25. November 2015

Pedelec fahren im Winter

Wer schon mit dem Pedelec durch einen Winter gefahren ist, hat gemerkt, dass der Akku Kälte nicht mag. Die Energiezufuhr nimmt ab, die Reichweite auch.

Batterien mögen keine Kälte. Also am besten, den Akku mit ins Büro oder abends mit in die warme Wohnung nehmen. Für einige Bosch-Akkus gibt es Neoprenschutzhüllen, was für alle interessant sein könnte, die eine lange Strecke mit dem Pedelec zur und von der Arbeit fahren. Anonsten kann man ja auch selber was basteln mit viel Neopren, Silberfolie und Klebeband.


Und hier die Winter-Tipps für alle Radler/nnen: 
Langsam fahren! Kurven können vereist sein. Wenn ihr bremst, schlittert euch das Rad weg. Beim Losfahren erst man den Boden testen. Merke: Wer es eilig hat, muss langsam tun. (Chinesisches Sprichwort). Lieber fünf Minuten zu spät ankommen, als mit gebrochenem Schlüsselbein im Krankenhaus landen. Auf glatter Straße sollte man nicht in Verlegenheit kommen, schnell zu bremsen. Eine Vollbremsung haut einen einen auf den Asphalt.

Licht an! Und am besten noch zusätzliche Reflektoren in Betrieb nehmen. Bei Schneeregen in der Morgen- oder Abenddämmerung sehen Autofahrer ohnehin wenig, alles glitzert und spiegelt. Ohne Licht fahren ist mehr als grenzwertig, auch weil man von radfahrenden Kollegen nicht gesehen wird. Also: Licht überprüfen (auch mal aufs Rücklicht schauen), was natürlich nur geht, wenn man vorher eine Beleuchtung erworben hat. Ohne Licht fahren ist viel gefährlicher für den Radler als es ihm vorkommt, wenn er auf dem Rad sitz. Er sieht alle, ihn sieht man definitiv nicht oder erst im letzten Moment.

Sattel niedriger einstellen! Denn wenn das Hinterrad weggrutscht, dann ist man schneller mit beiden Füßen auf dem Boden. Eine billige und ausgesprochen sinnvolle Maßnahme!

Pedale rutschfest machen! Das ist ohnehin sinnvoll, aber im Winter rutscht man auch mit Sohlen, die bei Trockenheit haften. Die meisten Pedale sind ziemlich rutschig. Stadtradpedale für Ledersohlen sind teuer. Einfacher Tipp: Für den Winter Sandpapier drumkleben oder mit starkem Gummi um das Pedal heften. Oder nach Griptape für Radpedale suchen und das kaufen.


Winterreifen aufziehen, Reifendruck verringern! Reifen sollten Profil haben. Wenn man den Reifendruck etwas verringert, dann ist die Auflage auf dem Asphalt größer, man hat mehr Grip. Es gibt auch Winderreifen mit Spikes. Die einen finden sie gut, die anderen weniger. Man kann es ja mal mit Spikes auf dem Vorderreifen probieren, denn wenn der weggrutscht, fliegt man, beim Hinterreifen kann man es oft noch abfangen.

Kette öfter ölen! Denn die wird nass und von Saltzwasser angegriffen.

Und statt Radweg (haben wir ja eh nur wenige) die Fahrbahn nutzen, denn Radwege und Radstreifen werden meistens schlechter oder gar nicht geräumt und gesäubert. Die Benutzungspflicht erlischt, wenn der Radweg oder die Radspur nicht befahrbar ist.

Kommentare:

  1. Für Pedelec Akkus gilt generell, dass sie gern in der warmen Wohnung aufgeladen werden. Unter 5°C mach ich das immer so. Und der Lebensdauer ist es zuträglich, wenn man versucht, den Akku zwischen 20 und 80% der Kapazität zu halten.

    Spikereifen gibt es mit 2 Reihen Spikes aussen am Reifen oder 4 Reihen. Mit 2 Reihen rollt der Reifen geräuschloser, die Spikes greifen nur beim bremsen und beim kurvenfahren.

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    1. @anonym: Das ist nur die halbe Weisheit für den Akku. Bevor er überhaupt nach dem Fahren in der Kälte aufgeladen wird, sollte er sich erwärmen über mindestens drei Stunden bei 20 Grad.

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  2. Mein Tipp bei glatten Straßen, egal ob wegen Eis und Schnee oder nassem Laub, ist vor allem mit der Vorderradbremse sehr vorsichtig zu sein. Bei guter Haftung hat man da die beste Bremswirkung. Wenn aber bei Glätte das Vorderrad mal blockiert, hält man den Sturz im Normalfall nicht mehr auf - dann geht es sehr schnell zu Boden! Ein driftendes Hinterrad dagegen ist meist unproblematisch.
    Ich mache mir bei schwierigen Bedingungen vor dem Losfahren immer noch einmal bewusst, auf welcher Seite meine Hinterradbremse ist, damit ich dann auch richtig reagiere, wenn es erforderlich ist.

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    1. Das stimmt nur bedingt, die beste Bremswirkung bei guter Haftung erzielt man mit der Vorderradbremse - im Idealfall halbiert sich der Bremsweg. Das Problem ist nur: Die meisten Radfahrer sind im Umgang mit der Vorderradbremse ungeübt, daher die berechtigte Angst "man könnte ja vorn über fallen". Ist auch logisch: wer meistens oder immer nur hinten bremst hat im Notfall nicht das entsprechende Gefühl für die vordere Bremse und zieht diese in den meisten Fällen dann zu stark an - und es kommt zum blockieren. Generell gilt: Immer beide Bremsen nutzen.

      In einem Punkt hast du jedoch Recht: Bei glatten Verhältnissen ist das Anbremsen mit der Hinterradbremse von Vorteil, trotzdem sollte man weiter beide Bremsen nutzen.

      Und: Die Hinterbremse beim Fahrrad ist quasi immer auf der rechten Seite (nicht links wie beim Motorrad).

      Mehr Weisheiten gibt's bei Sheldon Brown, einfach mal in Kombination mit "Front Brake" im Internet suchen.

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  3. Naja im Winter fahren macht einfach mehr Spass wenn man ein Liegedreirad fährt. Und von wegen Profil, das braucht man nur wenn Schnee liegt, bei Nässe rutscht ein schmaler Reifen genauso schnell wie ein breiter beim Fahrrad.

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    1. Richtig. Wenn die Autos ein schlecht eingestelltes Licht haben, die Scheiben von innen beschlagen sind oder die Autofahrer von außen nur Gucklöcher freikratzen, fährst Du mit Spaß noch Liegedreirad, damit Du noch schlechter zu sehen bist. Glückwunsch.
      Gute Entscheidung. Etwas suizidgefährdet?

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    2. Also ich werde seltenst übersehen. So etwas können nur Leute sagen die keine Ahnung haben. Und schonmal Kinder überfahren? Die sind nämlich schlechter zu sehen als ich.

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    3. Den beschriebenen Autofahrern ist egal, wen sie über den Haufen fahren. Die sehen weder Liegedreiräder noch Rennräder noch Pedelecs noch Lastenräder noch Fußgänger. Aber auf Victim Blaming verstehen die sich auch.

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