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16. September 2026

Faktencheck: Ist Radfahren klimaschädlicher als Autofahren?

Fast alles, was wir Menschen tun, ist umwelt- und klimaschädlich, zum Beispiel Fleisch essen, Auto fahren, Rad fahren, zu Fuß gehen, Fleisch essen. Und selbst verständlich ist die Produktion von E-Autos nicht CO2-neutral, genauso wenig wie die von Fahrrädern oder Schuhen oder Regenschirmen. 

Autoreifenabrieb schadet der Atemluft, Brems- und Reifenabrieb von Fahrrädern auch, vermutlich sogar Schuhsolenabrieb. Und wer sich anstrengt, atmet CO2 aus. Doch das eine Verhalten ist eben weniger klimaschädlich oder umweltzerstörerisch als das andere. Auf die graduellen Unterschiede kommt es an, und die sind teils groß. Jüngst schlossen Benziner-Fans mit innerlichem Hurra aus einer Studie der TU München, dass man weiter mit fossilen Brennstoffen durch die Welt dieseln kann, weil E-Autos bei der Herstellung ja doch nicht CO2-neutral sind. Hat eigentlich auch nie jemand behauptet. Sie reduzieren den CO2- Ausstoß gegenüber fossil betriebenen Autos demzufolge aber immerhin um 41 Prozent (mehr dazu weiter unten). Aber das soll hier nicht das Hauptthema sein. Schon 2022 geisterte ein Artikel durch die Medien, der behauptete: Radfahren sei klimaschädlicher als Autofahren. Damals habe ich diesen Artikel zerlegt. Zum Wiederlesen: 

8. September 2026

Gemeinsam radeln fördert Radeln

Kidical Mass Stuttgart
In Barcelona begann 2020 die Sache mit dem Bicibús, dem Bike Bus oder Fahrrad-Bus. Kinder mit und ohne Eltern sammeln sich und radeln gemeinsam zur Schule. Inzwischen gibt es das für 431 Strecken in 17 Ländern für 35.000 Kinder pro Woche. 

Das berichtet City Lab Barcelona. Der Bicibús hat sich von einem lokalen Experiment zu einer weltweiten Bewegung gemausert. Familien erleben ihre Städte anders, weil sie sich erst in geschützten Gruppen und dann alleine trauen, mit dem Fahrrad zu fahren. Eine Doktorarbeit hat das Phänomen in Barcelona, Zaragoza und Lissabon untersucht. Sie wollte herausfinden, wie sich Rad-Busse auf die Nutzung des Fahrrads auswirken, welche Faktoren dabei zum Tragen kommen und wie die Politik sie unterstützen können. 

28. Juli 2026

Autos machen unsere Straßen eng

Die Zahl der Autos nimmt zu, die Za hl der Fahrräder aber auch. Das rtiObgleich die Mehrheit Rad nur in der Freizeit fährt, nutzen deutschlandweit 10 Prozent die Röder auch für den Weg zur Arbeit. Das könnten viel mehr sein, wenn die Politik es wollte.e 

Unsere Verkehrsinfrastruktur hält mit der Zunahme des Radverkehrs nicht Schritt, und weil die Autos immer größer werden, wird es vor allem in städtischen Nebenstraßen eng für alle, sowohl für Autofahrende als auch für Radfahrende. Viele Stadtverwaltungen wissen, dass eine Förderung des Radverkehrs die Verkehrsprobleme in den Städten lösen würde. Ein durchgehehendes Netz an sicheren Radwegen bringt sehr viele Menschen aufs Fahrrad, die sich das jetzt nicht trauen. Das Herstellen des Radwegnetzes ist nicht nur sehr viel billiger als Autostraßen, es amortisiert sich auch oftmals schon binnen eines Jahres und bringt ab dann einer Stadt finanzielle Vorteile. Laut einem Bericht des Institute for Transportation and Development Policy auf das sich ein Post von Cycling Week bezieht, sind Netzwerke aus geschützten Radwegen sehr kosteneffizient. In den untersuchten Städten (welche das sind, habe ich noch nicht rausgefunden), zeigte sich, dass Radwege mehr wirtschaftlichen Wert generieren als ihr Bau gekostet hatte. Mit eingerechnet werden Ersparnisse bei den Transportkosten und gesundheitliche Vorteile durch mehr Bewegung. Der Effekt tritt auf, weil ein gutes Radwegenetz viele Menschen ermutigt, Rad zu fahren. Und viel Radverkehr erspart einer Stadt stets viele Kosten für Gesundheit, Straßenbau, Lärmschutz und Umweltschutzmaßnahmen. Außerdem kurbeln Straßen, in denen weniger Autos und mehr Fahrräder fahren, den lokalen Handel und die Gastronomie an. Radfahrende sind meist gute Konsument:innen. Und sie haben mehr Geld übrig, weil ihre Mobilität billig ist. 

