Auch auf dem Land geht viel mehr mit Fahrrädern, als man immer denkt. Zur Arbeit hat man vielleicht einen Weg von 20 bis 90 km. Andere Wege sind dagegen oft sogar kürzer als in der Stadt.
Auf dem Land fällt der Umstieg manchen erstaunlich schwer, denn, weil man meint, ohne Auto gehe nichts, stehen (je nach Alter der Kinder) oftmals zwei bis drei Autos auf dem Hof, in der Straße oder auf dem Grundstück. Und dann nimmt man es auch für die kurzen Fahrten in den Ort zum Bäcker oder für Einkäufe. Für 800 Meter zum Friedhof oder einen Kilometer in die Ortsmitte müsste man allerdings nicht das Auto nehmen. Das geht sogar besser mit dem Fahrrad. Aber gerade in ländlicheren Gegenden, wo öffentliche Verkehrsmittel fehlen oder selten fahren, hat man sich daran gewöhnt, für alles, was man zu weit zum Gehen findet, ins Auto zu steigen. Die meisten Städte - wie hier Wangen im Allgäu - bieten nicht nur an den Rändern des Ortskerns riesige Autoabstellflächen an, sondern gestatten auch das Parken in den Alstadtgassen (Foto). Allerdings nimmt beispielsweise auch in Wangen der Radverkehr deutlich zu. Viel mehr als noch vor einigen Jahren kommen jetzt mit dem Rad, wenn mittwochs Wochenmarkt ist. Und dass man auch längere Arbeitswege durchaus mit Pedelecs schaffen kann - und mit deutlich mehr Vergnügen und Wohlbefinden als mit dem Auto - schilderte eine Familie aus Bayern hier B24. Die fährt Rad, auch weit, und hat eins von zwei Autos abgeschafft.
Die hohen Spritpreise scheinen derzeit mehr Menschen dazu zu zu bewegen, für kurze Alltagsstrecken doch mal das Fahrrad zu nehmen.
Und wenn sie sich dann ein Pedelec gönnen, macht vielen Menschen Radfahren schnell mehr Spaß als Autofahren. Man spart nicht nur Benzin, sondern auch Parkplatzsuche und Parkplatz bezahlen. Und man fühlt sich besser. Meist sind es die Eltern oder Älteren, die dann lieber mit dem Rad fahren, der Sparsamkeit und der Fitness wegen. Die ländliche Jugend (vor allem die männliche) mag das anders sehen, für die ist oftmals das Auto ein Unabhängigkeits- und Statussymbol, und sie sucht Fahrpraxis und Gruppenerlebnisse. Denen wollen wir hier nicht dreinreden.Es ist alles eine Frage der Bequemlichkeit, behauptet der bayrische Vater in der Reportage von B24. Aber das klingt jetzt wieder so, als machten Radfahrende sich das Leben unbequem und schwer, als brächten sie ein Opfer der Umwelt zuliebe oder weil sie Geld sparen wollen. Das ist aber nicht so. Im Auto sitzt man vielleicht wie auf dem Sofa, aber kein Mensch ist glücklich damit, sein Leben die meiste Zeit auf dem Sofa zu verbringen. Bewegung macht glücklich. Rad fahren klingt vielleicht zunächst anstrengend, aber an sich strengen wir uns ja gern ein bisschen an, weil wir das Erfolgserlebnis hinterher lieben. Und Pedelecs sind deutlich weniger anstrengend, vor allem in bergigen Gegenden. Radfahren macht ziemlich schnell Kopf und Sinne frei. Man spart sich den Ärger, den Autofahrende oft und schnell empfinden (Stau, Verzögerungen, blöde andere Autofahrer:innen etc.) und auf den können wir gern verzichten. Und wenn ein Stadt die Radinfrastruktur ausbaut, dann mag das zusätzlich beflügeln.
Auch auf dem Land geht es nicht um alles oder nichts, sondern um ein mehr oder weniger. Mehr Fahrrad, weniger Auto. Der Gewinn ist groß: Mehr Freude, mehr Gesundheit, mehr Freiheitsgefühle, mehr echte Mobilität, weniger Kosten, weniger miese Gefühle. Was mit dem Fahrrad nicht geht, macht man dann halt mit dem einen Familienauto, das man noch hat. Und man muss ja auch nicht bei jedem Wetter das Fahrrad nehmen, wobei: Bei Schnee und Eis Auto zu fahren ist im Grunde genauso unangenehm und gefährlich wie Rad fahren. Viele Menschen fahren auch bei Regen und Kälte Fahrrad, wenn sie erst einmal gemerkt haben, welche Vorteile das Fahrrad bietet. Und es ist doch zu erhebend, das Wetter wieder zu spüren und sich lebendig zu fühlen. Zumal man von allen bewundert wird, die sich vor Regentropfen in Autos verstecken.


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