5. Juli 2014

Es geht ja doch .. und noch weiter - Neckarstraße

Entlang der Neckarstraße gibt es stadteinwärts einen neuen Sicherheitsstreifen für Radler. Aber nicht nur das. 

Praktisch über Nacht, ist die Verkehrsführung in der Einmündung Hackstraße in die Neckarstraße zugunsten der Radfahrer geändert worden.

Ich radle wie üblich vom SWR durch die Stöckachstraße auf die Hackstraße, die zur Neckarstraße führt, und sehe mich an der Aufstelllinie der Ampel plötzlich einem Radler-Abbiegepfeil gegenüber. Super!

An dieser Ampel habe ich mich sonst immer rechts der beiden Autospuren aufgestellt, um dann im Massenstart nach links zu rollen. Hier wollte fast nie jemand rechts abbiegen, sodass das unproblematisch war. Nur wurde ich dann beim Einbiegen in die Neckarstraße von den zweispurig fahrenden Autos gern ein bisschen an den Bordstein abgedrängt.

Das Problem ist entschärft. Autofahrer haben zum Linksabbiegen jetzt nur noch eine Spur. Die andere ist eine Rechtsabbiegespur. Und zwischen diesen beiden erscheint der Aufstellplatz für Radler, die nach links wollen.

"Das funktioniert niemals, wenn hier viele Autos unterwegs sind", dachte ich.

Wenn ich nämlich aus der Stöckachstraße kommend rechts an der Autoschlange entlang nach vorn fahren muss.

So sieht das aus, wenn man zur Hauptverkehrszeit in die Hackstraße einbiegt. Übrigens sah es so auch aus, als die Autos vorn noch in zwei Spuren links abbiegen konnten. Hier stehen sie immer, wenn viel los ist. Man radelt meistens über die Bushaltestelle und dann zwischen Autos und Bordstein nach vorn.

Und siehe da! Anders als erwartet, ist die Radspur gut sichtbar, und es stehen auch keine Autos darauf.

Rechtsabbieger sind hier sowieso selten. Also kann ich in der Tat auch bei Autostau ganz vor zu meiner Aufstellinie an der Ampel fahren. Das ist wirklich gut. Ich muss mich nicht mehr rechts an Autos entlang quetschen, die ganz dicht am Bordstein stehen und von der rechten Spur nach links starten wollen.  Radler haben hier erstmals Platz. 

Die Autos werden auch in der Folge links von mir von meinem Weg ferngehalten, und ich kann unbedrängt an der Staatsanwaltschaft entlang Richtung Stadtmitte weiter radeln. Das gefällt mir.

Interessanterweise beschweren sich nicht nur Autofahrer stets leidenschaftlich, wenn irgendwo eine neue Radspur, ein Sicherheitsstreifen oder gar ein Radweg auftaucht, sondern auch die Radfahrer, die an diesen Stellen bisher anders gefahren sind oder überhaupt keine Radspuren wollen.

Mir wäre es auch lieber, wir Radler würden einfach im Verkehr mitrollen (und zwar unbedrängt von Autofahrern), aber an dieser Stelle finde ich die Spur nützlich, weil sie Autofahrern klar macht, dass rechts von ihnen Platz für Radler freibleiben muss. Und er bleibt auch frei.

Die nach meinem ersten Post über die Neckarstraße kritisierte "Blutspur" also der rot markierte Spurenwechsel für Radler enthebt uns natürlich nicht der Verpflichtung, auf den hier Spuren wechselnden Autoverkehr zu achten. Sicherheitsspuren und Radspuren sind keine Wege, auf denen Radler blind für den sie umgebenden Autoverkehr langbrettern. Vorausschauen und Umgucken gilt auch für Radler, nicht nur für Autofahrer.

Es ist durchaus richtig, solchen Spuren skeptisch gegenüber zu stehen, aber immerhin befinden sie sich auf der Fahrbahn. Und sie zeigen Autofahrern, dass Radler unterwegs sind. Vielleicht regen sie auch den einen oder anderen Autofahrer, der im Stau steht, dazu an, selbst mal die Strecke mit dem Rad zu probieren.

Wirklich gefährlich für Radfahrer sind eher Radwege, die wie Gehwege parallel zur Fahrbahn verlaufen. Und zwar immer dann, wenn Radler eine Querstraße geradeaus überqueren wollen und ein Autofahrer gleichzeitig einbiegt. Die meisten Radlerunfälle sind Abbiegeunfälle an Radwegen. Autofahrer übersehen Radler und nehmen ihnen die Vorfahrt. Radwege sind gefährlich, Radspuren und Sicherheitsspuren weniger, am wenigsten Gefahr droht einem Radler, der im Autoverkehr auf Fahrbahnen mitrollt. Auch wenn die meisten Radler diese Situation subjektiv als am gefährlichsten empfinden.

