25. März 2017

Wo hauptsächlich Paragraf 1 der StVO gilt

Das sind Wege, die nicht zu den Autostraßen gehören und auch nicht Radwege oder Gehwege sind. Zum Beispiel Feldwege. Hier gilt Rechts vor Links. Ansonsten muss man aufeinander achten und einander ausweichen. 

Autos (meist nicht erlaubt) müssen mit angepasster Geschwindigkeit fahren. Radfahrende auch. Fußgänger müssen aber auch ausweichen und beiseite treten. Traktoren sollte man auch Platz machen. Das ist zumindest das, was ich zur Situation auf Feldwegen, die man auch Wirtschaftswege nennt, gefunden habe. Beispielsweise hier.


Das Augenmerk richte ich aber jetzt mal auf einen Abschnitt, den sehr viele Radfahrende in Stuttgart kennen, nämlich den Abschnitt zwischen Hofener Straße und der Aubrücke, bzw. Max-Eyth-See.

Ein Radweg führt die Wagrainstraße hinauf. Radwegweiser zeigen aber auch in diesen Weg, der vor allem am Wochenende von Ausflüglern zu Fuß und auf dem Fahrrad gern genutzt wird. Autos dürfen nur zu den Plarkplätzen des Ruderclubs und des Golf-Drives fahren (siehe rotes Schild mit Auto und Motorrad und Anlieger frei), weiter nicht. Für Radfahrende gilt diese Beschränkung nicht. Ohnehin dürfen Radfahrende auch auf einem Feldweg fahren, der für alle Fahrzeuge gesperrt ist, wenn dieser Weg Teil des ausgewiesenen Radwegnetzes eines Ortes ist (OLG Frankfurt 24 U 21/99, dazu übermorgen mehr).

Ich habe einmal eine richtige Brüllereie mitgekriegt zwischen einem langsamen und einem schnellen Radler. Der Langsame meinte, dies sei ein Fußgängerweg, hier müsse Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Aber so ist das auch nicht. Der gesunde Menschenverstand sagt: Hier sind so viele Fußgänger unterwegs, dass man langsam tun muss. Fußgänger dürfen allerdings den Weg auch nicht komplett versperren. Meistens - eigentlich fast immer - geht es hier allerdings sehr friedlich zu. Alle achten aufeinander. Soweit ich das herausfinden konnte, sind diese Wege echte Mischverkehrswege, wo man sich per Blick verständigt, wo man sich im Tempo zurückhält, aber auch beiseite tritt und durchwinkt.

Hier liegt auch der Ruderclub, in dem ich selber rudere. Und viele werden schon gesehen haben, dass die teils schweren Boote von der Bootsmannschaft über diesen Weg zum Steg hinunter getragen werden. Grundsätzlich warten wir Ruderer, wenn Fußgänger und Radfahrer kommen, und lassen sie durch. Mancher sportlich gesinnte Radfahrer aber hält auch mal an und winkt uns grinsend durch.

Dieser auf den Boden gemalte Warnhinweis hat natürlich keinerlei rechtsverbindliche Bedeutung. Er macht nur darauf aufmersam, dass hier seltsame Menschen mit seltsamen Spaten, die Ruderer Skulls nennen,  kreuzen, aber natürlich nicht Vorrang haben. Ähnlich wie das "Spielende Kinder"-Schild in Bauernhofdurchfahrten.

Am Sonntag den 2. April findet hier allerdings die große Regatta um die Cannstatter Kanne statt. Und da stehen dann ganz arg viele Zuschauet auf diesem Weg herum.


Kommentare:

  1. Na das ist doch mal ein schönes Beispiel der Stuttgarter Radwegplanung: hier zieht man Radlerverkehrsströme mit wochenendlichen Sommersonderaktionen von eigens gebauten Radwegen der anderen Neckarseite hierüber um die sie dann in schmale und damit meist auch problembehaftete Zonen zu schicken.
    Hier überlässt man sie dann eben dem §1 der StVO, frei nach dem Motto "Ihr schafft das schon, seid nett zueinander, auch wenn die Infrastruktur schon überlastet ist!" (Die nachfolgende Problemzonen, wie die gefühlte ~1m Unterführung der Aubrücke oder generell das Naherholungsgebiet des Max-Eyth-Sees sind ja nochmal ne ganz andere Diskussion).

    Das man sich nun dazu entschlossen hat, hier mit Piktogrammen (s.a. Mineralbäder/Grünes-U oder Ferdinand-Leitner-Steg, Fußgänger-(Zonen)-Abschnitte der Hauptradroute 1) auf ungewöhnliche Situationen und sie somit zu Brennpunkten macht, passt ja nur in die allgemeine Stuttgarter Planung Radrouten so zu erstellen wo es Platz hat und nicht wo es durchgängige sinnvoll ist und passt.

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    1. Hanz so ist esnicht. Das Piktogramm ist nicht städtisch, sondern mitGenehmigung vom Ruderclub gemalt. Und De Radweg auf der anderen aseite führt halt ein bisschen woanders hin. Er wird aber auchregegenutzt. Ich stehe auch auf demStandpunkt, dass Radlernicht nur einen, sondernviele Wege nutzen können soewie Autofahrer und Fußgänger.

