15. Februar 2015

Eine wirklich gute Idee kommt unter die Räder - Hofener Straße

Wir mögen Autos nicht, wenn sie vor unseren Fenstern vorbeifahren, aber wir mögen sie sehr, wenn wir selber drinsitzen und bei anderen vor den Wohnzimmerfenstern vorbeifahren. 

Radfahrer mögen wir aber auch nicht, denn sie behindern den Autoverkehr oder sie stressen uns als Fußgänger. In Stuttgart drängt der Autoverkehr die Radler auf die Gehwege ab. Dort stören sie die Fußgänger. Will man das ändern, kommt sofort der Verdacht auf, die Stadt plane eine Maßnahme, die den Radverkehr unterstützt. Und schon ist das Geschrei groß. Dann sind wir wieder Autofanatiker ... aber gefälligst nicht durch die Straße, in der wir wohnen!

Das ist die paradoxe Situation mit der Sperrung der Hofener Straße samstagnachmittags und sonntags im Sommer.


Neckartstraße Samstagnachmittg. (Ein Radler auf
dem Gehweg.)
Die ganze Neckartalstraße in Münster ist zugeparkt. Jeder hat sein Auto vor der Tür stehen. Aber fremden Autoverkehr will man hier nicht haben, schon gar nicht den, der samstagnachmittags und sonntags nicht durch die Hofener Straße fahren kann. Vor allem nicht den am Samstagnachmittag.

Denn der Sonntagssperrung hat der Münsteraner Bezirksbeirat schließlich zugestimmt. Absurderweise gegen die Stimmen der Grünen, die für eine anderthalbtätige Sperrung am Wochenende waren, damit aber unterlagen. (Hier ein Artikel der Stuttgarter Zeitung.)

Die SPD ist umgekippt und wird im Verkehrsausschuss und im Gemeinderat nun wohl nur dem Vorschlag der Freien Wähler zustimmen: also einer Sonntagssperrung.

Denn: Stuttgarter Familien müssen am Samstag einkaufen gehen. (Sie müssen!) Radausflüge und Spaziergänge mit Kindern am Neckar entlang sind nur am Sonntag erwünscht. 

Mein Samstagnachmittag-Foto. Radler illegal auf dem
Gehweg, ein Auto illegal auf der gesperrten Straße.
Ich habe Fotos zugeschickt bekommen, die beweisen sollen, dass am Samstagnachmittag im Sommer sowieso keine Fußgänger und Radfahrer auf der Hofener Straße unterwegs sind. Ich fahre (radle) dort oft auch am Samstag, und sonntags scheinen auch mir da mehr Ausflügler unterwegs als an einem Samstagnachmittag. Aber was nicht ist, könnte ja kommen, wenn es schön ist, sich dort aufzuhalten. Es soll aber nicht schön werden.

Und wenn man danach ginge, wie viele Radler und Fußgänger hier unterwegs sind, müsste man die Hofener Straße sowieso vor allem unter der Woche sperren. Denn da ziehen viele Jogger, Spaziergänger und Radler (Berufspendler) hin und her, fast alle auf dem Gehweg, der zu schmal ist für diesen Verkehr.

Ich fordere meine Radlerkolleg/innen auf, mal die Möglichkeit in Betracht zu ziehen und zu testen, die Hofener Straße nur noch auf der Fahrbahn zu radeln. Die ist sowieso weniger holprig als der Gehweg. Und wir dürfen uns vom Autoverkehr nicht immer auf freigegebene Gehwege abdrängen lassen. Dort stressen wir nur die Fußgänger. Die müssen aber auch mal das Recht haben, ungestört vor sich hin zu spazieren, ohne vorn Radlern und Radlerklingeln erschreckt zu werden.

Und liebe Gemeinderäte von den bürgerlichen Familien- und Arbeiterparteien: Bei der Sperrung der Hofener Straße für Autos, geht es nicht in erster Linie um Radfahrer, sondern um Fußgänger. Es geht um Familien mit Kinderwagen, mit Kindern, um alte Menschen mit und ohne Rollatoren, um Wochenendentspannung auf dem Gehweg für diejenigen, für die er gedacht ist: Fußgänger. Um sie zu entlasten, wollte man die Radler auf die Fahrbahn schicken. Und damit die das auch tun, dachte man, eine Sperrung der Hofener Straße zwischen Weinbergen und Neckar für Autos von Samstag 14 Uhr an, sei eine ganz gute Idee.