Sichtbare Radspuren auf Fahrbahnen können den Radverkehr fördern. Und wer Rad fährt, ist nicht mit dem Auto unterwegs. Viele Radler entlasten den Autoverkehr. Deshalb ist es gut angelegtes Geld, etwas für Radfahrer zu tun.

Und hier noch ein Video der Fahrt an einem Nachmittag im September um 17 Uhr. Es ist fein, am Stau entlang zu fahren. Das direkte Linksabbiegen funktioniert. Nur ist die Spur dann zum Neckartor hin zu schmal und das Risiko sehr groß, in eine geöffnete Autotür zu rasseln. Die Autos lassen dem Radler nämlich keinen Platz, sich am linken Rand der Sicherheitsspur zu halten.


Kommentare:

  1. Lese ich das richtig? Du hast dich auf der Rechtsabbiegespur aufgestellt, um links abzubiegen? Und wunderst dich dann, wenn dich die Autofahrer abdrängen? Besser wäre gewesen, du hättest dich auf der rechten der zwei Linksabbiegerspuren mittig aufgestellt, dann wäre das nicht passiert.

    Das Problem mit Schutzstreifen wie in der Neckarstraße ist übrigens die zu geringe Breite. Radfahrern wird signalisiert, daß sie sich an den rechten Rand zu drücken haben, und durch die Gullis holpern müssen, Autofahrern wird signalisiert daß ein genügender SIcherheitsabstand beim Überholen unnötig ist. Ohne Schutzstreifen würde das nicht passieren. DAS ist der Grund warum Schutzstreifen so kritisiert werden. Ohne ist man einfach besser dran.

    Wenn schon Schutzstreifen, dann welche, die ihren Namen verdienen. Solche: http://presserad.wordpress.com/2014/07/07/ein-die-bezeichnung-verdienender-schutzstreifen/

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    1. Nein, Martin. Das war keine Rechtsabbiegespur, sondern eine Linksabbiegespur. Hier ging es zweispurig nach links. Und wer hier rechts abbiegen wollte, stand natürlich auch dort. Der zweispurige Schwung nach links zur Staatsanwaltschaft hat dazu geführt, dass Autofahrer ein Wettrennen fuhren, um dann einspurig vor die Staatsanwaltschaft zu fädeln, und dabei musste ich als Radlerin aufpassen, dass mich nicht einer an den Bordstein drängt. Übrigens ist der Schutzstreifen so eng nicht, er ist sogar breiter als in Stuttgart üblich. Und ich fürchte, ohne Schutzstreifen kriegen wir nicht mehr Radler auf die Straßen. Sie sind immer noch besser als Radwege.

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  2. Dann habe ich das: "An dieser Ampel habe ich mich sonst immer rechts der beiden Autospuren aufgestellt, um dann im Massenstart nach links zu rollen." falsch verstanden. Mich wundert trotzdem, daß du als Radfahrerin da nicht mithalten konntest. Als Radfahrer lässt man normalerweise jedes Auto stehen. Ein positiver Punkt für weniger Masse.

    Mir geht es um meine persönliche Sicherheit. Wenn durch Schutzstgreifen mehr Radfahrer unterwegs sind, mache ich eine Nutzenabwägung. Mehr Radfahrer bedeuten zwar mehr Sicherheit (Safety by numbers) für jeden einzelnen Radfahrer, aber das wiegt für mich die Gefährdung durch zu enges Überholen nicht auf. Dabei sehe ich schon daß der Schutzstreifen in der Neckarstraße zwar breiter ist als z.B. der Zabergäustraße. Aber was bringt mir das wenn ich immer noch mit Überholabständen rechnen muss, die einfach zu wenig sind? Nicht umsonst wird ein Abstand von 1,50m von den meisten Gerichten als notwendig erachtet. Und dabei muss ein Radfahrer nicht ganz rechts durch Gullis holpern oder gar in der Rinne fahren.

    Meiner Meinung nach gehört dieser Schutzstreifen dazu, warum besser keine Radförderung betrieben wird. Das ist nämlich Gefährdung von Verkehrsteilnehmern.

