11. Mai 2015

Der Zebrastreifen und der Radfahrer

Damit das ganz klar ist: Radfahrer/innen müssen am Zebrastreifen Fußgängern Vorrang lassen. Das ist Gesetz. Allerdings müssen Radler tatsächlich nicht immer auch anhalten.

Ich habe bei einer Facebook-Diskussion mit diesem Satz, Radler müssen am Zebrastreifen anders als Autos nicht immer anhalten, bei nicht so erfahrenen Radlern (eigentlich eher Autofahrern) Entsetzen ausgelöst. Aber hier geht es nicht darum, dass Radler durchbrausen dürften. Dürfen sie nicht.

Es ist nur so, dass Radfahrer ja schmal und wendig sind. Wie man auf dem Foto oben sieht, ist eine Fußgängerin dabei, den Zebrastreifen zu überqueren. Ein Radler kommt. Die Fußgängerin hat gleich die Mitte erreicht, und der Radfahrer kann, ohne halten zu müssen, weiterfahren.

Das Auto, das sich gleichzeitig nähert, muss zum Stillstand abbremsen. Autos sind so breit, dass sie sich nicht hinter oder gar vor einem Fußgänger vorbeischlängeln können.



Links noch so eine Situation.

Der Fußgänger verfolgt unbeirrt seinen Weg. Ein Radler kommt und fährt hinter ihm vorbei. (Ein Auto hätte hier anhalten müssen.)

Ein Radler kann sogar vor einem Fußgänger über den Zebrastreifen fahren, ohne ihn zu behindern oder gar zu stoppen. Denn beide sind schmal, beider Tempo ist leicht einzuschätzen.

Der nächste Radler fährt ebenfalls hinter dem Fußgänger durch.

Das funktionier in der Regel völlig reibungslos. 

Grundsätzlich tun Fußgänger gut daran, unbeirrt ihren Weg fortzusetzen. Dann sind sich auch für Radfahrer leicht einzuschätzen. Schwierig wird es für alle Seiten, wenn der Fußgänger stehen bliebt, etwa weil er sich nicht über den Zebrastreifen traut und dem Radler misstraut.


Dann muss ein Radler, der die Regeln einhalten will, zum Stillstand abbremsen, bis der Fußgänger sich entschlossen hat zu gehen.

Das nennt man: unnötig Radler ausbremsen, und das machen auch Autofahrer gern mal. Siehe unten.

Autos sind breit und müssen immer halten. Sie brauchen allerdings auch keine Körperkraft, um danach wieder anzufahren. Das ist der Unterschied zu Radfahrern.

Deshalb muss ich auch immer den Kopf schütteln, wenn mich ein Auto erst mit großem Aufwand überholt, um  gleich darauf am Zebrastreifen (oder einer Kreuzung) anzuhalten. Manchmal komme ich rechts vorbei (was den Autofahrer dann wieder furchtbar aufregt) und bin dann weg, aber aber nicht selten bremst mich dann so ein Autofahrer mit der ganzen Breite seines Boliden auch zum Stillstand aus.

Und weil jetzt Vielen sofort Geschichten von rücksichtslosen Radlern einfallen, erzähle ich auch eine. Kürzlich berichtete mir ein Kollege aufgebracht, er habe einen Zebrastreifen überqueren wollen. Ein Radler habe ihn fast umgerempelt und auch noch furchtbar geschimpft, weil er der Meinung gewesen sei, er - der Fußgänger - hätte ihn doch nun wirklich durchlassen können und müssen. Ja, es gibt Radler, die an Zebrastreifen nicht vorausschauend und rücksichtsvoll fahren, so wie es Autofahrer gibt, die am Zebrastreifen nicht halten. Das sind aber nicht alle. Es ist sogar eine Minderheit, bei Autofahrern und Radlern gleichermaßen.

Kommentare:

  1. Auch als Autofahrer kann man einfach langsamer fahren, bis der gute Bürger seinen Zebrastreifen überquert hat. Mit etwas Geschick kommt es nicht zum Stillstand und man erspart sich das verbrauchsintensivere Anfahren. Warum es allerdings hier zum Streit kommt, ist mir ein Rätsel.

    AntwortenLöschen
  2. Mit dem letzten Absatz hast du jedoch genau den Grund genannt, weshalb manch ein Fußgänger "sich nicht über den Zebrastreifen traut und dem Radler misstraut". Wenn einem Radfahrer nicht angesehen werden kann, ob er die Situation richtig einschätzt und mit angemessenem Abstand am Fußgänger vorbei fährt, oder diesen vielleicht übersehen hat, ist dem Fußgänger doch nicht zu verübeln, wenn lieber stehen bleibt. Von daher finde ich deine Schilderung dazu, dass man auch noch schnell vor dem kreuzenden Fußgänger fahren kann, grenzwertig.
    Dieses "vorbeischlängeln" mag für den Radfahrer, der die Kontrolle hat, sehr ungefährlich wirken, der Fußgänger aber kann die Situation nur selten genau so einschätzen, da er ja nicht weiß, ob er jetzt wirklich gesehen wurde.

    AntwortenLöschen