Bekannt ist das seit Jahren.

6. Juni 2026

Zieh dich cool an, wenn du Rad fährst

Auf schwarzen Rädern, über den Lenker gebeugt, mit Helm, Schutzweste und Rucksack, so kommen viele Radfahrende daher. Meist Männer zwischen 35 und 65. Sie zeigen uns: Zum Radfahren muss man sich einkleiden und panzern.

In den Augen von Fußgänger:nnen und vielen Autofahrenden verkörpern diese Gestalten den Kampfradler, den gesichtslosen Radler, der sich an keine Regeln hält und überall fährt.

In den Niederlanden oder in Dänemark fahren alle Fahrrad, vom Kind bis zur alten Dame, fast alle in ihren Alltagsklamotten, im Kleid, im Rock, im Nadelstreifenanzug, im Wintermantel, mit Highheels. Und ohne Helm

25. Februar 2026

Kleine Radfahrgeschichte

Vorurteile gegen Pedelec-Radelnde gehen immer. Vor allem, wenn man auf einem alten mechanischen Göppel sitzt. 

Am vergangenen Sonntag radelte ich vom Rudern (meinem Sport) heim und überholte im Akademiegarten hoch zum Übergang über die Planie einen älteren Herrn auf einem Normalrad. Er musste aus dem Sattel, um den Anstieg hoch zu kommen. Wir warteten dann beide auf Grün an dem Einbieger auf die Planie und fuhren schließlich rüber auf die große Mittelinsel, wo man ja noch mal warten muss. Er fuhr nach links und ich konnte mich rechts am Mast an dem Haltegriff festhalten. (Das Foto ist ein Symbolbild.) 

Er schaute mich an und sagte: "Den habe ich extra für Sie freigehalten." Ich antwortete: "Das ist aber nett von Ihnen." Er sagte: "Nein, das habe ich nicht so gemeint. Sie strengen ja ihre Muskulatur gar nicht an." Die Logik dahinter blieb mir dunkel, aber ich antwortete: "Ich bin gerade 20 Kilometer gerudert und fahre insgesamt 23 km mit dem Fahrrad." Er musste grinsen und meinte: "Okay. Na dann." Genehmigt. 

Das Schöne am Radfahren ist, dass man solche lustigen Dialoge führen kann, wenn man an Ampeln wartet. Und um das Vorurteil "faule Pedelec-Radler:innen" etwas abzumildern: Es gibt inzwischen genügend Untersuchungen, die zeigen, dass der allgemeine Fitnesseffekt mit E-Rädern genauso hoch ist wie mit Normalrädern im Alltagsgebrauch. Zum einen weil man damit unerschrockener steile Steigungen hochfährt (was ich auf dem Heimweg machen muss) und weil die meisten Menschen, die gerne Rad fahren, mit Pedelecs öfter fahren und weitere Strecken radeln. Gerade im Alter ist das Pedelec eine gute Möglichkeit, vom Auto unabhängig und dennoch mobil zu sein. Also kein Grund, Pedelec-Radelnde über die Maßen zu verachten. Dass es Pedelec-Wochenendradelnde im Schneckentempo gibt, sei unbestritten. Und selbstverständlich hat der alte Herr meine Bewunderung, dass er mit dem Normalrad unterwegs ist und seine Muskulatur in Gang hält. Ob er allerdings damit die Alte Weinsteige hochradelt, wage ich zu bezweifeln. 

