Unsere Pkws werden immer größer, belegen immer mehr Platz und verstopfen die Städte. Eigentlich ginge es viel einfacher mit kleineren Fahrzeugen.
Da gibt es viele Möglichkeiten zwischen zu Fuß gehen und Auto Fahren. Sophie Elise Kahnt hat dazu auf der SPEZI in Freiburg einen Vortrag gehalten, auf den mich Blogleser Andreas aufmerksam gemacht hat. Sie und andere haben ein Buch über Feinmbolität geschrieben, also über eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Mobilität mit kleineren und leichteren Fahrzeugen in einer riesigen Bandbreite zwischen E-Rollator, Rollstuhl, elektrifizierrem Rollstuhl. E-Scooter, Fahrrad, Lastenrad, Minicar oder kleinen Elektrotransportern. Das Buch kann man sich als pdf kostenlos unter diesem Link runterladen. Die Analysen der Fahrzeuge, ihres Raum- und Energiebedarfs, ihrer verkehrsrechtlichen Klassifizierung, ihres Flächenverbrauchs beim Fahren und Stehen, ihres Nutzens und ihrer Faszination sind sehr detailliert. Das Auto hingegen wird immer größer und verlangt immer mehr Platz.
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| Auto zu breit für Parkstreifen |
Der Übergang zu feineren Fahrzeugen ist jedoch nicht leicht. Denn im Moment wird unsere Verkehrswelt regiert von der Angst vor dem Großen. Leute (oft grade Frauen) schaffen sich große Autos an, weil sie fürchten, in kleinen Autos bei Crashs von den Großen zermalmt zu werden. Große Autos nehmen jedoch irre viel Platz weg: Schmale Straßen sind inzwischen oft zu schmal für einen SUV, die Parkplätze sind zu klein und Autos ragen in die Radinfrastruktur hinein (Foto Olgastraße) oder in den Gehweg hinein. Das Auto ist zu groß für die Garage und muss deshalb am Straßenrand stehen und verknappt das öffentliche Stellplatzangebot. Auch auf den Fahrbahnen brauchen sie mehr Platz. Und die Autos sind so hoch geworden, dass oft nicht einmal mehr Erwachsene (oder ich auf meinem Fahrrad) über sie hinwegblicken können. Das Volumen der Pkw ist, dem Buch zufolge, in den letzten sechs Jahren um 18,5 Prozent angewachsen auf über 100 Millionen Kubikmeter, das entspricht 10.0000 Einfamilienhäusern. Eine Trendumkehr ist momentan nicht absehbar.
Die Autor:innen schreiben (S.159): "Einerseits üben viele Feinmobile eine Faszination auf Betrachter (vermutlich meinen sie auch Betrachterinnen) aus und begeistern sogar die technik- und autoaffine Männerwelt. Selbst Amtsträger empfinden Freude, wenn ihre Dienstpflichten es erfordern und damit rechtfertigen, mit Feinmobilen zu fahren (...). Ein Velomobil wie Twike 3 und ein relativ neues Minicar wie Microlino haben in der Mobilitätsszene teilweise Kultstatus erlangt. Andererseits erzielen die meisten Feinmobile weder Sichtbarkeit noch Bekanntheit auf den Straßen. Selbst der seit acht Jahrzehnten weithin bekannte Motorroller ist eine Randerscheinung auf Deutschlands Straßen. Vieles spricht heute für die flotten, wendigen, attraktiv aussehenden, leisen, sauberen Elektro-Motoroller. Wenn sie sich dennoch nicht in der Breite durchsetzen, dann nicht aus technischen oder finanziellen Gründen, sondern weil ihnen Image und Status fehlen und die Bewegungsumwelt auf den Straßen durch immer größere Fahrzeuge als gefährlich empfunden wird."
Menschen treffen ihre Entscheidung, welches Verkehrsmittel sie nehmen, nicht unbedingt auf Basis der Realität (also der Vernunft und vernünftigen Einschätzung), sondern auf Basis ihrer Wahrnehmung von Realität, so die Autor:innen. Und die kann sich stark von der Realität unterscheiden. Autofahrende überschätzen die Zeit, die es braucht, zu Fuß irgendwohin zu gehen oder mit dem Fahrrad wohin zu fahren. Sie glauben, mit dem Autos seien sie schneller. Sie überschätzen auch die Tage und Stunden, die es regnet. Und sie überschätzen die Menge, die sie einkaufen und die Häufigkeit, einen Kofferraum zu brauchen. Beim Thema Radfahren kennen wir zudem eine drastische Überschätzung der Gefährlichkeit, die vielen als Ausrede gilt, sich nicht mit dem Fahrrad in den Straßenverkehr zu wagen.
