Das entspricht laut ADFC 37 Prozent des gesamten Straßennetzes. Hamburg kommt zwar auf 1291 km geschützte Radfahrstreifen, aber das sind nur (aber immerhin!) 33 Prozent des Straßennetzes. Protected Bike Lanes sind Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau, die durch Poller oder Betonelemente vom Autoverkehr getrennt sind. Mal schnell mit dem Auto auf den Radfahrstreifen fahren und anhalten ist nicht möglich. Sie lassen sich, verglichen mit einem Radweg (auf Gehwegniveau), schnell und kostengünstig herstellen. Sie ermuntern Menschen, das Fahrrad statt des Autos zu nehmen, weil sie Schutz bieten. Radfahren ist dann nicht davon abhängig, dass sie Autofahrende regelkonform verhalten und den Radfahrstreifen respektieren.
In Stuttgart ist mir keine einzige protected Bike Lane bekannt.
Es gibt keine, wie die Stadt selber mitteilt. Informationen zur Länge unseres Radfahrstreifennetzes findet die städtische KI auch nicht, obgleich es diese Informationen gibt. Wir haben nur rund 41 km Radfahrsteifen im Stuttgarter Straßennetz von 1.300 km Länge. Das sind gerade Mal gut 3 Prozent. Bei den Radwegen kommen wir gerade mal auf gut 20 km getrennt vom Auto- und vom Fußverkehr, das entspricht 1,5 Prozent. Wir sind also von München oder Hamburg mit unserer Radinfrastruktur noch meilenweit entfernt.Ich kenne übrigens allerdings hier und dort im Kurvenbereich durch Baken geschützte Schutzstreifen wie zum Beispiel in der Zimmermannstraße, wo es von der Alexanderstraße runter geht zum Kreisverkehr an der Olgastaße (Foto oben). Auch in der Liststraße, wo der Radstreifen von der Böheimstraße hoch geht und in die Liststaße mündet, gibt es so einen Schutz, der aber teils schon wieder beschädigt ist.
Und geschützt ist auch dieser Radstreifen in der Industriestraße zum Kreisverkehr am Wallgraben hin. Vermutlich, um zu verhindern, dass Autofahrende über den Streifen hinweg auf die Rechtsabbiegespur fahren.
Geschützte Radstreifen kann man nur dort anlegen, wo nicht rechts davon noch Autos geparkt werden dürfen. Werden Radstreifen von Autofahrenden respektiert - das scheint beispielsweise auf der Böblingerstraße in Kaltental zumindest bergauf der Fall zu sein -, dann ist der Schutz durch Betonbegrenzungen wohl nicht notwendig. Stehen aber immer wieder Autos auf einem Radstreifen (wie auf der Theo, die aber richtige Radwege kriegen soll), dann braucht es physische Hindernisse.
Problematischer finde ich übrigens den geringen Respekt von Autofahrenden vor den sogenannten Schutzstreifen und den Radaufstellflächen an Ampeln. Geschätzt ein Drittel neigt dazu, mit den rechten Reifen auf dem Schutzstreifen zu fahren und an Ampeln auf Radaufstellflächen zu halten und mir als von hinten an eine Ampel herankommender Radfahrerin den Platz wegzunehmen. Mal schnell auf Schutzstreifen halten anhalten, ist sowieso üblich.Grundsätzlich gilt: Wenn eine Stadt wirklich ernsthaft den Radverkehr fördern will, dann muss sie diejenigen aufs Fahrrad bringen, die bislang zögern, weil ihnen die Situation auf unseren Straßen fürs Radfahren zu unsicher erscheint - egal ob rational oder irrational begründet. Das Potenzial ist groß. Aber die Menschen müssen sichere und einladende Radinfrastruktur sehen. Sie dürfen nicht die Sorge haben, dass Autofahrende ihnen vors Vorderrad fahren oder sie um ihren Platz an der Ampel streiten müssen. Dazu tragen geschützte Radstreifen bei.
Frage an euch: Wo wären in Stuttgart geschützte Radfahrstreifen wünschenswert oder dringend notwendig.



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