziellen Pumpenkopf. Entweder man tauscht den Punmpkopf (was einfach sein soll, wie dieses Video zeigt) oder man nimmt den dafür vorgesehenen Adapter. Den sollte man dabeihaben, wenn man ohne eigene Luftpumpe radelt und auf die Radstationen setzt, die Luft haben. 

Für die, die das Aufpumpen ihrer Fahrradreifen total easy finden, ist das Clik Valve nicht interessant, aber ich finde es interessant. Wir (zumindest etliche von uns) können uns ruhig eingestehen, dass diese Aufpumperei nicht immer einfach ist, vor allem, wenn man einen Pumpenkopf hat, der die verschiedenen Varianten von Ventilen abdeckt und dabei ziemlich groß ist. Man setzt erstmal mit dem falschen Loch auf, man kriegt den Pumpkopf nicht richtig drauf, es zischt nebendraus und man muss ihn danach abzerren. Für die Operation braucht man zwei Hände. Das neue Schwalbe-Ventil hat einen kleinen Pumpkopf (man kommt auch in kleine Laufrädern von Kinderrädern) und lässt sich mit einer Hand bedienen. 

Gute Sache, finde ich. 



28. März 2025

Die Unfallstatistik 2024 für Stuttgart

Die Polizei hat die Unfallstatistik fürs vergangene Jahr veröffentlicht. Denmach haben die Verkehrsunfälle leicht zugenommen. Sieben Menschen kamen in Stuttgart ums Leben. 

Nach Angaben der Polizei starben zwei Fußgänger, ein Radfahrer (mit Pedelec), ein Motorradfahrer, ein Leichtkraftradfahrer, ein E-Skatboardnutzer und eine Beifahrerin. In drei Fällen handelte es sich um Alleinunfälle. Der Radfahrer stürzte im August nach Angaben der Polizei in Zuffenhausen in einen Abwasserschacht und starb im Krankenhaus. Grund war bei abschüssiger Fahrt eine Abwehrbewegung gegen ein Insekt, woraufhin er von der Straße abkam, S. 11. Die polizeilich bekannten Fahrradunfälle (Standardräder) sanken zwar um knapp zwei Prozent auf 436, gleichzeitig stieg aber die Zahl der Unfälle mit Pedelecs um knapp 23 Prozent auf 248 an. (Jetzt wäre es schön, man hätte die Zahl der Pedelecs in Relation zu Standardrädern, die in Stuttgart unterwegs, sind und die Altersangaben für die Verunglückten). Insgesamt zählte die Polizei 684 Unfälle mir Fahrradbeteiligung. Im Ganzen gab es fast 23.000 Verkehrsunfälle, bei denen auch 245 Fußgänger:innen, darunter 84 Kinder betroffen waren.  

Der überwiegende Teil der Radfahrenden beider Kategorien erlitt nur leichte Verletzungen. Von den 436 Normalradelnden wurden 46 schwer verletzt, bei den E-Radler:innen waren es 33 Menschen. Die Polizei stellt fest, dass dem Radverkehr in etwas mehr als die Hälfte der Unfälle die Verantwortung selbst zugeschrieben werden müsse. Vor allem das Nichtbeachten der Vorfahrt und Alkoholeinfluss spielten dabei eine Rolle. Die Polizei schließt daraus, dass man vor allem bei Radfahrenden die Regelakzeptanz überprüfen müsse. 

26. März 2025

Wie atmen wir beim Radfahren?

Kürzlich überholte mich auf meinem Pedelec an einem steilen Anstieg ein junger Mann auf einem Standard-Fahrrad. Alle Achtung! Als er vorbei war, stieß er einen kurzen, harten Huster aus. 

Es ist mir schon öfter aufgefallen, dass manche husten oder sich immer wieder hart räuspern, also die Luft durch die Stimmbänder pressen, wenn es anstrengend wird. Auch wenn sie nicht keuchen, verraten sie mir damit, dass sie viel Luft brauchen. Es klingt aber gar nicht gut und ist zudem auch überhaupt nicht gut für die Stimmbänder. Mag sein, dass es vielen, die das machen, gar nicht bewusst ist. Also mal drauf achten. Denn es gibt eine weniger schädliche Alternative. 

Im Kraftsport ist sowas Ähnliches als Pressatmung bekannt. Manche halten regelrecht die Luft an, drücken also die Luft gegen geschlossene Nase und Mund und damit in den Bauchraum, in der Hoffnung auf Unterstützung, was aber nicht viel nützt. Das geht, weil man ohnehin für kurze Kraftakte (anaeroben Sport) keinen Sauerstoff braucht. Bei Ausdauersport (aerobem Sport), bei dem man ständig viel Luft braucht, funktioniert das anders.