Menschen, die nicht mit dem Auto fahren wollen oder können, haben es nach wie vor schwer, sich auf unseren von Autos beherrschten Straßen sicher zu bewegen und zu behaupten. In Stuttgart sieht man sehr wenige Menschen in Rollstühlen. Es gibt zu viele Bordsteine und Treppen, die Gehwege sind zugeparkt, an den Gehwegecken stehen die Autos und man kommt mit dem Rollstuhl nicht zwischen ihnen durch und über die Straße. Wer mit dem Elektrorollstuhl auf der Fahrbahn fährt, braucht - finde ich - starke Nerven und Gottvertrauen. Aber anders geht es oft gar nicht.Eine Kultur der Feinmobilität würde allen zu einer freieren Mobilität verhelfen, nicht nur denen, die bislang glauben, aufs Auto angewiesen zu sein, sondern eben auch denjenigen, die kein Auto oder Führerschein haben. Paketdienste nähmen weniger Raum ein, Radfahren wird entspannter, das Leben auf unseren Straßen bekäme Fläche zurück und würde leiser. Und nicht zuletzt würden alle möglichen Rollatorlösungen plötzlich sichtbar, Menschen, die schlecht gehen können, kämen auf einmal überall hin und könnten am sozialen Leben teilnehmen.



"Unsere Pkws werden immer größer" hört und liest man immer wieder. Aber diese Aussage ist falsch. Autos werden nicht größer, weder durch Super Plus noch durch Hefe oder Backpulver. Viele Autofahrer kaufen immer größere Pkw, und dies tun sie aus freien Stücken.
AntwortenLöschenThomas
Ja stimmt, aber wenn wir mal die Entwicklung von gleichnamigen Kfz betrachten, sieht das SO aus:
Löschenhttps://www.fahrzeugbilder.de/1200/groessenvergleich-zwischen-dem-fiat-500-105464.jpg
Ein für die Gesamtentwicklung durchaus repräsentativer Vergleich.
Schon, aber es besteht kein Zwang, das größere Nachfolgemodell zu kaufen.
LöschenSie haben nicht wirklich die freie Wahl. Oder anders, sie lesen sich oft überreden, den SIV zu kaufen, weil was anderes schwieriger zu kaufen ist.
LöschenChristine, Du schreibst ja oben ganz richtig dass die Autos gar nicht mehr auf die Parkplätze passen. De facto gibt es ja so einen "modalen Filter", der sowohl die ordnungsgemäße Nutzung der Parkplätze am Straßenrand oder auch der Garage verhindert. Allerdings geht dieser modale Filter ja komplett zu Lasten der Radies (und der Mikrofahrzeuge) etc., weil wir so verdrängt / belästigt etc. werden. Das Radeln auf dem Radstreifen wird zum Harakiri, weil ja die KFZ ja alle weit in die Radspur reinragen und die sich unvermutet öffnende Türe nur eine Frage der Zeit ist. Konsequenterweise dürften ja bei dieser Autogröße die Parkplätze gar nicht mehr genutzt werden bzw. die Hausbesitzer (mit Garage) müssten die Konsequenzen des Fehlens von Abstellmöglichkeiten tragen (die Garagen müssten ja genutzt werden, un nicht nur für die Winterräder und den Rasenmäher). Eine Konsequenz wäre dann z.B., statt solch einer Riesenschüssel sich ein Mikrofahrzeug zuzulegen.
AntwortenLöschenVielleicht braucht es auch noch eine andere Bezeichnung dafür als die eines "modalen Filters". Der Z-Übergang auf dem Radweg oder die sonstigen Schranken auf dem Radweg als modale Filter behindern uns ja sehr effektiv und führen ggf. zum Sturz -- die zu kleinen Parkplätze (bzw. korrekterweise zu großen Autos) stören ja nicht den Verursacher sondern gehen unmittelbar und ausschließlich zu Lasten der an sich unbeteiligten / unschuldigen Schwächeren.