29. Mai 2026

Murks hat lange Bestand

Es ist beachtlich, wie lange sich schlechte provisorische Lösungen für den Radverkehr halten. Auf den Hintergrund-Luftbildkarten von StuttgartMaps ist diese Komplikation in der Schlosstraße am Berliner Platz ab 2009 zu sehen. 

Jedes Mal, wenn ich die Schlossstraße entlang radle und an der großen Kreuzung mit der Fritz-Elsas-Straße am Berliner Platz auf die beiden Erklärschilder und diese originelle Spurenführung stoße, frage ich mich, wie man das eigentlich kapieren soll, wenn man zum ersten Mal hier ist. Und auch ich bin kürzlich falsch gefahren, nämlich zuerst hoch auf den Gehweg und dann wieder runter auf die Rechtsabbiege- und Geradeauspur fürs Fahrrad, weil ich in die Fritz-Elsas-Straße einbiegen wollte. Wer hier nach links Richtung Liederhalle möchte, muss wiederum hoch auf den Gehweg und sich dann an der reinen Fußgängerampel aufstellen und sich durch einen Z-Übergang über die Gleise wursteln. 

Wenn man heran radelt stößt man auf zwei Schilder, die die Spurenführung erklären sollen. Steht man im Autoampelstau, dann hat man genug Zeit sie zu studieren, rollt man gerade, dann hat man keine Gelegenheit dazu. Das Problem: Die beiden Schilder widersprechen sich. 

Zuerst sehe ich das gelbe Schild. Es sagt mir, wenn ich mit dem Fahrrad fahre, dann muss ich, wenn ich rechts oder links abbiegen will, mich ganz rechts halten, also auf den Gehweg hoch fahren. Wenn ich geradeaus radeln will, dann schwenke ich nur ein bisschen nach rechts und bleibe auf dem rot markierten Radstreifen. 

Das ist aber halt verkehrt, denn die Markierungen auf dem Radstreifen offenbaren mir im letzten Moment, dass ich zum Rechtsabbiegen auf den Radstreifen entlang der Fritz-Elsas-Straße unten auf dem roten Radsteifen bleiben kann und muss (ist als Radweg ausgechildert). Das zweite Schild hilft mir da auch nicht, denn es verdeutlicht nur, wie die armen Linksabbiegenden fahren und sich aufstellen sollen. 

Ich vermute das gelbe Schild steht da seit den Zeiten als es noch keinen Radfahrstreifen Richtung Stadtmitte auf der Fritz-Elsas-Straße gab und man auf dem Gehweg radeln durfte. Das ist aber jetzt allein deshalb nicht mehr erlaubt, weil die blauen Radwegschilder stehen. 

Übrigens muss man auch sofort erkennen, an welcher Stelle der Bordstein abgesenkt ist und sehr rasch un ruppig nach rechts auf den Gehweg steuern. 

Außerdem stellen sich mir mehrere Fragen. 

Wenn ich aus Versehen auf den Gehweg hochgefahren bin, obgleich ich rechts abbiegen möchte, befinde ich mich auf einem markierten Radstreifen für Linkssabbieger. Kann ich da weiter fahren, wenn ich feststelle, dass ich gar nicht links abbiegen wollte und kurzerhand nach rechts auf den Beginn des Radfahrstreifens entlang der Fritz-Elsas-Straße abbiegen? Es ist nicht eindeutig verboten, weil auf der Gehwegecke ja sowieso Radfahrende herumgurken sollen. (Hier würde ohnehin ein grüner Pfeil für den Radverkehr hingehören.) Nicht ganz regelkonform ist es aber schon. 

Und wenn ich nach links abbiegen möchte, dann sehe ich auf der anderen Straßenseite nur eine Fußgängerampel, in der das Radzeichen in der Streuscheibe fehlt. Fiußgängerampeln gelten seit 2016 nicht mehr für den Radverkehr (es gelten nur Fahrradampeln und, wenn keine vorhanden, Ampeln für den Fahrverkehr). Kann ich also selber entscheiden, wann ich hier (unter Beachtung des Autoverkehrs) rüber fahre? Ein Rotlichtverstoß wäre es nicht, anders als für diese Fußgängerin, die sich entschieden hat, schon mal loszugehen (Bußgeld 5 Euro). Ganz abgesehen davon, ist so eine Verkehrsführung für den Radverkehr völlig ungeeignet und unnötig gefährlich, weil man danach auch noch die Stadtbahngleise quert. 

Und: Wie geht es für den Radverkehr, der geradeaus will, eigentlich weiter? Die Spur führt direkt auf die Verkehrsinsel zu. Man muss sich also bei gemeinsamem Grün-Start mit den Autos nach links auf die Fahrspur einfädeln. Da wäre ein Aufstellplatz vor den Autos dringend notwendig. 

Die Frage, die ich mir außerdem stelle, ist: Muss ich eigentlich mit dem Fahrrad so kompliziert über den Gehweg links abbiegen, oder darf ich hier auch auf der Fahrbahn links abbiegen? Gilt das Radwegschild nur für den roten Radstreifen (geradeaus und rechts) oder auch für die Führung über den Gehweg? Und wenn ja: Dann sehe ich das blaue Schild  aber erst, wenn ich mich bereits auf der linken Fahrspur eigeordnet habe und bei Grün daran vorbei radle. Auf den Radweg komme ich dann nicht mehr. 

