12. Juli 2013

Gefährlicher Radweg


Es ist offenbar ein Irrtum, dass Radwege oder Radschutzstreifen den Radfahrern nützen oder gar das Unfallrisiko mindern. Ganz im Gegenteil. Radwege machen das Radeln gefährlicher. 

Selbst dann, wenn es sich um guten Radweg handelt. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die Bernd Sluka auf seiner Internetseite darstellt und auswertet. Demnach wird die Unfallgefahr an Kreuzungen durch einen Radweg vervielfacht. Wobei bereits Problemfälle ausgeklammert sind wie linksseitige Radwege, Radwege, die in beiden Richtungen befahren werden dürfen und Radwege, auf denen Fußgänger gehen können.

An Kreuzungen ohne Ampeln, aber mit Radwegen, verfünffacht sich das Unfallrisiko gegenüber Kreuzungen ohne Radweg.

Treibt man Bauaufwand, pflastert man die Radwegfuhrt auf, hat der Radfahrer nur noch ein doppelt so hohes Risiko, einen Unfall zu erleiden. Am sichersten ist es für ihn, wenn er auf der Fahrbahn für Autos fährt. 

Radwege haben mehrere große Nachteile:
  • Sie sind zu schmal. Wehe, es fahren wirklich viele Radler darauf.
  • Sie werden von Autofahrern nicht respektiert (Parkplatz Radweg).
  • Sie werden von Fußgängern nicht respektiert. 
  • Sie sind oft in katastrophalem Zustand, werden schlecht gewartet. Seitliches Gebüsch wird nicht geschnitten, Schlaglöcher nicht geflickt, Glasscherben nicht beseitigt. 
  • Sie sind voller Hinternisse (Gullis, Pfosten, Baustellenzeichen), weil sie am Straßenrand verlaufen.
  • Der Radfahrer kann keinen Abstand mehr zu parkenden Autos halten. (Tür auf, der Radler macht einen Salto.) 
  • Sie werden von Verkehrsplanern nicht respektiert. Es gibt komplizierte Führungen, es fehlen die Übergänge an Ampeln, zur Straße, zurück auf den Radweg, sie lassen mal Gegenverkehr zu, mal nicht, schicken Radler mal kurz unter die Fußgänger, lassen sie gar per Zusatzschild auf dem Radweg absteigen. Sie sind Stückwerk. 
  • Radwege werden nach meiner Beobachtung eigentlich nur dort gebaut, wo der Radler sie nicht braucht, weil die Straße ohnehin breit genug ist.  
  • Radwege sind vor allem dazu da, die lästigen Radfahrer vom Autoverkehr zu trennen. 
Der Witz bei diesen Überlegungen der Gegner von Radwegen ist der: Es ist für Radfahrer am sichersten sich in den Autoverkehr einzureihen. Also nicht rechts neben den Fahrzeugen zu rollen, sondern zwischen ihnen. Denn nur dann werden Radfahrer von Autofahrern auch gesehen! Vor allem beim Abbiegen. Oder im Kreisverkehr. 

Ich kann mir das nur schwer vorstellen. Aber ich finde es in der Tat genauso bedrohlich, auf einem Radweg zu radeln, wo links neben mir der Autoverkehr mit 50 km/h vorbeidonnert, wie ich es ohne Radweg am Straßenrand finde. Wobei ich mich bei einem Radweg noch zusätzlich ärgere, wenn Autos darauf stehen. Das fällt weg, wenn ich auf der Auto-Fahrbahn radle. 

Wegen dieses unheimlichen Gefühls von links hinten immer wieder angegriffen zu werden (man kann sich ja nicht ständig umdrehen), fahren viele Radfahrer trotz Radwegs lieber auf dem Gehweg. Da haben sie die Gefahren vor sich (die Fußgänger im Blickfeld), statt hinter sich (die heranrasenden Autos). Aber eine Lösung ist das keine. 

Die Stadt, die etwas für Radfahrer tun will, muss sich und ihre Autofahrer mit dem Gedanken vertraut machen, dass Radfahrer auf Straßen fahren, sie wollen nämlich auch vorankommen. Man darf sie nicht von der Fahrbahn verbannen und aus Verlegenheit auf Sonderspuren oder gar unter die Fußgänger schicken.



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