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    1. Na ja, man beschleunigt auf diesem Abbiegebogen nicht so, weil man erst mal Stadtbahnlinien überhoppeln muss. Und Autofahrer wissen oft nicht so genau, was rechts von ihnen radelt. Die Spur aber sehen sie, deren Linie beachten sie besser. Klar, zum Überholen eines Radlers ist es für den Radler eng, aber er darf ja den Sicherheitsstreifen verlassen. Und gucken, ob eine Auto von hinten kommt, wenn man einen Radler überholen will, musste man vorher ja auch. Ich sehe diese Schutz- und Radstreifen auch als problematisch an, aber schwerer wiegt für mich, dass auf Stuttgarts Straßen das Radfahren sichtbar gemacht werden muss ,damit mehr auf Räder umsteigen. (Dass viele ungeübtere Radler die routinierten Radler auch gefährden, steht auf einem weiteren Blatt.) Es ist ein Dilemma, und ich plädiere momentan für sichtbar Radzeichen auf so vielen Fahrbahnen wie möglich, damit die Radler von den Gehwegen runterkommen und mehr Leute den Eindruck haben, man könne ja doch in Stuttgart auch mal mit dem Rad am Stau vorbeifahren. Das kann man nämlich. Übrigens schaffen solche Radspuren auch Platz für Radler, um rechts an gestauten Autos nach vorn zur Ampel zu kommen. Sie können sich nicht mehr eng am Bordstein aufstellen, um Radler nicht vorbeizulassen.

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  3. Du hast hier eine Seite auf dem Blog: http://dasfahrradblog.blogspot.de/p/gefahrlicher-radweg.html
    Dort schreibst du selbst, dass Radwege und -spuren nicht sicher seien und Radfahrer auf die Fahrbahn gehören. Du verweist sogar auf Bernd Sluka.
    In deinen anderen Artikeln, zumindest häuft sich das in letzter Zeit, findest du Schutzstreifen ganz toll.
    Findest du nicht, du widersprichst dir hier selbst?
    Ich finde es schade, dass immer mehr Leute auf den Zug "Schutzstreifen sind super" aufspringen.
    Was macht den diese Schutzstreifen so toll, außer dass sich dann angeblich mehr Leute trauen auf der Fahrbahn zu fahren? Was übrigens überhaupt nicht bewiesen ist.

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    1. Lieber Martin, mein Blog und meine Einschätzungen haben sich weiter entwickelt. Auch ich bin dafür, dass Radler im Autoverkehr mit fahren, aber es funktioniert nicht. Viele Leute, die Radfahren können und vielleicht würden, aber dann doch lieber das Auto nehmen, erzählen mir immer, man könne in Stuttgart nicht Radfahren, die "Radwege seien immer nur ein paar Meter lang". Es weiß niemand, ob wirklich mehr Leute radeln, wenn sie Sicherheitsstreifen und Radstreifen sehen, aber ohne funktioniert es gar nicht. Dann fahren sie alle durch Parks und auf Fußwegen, dann lernen Autofahrer und Radler in Stuttgart nie, dass Radfahrer auf die Fahrbahn gehören. Ich halte es für eine (übrigens jahrelange) Übergangsphase für nötig, dass man Radzeichen auf die Fahrbahn malt. Für die Radler, die mit Fahrbahnradeln umgehen können, ändert sich ja nichts. Auf Sicherheitsstreifen müssen sie nicht fahren, und wenn der Radstreifen nicht in ihre Richtung geht, auch nicht, ansonsten würden sie ja genau dort fahren. Was ich nicht haben will und immer ablehne sind Radwege getrennt von Fahrbahnen. Unfälle gibt es nämlich fast ausschließlich auf Radwegen. Das ist momentan mein Standpunkt.

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    2. Liebe Christine,

      wieso sollte es nicht funktionieren? Es tut es doch schon längst, auf den allermeisten Straßen. Fahrzeuge gehören nunmal auf die Fahrbahn, und müssen nicht nach Fahrzeugart getrent werden. Es gibt ja auch keine extra LKW-Spuren, oder extra Motorradspuren.

      Und was Leute erzählen und wirklich tun sind zweierlei Dinge. Ich bin gegenüber solchen Aussagen wie "Ich würde ja mehr Rad fahren, wenn es Radwege/-streifen gäbe" gegenüber skeptisch. Sind solche Wege da, kommt die nächste Ausrede.

      Die einzige Möglichkeit, Leute zum Rad fahren zu bewegen ist Öffentlichkeitsarbeit. Das sind keine wie immer geartetetn Sonderwege, das sind Aufkläruzngskampagnen (auch bei Autofahrern!), Plakatierungen, Aktionen, usw. Speziell Plakatierungen haben in den 90ern in einer Stadt im Ruhrpott den Radverkehrsanteil erhöht. Ich glaube es war Gladbeck, bin mir aber nicht mehr sicher. Jedenfalls war es sinnvoller und auch noch billiger als z.B. solcher Irrsinn wie in der Waiblinger Straße.