Dass sich niemand um das falsche Erklärschild oder gar um eine einfache und intuitive und direkte Radführung samt Grünem Pfeil an dieser Stelle kümmert, mag daran liegen, dass diese Ecke vor knapp zwanzig Jahren mal als irgendwie gelöst abgehakt wurde. Aber inzwischen kam ein Radfahrstreifen entlang der Fritz-Elsas-Straße hinzu, der die Fahrbeziehungen geändert hat. Es wäre an der Zeit, diese Komplikation mal zu überarbeiten und Radfahrenden das Linkssabbiegen auf der Fahrbahn per Radstreifen zu ermöglichen. 

6 Kommentare:

  1. Das zeigt halt nur wieder, dass das Ganze eine Frage der Mentalität ist. Wer sich für Radverkehr auch nur im Ansatz interessiert, kann an einer solchen Stelle nicht gleichgültig jahrelang Tag für Tag vorbeifahren.
    Aber genau das passiert offenbar, denn da fahren oder gehen doch mindestens Dutzende politisch Verantwortliche und Verwaltungsmitglieder tagtäglich zur Arbeit. Und sehen es schlicht nicht...

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  2. Ich wollte dort neulich geradeaus fahren. Also fuhr ich auf die entsprechende farblich markierte Spur. Dann wurde es Grün und ich stellte fest, dass ich mich dann in den beschleunigenden Verkehr "einfädeln" muss, da ich sonst auf die Verkehrsinsel auffahre. Bin ich ernsthaft darauf angewiesen, dass die Autofahrenden deren Ampel gerade auf Grün schaltet dann nochmal verzögern und mich reinlassen, oder raff ich die Spurführung überhaupt nicht?

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  3. Genau so ist es. Ich habe es im Post ergänzt. Danke für den Hinweis.

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  4. @Dr. Christine Lehmann

    OFFTOPIC
    (zum Artikel „Der systematische Betrug - Gehwege als Radwege“)

    Christine, ich finde deine Moderation schon etwas irritierend. Wenn du selektiv moderierst, also in Ansätzen abwertende Kommentare sichtbar bleiben, während sachliche und nicht angreifende Erwiderungen auf persönliche Spitzen nicht freigeschaltet werden, verliert der Hinweis „Ich achte auf eine sachliche und aufs Post-Thema bezogene Debatte.. Ich lösche alles, was Personen oder Gruppen abwertend angreift …“ für mich deutlich an Glaubwürdigkeit.
    In meiner nicht freigeschalteten Antwort hatte ich ausdrücklich geschrieben, dass ich selbstverständlich einen Unterschied zwischen bloßem Zeitgewinn und real empfundener Gefährdung sehe. Mein Punkt war: Auch existierende Gefährdung hebt die Verantwortung gegenüber Dritten nicht automatisch auf. Dass mein Einwand zur präziseren Verwendung des Begriffs „Zwang“ nicht ganz aus der Luft gegriffen war, zeigt aus meiner Sicht gerade ein Kommentar unter dem Post: „… dass man auf den Gehweg ausweicht, denn auf dem Gehweg … sind Fußgänger zwar unberechenbar, aber eine Kollision bringt einen nicht zwangsläufig in KKH.“ Genau darin liegt das Problem. Der eigene Regelverstoß erscheint schnell alternativlos und die Gefährdung anderer wird zur nachrangigen Größe. Dass eine Kollision mit Fußgängern meist weit weniger gravierende Folgen hat als mit einem Auto, macht die Verlagerung des Risikos auf Fußgänger nicht automatisch akzeptabel. Zugespitzt gesagt: Ein Krankenhausaufenthalt ist vielleicht weniger endgültig als ein Grab, aber deshalb noch lange nicht belanglos. Zumindest für den ersten Fall kann ich das aus persönlicher Erfahrung bestätigen.

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  5. Ich habe mir die Situation auf Streetview angesehen und sitze fassungslos vor meinem Rechner. Außerdem frage mich jetzt, wie es für linksabbiegende Radlys eigentlich weitergehen soll, wenn sie es geschafft haben, durch diese Gatter die Schloßstraße zu überqueren; dann stehen sie "auf der linken Seite der Kreuzung" vor einem Fußweg, auf den sie nicht auffahren dürfen. Um in den Berliner Platz und dann Seidenstraße zu kommen, müssten sie rechts über einen weiteren Fußyübergang und durch weitere Gatter, regelkonform ist das alles nicht. (Und überhaupt, warum wird der Fußverkehr durch diese grässlichen Viehgatter geführt??).

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  6. Das Problem an dieser Stelle liegt daran, dass der Radverehr an der falschen Stelle über die Kreuzunggeleitet wird, nämlich quasi vor der Kreuzung. Um dort zu landen, wo man landen sollte, müsste man hinter der Kreuzung links abbiegen. Da scheint aber kein Platz zu sein.
    In Heidelberg gibt es auch so eine dämliche Ecke. Nach Beschidlerung kann man dann nur noch zurückfahren, aber regelkonform kommt man eigentlich nicht weiter. An dieser Stelle züchtet Heidelberg Gegenverkehrs-Gehweg-Radfahrer. Einwände meinerseits wurden abgewiesen. Die Kreuzung soll mittelfristig überplant werden, so lange bleibt der Murks dann. So eine Infrastruktur fördert kein regelkonformes Verhalten. So ein Murks muss zeitnah weg.
    Karin

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