27. August 2026

Was Radfahrer zu Radfahrerinnen nicht sagen sollten

Vieles ist gut oder nett gemeint, kommt aber nicht gut an, was männliche Radfahrer zu radelnden Frauen so sagen, egal, ob es nützliche Tipps oder vermeintliche Komplimente sind. 

Ich weiß, das Thema ist heikel, weil wir uns nicht gern bei Fehlern ertappen lassen. Alle, die das hier lesen, gehören selbstverständlich nicht zu den Menschen, um die es hier geht. Ich erlebe unsere Radcommunity in Stuttgart als ziemlich respektvoll auch und gerade mir als Frau gegenüber. Ich höre aber von radelnden Frauen durchaus auch Geschichten über missglückte oder für sie ärgerliche Kommunikation. 

"Ich fahre aber im E-Modus", versichert ein männlicher Pedelec-Radler auf langer Tour einen Alpenpass hoch einer Frau, die auf einem Standardrad mit reiner Muskelkraft hoch radelt. Abgesehen davon, wie albern das ist, möchte sie das eigentlich auch gar nicht wissen, denn es ist ihr völlig egal, ob er sich insgeheim schämt, weil sie als Frau mit reiner Muskelkraft fährt, während er sich von einem Motor helfen lässt. 

"Du solltest den Sattel höher stellen", "einen kleineren Gang fahren", "eine andere Radgröße haben", hören Frauen immer mal wieder von Männern, die mit ihnen zusammen radeln. Tipps sind gut, aber nur dann, wenn eine Frau explizit um Rat gefragt hat. Wenn sie nicht fragt, wenn sie nicht von selbst das Gespräch auf Fahrtechnik oder Fahrradeinstellungen  bringt, ist sie zufrieden mit ihrem Rad und ihrer Fahrweise und braucht keine Ratschläge. Auch nicht darüber, wie sie ihre Satteltaschen vor einer Tour packen oder wie das Gepäckgewicht am Rad verteilt sein sollte. Es gilt immer: Wenn sie nicht fragt, dann braucht sie auch keine Ratschläge, Belehrungen oder Tipps. Auch wenn der Mann meint, sie bäruchte das. Umgekehrt wollen Männer vermutlich auch nicht von irgendwem (schon gar nicht von einer Frau) hören, dass sie zu hohe Gänge fahren, oder für ihre Touren ein anderes Fahrrad geeigneter wäre. 

Dieses ungefragte Erklären nennt man "Mansplaining". Das ist ein Begriff dafür, dass ein Mann einer Frau  ungebeten und langatmig etwas erklärt, oft in einem belehrenden Tonfall, so als ob er annähme, dass sie weniger weiß als er. Dabei passiert es, dass er ihr etwas erklärt, was sie längst weiß, weil sie auf dem Gebiet (dem Radfahren) ebenso viel Erfahrung hat wie er. Und das passiert tatsächlich nicht selten, wie mir Frauen erzählen. 

Ein absolutes No-Go sind auch Komplimente, die nur deshalb gemacht werden, weil ein Mann die Radlerin als Frau wahrnimmt. Zum Beispiel: "Du fährst aber schnell für eine Frau", "Du hast ja echt muskulöse Beine" oder "tolles Outfit, steht dir!" Also alle Bemerkungen über ihren Körper, auch dann, wenn sie anerkennend gemeint sind. Männer können sich oft nicht vorstellen, wie sehr Komplimente jeglicher Art, die auf den weiblichen Körper zielen, Frauen jäh und unangenhm aufs reine Frausein und damit aufs Sexobjekt reduzieren, während sie doch eigentlich jetzt gerade eine Radtour oder Sport machen wollen. Wir Frauen wollen selbst bestimmen, wann wir als Frauen und wann als Radlerinnen oder Spaziergängerinnen oder Fotografinnen oder Journalistinnen behandelt werden wollen. Also Komplimente bleiben lassen! Zumindest aber vorher die Umkehr-Probe machen: Könnte ich das (als Mann oder Frau) auch zu dem männlichen Radler in der Gruppe sagen. "Du radelst aber schnell für einen Mann", ginge beispielsweise nicht. 

Warum wir Frauen Tipps und Komplimente nicht so mögen. Ungebetene Ratschläge, ungefragte Tipps oder nicht eingeforderte Komplimente über unseren Körper sind eine subtile männliche Machtdemonstration.  Sie lösen anders, als viele Männer (die es sicherlich gut meinen) glauben, überhaupt keine angenehmen Gefühle aus, sondern eher unangenehme. Sie können sogar bedrohlich wirken. Denn sie sagen uns: Aha, der sieht mich jetzt nur noch als Frau und vielleicht fasst er mich bei nächster Gelegenheit auch an, ohne dass ich es ihm erlaubt habe, oder geht noch weiter. Frauen dürfen sich übrigens auch anziehen, wie sie wollen. Es ist niemals ihre Schuld, wenn ein Mann sich zu einem Kommentar "provoziert" fühlt. Never. 



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