      Aber in Stuttgart will man ja lieber Sonderwege, mit allen Nachteilen für die Sicherheit.

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  4. Zu MartinTriker 7. Juli 2014 09:38:

    Das Satellitenbild bei Google‐Maps zeigt noch, wie es war: Auffächerung in zwei Fahrstreifen, der linke zum Linksabbiegen und der rechte, etwas aufgeweitet, zum Links‐ und Rechtsabbiegen. Man konnte sich auf dem Fahrrad also auch zum Linksabbiegen rechts von den Linksabbiegern halten, solange man nicht rechts von den Rechtsabbiegern war. Zu empfehlen war es allerdings nicht, weil man sich nach der Kurve sowieso unter die Fahrzeuge auf den verbliebenen zwei Fahrstreifen einreihen musste.

    Hat schon 'mal jemand ausprobiert, ob man als Radfahrer den neuen Schutzstreifen unbehelligt ignorieren kann?

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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  5. „Radler haben hier erstmals Platz“.

    Warum nur bereitet mir der Gedanke Unbehagen, dass ich mich zum Linksabbiegen auch dann auf den Schutzstreifen begeben soll, wenn links von mir ein breiteres und längeres Fahrzeug wartet, dessen Fahrer in der Linkskurve dann weiter nach rechts ausholen muss, damit die Hinterachse, die ja die Kurve schneidet, der Linksabbiegerschlange auf dem linken Fahrstreifen nicht zu nahe kommt?

    Wirklich sicher ist nur, sich in die rechte Linksabbiegerschlange einzuordnen, nicht rechts daneben.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Wenn man vorn in der Radspur steht, wartet vor einem kein Laster, der ausschert, und Radler starten immer schneller als Autos. An der Stelle haben sich die meisten Radler ohnehin immer auf der der Linie zwischen den Spuren aufgestellt. Ich habe mich meist (und so mache ich das fast immer, wenn es eine Rechsabbiegerspur und eine Geradeausspur links daneben gibt) , vorn an der Haltelinie der Rechtsabbiegerspur aufgestellt und bin vor allen gestartet. Wenn sich hier die Autos früher zweispurig zum Linksabbiegen aufgestellt haben, kam man mit den Rad aber oft nicht mehr nach vorn durch. Jetzt kommt man aber nach vorn durch und steht vor allen Autos und startet vor ihnen. Also ich finde das sicherer und bequemer.

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  6. Nur kurz: was nun? Startet man als Radfahrer schneller als Autofahrer, oder an dieser Stelle doch nicht, weil da Schienen liegen (übrigens quer, nicht längs)?

    Friedhelm schrieb übrigens nicht, daß der Laster vor einem steht, sondern links von einem. Das verhindert dieser Radstrei8fen nicht.

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  7. Wäre eine bessere Möglichkeit, zurückzukehren zum vorigen Zustand ohne Schutzstreifen (d.h., zwei Fahrstreifen zum Linksabbiegen), aber dann mittig in den rechten Linksabbiegefahrstreifen einen Schutzstreifen zu markieren? Damit meine ich, dass der Schutzstreifen den Fahrstreifen nicht ganz ausfüllt, so dass der Fahrstreifen als Fahrstreifen auch für Autos sichtbar bleibt. Dann gilt: (Zeichen 340 Leitlinie): „Wer ein Fahrzeug führt, darf auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren. Der Radverkehr darf dabei nicht gefährdet werden.“ Wer mit dem Auto diesen rechten Linksabbiegefahrstreifen benutzen möchte, hat dann ja auch Bedarf, den darauf markierten Schutzstreifen zu überfahren. Dazu könnte man sich ein Hinweisschild vorstellen, das diese kombinierte Nutzung skizziert, auch wenn's nicht nötig ist.

    Damit kämen sich Radfahrer dann nicht zwischen Kraftfahrzeugschlangen eingezwängt vor.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Aber der Radler ist doch gar nicht eingeklemmt zwischen zwei Fahrspuren. Rechts biegt kaum jemand ab, die rechte Spur bleibt fast immer frei. Der Radler hat rechts von sich Platz. So wie im Bild ganz oben, sieht es da so gut wie immer aus. Denn die Rechtsabbiegespur beginnt erst ein paar Mater vor der Aufstelllinie. Hier funktioniert es zufällig wirklich gut. Besser als vorher.

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