31. März 2026

Spitzkehren - nicht an den Radverkehr gedacht

Infrastruktur, mit der Menschen, die nicht in Autos sitzen, die Autoströme überqueren können, wurde nie  fürs Fahrrad geplant. Sie wird aber oft fürs Radfahren freigegeben, denn irgendwie müssen die ja auch über die Verkehrsschneisen kommen. 

Spitzkehren sind bei Brückenbauwerken an den Auf- und Abgängen für niemanden angenehm, aber die einzige halbwegs platzsparende Lösung, um es Menschen in Rollstühlen oder mit Kinderwagen zu ermöglichen, runter oder rauf zu kommen. Für Fußgänger:innen und Radfahrende verlängern sie die Überquerungswege um ein Vielfaches. Für Radfahrende ist der Umweg nicht ganz so lästig, aber dafür sind die Spitzkehren eine radlerische Herausforderung. Blogleser Andreas hat mir die Situation in Esslingen auf der Pliensaubrücke geschildert, die zwischen der Stuttgarter Straße und der Neckarstraße den Neckar, die Eisenbahngleise und Neckarstraße überquert. Die Fotos sind von ihm.  

Man sieht kaum, ob hinter der nächsten Kehre Fußgänger:innen oder Radler entgegenkommen, zumal man mit Lenkmanövern beschäftigt ist. Und unten am Ende auf der Stadtseite gibt es dann einen U-Turn.  Diese Brücke ist nicht unwichtig für den Rad- und Fußverkehr. Sie verbindet den Radweg auf der Ost-/Nordseite des Neckars zwischen Stuttgart und dem Esslinger Stadtkern. Sie ist natürlich, wie all diese schwierigen Verlegenheitsinfrastrukturen für Radfahrende als Gehweg mit Radfreigabe ausgeschildert. Aber immerhin gibt es sie. Doch für den Radverkehr kann sie nicht mit geplant worden sein, sie wurde auf dem Reißbrett entworfen. 

In Stuttgart kenne ich auch so eine Straßenüberquerung in Cannstatt, den Schmidtsteg,  mit ruppigen 180-Grad-Kehren vom Neckardamm (Seilerwasen) über die Schönestraße hinweg zur Eisenbahnstraße. Diese Brücke ist aber für Radfahrende nicht so wichtig, es sei denn, der Neckardammradweg ist gerade gesperrt und es wird über sie umgeleitet. Immerhin sind ihre Spitzkehren etwas weiter gebaut, der Weg aber insgesamt schmal. Auch diese Überführung wurde sicherlich nie für Radfahrende geplant. Und heute, wo die Schönestraße nicht mehr der Zubringer zur Rosensteinbrücke ist (die ist ja abgerissen), würde man so eine Brücke nicht mehr bauen, sondern einen ebenerdigen Fußgängerüberweg anlegen. 


Enge Kehrtwenden gibt es für uns auf unseren Alltagsradstecken nicht selten, zum Beispiel zwischen Brunnersteg und Heilbronner Straße, wo es über die Bahnanlagen geht. Obgleich der Weg eher eine Z-Form hat, ist er nicht leicht zu radeln, vor allem bergab nicht, weshalb in der Grünfläche schon Abkürzungsstreifen entstanden sind. Auch hier ist das ganze Gehweg und fürs Radfahren nur freigegeben. Auch nach der Abfahrt von der König-Karls-Brücke runter zum Wasen gibt es für alle, die Richtung Hofen auf dem Neckardamm weiter radeln wollen, eine Spitzkehre. Oftmals - so auch hier - bilden sich dann Abkürzungsspuren durchs die Grünflächen, die ganz selten, aber manchmal - so wie am Wasen - dann in eine Radrampe umgewandelt werden. 

Ihr kennt auf euren Alltagsrouten sicherlich noch andere für Radfahrende freigegebene Brücken mit unübersichtlichen und zu engen Spitzkehren. 


2 Kommentare:

  1. Also ich fand den ironischen Kommentar mit Zusatzzeichen 1012-32 eigentlich recht treffend. Beschreibt häufige Herangehensweise der Verwaltung an Radverkehrsprobleme!

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  2. Wolfgang Mangold31. März 2026 um 12:23

    In Mannheim wurden nach Unfall dann an so unsäglichen Spitzkehren die tollen "Trixi Spiegel" nachgerüstet. Das verbessert die Sicht um die Ecke, aber nicht das Fahren mit kleinem Wende-Radius.

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