22. Januar 2026

Höhere Pendlerpauschale auch für Radfahrende

Die vom Bundestag beschlossene Erhöhung der Pendlerpauschale kommt auch Radpendler:innen zugute. Allerdings kann man sie erst bei der Steuererklärung für 2026 geltend machen. 

Es ist letztlich völlig egal, ob man mit dem Fahrrad, mit Öffentlichen oder mit dem Auto zur Arbeit und wieder nach Haus fährt, man bekommt 38 Cent ab dem ersten Kilometer steuerlich gut geschrieben. Bisher gab es für die ersten 20 Kilometer weniger. Arbeitnehmer:innen müssen dafür allerdings schon rund 3.300 km im Jahr fahren (egal womit), um über die Werbungskostenpauschale von 1230 Euro für 2026 zu kommen, die vom Finanzamt sowieso auf die Steuern angerechnet wird. Das entspräche, grob gerechnet, bei einer fünf-Tage-Woche mit 220 Arbeitstagen vor Ort (kein Home-Office) im Jahr einer Arbeitsweg-Strecke von 15 km hin und zurück. Kann man weitere Ausgaben als Werbungskosten angeben (Computer, Arbeitszimmer, Fortbildungen, Fachbücher etc.), dann fällt die Pendlerpauschale durchaus ins Gewicht, auch wenn die tägliche Radelstrecke gar nicht so lang ist. 

8. Januar 2026

Schlecht geräumte Radwege in Stuttgart

Radfahren im Winter? Nö, das mag Stuttgart nicht so gern. Alle wichtigen Fahrbahnen sind frei von Schnee und Eis, die wichtigen Radwege nur sehr sporadisch. 

Ich musste gestern gegen elf Uhr durch die Stadt nach Cannstatt. Da war ein Räumfahrzeug schon durch meine steile Nebenstraße gefahren und ich durfte annehmen, dass die ebenfalls nicht so prioritären Radstrecken bearbeitet sind. Allemal die Hauptradroute 1. 

Das war aber nicht so, auch wenn die Fahrradstraße Tübinger Straße durch die Innenstadt Hoffnung gemacht hat. Doch aus der Marktstraße musste ich auf den Radweg zum Charlottenplatz einbiegen. Wie muss der ausgesehen haben, als morgens die Radpendler:innen unterwegs waren, wenn er gegen elf noch so aussah? 

Wer auch immer das Räumungskonzept für die die Radfahrenden in Stuttgart entwickelt hat, er oder sie mag weder Radfahrende noch hat eine Ahnung, wo es für sie wirklich gefährlich wird, wenn es glatt ist: bei Abfahrten, in Kurven und dort, wo sie bremsen müssen, also an Ampeln und auf Verkehrsinseln.  

26. Dezember 2025

Zwölf Jahre später

Im November 2013, in meinem ersten Jahr dieses Blogs, habe ich meine Leser:innen gefragt, was sie sich für Stuttgart wünschen. 

Zwölf Jahre danach haben wir zwar sichtbar mehr Radinfrastruktur, sie ist aber noch nicht durchgängig ist und fehlt auf vielen Straßen immer noch ganz. Die Antworten meiner Leser:innen lauteten vor zwölf Jahren:

  • Keine Radwege 
  • oder sichere, die durchgehen.
  • Mehr Verkehrsfläche für Radler, weniger für Autos.Weniger parkende Autos auf Radwegen.
  • Aus allen Stadtteilen Schnurstrackswege ins Zentrum mit Wegweisern (was besonders für Auswärtige oder Erstfahrer wichtig ist).
  • Generell Tempo 30 in der Stadt (ausgenommen ein paar Vorbehaltsstraßen).
  • Ein zusammenhängendes Fahrradwegenetz anstelle des derzeitigen Flickenteppichs.
  • Abschaffung der 2-Meter-Regel für Waldwege (Radler:innen dürfen auf schmaleren Waldwegen nicht fahren).
  • Trennung von Radfahrer:innen und Fußgänger:innen.

