15. Mai 2014

Das Problem mit der Spinne

Von Degerloch gibt es nicht wirklich eine gute Verbindung in den Osten Stuttgarts.  Kollegen, die sich den Kauf von Pedelecs überlegen, um damit von Degerloch zum SWR zu radeln, konnte ich gar nicht so begeistert zuraten. Wie sollen sie denn - vor allem als Wiedereinsteiger-Radler - eigentlich zur Arbeit und nach Hause fahren? 

Beginnen wir unsere Pfadfinder-Tour unten in der Ostendstraße, die für Radler auch nicht sonderlich viel Sympathie hat.

Von der Gablenberger Hauptstraße lässt man sich vom Verkehr die Aspergstraße hoch schieben. Die hat - völlig überraschend - an der Ampel zur Planckstraße einen vorgezogenen Aufstellplatz für Radler, den ich gar nicht gesehen habe, weil ich hinter einem Laster hing, der zwischen sich und Bordstein keinen Platz gelassen hat.
Die Planckstraße hat bergauf einen Radstreifen, den man gemütlich hochstrampelt. Das ist alles noch total akzeptabel und machbar. Der Radstreifen geht bis zur Ampel an der "Spinne", wie Polizei und Rettungskräfte den namenlosen Platz nennen, wo sich fünf Straßen begegnen, darunter die Planckstraße und die Gänsheidestraße.


Hier fangen die Schwierigkeiten an. Nach einem Schild für Radler sucht man hier an der Ampel vergeblich. (Foto oben)

Wer weiß, dass es dort steht, sieht das Schild, wenn er nach links über die ganze Spinne hinüberblickt, allerdings, ohne erkennen zu können, was es zeigt. (Foto: weißer Pfeil, dort ist die Hinweistafel für Radler Richtung Gänsheidestraße.) Aber über die Kreuzung hinweg kommt man dort nicht hin.

Wer ein Pedelec hat und/oder auch sonst gut bergauf radeln kann, sollte jedoch unbedingt die kleine schmale Gänsheidestraße (grüner Pfeil) hochfahren.

Allerdings muss ich dazu eben nach links über die Spinne radeln, und das ist nicht vorgesehen.

Es wird wohl erwartet, dass die Radler, die die Planckstraße auf der Radspur hochkommen, das Rad über die diversen Fußgängerampeln - und vier Fußgängerfurten! (violett) - hinüber schieben.



Wer hier geradeaus weiteradelt (grüner Pfeil), landet auf der Hangbrücke der Pischekstraße. Radreifenspuren auf dem Gehweg zeigen zwar, dass die meisten Radler den Gehweg wählen, aber er ist wegen der Laternenmasten zu schmal und riskant, und er ist nicht für Radfahrer freigegeben. Man muss also auf der Fahrbahn hochradeln. Das ist eigentlich sogar die sicherere Variante, denn die Autofahrer, die von hinten ziemlich schnell kommen (50 km/h) sehen einen ja, und haben die linke Spur, um uns zu überholen. Es ist nur granatenunangenehm, und man bleibt sehr lange auf dieser Strecke.


Die Gänsheidestraße wiederum kürzt diesen Abschnitt zwar ab, ist aber steil und dafür auch verhältnismäßig lang. Sie endet an einer Ampel, die über die vierspurige Pischekstraße hinüberführt. Ab hier ist der Gehweg für Radler freigegeben. (Zum Glück geht da so gut wie nie ein Fußgänger.) Er ist schmal und hoppelig, führt aber teilweise ziemlich abgeschieden (Angst bei Dunkelheit!) durch den Wald an der Jahn-Straße entlang. Am Fernsehturm muss man dann entweder auf die Fahrbahn oder über eine Fußgängerampel rüber und durchs Waldau-Gelände fahren. Dort bibt es Radwege und eine Fortführung über einen Rad/Gehweg bis nach Degerloch hinein.


Wie man an der Stelle Frauenkopf in umgekehrter Richtung stadtwärts radelt, ist wiederum ziemlich unklar. Routinierte Radler fahren auf den mehrspurigen Fahrbahnen. Weniger unerschrockene auf dem Gehweg (gegen die Fahrtrichtung). Dann müssen sie am Abzweig Richtung Frauenkopf über den Fußgängerüberweg (rot) und durch den Wald in den Gänsheideweg (nicht Gänsheidestraße) kurven.