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    2. Ob nun administrativ oder privat veranlasst ist ja hier egal, es bestand schlicht der Bedarf an dieser Stelle weiter auf mögliche Problem hinzuweisen, da sich aus dem bisherigen Weg nicht unbedingt vorhersagen lassen.
      Hier muss es sicherlich zu Konflikten gekommen sein, denn warum sonst investiert man die Zeit und das Material hier etwas hinzumalen.

      Ich meinte oben auch vielmehr die RadROUTENführung, man muss ja nicht die Verkehrsströme ungünstig zusammenführen und dann überall wo es knirscht etwas hinmalen...
      Radler können uns sollen sich ja überall auf vielfältigen Radwegen fortbewegen können. Man kann jedoch gewisse Wege etwas abwerten, indem man dort mal keine Route (und damit Verkehr) hinlegt und sich somit dort weniger Radler einfinden, was wiederum potentiell weniger Konflikte schafft, womit sich letztlich diese Stuttgarter Pinselei erübrigt.

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  2. 'Das Piktogramm ist nicht städtisch, sondern mit Genehmigung vom Ruderclub gemalt.' Wie ist das denn gemeint?
    Haben Sie, Christine, das dann da hingemalt oder dann doch die Stadt?
    Geht das Ruderclubgrundstück bis zum Neckar und es besteht ein Wegerecht der Stadt Stuttgart?

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  3. Die Regeln sind da eigentlich ziemlich eindeutig. Wenn da Zeichen 260 steht ist dahinter erst einmal eine ganz normale Straße auf der halt Kraftfahrzeuge nicht gestattet sind. Für andere Fahrzeuge heisst das Rechtsfahrgebot. Für Fussgänger, daß sie ausserorts hintereinander auf der linken Straßeseite zu gehen haben, innerorts dürfen sie sich die Strassenseite aussuchen. Für Radfahrer ist das wesentlich besser als ein Blauschild, bei dem Fussgänger laufen dürfen wo sie möchten und auch nicht weggeklingelt werden dürfen.

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    1. So einfach ist das dann doch nicht, finde ich. Feldwege sind meistens nur ein Auto breit. Insofern ist es völlig egal, wo Fußgänger gehen. Das Linksgehen auf Landstraßen ist ja deshalb geboten, weil man dann die Autos auf der eigenen Straßen Seite sich selbst entgegenkommen sieht. Bei Feldwegen fällt dieser Vorteil weg. Autos passieren Fußgänger in jedem Fall knapp, mal von hinten, mal von vorn. Und im Gänsemarsch gehen Leute auf Feldwegen natürlich nicht. Die werden als Spazierwege genutzt und es wäre absurd, wenn man sich auf ihnen verhielte wie auf einer Landstraße. Allerdings könnte man die Auffassung vertreten, dass Radler diese Wirtschaftwege, die für sie freigegeben sind, befahren dürfen wie eine Landstraße, also Fußgänger wegklingeln.

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  4. Da komme ich 2x am Tag vorbei. Ich finde es positiv, dass die Stadt dem Ruderclub die Bodenmalerei erlaubt hat. Es gibt Zeiten, da ist dort insgesamt relativ wenig los und man fährt zügig. Mit einzelnen Ruderer kann es dann gefährlich werden, aber fast alle tragen ihr Boot quer (also in Längsrichtung zum Weg), sodass die Sperre nur kurz ist und der Ruderer auch den Weg gut einsieht. Der Club wollte m.W. auch mal eine Umlaufsperre, um die schnellen Inliner und Radfahrer auszubremsen. Das wurde ihm verwehrt. Aus meiner Sicht hätte er's sogar eher verdient als der Motorsportbootverein auf der anderen Seite des Max-Eyth-Sees.

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    1. Ich finde, dass es da nie Konflikte gibt. Wir Ruderer achten sehr suf Radler. Und die sind uns auch nie böse, wenn sie doch mal bremsen müssen. Allerdings springen da auch manchmal viele Kinder herum.

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  5. Liebe Christine, ich stimme absolut zu. Wenn ihr Ruderer zu mehreren seid, passt immer mindestens einer gesondert auf und ihr habt Lücken in den niedrigen Hecken um passend durchlaufen zu können usw...
    Wäre toll, wenn alle Verkehrsteilnehmer so aufmerksam wären. Ich hatte in 8 Jahren nur ein einziges Mal eine Schrecksekunde, als plötzlich auf Kopfhöhe ein spitzer Bug auftauchte (ein Ruderer hat sein Boot über Kopf in Gehrichtung getragen und den Weg gequert).

    Lies' meinen Kommentar so, dass auch die Umlaufsperre beim Segel-/Sportbootverein weg sollte. Für alle Sonderradfahrer (Tandems, Anhänger, Dreirad, Transportrad, ...) und unsichere Radfahrer sind die eine fiese Hürde.

    "Interessant" sind eher die Autofahrer in dem Bereich vom Ruderclub. Die beschäftigen sich erkennbar hauptsächlich mit den Parkmöglichkeiten. Völlig unangemessen und absurd fand ich den Reisebus, der auf dem Weg zwischen Ruderclub und Golfplatz herumgegurkt ist. An dem war wirklich sehr schwer vorbeizukommen.

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    1. Natürlich habe ich auch schon gewartet. Ihr wuchtet da ziemlich unhandliche Teile umher...

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