31. März 2016

Radler sind die besseren Kunden

Eine neue Studie des European Cyclists* Federataion (ecf) hat erneut festgestellt, dass viele Radfahrende und wenig Autos gut sind fürs Geschäft des Einzelhandels. Denn Radler/innen kaufen öfter ein und geben auch noch mehr Geld aus als Autofahrer. 

Man hat es in Dänemark immer schon gewusst, aber man war sich nicht sicher, ob man die Ergebnisse dortiger Studien auf andere europäische Länder übertragen kann. Verändert man Innenstädte so, dass Radfahrende und nicht Autos hereinholen, dann geht das Geschäft nicht zurück, wie Innenstadtladeninhaber immer befürchten. Ganz im Gegenteil. New York hat in der 9. Avenue allein durch die Anlage von Radwegen die Umsätze des Einzelhandels um 49 Prozent gesteigert.
Radler ersetzen nicht nur den Einnahmeverlust durch ausbleibende Autofahrer, sondern sie steigern den Gewinn sogar noch. Wir wissen das noch nicht, weil wir zwanzig Jahre hinterherhinken. Das haben auch die Stuttgarter Nachrichten erkannt. (Wir wissen das schon länger) Radler/innen kaufen nicht nur öfter in der Innenstadt ein, sie geben auch por Einkauf mehr Geld aus als Leute, die mit dem Auto gekommen sind.

Also: Von wegen, der Kofferraum sei der größte Einkaufskorb. Der bequemste und aufnahmebereiteste Einkaufskorb ist der Gepäckträger eines Rades und die Satteltasche.

So haben etwa in Bern die Kunden, die auf dem Rad kamen, 7.500 Euro Umsatz pro Quadratmeter Fläche, die einem Parkplatz gewidmet ist, geschaffen, während Autofahrer nur 6.625  Euro Umsatz generierten.

In Deutschland beträgt der Anteil der Radler derzeit der Studie zufolge 13 Prozent. Diese Radler geben beim Shoppen 36, 7 Milliarden Euro aus. Würden man den Anteil der Radler  in der EU verdoppeln und dabei in Deutschland auf gut 25 Prozent steigern, kämen bei uns noch mal 8,7 Milliarden hinzu.  Kann man hier nachlesen und schauen, ob ich mich verrechnet habe.

Drei Gründe sehe ich für das Phänomen

  • Der Radler und die Radlerin kommen kostenlos in die Stadt. Sie müssen kein Geld für Bahnen oder Parkplätze ausgeben. Etliche Radler haben gar kein Auto, was auch viel Geld spart, das man anders ausgeben kann.
  • Radfahrende können direkt von der Hautür zur Ladentür fahren und dann von Laden zu Laden. Sie müssen keinen Parkplatz suchen und sie müssen keine weiten Wege zur Fuß marschieren. Wollen sie zu einem Laden am anderen Ende der City, dann fahren sie halt die anderthalb Kilometer. 
  • Radfahrende sind langsam genug unterwegs, um im Vorbeifahren in Schaufenster zu gucken und mal schnell anzuhalten. Sie sind wie Fußgänger/innen nicht von einem Blechkasten umgeben, der Autofahrer abschottet. 
In Stuttgart könnte die Innenstadt in der Konkurrenz zum Milaneo viele neue Kundinnen und Kunden gewinnen (vor allem solche, die Geld haben und in Boutiquen gehen), wenn man konsequent die Autofahrer draußen hält (sie haben ja rund um die Innenstadt viele Parkhäuser) und die Straßen den Radlern und Fußgängern widmet. Wozu übrigens auch gehören würde, dass man das Radfahren (im Schritttempo) in der Königstraße erlaubt. Denn Radfahrende bringen echt Geld in die Läden. Und jeder Ladeninhaber müsste ein große Interesse daran haben, dass sie möglichst dich an ihre Läden herankommen.

Und für größere Einkäufe kommen Lastenräder immer mehr in Mode. Mit ihnen kann man übrigens auch glänzend Kinder mitnehmen. Ein Pedelecmotor gleicht das Gewicht aus.
Auch Getränkekisten sind kein Problem

Die ganz normalen Anhänger gibt es auch noch. Das Foto rechts zeigte einen, der sogar eine Waschmaschine transportieren könnte. So stabile gibt es bisher nur in den USA. (Wer sich dafür interessiert, frage bei Plattsalat im Stuttgarter Westen mal nach.) 

Kommentare:

  1. Stimmt so aber nicht. Mein Anhänger hat ein Tragevermögen von 70 Kg, und ist kein US-Modell sondern ein UK-Modell. Eine Waschmaschine könnte ich damit locker transportieren.

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    1. Okay, okay, habe das Gewicht einer Waschmaschine wohl überschätzt. Allerdings transportiert man die ja auch nicht täglich. 😊

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    2. Ich denke mal, dass die wenigsten Kunden ihre Waschmaschinen und andere weiße Ware noch selbst nach Hause schleppen. Sowas lässt man sich doch schon lange als Kundenservice bis ins Haus liefern.

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    3. Stimmt schon. Ich höre nur leider immer wieder von Politik bestimmenden Herren, dass der Kofferraum die größte Einkaufstasche sei, vor allem für größere Gegenstände. Die Waschmaschine lässt man sich natürlich liefern. Bücher auch, Kosmetikartikel und anderen Kleinkram. Das ganze ist eine Geistesdiskussion, weil eigentlich klar ist, dass Fußgängerinnen und Radler den Läden am nächsten kommen, und Autofahrende nur herumkurven um Parkplätze zu suchen. Was vor allem den Ladenstraßen schadet, wo das stattfindet. (Der Königstraße schadet das nicht, denn da kommen eh keine Privatfahrzeuge rein.)

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  2. Schon seit mehr als drei Jahren besitze ich kein Auto mehr und kaufe viel öfter auf dem Wochenmarkt und bei kleinen Geschäften ein. Ich spare enorm Geld, weil ich kein auto mehr habe und mit dem Rad kann ich bis vor die Tür fahren - sehr praktisch.

    In Deutschland ignorieren die Stadtplaner und Autofreundllichen Politiker bisher die Erfahrungen aus Dänemark und den Niederlanden erfolgreich, denn unsere Autolobbyisten sind perfekt wenn es ums Manipulieren von Politikern geht.

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