Oder man fährt mit den Autos (blau), die vom Frauenkopf kommen, hinaus auf die Pischekstraße und radelt sie bis zum Abzweig in die Gänsheidestraße vor. Schön ist das nicht, vor allem, weil Radler hier mit völlig ungeklärten Übergängen vom Fußgänger- in den Fahrbahnbereich zu kämpfen haben.

Nein, das ist keine gute Strecke. Wenn Radspuren an großen Kreuzungen einfach enden und Wegweiser für Radler nicht erkennbar sind, nützt es alles nichts. So bekommen wir die Degerlocher nicht aufs Rad. 

Und merke: Nicht jeder Degerlocher will in den Stuttgarter Süden und nimmt deshalb die allen bekannte Alte Weinsteige! Manche wollen eben auch in den Stuttgarter Osten. Und nicht immer kann man durch den Wald radeln, auf keinen Fall nachts.

Lösungsvorschlag: Radstreifen als Sicherheitsstreifen über die Spinne und die Pischekstraße fortführen. Und: eine Linksabbiegespur für Radler über die Spinne in die Gänsheidestraße legen.

Jetzt habe ich unter meinen Blog-Leser/innen sicherlich einige, die sich auf dieser Strecke besser auskennen und einen besseren Vorschlag machen könne. Ich bin gespannt. In der Tat: Von Blogleser Dirk kommt der Track seines Wegs durch den Wald von Degerloch in die Stadt hinunter, aber das ist ein anderes Thema.


Kommentare:

  1. Wenn ich von der Spinne komme fahre ich an der Hauptstraße entlang Richtung Fernsehturm. Das ist anders nicht sinnvoll. Auf Höhe der Mertz Schule biege ich dann rechts in den Parkplatz,und weiter durch den Wald entlang der Olgahütte Richtung Melittastrasse. Entlang der Zacke komme ich dann in Degerloch am Albplatz raus. Der Weg im Wald hat keine besonderen Steigungen und ist sehr fest geschottert. Das geht notfalls sogar mit einem Rennrad. Ab Treckingrad ist der Untergrund komfortabel. Wenn ich den Weg mal wieder gefahren bin schicke ich den Track per Mail.

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    1. Genau so fahre ich auch - am Tag. Aber ich bin da mal um Mitternacht hochgeradelt, und da find ich schon den Gehweg entlang der Jahnstraße, der teilweise durch die Bäume führt, ziemlich unheimlich. Und ich habe mich beim ersten Mal, als ich wie du durch den Wald fuhr granatenäßig verfahren. 😊

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  2. „Lösungsvorschlag: Radstreifen als Sicherheitsstreifen über die Spinne und die Pischekstraße fortführen.“

    Bitte nicht! Dadurch würden die Überholabstände nicht größer, es würde nur Revierschutzverhalten Vorschub geleistet, und wenn dort mal kein Radfahrer unterwegs ist, was sogar der größte Zeitanteil sein dürfte, wird nur die Wut der Autofahrer geschürt, darüber, dass ein Fahrstreifen verschwendet wird. Die Autofahrer kochen schon jetzt vor Wut, wenn vor ihnen her ein Radfahrer im Stau auf dem rechten Fahrstreifen fährt, obwohl es ohne den Radfahrer auch nicht schneller ginge. Jedenfalls habe ich es schon so erlebt.

    „Und: eine Linksabbiegespur für Radler über die Spinne in die Gänsheidestraße legen.“

    Das Foto der Spinne aus der Vogelperspektive zeigt, dass auch Autos in die Gänsheidestraße einfahren. Dann sollten die linksabbiegenden Radfahrer den Linksabbiegefahrstreifen von der Planckstraße her benutzen. Ein eigener Linksabbiegestreifen für Radfahrer, der rechts von den Geradeaus‐ und Rechtsabbiegefahrstreifen für KFZ der Planckstraße beginnt, ist genau so schlecht, wie die Radstreifen in Bonn http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/radstreifen2a/ein_spaziergang_durch_bonn.htm , Bild 14, http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/radstreifen2a/images/14.jpg , weil er ja irgendwo die beiden KFZ‐Richtungsfahrstreifen kreuzen muss.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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