18. November 2025

Selbsthilfe-Radwerkstätten in Stuttgart

Es gibt auch in Stuttgart Selbsthilfewerkstätten für Fahrräder. Da bringt man das Fahrrad hin und bekommt Hilfe und Unterstützung bei Reparaturen. 

Mit einem Platten, einer nicht richtig funktionierenden Bremse, einem kaputten Licht oder einer  schleifenden oder ratternden Kette möchte man nicht immer gleich in die teure Fahrradwerkstatt gehen. Vielleicht fehlt ja auch nur das geeignete Werkzeug, um schnell selber Hand anzulegen. Da helfen offene Werkstätten mit Ehrenamtlichen weiter. Und es kostet nur einen kleinen Spendenbeitrag. Ein guter Tag, das eigene Fahrrad zu reparieren, ist übrigens der Mittwochabend, da haben die meisten offen. Für Dienstag und Donnerstag oder Samstag gibt es aber auch Angebote.

30. August 2025

Das Fahrrad weist in die Zukunft - technisch und sozial

Wenn wir das Wort "Radfahrer" ausstoßen, mal neutral, mal wutschnaubend, denken wir an den Mann mittleren Alters in Radklamotten auf einem Rennrad oder Trekking-Pedelec, der sich zwischen Autos durchschlängelt und Fußgänger:innen schneidet. 

Vor gut fünfundzwanzig Jahren waren hauptsächlich diese Radler unterwegs, erprobt, unerschrocken, sportlich, jedem Wetter trotzend, beispielsweise als Radkuriere oder als seltene Exemplare, die ihre Wege zur Arbeit mit dem Rad zurücklegten. Dann kamen die Pedelecs und brachten zuerst die Frauen aufs Fahrrad, die sich die Bergfahrt mit dem Normalrad nach oder zur Arbeit nicht vorstellen konnten. Alsbald entdeckten auch jugendliche Mounteinbiker den Elektroantrieb für sich, denn man muss ja hoch kommen, bevor man down hill fährt. Dann liehen sich Männer von ihren Ehefrauen mal das Pedelec aus, wenn sie eine weitere und steilere Strecke vor sich hatten, und kauften sich nach kurzer Zeit selber eines, weil man damit halt auch im Alter öfter und weiter radelt. Gleichzeitig kamen die E-Lastenräder auf, mit denen man Kinder (und Einkäufe) transportieren kann. Sie wurden und werden immer noch subventioniert, weil sich manche Familien damit ein Auto oder das Zweitauto sparen. Hochaktuell sind inzwischen große zweispurige Lastenräder (für Lieferdienste) und Spezialräder (alle mit E-Antrieb) für Menschen mit körperlichen Behinderungen. Tandems sind nicht mehr nur einspurig, sodass man hintereinander sitzt, sondern mittlerweile auch zweispurig fürs nebeneinander sitzen. Es gibt Rikschas, in denen man auf einer Bank vor sich zwei Erwachsene tranportieren kann, und Räder, mit denen man einen Menschen im Rollstuhl durch die Stadt fährt. Bald wird es vermehrt wettergeschützte Pedelecs geben, die aussehen wir kleine Autos.

Es gibt keinen Mobilitätssektor, in dem in kurzer Zeit so viele Innovationen hervorgebracht wurden, wie der E-Radsektor.

8. August 2025

Radfahren ist ein Game Changer: für mich und für andere

Radfahren hat das Leben von Lena Rauschenecker verändert. Sie ist maximal flexibel und bewegt sich viel mehr als früher, schreibt sie. 

In einem Artikel für Utopia nennt sie neun Gründe fürs Radfahren. Egal, ob fünf, sieben oder zwölf,  gute Gründe gibt es viele und sie werden regelmäßig in den Medien (und auch bei mir im Blog) aufgeführt. Damit überzeugt man Leute nicht, die bislang das Auto für das einzige Vehikel von Ungebundenheit halten. Aber uns Radfahrenden tut es gut, sie zu hören oder zu lesen. Und sie können uns helfen, anderen zu erklären, warum glücklich ist, wer Rad fahren darf und nicht Auto fahren muss. Denn die Radmoblität ist nicht nur gut für uns, sondern auch für andere, für Autofahrende, für Einwohner:innen einer Stadt, sogar für die städtischen Finanzen. 

