1. August 2015

Radverkehr schafft Jobs und rettet Menschenleben

Eigentlich wissen wir es alle. Dennoch ist es für mich stets schwierig, gegen die Ablehnungsreflexe durchzukommen. 

Wir wissen, dass Radfahren gesund ist und die Kosten der Allgemeinheit senkt. Wir wissen, dass wir mehr Radverkehr brauchen. Dennoch fällt es unseren Städten ungeheuer schwer, sich wirklich zugunsten des Radverkehrs umzubauen. 



Eine Studie der WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat die Daten aus der Fahrradstadt Kopenhagen hochgerechnet und stellt fest: Wenn in anderen Großstädten in Europa der Radverkehr einen ähnlich großen Anteil an den zurückgelegten Wegen hätte wie in Kopenhagen, dann würden pro Jahr mindestens 76 600 Arbeitsplätze geschaffen und das Leben von 10 000 Menschen könnte gerettet werden.
Der Berliner Tagesspiegel hat die Erkenntnisse der WHO auf Berlin bezogen und schreibt. "Wenn sich der Radverkehr in Berlin verdoppeln würde, könnten laut einer UN-Studie jährlich mehr als 150 Menschenleben in der Stadt gerettet werden. Der Umstieg aufs Fahrrad wäre auch ein Jobmotor."

Gemeint ist damit, dass durch den Radverkehr und alles, was damit zusammenhängt nennenswert mehr Jobs entstehen, was auch in Stuttgart und Umgebung so wäre, auch wenn wir hier ja schon reichlich Unternehmen haben, die sich am Fahrradboom beteiligen und daran verdienen. Und 150 Menschen wären in Berlin nicht bei einem Verkehrsunfall oder an den Folgebelastungen des Verkehrs, an Lärm und Abgasen vorzeitig gestorben. Mit eingerechnet ist das der positive Effekt auf die Gesundheit durchs Radfahren. Radfahrer kosten die Krankenkassen etwa 1000 Euro weniger im Jahr und sie leben länger.

WHO appelliert an Regierungen der Länder und Städte: Investieren Sie in den Radverkehr. Diese Investitionen sind geringer als in die der autogerechten Stadt, und sie bringen mehr Vorteile und mehr Geld ein, weil es weniger Verkehrsunfälle gibt, weil die Menschen gesünder bleiben, weil die Sozialkontakte besser funktionieren und weil der lokale Handel von Fußgänger/innen und Radfahrer/innen mehr profitiert als von Autofahrer/innen.



Kommentare:

  1. Appelle nützen nichts! Das Umdenken der Politiker muss unbedingt her! Unsere ganze Infrastruktur ist auf Autos ausgelegt. Solange es keine Politiker gibt, welche selbst mit dem Rad ins Rathaus fahren, wird sich daran auch nichts ändern. Hier ein Beispiel für eine krasse Fehlentscheidung, weil der Entscheider nicht Rad fährt und nach Papier entschieden hat: http://www.radfahren-in-koeln.de/2015/07/22/der-dickste-mittelfinger-von-koeln/
    Es gibt noch mehr Beispiele für "Gut gemeint" aber schlecht Durchgeführt:
    http://www.agfs-nrw.de/ Der genannte Politiker fährt nur das eine Mal im Jahr dienstlich mit dem Rad. Die Tour ist natürlich vorher ausgesucht!
    Wer das die Arbeitsgemeinschaft kennt: Die Städte und Kreise bekommen Förderungen von Land und Kreis, es wird aber nicht kontrolliert, ob die Förderung etwas gebracht hat. Es wird auch nicht geprüft, ob es weiteren Optimierungsbedarf an der veränderten Strecke gibt oder ob es sogar für Radfahrer von Nachteil war.
    Dies finde ich noch schlimmer: http://www.stadtradeln.de/
    Da kann ich nicht mal am Wettbewerb mitmachen als Stadtradlstar, da ich weder ein Auto noch einen Führerschein habe! (Siehe Teilnahmebedingungen). Fr....!

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  2. Kommen die Argumente "schafft Jobs" und "rettet Menschenleben" eigentlich nicht immer erst, wenn nichts anderes mehr hilft? Und das Argument "spart Kosten für die Allgemeinheit", auf Sozial-/Gesundheitskosten bezogen, ist im Grunde ziemlich heikel, weil man es eben auch als ein Argument des Entgegenkommens für den weiteren Abbau des Sozialstaates sehen kann.

    Ich möchte nicht immer alles negativ sehen/kommentieren, aber die hier vorgebrachten Aspekte sind für mich eher zweitrangig. Für mich stehen eher die Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die menschen- und tierfreundliche Stadt im Vordergrund - wenn dabei noch Jobs geschaffen werden und weniger Menschen (und übrigens auch Vögel, Igel, Wildtiere...) durch Verkehrsunfälle getötet werden ist dies ein netter Nebeneffekt, sollte aber nicht allein Mittel zum Zweck sein. Verantwortungsvolles Denken und Handeln sollte nicht von Wirtschaftsinteressen abhängig gemacht werden.

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