14. Juli 2026

Radfahren in Paris

Es gibt Städte, die bringen uns zum Träumen. Paris gehört dazu. Blogleser Hansjörg war im Juni mit dem Fahrrad dort. Er hat mir Bilder und einen Kurzbericht geschickt. 

Er schreibt, toll zu sehen sei, dass sehr wenige Autos am Straßenrand geparkt werden können. Viele größerer Straßen, also die meisten Boulevards haben eine eigene baulich abgeteilte Radspur, manchmal als Zweirichtungsradweg, wenn auch sehr schmal, manchmal nur bergauf. Es gibt sehr viele Zebrastreifen in recht kurzen Abständen, viele mit Ampeln. 

An denen steht man maximal 30 Sekunden, oft kürzer. Gefühlt gilt überall Tempo 30. Autofahrende und sehr viele Radfahrende halten auch wirklich an den Ampeln. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer:innen drängeln nicht, hupen nicht, sind nicht aggressiv. Niemand beschleunigt stark oder ist röhrend unterwegs. Der Lärmpegel der Autos ist auffällig gering. Zudem sind auch wenige Kfz unterwegs, sowohl unter der Woche als auch an den Wochenenden. Es gibt viele Einbahnstraßen, die alle für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben sind. Einige Straßen sind für den Autoverkehr ganz geschlossen. Viele Gehwege sind in jüngster Zeit begrünt worden. Paris, so sein Fazit, zeige sich ihm als Fremden nicht mehr als hektische Stadt. Insgesamt habe die Stadt außerhalb der touristischen Hotspots einen sehr lebenswerten Eindruck gemacht, abgesehen von den Preisen für Wohnungen und in der Gastronomie. 

Vielen Dank für deine Eindrücke und die Fotos. 

Tatsächlich hat Paris vor rund zwanzig Jahren die Verkehrswende eingeleitet und vor allem unter der Bürgermeisterin Hidalgo den städtischen Raum grundlegend umgestaltet. Der Durchgangsverkehr in der historischen Innenstadt wurde unterbunden und das Radwegnetz auf über tausend Kilometer ausgebaut, der Parkraum wurde begrenzt, es gibt viele autofreie Zonen, in fast dem ganzen Stadtgebiet gilt Tempo 30 und etliche Straßen wurden in Grünflächen umgewandelt. 

Ältere Fahrzeuge, die viel Abgase produzieren, dürfen nicht in die Stadt, für SUV gelten höhere Parkgebühren. Die E-Scooter wurden verboten. Inzwischen werden über 90 Prozent der Wege in Paris mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad und zu Fuß zurückgelegt. Mit dem Fahrrad kommt man schneller durch Paris als vordem mit dem Auto, vor allem zu Stoßzeiten. Der Anteil des Radverkehrs am Modal Split wird mit zwischen 11 und 13 Prozent angegeben (die meisten gehen zu Fuß und fahren Metro) wobei sich die Bezirke da stark unterscheiden und in manchen Vororten viel mehr geradelt wird. Und das Fahrrad übertrifft dabei inzwischen das Auto (4,3 Prozent am Modal Split) als Fortbewegungsmittel. 

Paris ist ein Blick in die Zukunft deutscher Städte wie Berlin, München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, wenn sich die Politik denn mal entschließen würde, die Mobilitätswende wirklich voranzutreiben. Natürlich ging das auch in Paris nicht ohne heftige Kontroversen ab. Paris ohne den berühmt-berüchtigten Autoverkehr schien den Einwohnenden undenkbar, obgleich sie im Stau standen. Wie die taz erzählt, plädierten 60 Prozent der Bürger.innen dann aber für ein Tempolimit. Aber auch die Pariser:innen fahren gern Auto und etliche glauben, nur damit könne man sich unabhängig in der Stadt bewegen. Allerdings hat Paris einen wohl gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, der bis weit in die Außenbezirke führt.  Bürgermeisterin Hidalgo (die 2025 nicht zur Wiederwahl antrat) holte die Bürger:innen auch durch Umfragen ins Boot und investierte Geld in Veränderungen. Die tausend Kilometer Radwege, samt Radparkplätzen kosteten nur 250 Millionen, und der (durchaus geldwerte) Gewinn an Ruhe, Stadträumen für die Allgemeinheit und Gesundheit der Einwohner:innen dürfte diese Investitionen um ein Vielfaches übersteigen. Ganz abgesehen von der neuen Faszination die nun von Paris ausgeht und Tourist:innen anzieht. 



1 Kommentar:

  1. Es ist wie immer: Wer will, findet Lösungen. Wer nicht will, erfindet Probleme.
    Thomas

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