25. Juli 2025

Die neue Radbrücke in Böblingen

Am Dienstag wurde die neue Radbrücke am Ende der Radschnellverbindung von Rohr nach Böblingen eröffnet. 

Die Brücke verbindet das Ende der Römerstraße mit der Waldburgstraße aufseiten Böblingens und überbrückt die Panzerstraße. Nach Angaben des Landrats, der bei der Eröffnung sprach, soll es beim Überqueren der Panzerstraße Zusammenstöße von Radfahrenden mit Autos gegeben haben, die hier sehr schnell herankommen. Es gibt eine Querungshilfe, aber die muss man auch erst mal finden. Wer hier zum ersten Mal ankam, fand sie vermutlich nicht. 

Die Suche fällt jetzt weg. Man sieht den Brückenaufgang sofort und radelt auf zweihundert Metern Länge in sanftem Bogen über die Panzerstraße. Das ist schön und gut gemacht. 

27. Juni 2025

Warum wächst der Radverkehr in Stuttgart nicht? Und stimmt das überhaupt?

Soso, der Radverkehr in Stuttgart wächst kaum, lese ich in der Zeitung. Dem können alle, die im Stuttgarter Kessel radeln, vermutlich genauso wenig zustimmen wie ich. 

In der Innenstadt brummt der Radverkehr, er hat sich gefühlt verdoppelt. In den Außenbezirken tut er das nicht, so mein Eindruck. Die offiziellen Zahlen helfen diesmal leider nicht weiter, den Radverkehr in Stuttgart zu beurteilen, zumal in der Mitteilung der Stadt zu wenig Informationen stehen. Die Stuttgarter Zeitung bietet etwas mehr Informationen über die jüngsten Erbhebungen zum Mobilitätsverhalten in Stuttgart aufgrund der Kesselrandhzählung und von Befragungen, aber über die Datenerhebung erfahren wir auch nichts. Demnach stieg, so die Aussage, der Radverkehrsanteil am allgemeinen Verkehr von 2017 bis 2022/23 nur von acht auf neun Prozent. Dies liege wohl an der Topographie von Stuttgart, so der etwas kuriose Erklärungsversuch in Zeiten von Pedelecs, mit denen man jeden Berg hochkommt. Vielleicht stimmt die Zahl ja auch gar nicht. Eine Erhebung der SSB ergab 2023 einen Wert von 14 Prozent Radverkehr. Die KI der Seite der Stadt Stuttgart sagt, dass 2024 in Stuttgart fünf Millionen Radfahrende gezählt wurden. Wobei die Zählstellen ungefähr 20 Prozent der Durchradelnden nicht zählen, wie private Zählungen ergaben. (Über die Zahl der Autofahrten in der Stadt kann man keine Angaben machen. Die Kesselrandzählung ergibt ungefähr 418.000 ein- und ausfahrende Autos pro Tag.) 

Radinfrastruktur hilft jedoch enorm. 

5. Juni 2025

Radzeichen auf dem Gehweg

Seit vielen Jahren radeln wir auf der Heusteigstraße zwischen Marienplatz und Immenhofer Straße am Wendeplatz bei der Schule über den abgepollerten Gehweg.  

Früher hieß die Schule Heusteig- oder Römerschule, jetzt ist sie ein Standort der Schickardt-Gemeinschaftsschule. Vermutlich wegen der Schule wurde die Heusteigstraße hier schon vor langer Zeit für den Autoverkehr unterbrochen. Ein Gehweg führt rund um die Wendeplatte. Mit dem Fahrrad kann man den Gehweg überqueren. Es gibt an den Bordsteinen breitflächig Asphaltanschüttungen, die uns Radfahrenden den Übergang leicht machen. Die Poller müssen da natürlich stehen, weil sonst Autofahrende durchfahren würden.  

Seit neuestem staunen wir über ein ordentlich aufgemaltes Radzeichen. Es befindet sich aus irgendeinem Grund genau hinter oder vor dem Poller, also nicht dort, wo man radeln kann. 

