1. August 2026

Warum wird der Weg immer breiter?

Im Schlossgarten in Richtung des Flora & Fauna hat das Land vor geschätzt sieben oder acht Jahren eine Abkürzung geschottert. Dieser Weg wurde und wird immer breiter. Und zwar aus einem bestimmten Grund. 

Die Abkürzung nutzen Fußgänger:innen und Radfahrende, die nicht dem großen Bogen des asphaltierten Weges folgen wollen. Womöglich dachte das Land, Schotter sei irgendwie besser, weil nicht versiegelnd. Inzwischen zeigen Studien, dass asphaltierte Radwege den Wasserhaushalt im Untergrund nicht nur nicht stören, sondern sogar besser sind als solche Schotterwege. Wäre der Weg asphaltiert und bündig an die anderen Wegen angeschlossen worden, hätte er sich nicht verbreitert. Der Grund für das Breitenwachstum ist nämlich, dass Radfahrende oben am Flora & Fauna über einen Bordstein radeln müssen.Anfangs war das fein. Doch im Lauf der Zeit wurde die Schotterfläche ausgefahren und senkte sich ab, die Bordsteine wurden höher und einzelne Steine brachen aus. Also wählten die Radler:innen eine noch intakte Auf- und Abfahrt nebendran. Dort erhöhte sich der Bordstein ebenfalls, weil das Erdreich absank, und Steine brachen aus. Und wieder suchten sich Radler:innen einen weniger hopsenden Aufgang und Abgang. 

2022 sah die Stelle noch so aus (Foto). Ein erster Seitenstrang links neben der Tafel war entstanden. Entscheidend bei der Anlage solcher Wege, die auch für den Radverkehr gedacht sind, ist, dass es keine Absätze gibt. Der Übergang von diesem Weg zum Hauptweg muss plan gestaltet sein und auch so bleiben. 

Da an dieser Stellte ohnehin schon vorher ein Trampelpfad existierte, weil Fußgänger:innen nicht gerne Umwege gehen und Radfahrende die Spur dann auch nutzten, war es durchaus sinnvoll, hier einen Weg anzulegen. Soweit ich weiß, hatte das Land, dem der Schlossgarten gehört, dies angeboten, die Stadt aber eigentlich erwartet, dass es ein befestigter Weg wird, kein unbefestigter. Wie sich zeigt, wäre das auch besser gewesen. Gras wächst hier nicht mehr. die Fahrräder verdichten den Untergrund, also könnte man jetzt mal einen schmaleren Weg mit planen Übergängen asphaltieren. Dann kann sich die Fläche links und rechts erholen und es sieht auch nicht mehr so wüst aus. 

Immerhin ist das alles, genauso wie die unglaublich enge Durchfahrt durchs Flora & Fauna, Teil der Hauptradroute 1, die täglich von tausenden Radler:innen befahren wird. An dieser Stelle teilt sich der Strom übrigens: Mannche radeln hier über die Gleise, andere fahren links am Lokal vorbei und überqueren die Gleise am anderen Übergang, der etwas enger ist. Es ist reine Geschmacksache, blöd ist beides. Uns (und auch dem Land) ist schon klar, dass die Hauptradoute 1 dringend anders geführt werden muss, nämlich außerhalb des Schlossgartens. Aber durch den Schlossgarten würden auch dann immer noch viele radeln, weil sie Ziele im Norden haben. Aber es wären weniger. Vor allem an sonnigen Wochenenden drängen sich Radler:innen und Fußgänger:innen auf den Wegen im Park. Bislang hat sich der Stuttgarter Gemeinderat geweigert, entlang der B14 schnell gute Radwege anzulegen. Dazu müsste allerdings auch gehören, dass Radfahrende nicht an jeder Kreuzung an Ampeln warten (gar lange warten) müssen. Es braucht also auch Radbrücken, so wie man das in echten Fahrradstädten bei viel beradelten Hauptradrouten machen würde. Gäbe es drei oder mehr Ampelhalts auf parallelen Radwegen außerhalb des Parks, dann würden die meisten Radfahrenden wahrscheinlich weiterhin durch den Schlossgarten radeln. 

Es ist schon entscheidend, eine gute Radinfrastruktur zu bauen, die dem Radfahren auch wirklich gerecht wird. 



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