Und wisst ihr was: Die Idee ist sogar sehr gut!


Kommentare:

  1. Wo gibt denn eigentlich Fahrrad Mode zu kaufen? Ich suche nach Genesis Fahrrad Mode, da ich die bis jetzt immer hatte, total zufrieden bin und nun gern Nachschub hätte :) Lg

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    1. Sehr geistreicher Beitrag. Vielen Dank........

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  2. Ich war bei der Informationsveranstaltung letzte Woche in Münster. Eine geballte Mehrheit der anwesenden Bürger hat sich gegen jede Sperrung der Hofener Straße ausgesprochen. Die Wortmeldungen strotzten nur so von Unwissen, Halbwissen, und nicht wissen wollen. Ein dB mehr Lärm soll der zehnfache Schallpegel sein. Und natürlich ist jedes Auto mehr in der Neckartalstraße ein Auto zu viel. Ohne Abzuwägen, was auf der anderen Seite für Vorteile entstehen.
    Die denken, die Hofener Straße ist, wenn sie für Autos gesperrt ist, ein isoliertes Stück Radweg, wo man mit dem Fahrrad schlecht hinkommt. Die wissen nicht, dass das ein Stück des Neckarradwegs ist, wo man rauskommt, wenn man auf dem Neckardamm langfährt. Die preisen den Radweg auf der anderen Seite an der Neckartalstraße als super Alternative an, und kommen nicht darauf, dass dieser schmale Radweg für beide Richtungen gar nicht den Ausflugsverkehr mit Kind und Kegel aufnehmen kann. So dicht an der Fahrbahn muss man höllisch aufpassen, dass keiner einen falschen Schlenker macht und vor einem Auto liegt. Genau wie auf dem Gehweg der Hofener Straße.
    Ich verstehe, dass die Münsterer nicht mehr Verkehrslärm wollen. Wollte ich auch nicht. Und es tut mir leid für die, die dort wohnen und selbst nicht Auto fahren. Aber welcher Münsterer am Wochenende mit seinem Auto an anderen Häusern vorbeifährt, braucht sich über solchen Lärm an seinem Haus nicht beschweren.
    Als Gangolf Stocker von der SöS den Vorschlag ins Spiel brachte, die Neckartalstraße am Wochenende auf 30 zu begrenzen oder zu sperren. Wurde er ausgelacht.

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  3. Ja, Robert, das ist das Problem. Der Weg am Neckar entlang ist der logische, den alle nehmen, wenn sie auf dem Neckardamm Richtung Hofen aus Cannstatt rausfahren. Und ich frage mich immer, warum man Radler eigentlich auf nur eine Straße bannen möchte (den Radweg Münster), wenn doch Autos auf allen Straßen fahren dürfen. Radler sollen immer Umwege und auch gern mal Steigungen in Kauf nehmen, die man Autofahrern nicht zumuten möchte. Wobei übrigens die Münsterer in den letztren Jahren eine drastische Beruhigung ihrer Straße bekommen haben. Und nun möchten sie davon nichts mehr abgeben, obgelich die meisten von ihnen zu einem Zeitpunkt in diese Wohnungen gezogen sind, als die Neckartalstraße noch sehr befahren war. Der Radweg dort ist teil der Verkehrsberuhigung dieser Straße. Er ist nicht wirklich für Radler gebaut worden, sondern um diese Straße einspurig zu machen. Das sieht man auch daran, dass die Fortführung über die Aubrücke nicht mehr radlergemäß ist. Es ist einfach nur ein Stück Radweg gewissermaßen ohne Anfang und Ende. Denn dorthin zu kommen ist ja auch nicht leicht. Man muss über die Reinhold-Maier-Brücke, demnächst auf einer Radspur auf der Fahrbahn. Da dürfen Kinder gar nicht radeln (bis 8 Jahre), so wie sie auch auf einem RAdweg nicht radeln dürfen. Die müssen auf den Gehweg. Insofern ist die Empfehlung für radelnde Familien mit kleinen Kindern sowieso falsch.
    Vielen Dank übrigens für den Bericht aus der Versammlung.

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