16. Mai 2025

Wir Glücklichen, die wir Rad fahren können

Radfahren ist gesund, stärkt die Seele, macht schlau, kreativer und achtsamer, respektiert die Umwelt, steckt andere an und ist cool, hip oder knorke, je nach Lebensalter. 

Die Seite beatyesterday hat auch mal zusammengetragen, was alle, die meinen Blog regelmäßig lesen, schon wissen. Ich finde aber, man kann es nicht oft genug sagen, auch weil es so schön und stärkend ist, dass wir mit dem Radfahren etwas tun, was gut ist - für uns und für andere - und auch noch Spaß macht: kein Verzicht, sondern ein Gewinn. Wer genervt von der eigenen sitzenden Lebensweise (in Autos und Büros) für den Arbeitsweg aufs Fahrrad umsteigt, merkt spätestens, nachdem er oder sie den ersten Winter durchgeradelt ist, wie sich das eigene Leben ändert. Der Blick auf die Welt wird anders, man sieht, hört und riecht mehr, das Körpergefühl ändert sich, man hat das Wetter wieder spüren gelernt und kann mit Kälte oder Hitze umgehen. Wir befinden uns auf einmal wieder mitten in der Welt. Sie fliegt nicht mehr jenseits von Glasscheiben an uns vorbei. Und wer das Glück hat, durch Felder zu radeln, wie zwischen Stammheim und Ludwigsburg (Foto oben), kann sich jeden Tag an irgendwas erfreuen, an Vögeln, an Gülleduft, am Wachsen von Kohl oder Getreide. 

13. Januar 2025

Pendeln macht Spaß, wenn man Pedelec fährt

Die meisten ökonomischen Modelle gehen davon aus, dass Menschen ihre Reisezeit immer minimieren wollen, also nicht gerne unterwegs sind. Das stimmt aber so nicht.

Dass Menschen immer die kürzeste Reisezeit suchen, entspricht nicht der Wirklichkeit, wie verschiedene Studien belegen. Aktive Berufstätige bringen etwa 90 Minuten am Tag mit Fortbewegung zu. Das hat sich seit der Zeit des Zufußgehens nicht groß verändert. Je schneller die Fahrzeuge geworden sind, desto weiter wurden die Distanzen. Das hat auch dazu geführt, dass die Leute auf dem Land wohnen und mit dem Auto in die Sadt zum Arbeiten pendeln. 

Der Mensch ist gern unterwegs, am liebsten übrigens mit dem Fahrrad und zu Fuß. Radfahren befriedigt dabei am meisten. Autofahren macht unzufriedener. 

1. Januar 2025

Rad fahren ist schöner als Auto fahren

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie eigentlich lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren würden. Es fehlt an den entsprechenden Strukturen. 

Das sagt Ingwar Perowanowitsch in einem Interview mit dem Change-Magazin. Man solle nicht mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen und sagen, sie sollten mehr Rad fahren. Es brauche eine Basis dafür, dass sich Menschen sicher fortbewegen können, dann komme das von ganz allein. 

Hintergrund solcher Überlegungen ist, dass Städte ein gutes Angebot machen müssen an Radwegen und Radrouten, auf denen sich auch die wohl fühlen, die jetzt noch denken, das Auto sei das einzige sichere, bequeme und schnelle städtische Verkehrsmittel.

7. Oktober 2024

Mythen übers Radfahren

Es halten sich - vor allem bei Leuten, die nicht Rad fahren - hartnäckig falsche Vorstellungen übers Radfahren: zu gefährlich, stört den Autoverkehr, man ist zu langsam und so weiter. 

Die Seite Discerning Cyclists hat fünf Mythen für den Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit identifiziert, denen ich hier mal nachgehe. Der Artikel fängt mit dem ärgerlichsten Mythos an, der von der Presse gern befeuert wird und viele Menschen davon abhält, im Alltag Fahrrad zu fahren. 

1. Radfahren ist gefährlich 

Nein. Tatsächlich ist es nicht gefährlicher, mit dem Fahrrad zu fahren als sich mit jedem anderen Verkehrsmittel in unserer Verkehrswelt zu bewegen. Nach Berechnungen von Cycling UK liegt die Wahrscheinlichkeit sich zu verletzen bei 5 Prozent pro - so die Zahl, die ich nicht nachprüfen kann - 1000 Stunden Radeln. Das Risiko, getötet zu werden liegt bei einer pro neun Millionen Fahrten. Die Deutsche Unfallforschung sieht das allerdings anders. Sie hat einen Spiegelartikel zufolge errechnet, dass das Risiko, auf dem Fahrrad bei einem Zusammenstoß oder Sturz zu sterben dreieinhalb mal höher als im Auto oder mit dem Motorrad. Wobei unklar bleibt, ob auf Wegstrecken oder Reisezeit bezogen. Das Verletzungsrisiko sei sogar siebenmal höher. Bezogen auf Berlin hat das der ADFC widerlegt. Demnach sind Menschen auf Fahrrädern an 3,8 Prozent der Crashs beteiligt, der Radverkehrsanteil am Modal Split beträgt allerdings etwa 15 Prozent. Jeder siebte Weg wurde in Berlin zu dieser Zeit mit dem Fahrrad zurückgelegt. 

31. Juli 2024

Nutzen Sie unseren Parkplatz!

Wie kommt man da hin, zur Kirche, zum Sportplatz, zum Treffen im Biergarten, zur Kultur? Auf fast allen Seiten von viel besuchten Einrichtungen findet man unter "Anfahrt" oder "Anreise" Beschreibungen für den Autoverkehr. 

Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird in der Regel auch noch dargestellt, zum Teil auch sehr detailliert. Manchmal wird auch der Fußweg zum Ziel noch beschrieben. Aber die Frage, wie man mit dem Fahrrad hinkommt, und ob es am Ziel Fahrradbügel oder gar geschützte Radparkplätze gibt, wird oftmals nicht beantwortet. 

Zum Beispiel:

25. Juni 2024

EM-Stadt Stuttgart suspendiert den Radverkehr

Klar, große Veranstaltungen bringen Behinderungen mit sich. Ausnahmesituationen sind Ausnahmesituationen. Wenn wir mal nicht wie gewohnt mit dem Rad oder Auto irgendwo durchkommen, können wir das mit Fassung tragen. 

Aber das Fahrrad und die vielen tausend Radfahrenden dermaßen zu ignorieren, wie das in Stuttgart geschieht, ist schon bestürzend. Der Stadtkern ist für Radfahrende gesperrt, die Hauptradroute 1 unterbrochen, und es stehen eindeutig falsche Verkehrszeichen herum, die das Radfahren auch dort verbieten, wo es stattfinden muss. An den Radverkehr hat man nicht ernsthaft gedacht. 

"Die Ganze Stadt ein Stadion", heißt es stolz auf der Seite der Stadt Stuttgart. Dann werden die Einschränkungen für den Autoverkehr erklärt. Auch die Stuttgarter Zeitung interessiert sich (hinter der Bezahlschranke) beim Stichwort "Verkehrskonzept" nur für Leute, die in Autos fahren und ihr Auto abstellen wollen. Das der Radverkehr zum Verkehr gehört, weiß sie nicht. Das wissen anscheinend auch die Behörden nicht, die die Sperren einrichten und Verkehrszeichen aufhängen lassen. 

So ist beispielsweise flugs die Fahrradstraße Eberhardstraße zwischen 10:30 Uhr und und 1:30 Uhr nicht nur für den motorisieren Verkehr gesperrt (was sie immer ist), sondern - wie die Schilderkombination zeigt - auf einmal auch für den Radverkehr. Nur E-Scooter haben hier noch eine Ausnahmegenehmigung. Das weiße Schild mit rotem Kreis bedeutet nämlich Durchfahrtverbot für alle, auch Radfahrende. Das kann ja aber nicht sein, sagt sich die Radfahrerin in Stuttgart, und fährt. Wie sollte es auch anders gehen, das ist die Hauptradroute 1. Eine Alternative gibt es hier nicht.